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Freies Blatt · 1895-05-12 · 162 (12.5.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
162 (12.5.1895)
Date
1895-05-12
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 162. Freie» ö 1 a 11. gedungen sein sollte», ihn durch Lärmen nicht zu Worte komine» ,u lasse» Ta sich durch die Bewei«ausuahme herauSstellle, daß nicht die Angeklagte», die alle mit Eiutrittskartcu versehen wäre», den ruhestörende» Lärm verursacht > halten, und daß Lenß dieselben gar nicht ausgefordert halte, den Saal zu verlasieu, wurden alle Angeklagte» sreigesprochen. Aus antisemitischen Blättern. ((yilte Zurechtweisung.) Ta« offenbar au« geschästlichcu Rücksichiei, be! obachiete Verfahre» der „Ostdeutschen Rundschau", welche während der j lUemcindewahlen vor Lueger Kratzsüße machte, crsährt im Roicnauer | ."tonitfur vom 1. Wonnemonat eine Zurechtweisung. 3», „Briefkasten" werde»; mehrere Anfrage»", die sich zu gelegener Zeit eingestellt habe», wie folgt dej antwortet: „Für die Haltung de« genannte» Blatte« vor »nd nach den 'Wiener 6>>i»cindeiathSwahleu ist die deutsch nationale Partei nicht verantwortlich. Da« in einfach die persönliche Meinung de« Herausgeber«. Ta» einzige erklärte Organ der. Deutsch-Nationalen unter Führung Schönerer'« sind die .Unverfälschten Deutschen Worte. Wer bezüglich der Haltung der Partei j stet» im Klaren sein will, muß also unbedingt die .Unverfälschten Deulscheu! Worte' genau lesen." Armer K. H. Wolf!! «Wer trägt dir Schuld'?) E« ist eine ganz alle Geschichte, daß die ,>i:dcn und die Presse an allein Unheil in der Welt, schuld sind. 3m Mittelalter ii ar c« eine mir von den größten Dummköpseii verkannte Thaliache, daß die .luden den „schwarzen Tod" und die Pest verschuldelen; und vor einigen Wochen kam e» an» Tageslicht, daß da« Dogma von der Unsehlbarkeii de« Papste« auch nur da« Product 1*8 jüdischen Geiste« sei. Ganz ähnlich erging c« zu allen Zeiten der bösen Presse, diesem Kinde der „schwarzen Kunst". Erdbeben und Pestilenz wurden vor noch nicht allzulanger Zeit al« eine Strafe de« Himiuels wegen der Verderbtheit der „Lotterpreffe" erklärt. Man darf sich daher nicht wundern, daß der Niedergang der liberalen Partei jetzt auch der Preste und den Juden in die Schuhe geschoben wird. Ein Wiener Bezirlsblatt, welche« sich liberal nennt, machte neulich i» einem Leitartikel für de» schlechte» Ausfall der letzten Wiener GemeinderathSwahle» niemand Andere» al« hie liberale TageSpresse verantworllich. ^Dcr „liberale" Publicist' »lolivirt seine Anklage damit, daß „diese Blätter inSgesanimt, wa« unsere innere Politik betrifft, in einer Weise geführt t»id gewacht werde», welche dem Wiener Publicum da» Leien dieser Zeitungen verleidet, so daß die Wiener liberale TageSpresse in noliiiieher Beziehung nicht de» geringste» Einfluß mehr ans die Beroiterung hat. Tie Wiener liberale Tagespreise hat nicht« mehr vor Augen al» den Antisemitismus; jede austauchende Frage, d > e Regierung, jeder ZlaatSmann. jede« eintretende Ereigniß — sie alle werde» »ur mehr vom Standpunkte de» Anti iti«»,n« au« beurtheilt, e« wird nur mehr gcfragt7 tuie iich der Alttifemi tiSmuS dazu verhält, o'b er nicht - dahi » icr steckt oder inwieweit er damit zu thun hat! E» ist ja begreiflich, daß der .'iniisemitiSiiiu« diejenigen, gegen welche er gerichtet ist, unruhig und gereizt macht: e« ist schwer für die Betrofsenen, bei de» brutaleii Ängrisic» de« Aitti- .»»lisinnS ruhig Blut z* behalten. .Aber da« gioßc Publicum, welche» sich ciueipeit» nicht vom AiitiscmitiSuius in« Schlepptau nehincu läßt, will auch indeiseil« nicht fortgesetzt von der Nervosität behelligt werde», welche die jüdiühcn Mitbürger ersaßt hat. Tie Wiener liberale TageSpresse iiekt zeirweilig i» politischer, zuweilen auch in anderer Beziehung gerade so au«, al« ob sie nur von Juden fiir Juden geschrieben m äre. Daher kommt es, daß die sonst gut gemachte», i» vielen Stücken sogar »br gut gemachte» liberale» Blätter zwar geleseü werden, daß sic aber g a r keine» politischen Einfluß mehr aus den größten TKeil der Bevölkerung ansübe»." Wir würden von dieser Enunciation mit Rücksicht aus de» Ort, j wo sie erschiene» ist, keine Notiz nehmen, wenn wir nicht in der Lage wären s ,.i constalire», daß dieser Artikel den Beifall maßgebender Per j onen der liberalen Partei gesunden hat und von dieser der ] Provinzpresse zum Nachdrucke empsohlen wurde. Unter solchen llinständen, meinen wir, braucht die liberale Partei nicht weit zu suchen, wer ie Schuld an ihrem Niedergange trägt. lAntisemitische Wisienschastsgrößkll.s 3n einem anlisemiiischen Blatte wurde neulich dein arischen Publicum zu Gemüthe gesührt, e« möge sich doch nicht von den Juden mit künstlich aufpoussirteu WiffenschaslSgiößeu n In Alexander v. Humboldt und Helmholtz betrügen lasse». Wa» habe denn A. von Humboldt geleistet? Ein biScheu Pflanzengeographie und ein paar Reijcheichreibungen.-Dafür wird aber der Antisemitismus eine Umwälzung der Geister bewirken, die Wisienschaslsgrößen ersten Range« zeitigt, Männer, die weder in der Pflanzengeographie »och in Reisebeschreibungen etwa« leisten, aber in puneto Racensrage die Erfindungsgabe eine« Edison Ubertreflen. In demselben Blatte, in welchem letzthin A. v. Humboldt hingerichlet wurde, trat einige Tagt später ein vr. meci. E- B. mit einer ganz ileueii Lösung der socialen Frage auf dem Wege der Racenscheidung auf. Die moderne WisseuschaslSgröße hat nämlich die Entdeckung gemacht, daß die„ Jude» zu Reflex, krämpfeii, zur Hysterie und Paralyie »eigen. Deshalb schlägt er vor: „Ter nächste und beste Weg zur Bcieiiignug der heir-chciideu Uebelstände und Tist'o lianze» laim nur die Bildiing einer neuen Partei der ireicn deutschen Arbeiter sein, ivclche — bei grundsätzlicher Fernhaltung aller z-n Tlieslex krämpfeii neigenden Elemente — die von jüdischer Gcsinuiuig uud „u heilbarem geistigen Kranksein bisher »och nicht aiigefresieucii deut'chen Männer vereinigt." Ta» übertrissk »och die Melbode jene« Aiitiseiiiiieii, der beim Pautosielkusie die Race Pio Nouo'S niiilelst des Geruchssinne» unlerichied. Wie weit die Neuorganisation der Gehirne durch den AntiieiniriSmuS schon gediehen ist, davo.ii macht inan sich gar keine BarsreUung Tie anri'cmiriiche» Wistenichaslsgrößen sprießen »ur io au» dein Boden. 3» dem schon iiirhitach erwähnten Blatte —wir spreche» von Ahlwardt's „De nt schein Bol/rzchi" — debntirie in» die gleiche Zeit der Tükriiigianer E. Keil als Elhuvijiapk und' Antbropotog mit einer ganz neuen Enldcckuiig. Er schrieb: „Gehoien die Juden zur Race der sogenaniiteii Kantasier oder zu deijeuigen der Mongolen? Ich entscheide mich für da« lcptere an« Gründen, bieder racenmäßigen Eulkurgeichichte eulnommen sind. 'Rur sind sogar die ühincie» uud vollends gar die Japaner himmelhoch über die semitischen Juden z» stellen." Ja, die a»li - semitischen WiflenschastSgrößeü sind Gottlob über Humboldt'» „bischen Pflanzengeographie und Reisebcschrcibungeii" hinaus: auch vvu-kem „bischcifl' Anthropologie, .die Mougoleu lind Semiten zu zwei gruiidverschiedenen Racen macht, lasten sie sich nicht geniren. Ant'iemiltn geniren sich überhaupt vor^gar nicht». t 2rtilcrtitc Geschäfte. Tie in T re » de » erscheinende anli>e»iilischc „Deutsche Bcklkswacht", -da« Organ einer Actiengejellichaks, deren 'Direktor der Abgeordnete Z i in in et m a n n ist, schließ, nach dem in der „Denlscheii BolkSwacht" veiöstenilichteii Jahresbericht mit einem Verlust non!>6 68!> Marl ab. Da« Actieucapital benägl 17'.' Gilt Mark. Tie Geicllschasl macht schlechte Geschäfte, de», Director aber geht e» ganz gut. Freilich »och besser erginge e« ihm, wenn auch in DreSde», wie bei n»S, die „jüdischen" Bankinstitute antisemitische Blätter so sürsorglich-durch .Jnserlion-kpatstchalic» unterstützen würden. l Lügen habe» klirzc Beine. Durch verschiedene aiitisemilische Zeitunge» ging letzter Zeit eine-^Roliz de« Inhalte», die >ocial>dei»okialiicheu Mitglieder der Stadtverordlikleiiversaminlung von Leipzig, welche sich gegnr-alle Beiträge für kirchliche Zwecke erklärten, seien bereit gewesen, der jüdischen Gemeinde 600 Maik zu zahlen Die vier Social.Demölratcii haben aber in Wahiben jeden Betrag für kirchliche Zwecke übeibaupl abgelehnt, uud bei der Abstinmiitiig j über die Zuwendung au die jüdische Gemcigde voiirie» mit ihnen außerdem j noch sechs Antiieiiiileii dagegen. O. diese verlogene „Judeiipicste"! t Selbstkritik. > 3» de» „Deutsch-sociale,, Blätter»" Iheilt Lieberiiianli v. Sounenbcrg einem sichere» W. Schäker nn „Brieslasten" Folgende» mit: „Der gcsoiderie Betrag von I Ml. ->» Pf. dient zur Deckung de« Porto« und der VcrpackiiugSlosten. Lic'erten wir die Sache,, ganz unentgeltlich, io dürfte» sich leicht Leutcheü linde», die.>ich die Nufumern inas'tiihakl loiniue» ließe» und aus gewissen Orte» verwende» würde,,.:' Hm, Liebermaiin v. Sonncnbcig muß doch die O-ualitäieu seine» 'Blaue« reime u. Feuilleton. A n ' A ctö t tut 6 "33 ci n n. Hornau aus Polens Oovjcit . .von (Curl Kriol. u »todvyuii.i.; S c ch st c« (5 ä p i t e l. Da« war ein Festtag, ci» Tag de« Jubcl« und der auSjchwciscnden Freude für da« Volk, da« da hcrbcigeslrönit war von Nah und fern, von weit und breit nach OSncfcn in die ,-Krönnng«sladt! In den Straße», auf den Plätzen der Stadt wogte eine nnübcrschbare Mcnschennicnge auf und ab. Da sah man geschäftige Polen eifrig da« große Ereigniß de« Tages besprechen, da schritte» ernst und schweigsam stämmige Russen, da waren Rumänen und Knmäncn, Tschechen und Moravcr von ihrer Heimat hcrbcigekonimen, da zogen die heidnischen Litlhaucr in ihrer wild barbarischen Tracht die Ansmcrksamkcit Aller ans sich. Hie und da erblickte man auch hochgewachscne Schlesier, deren finsterer Ernst gar seltsam abstach gegen die ausgelassene Freude der Anderen, denn nur ungern ertrugen die Schlesier das Joch, da« Polens Fürst ihnen auferlcgt halte. So waren denn an« allen Ländern, die Boleslav Smialn beherrschte, seine Unterthanen herbeigezogen, um dem großen Acte bei-

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