Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 162 (12.5.1895)
- Date
- 1895-05-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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,V r ( i e s 111 a r t. 17r. n;j. -unter bcup 3d)iilcni auch ein jüdischer Ainabc '.'iameitb CUeob .H oIz wann.?it I'ireetor der Schule, Herr xlohann ANeideqger, fand dicicu Ai nahen vev Aiurzein, an ber Mauer vor dem Schulgebäude :.!>neud. Ter Ainabc fonme faitm schauen, so verschwollen war sein Zeucht, -r stöhnte furchtbar - und erfühlte, daß ihn feine (ioUcgeti '.Union Wra.it, öohanu M aber und -Udert S ch r a n e k io zu .crichlet hätte«, weit er ein 3 u b c fei. Tee Wnabc war längere, .-v.'it krank, und ein '.'Inge ist bleibend verlern. Tie Lache wurde a»- eigt, und zwei der roden Bursche, Ai rast und Mader, hatten sich ivegen der Mißhandlung ihres Mitschülers .Holzmann vor dem Bezirks tcrichte Neubau :» verantworten, der dritte hatte »achgewieseii, daß er sich an den Tbätlichkeiien nicht beiheiligt hatte. Tie beiden Burschen w u r d e u v o:n <5 r st richt e r s r e i g c f p r o ch e n, nachdem ucht nachgewiesen werden konnte, welcher von Beiden den .Holziiiciiiii derart mißhandelt batte. Bi der am 4. d. M. ^urchgesuhrte» Appell rerdandlung wurde jedoch das ex st r i ch t e r I i che tlrtheil eassirt u ii d die beiden j n.n gen „'il n t i f e m i t c n “ Auto » W rast n n d .7 o l> a n n Di ade r u. j e drei Tage n -I r r e st S v e r u r t h e i I t. Ter Bertreter der Anklage, Skaaksanivaltssubstitiit v Erespi, brand markte in beredten Worten die unglaubliche stcohheit dieser jungen Burschen und forderte die Berwersnng des Freispruches, welchem 'Jim trage auch »volge gegeben wurde. i AllS ötr ^Cit. Ter Postkutscher 3ebaftiait t)i e tr ft i r t machte, stich unlängst den Scherz, neben einem 3«ge >n die Easerne zurück kehrender Einjährig-Freiwilliger einherzui eiten und denselben Eom itiaiidos zuzurufen Tiefer Borgang ries begreiflicherweise die imgczügelte Heiterkeit der Srraßenjngend hervor, welche initeinstinimte in daS Eoniniandiren. Als der Bostkurfcher deshalb zur stiede gestellt wurde, meinte er: ,1 ao m a ch t nir, eS fan .f o lauter 3«&cn'“ Tas Bezirksgericht Bandstraße, vor dem sich Nenstist kürzlich wegen dieses BorgehenS zu verantworten batte, sprach Neustift frei, und zwar mit der merkwürdigen Moiivirung, daß das Eo»i..iandiren des «Beklagten keine Belhöhnnng involvire, weil fönst sich jeder Soldat beleidigt suhlen müßte, wenn sein- Borgesetzter. ibni ein Eoniinando er:!',eile. Was ten :)inf: „Es fan fo lauter Onben 1" betreffe, so liege dann gleichfalls keine Beleidigung, weil die Juden eine anerkannte NeligionSgenoffenfchafk seien, (liegen diefeS Unheil wurde die Berufung eingelegt, und der Avvellsenai war auch einer ganz anderen Ansicht-. Ter antisemitische Bostbediensteke wurde zu einer -Boche Arrests vernrrheilt und diefes Unheil damit begründet, daß in dem Ausdrucke: „Es fan so lauter Juden" das Berhöhnende durch daS Wörtchen „io" ganz sichtlich zum Ausdrucke gelange.?cr ftnll dcs gcujcicucii Bjirgcruicistkrs uou Mühldorf. Tas Crgan SchöuererF veröffentlicht ein Schreiben, welches das r'andeSauSschnßniitglied Tr. Joses Ai o v p in der bekannten An gelegenheit Bergani's an die Redackion des genannten Blättchens richtete, und aus welchem, man den dermaligen Stand der 3eanbal •affaire ersehen kann TaS betreffende, vom 10. April batirte Schreiben lautet: , CAfehrte Jdni'tleitiing! .ln der 'Jiimimer Cec Zeitung „Unverfälschte Teinich.- Wolle" vom I. April ist.eine offene Anfrage an den niederösterreidiifcbeii pandesansschiiß in Wien abgedruckt. Ter niederöüerreicbifche paiidcsaiisfchnß ist sich feiner Beirstichtung bewußt, auf Anfragen oder Anzeigen von Interessenten infeinem Wirkungskreise seines Amtes zu malten, über offene Auslagen von ihm fremden Personen, deren rechtliches „Intrrrffe an Bern Gegenstände der Anfrage nicht erficht lich ist,- kann er aber tcine amtliche Antwort geben. Ta jedoch in diefer Anfrage von mir die Rede ist, >o nebine ich keinen Anstand, darauf zn antworten, soweit mir dies bei einer noch uiiausgetrageiien Angelegenheit möglich ist. Schon geraume Zeit vor dein in der offenen Anfrage bezeichneten st. Teeember v 3. nahm der paiidesansfchnß ans der Prüfung des Inventars der Gemeinde Mühldorf 'Anlaß, von amtsivegen an den derzeitigen Borsteher dieser Gemeinde einen amtlichen Auftrag z» erlassen. Ein Mitglied der Gemeindevertrelnng fand sich hiedurch veranlaßt, über Borgänge bei dieser Ge, meinde in früherer Zeit Rachkorschungen zu pftegen und Über deren Ergebniß rßn den Landesansfchnß Bericht zn erstatten. Dieser Bericht führte zu weiteren Anfragen und-sohi» zur Abforderung von Rechnungen und Arten, .die ans mehr als ein Jahrzehnt zurnckreichen. Als die Prüfung dieses umfangreichen Material« io weit gediehen war, um die Erhebungen an Trt und Stelle fortfeven zu können und die Abseiidung eines hierortigen Beamtem nach Mühldorf erfolgen sollte, wurden (ämmtlidit Gemeindeaeten ge richtlich eingesordert. Selbstverständlich wurde der gerichtlichen Ausforderniig sofort entsprochen, und muß die hierämtliche Umerfiichung fo lange ruhen, bi« die Acten vom Gerichte zurnckgeschickt werden. . Dr. Joses Ko pp. Mau darf wohl darauf neugierig sein, wie diese Angelegenheit für den publicistischen Herold des AnticorruptioniSmus enden wird. nnbedacht'aiiie Aenßernngeii machten. Wir loinu. noch Euere Eleriealen brauchen! Sag' alw den peulen, sie follen r iCiil apokrhvlirr Brief Bismarck s li» Schvuercr.. Em Freund uiiseres Blattes sendet uns aus Krems folgenden Brief, der angeblich durch JndiScretion eines Schönerer'schen Sclaven in seine -Hand gerieth: Lieber Collega! Mit großem Bedauern habe ich veinominell, daß Tu, lheuier nltsr bei dei Feier, die Alldenlschland mir und selbstverständlich auch dir vn Ebreii anläßlich meines >A>. Geburtstages veraustaltele, nicht an meiner Seile we „ und >o die wohlverdiente .Hälfte aller Glückwünsche, Anszeichiuingeii, Geich.- n. i. w infolge einer GeleiikSeiitzüildiing nicht in Empfang nehmen konntest. Ts> anfgeichoben ist nicht aufgehoben! Ich Hesse, daß in zehn Jahren Teine Gelen: emziindniig behoben fein wird und daß Tn bei meinem sti>. Geburtstage - meiner Seite wirst stehen können. .Heizlich gefreut hat miä> der Borfchi Teines peibdichters, Tir und mir zn Ehren den peopoldi- und Alahlenberg . „Schönerer und Bismarck Berg" nliiznnanifeii. Jreiltch ziehe ich bei di, . - Raiiieiiiiennnng den Aiiirteien, indem Biele im 'Rainen „Kahlenberg" eine et-. | ’fi'ielniiji anf meine lnftorüchen drei .Haare fühlen düiften. Toch das ist — Schnnrpe. Etwas Unangenehm hat mich beiübrt, daß gerade in der Z, c da ,ni Tenifchen stKiche, das Tn und ich begründet, 'die Etericalen sich nt. - mülhiger denn jo geberden. Teilte Sslniärker von einer Annexion der. Alpe., gegeilten Cefterreiäi-J fo gerade Tninmlieiten in Ziitnnft nnterlaffen. SScnn das Weller es erlaubt, werde iäzn Tir, lieber irrennd. nach Rofenan tömiiien. Mit Tir hoffe ich da Alldem- , lands Zukunft in richtiger Weife zn bestimmen. '.Ulit lrendenlfchein .Heilgruß Tein _ B i s ui a r ck NI!, «'iiüße nur Töknen und meinen peibdichier Erich ,1els. Ich we ibm chas probate Mittel gegen feine iinueitiiient rolhe Rafe deiiinächst fchicle.. l „(Hdlcs 1 Man schreibt uns a»S Salzburg: T. „Saisoustadk" Salzburg ist nnnnielir antisemitisch. Tiefer Eharaki:: . der Stadt, wenn hier liberhaupt von Eharakter die Rede sein "bat’, findet auch in der Znsamineuseßung deS Geineinderathsprästdiuii, - feineu Ausdruck Tasselbe besteht ans zwei Antisemiten, von denen der j Eine „deutsch national", der Andere „christlich-soeial" schillert, währen: ein Tritter, daS nominelle Stadtoberhaupt, einst den Liberalen l>c: | gezahlt wurde, sich jedoch seit Anbruch der neuen Aera durch ein I sagen wir, „wohlivollende Neutralität" gegenüber allen rückschrittliche.:! Bestrebungen auSzeichuet. Tie Salzburger schädigen sich aber selbst durch ihre Anliseinilerei. Ein Wiener llniversttätSprofessor theilte unc mit, daß er, für den Sommer in Salzburg eine Wohnung suchend, in ein Hans gekommen sei, welches vorher durch viele Jahre an eine andere Partei vermiethet worden war. Als 'er tun die Ursache des ' Veerstehens in diesem Jahre fragte, hieß es: „Sie waren recht liebe Leut', wir haben nichts gegen fie,^, eine gute Partei, aber halt Juden." Wie oft die Tumniheit und Engherzigkeit sich selbst Schaden znsügen, dafür bietet sich ein Beweis in einem anderen .Hanse, wo die .Hans lenke thaisachlich keine Partei mehr bekommen haben, nachdem sie in einem Sommer erklärt hatten, keine Inden nehmen zu wollen. Zu solchen Leuten gehen eben auch gebildete Ehristen nicht gerne, denn sic sind jedenfalls inhuman angelegt... In Salzburg ist nur ein , einziger Jude zuständig. Im vorigen Jahre suchte Herr Sneß, welcher i als unbescholtener Geschäftsmann seit LO Jahren hier lebt, in den! Gemeindevcrbund einzutreten. Trotz verschiedener mündlicher Zusagen seitens einzelner Gemeinderathe wurde sein Gesuch abgelehnt, weil er Jude war Außer dein erwähnten zgiständigen Juden, dessen Familie nenii'Personen zahlt, wohnen hier noch etwa zwanzig jüdische Familien, zusammen kaum 150 Personen, welche nicht zuständig sind. Da von den circa ^7.000 Einwohnern in neuerer Zeit die frommen Cleriealen mit den Antisemiten eine politische Ehe eingegangen haben, so können; wir ruhig annehmen, daß mindestens 1^.000 erwachsene männ(id)e Judenfeinde dem Häuflein von nicht ganz HiO Juden, Jüdinnen und : Aiindern gegenüberstehen. Es ist dies eine „redliche Uebermacht", .welche j selbst dem schlechtesten Anführer den Sieg zu sichern scheint, besäße er I auch noch so geringe strategische Kenntnisie. Die Judenverfolgung in ' Salzburg erinnert mich aber -lebhaft an ein Bild der Fuchsjagden zu Pferde in England: Borne der „Feind", ein ganz kleines Füchslein. hinter ihm die kläffende, heulende Meute und dahinter die weder Empfindungen,, noch Hinderniffe scheuenden Krautjunker, hoch zu Rosse, tapfer ansprengend gegen den winzigen, aber viel zu klugen Reineke, der die wilde Jagd schon so oft zu Fall gebrächt hat. Für die Hindernisie bei dein „edlen Gejaid" der „Deutsch-Naionalen" sorgt jedoch das alte Naturgesetz, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der Antiseniilismus in den GebirgSländern ist unnatürlich, ist eine Don Quixotiade, eine lächerliche Nachäfferei. ES schmerzt tief, wenn inan sieht, wie diese herrlichen Bergländer muthwillig oder gedankenlos unlauteren Elementen preisgegeben werden, welche den einzigen Boden für eine reichere Ernte, den Fremdenverkehr, unterwühlen.