Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 162 (12.5.1895)
- Date
- 1895-05-12
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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'.HÜflCtnimVitcid schrcibk uno cm ,unin& iiutcvco; Vlm -> d. M. hcsticg ich in Göding den »ach Preräii fachende» Zug. 2'cii» Eintritt in den Waggon musterten mich drei Herren ans Wien, und der eine derselhen vier: „Schon wieder ein JndB" „l^ewiner niafjen," crwiderlc ich, „haben Sic Recht: ich Ivi«i ei» Anhänger des ,i„den EhiistuS lind der elf Apostel!" „2>öas," fd)iten die drei Herren mich unisono. an, „ Sie wolle» ein .Ehrist iein und n.'i>'-n »icht, das; cs zwölf Apostel gab?" „Jawohl," eiilgcgncic ich ruhigen Lautes, „cs gab elf jüdische Apostel, ker zivöl'le wird ron mir »ich! -;,,hlt; den» der war — Antiicniil " „Was meine» Sie damit?" sichte» midi die drei Herren an „Einfach dies: Wie fcndas ..'diarioih Ehristum verrailicn bat, jo velralhen die Aniiiemiien lag - .;!tch Ehristum, indem sie das t^ebot der Rachsienliebe mit iliren ....mven 'Mänlern zu besudeln lrachlcn " Also sprach ich nnd verlies; - „nqasiliche, Eonp>^ (fill niltilCUlitijdlCr .VifUtnVlflU. 'Wie bekannt, wurde vor einiger ■}cir der beriichtiglc christlich-soeialc Agitator I'. Siojalowsti in. 7 -che» zu vier Monaten Arrests vcrnrthcilt. Sie Skaalsanwallichaii : g: - Beriisnng gegen das geringe Strafausmaß ein, und das Brunner ■ Seerlandcsgerichk erhöhte die Strafe auf sieben Monate. Run soll Zieialowski in äiürze vor dem Bezirksgericht in Mistet wegen Be. ieidignng des t^erichtSprnsidiumS in Tcfchcn angeklagt weiden. Bis er« batte er 22 'Inoccik, davon endeten Hl mit feiner Be> ni idei l >! n g. JuSgesamint wurde er zu I I Monate» und f> Tagen i'.nignis; sowie zu einer Geldstrafe von 141f> fl. vcrurlheill, Tavon -.ablie er baar fl., für 7->> > fl mußte er Arrcslstrase bitßcn. ,ver:ieL büßte er bis jtpt eine Unlerfuchungshast von ',itiaiitim'ii j , Monaten ab. Der bevorsteliende Proocß in 'l'fiftcf ist .der 2'.), •iio fehlt wenig ',iuii 'J-> Broeeß— jnbiläni». (yrcfiie ill 5ni|l)lljd). Das gali',ifchc Städtchen Saitbnich -,eichn.r -iü, >eil jeher durch große Jiidenfcindlichkeit ans, und so oft dort ein?>ni, sich niederlasscn will, kommt cs;n Ausschrcituiigc». Auch dieser- 7age war Saphnsch der Schanplav von Ereesfen, als ein jüditcher A'evoeatursbeamter dort eine Wohnung bezogen hatte. Pöhelhanfen stur»ilen daS Haus, in welchem der finde wohnte, und zerstörten dessen .Eni'.ichlnngSgegcnstände. Zur Herstellung der llcnhe mußte Milita-r nanirirt werden: eine Anzahl von Personen wurde verhaftet. Der erste »nbesoldttc jiiüisdic Aliscnltant.) Man fchrcilu „ns: - W. 'änderbar ist cs, eine ganz einfache Geschichte als Sclisamkcii zählen zu müffen, die.Geschichte von einem Unrecht, daS zur Ah dislung einmal, nicht begangen wurde, wozu cs aber in nnfcrcm -'iechisstaate noch einer obentcucl-liche» Borgcschichte bedurfte. Man bare und staune! Seit dem Bestände unseres auf die Abwehr der d.-strueliven Parteien gerichteten EoalitionSininisterinmS ist znni erste» male ein finde zum unbesoldeten Ansenltantcn ernannt worden.. Dies d vlwürdigc Ercigniß vollzog sich weitab dahinten im nebelhaften lCsten. IM ierncn Ezernowip, aber doch noch in Dostcrreich. Dr Salo Bä - > g c l be rg er heißt daS Sonntagskind, das uns vielleicht der e!steil Schwalbe gleich den nahenden Frühling velkündet, der ja auch van politische» Hellsehern seit langem prognosticirt wird, nachdem alle Bolker unseres lieben Baterlandcs so gründlich verschnupft lind. Bor achl Monaten wurde selbiger ' Dr. Weißelbcrgcr präterirt. weil er schon acht Tage nach seiner Geburt den Beweis für seine Ilnverwendl'arteit in der Rechtsprechung gegeben. Angesichts der vorzüglichen S.ualisication des prätcrirteu College» guittirtcn sammtliche Rechts rraklikantcn den Staatsdienst, nnd die arme Thcmiö lief Gefahr, ihrer Edelknaben jsm lieben Ezcrnowitz verlustig zu werden. Ta legte sich M- Herr Gerichtspräsident Wessely ins Mittel und beschwichtigte die erregten Gemüther durch die Zusage, daß er alle seine Kräfte ei»- ieveir werde, für die Zukunft solche Lorkommnisie zu verhüten. Er hielt Wort, und durch die Gerechtigkeitsliebe eines Mannes ilt eine Bresche geschossen in die Mauer, die BorurtHeile errichtet, um den Bruder vom Bruder zu trennen. (versuchter Mißbrauch deö Bcrichtigungsrcchtcs.) Zu den amiiemitischen Specialitäten gehört auch der Mißbrauch des BerichtigungSicchtcS. Einem dieser BerichtigungSkünstlcr wurde nun der Spaß gründlich verdorben. Der antisemitische Major z. D. v. Hagen in Weimar hatte im September vorigen JahrcS ini dortigen Gewerbcverein die Aeußerung gethan, daß den Juden durch das sogenannte Koltkidre-Gebet, beziehungsweise den Talmud die reaervzltio inaiitnlis, zu deutsch „Meineid", gegenüber Andersgläubigen gestattet sei, und hatte sich hiefür auf die Professoren Rohling und Delitzsch berufen. DaS „Berliner Tageblatt" hatte dem gegenüber bemerkt, daß der Major den Delitzsch nicht selbst gelesen oder wenigstens nicht verstanden haben dürfte, da im Delitzsch gerade das Gegentheil nachgewiesen werde, waS Herr v. Hagen behauptet. Herr v. Hagen sandte in Folge besten eine ganze Reihe von Berichtigungen auf Grund deS 8 l I drS Preßgesetzes dnxchichmitttch ist.» ,i.iri .W.'.h.n. Rcdaetion an. in denen er!>eh>uvdaß e: de:> 7!i fdi , - : habe Berichtigungen. -die twnivUJi »:du '.'...i' i.oinTi:n w.nd ».. . Herr p. Hagen strengte nunm»! r das Berichnckti...; ang-' et'i!> ' gegen das Blatt - au. Tieie: 7age sta.:d in ded- Angelcg-.-nli.'il gegen den veraiinoorilidi.il Redae:eui d.s. po'.ui'el,-» 7b >!-S des „Beilin-'r a ageblalles" - 7ttnun vor dem Berliner 7eliöüeligerieliv e>n.' nnd ldie . Bcrhandlnng endete damit, daß die Staaisanivaii'lhas: selbst die .Fmi - . iprechnng des Ang-.llagten beantragte, .-da die B 'i'-hügun.^ des Herr» v. Hage» - eben lerne Belichttg»:' I -.!, d.s ä l l des hi eß ' gstetzks 'ei. 7er t^erielu-'-l;."'!: lannle aneli in ll>!'.'.-einsti,n:»»»:g '..ul dem Anträge des Siaai^-iniva!:.-. d--n iid) ,'t 'äste Ni.idiig: e'ieelns aitUKilt ,M oft, mit eingehenddr Molivirnug avsihloß, aro' -»v v ■: i v p; ■. di ii » g. Tic Hnicinlmratioii im W nitijclncüictc. i A ns Bö a r' eh -a ii wird nns geschrieben: Mit ^-:'.i 7 oo.- >> raiiogeber s des halb amtlichen „ Wai'chawsli! T lu-iiur! - b.- iv.iai b.kannic „ Wie wol'äl •V v o st o iu s fii, ha: vieles einzig: ■ vu’t'i Ciiiiut ::n B. .'eidiielc (e hi eie aiiiqchö'.t, cin Sprachrohr der I i n r l - n' ■f;» icm. Tie'.-i Tage brachte der .. Tuewnil" einen A: ::lel. w:' die: nItter den Warsdialier Aniiieiiiileii große Iliizufiiedeiiheik liei-vor \ ii . da er den b-h.inplnngen der Judeuic .'inhf, die Juö'en. leien :ltl:- VI; ivk'iil ler. und bringe! Allgenieinhe ii keinen Riiven. enicii ein'p'ind! idl'lt Schlag v eri-evie ^.n .Weicchielgebiete, beridueic das oi'iciöfe v -4' u,! i". en I id en die >i ti' : .sabriealioii nad) schweizeriicheni '.'Ji nster ins LJ.'en gei ii'en lüld d. eh and) der christlichen Bevölkerung neue .Eriverbsauelleu ei!di>o''e!i - Sre habcn im Vnbliner «'st'ui'ei„einer.( mel,nadle >iastiabu!e„ .-erndii.:, wcld>e de» Baiser» rahlieidier Tör'er 'fiir Milch gute 'l;ui'c vililcii und viele christliche Arbeiter beidiakiigeu, weldie hohe '.'ohne berieben. Tie Kaie selbst seien so guter 'C~.imlir.it, daß üe in S.deisa nnd anderen -Städten Sndrns;lund--> reißenden Absap stnde» >Tas qenani ie Blatt tonnte übrigens nod> viele andere tstödneiion.'',weige ansnbren. in denen die finden des Weidi'elgebietes eine fir das tist-meinivölr ttiinlidie Thätigkeit entwideln. ' - Grus Alrici ^ginilicw und dir Ziivcii. Man iehreibr uns ans >t iew: Tie Etittührnng des.neuen Baß llstaw i>( elingland Ini , einigen jndcnseiiidlidieii l^onverneuren ezne neue Handhabe geboten, nm die Jude» -,n dueaniren. Insbesondere hat sich da der t^eneral Gouverneur von >iiew, (''reif Alerei fignalicw, ansgest-idinel Er irai die Berfügnug, daß Juden, weld>e in ge>d)ä'tlid>eu Angelegenheit-n hieher tommen, 'nebst dem vorge'dgiebenen Reii'epaß noch eine B. scheivigung, der zuständigen Trisbehörde vorlegen mü'sen, in iveldier dcr Zweck der Reiie lind die Tauer des AusenlhalteS klar präeinrt werden sollen. Tie v risbehörden jedod) veriveiganen in Ermangelung einer diesberüglichen,Weiinng ans Petersburg die Ausstellung ioldier - Besdieinigungc», so daß den Inden in Folge dessen jedweder ^»lull; imd) Wiciu unmöglid) gemacht wurde. Mil dieser Sachlage wollte stch i aber die gtiewer Handelsbörse nidit besreiindcn. Sie wurde nämlid) von hiesigen d)ristlid>e» an>lenke,, und Holelbcsipern mit.Beiilionen um Aushebung des gegen die Juden ans Uniivegc» erlasteucu Einriilsvcrbotcö bestürmt, in dcucn die Rachlheilc gci'd>ildert wurden, weld>e die Kiewer Gcsd>Sftewelt dadnrd) erleidet. Die Handclsbör'e gnachte deshalb beim Grafen Jgualicw cnergisdie Borstellungen, und dieser ial>» stch aud> beuiüssigt, seine Beifügung rückgängig »lachen. Aus aiitifcinitifd?CTi roremon und Tor fammlunaon. ^Tik wahren Judcii. r Ter bekanine Hevvsarrer von Weinhans de nilpr auch heuer daS Fest des .»iii-cheiipairons, „m die ihm;u Lecs>org;ivecte,i anverlraule Äanzel zu einer achilägige» Eampagne gegen da« Judemhnm zu inistbrauchen. Am k». Mai erönnele Plärrer Teckeßl leinen Cigins über den Text: „Tie Inden lind eine Race". 'Wiewohl Plärrer Tecteri zngebe» mußte, daß der heilige Joses und seine Eller» „Jlraeliien" waren, daß auch die Apostel und viele Heilige derselben Abstainninng leien, hinderte ihn da« nichi, gleich in dieser seiner ersten Predigt den Standpniiki deS Raceiiaiiii>eniiii«inu« zu vertreten, Er machte sich die Anfllärung diese« paradoxen Vorganges allerdingS sehr leicht. Er construirte sich näinlichrinen Unterschied ziöischen wahren und falschen Israeliten, bezeichnete die ersten anS dezn Judentbuniehervorgegaiigene» Christen alS alleinige wahre Israeliten und versprach, die Frage, ob eS auch henie noch wahre Israeliten gibt, erst im kaufe der solgenden Kanzelreden zu beantworte^. Einstweilen machte der würdige Priester seinem Haß gegen die „Talmud- und Racenjuden" Lust; merkwürdigerweise bildete er sich einen Unterschied zwischen den „Nacenjuden" und den „wahren" Juden, während er zn den „Talmud-Juden" mit einem kleinen Anachronismus auch den Patriarchen