Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 160 (28.4.1895)
- Date
- 1895-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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ITr. l'V. r t i t s Blatt. 5fitc i*. „Vergebt, holdc Frau, lucnn ich durch mein Erscheinen U» rube und i'övnt in Euer sonst so friedlich Hei», gebracht, aber ich bin glücklich, hieher gekommen zu sein; habe ich doch in diesem schlösse ci„ Clbcal von Schönheit gefunden " FroSwithaS Wange» hatten sich mit tiefem Roih gefärbt bei dieser -Jlmebe, und als ihr.seht der Herzog seine .Hand reichte, nm sie *,u S ,-che ’,n fuhren, legte sie ihre -Hand auf BoleslavS Arm und ließ!ich a» seiner Leite nieder. Tas"Mahl verlief in der heitersten "Weise. Ter junge Fürst lief; liäi die trefflichen, »ach i.'andeSsitte bereitete» Speisen rind den edle» -^iin gut schmecken, und die Umgebung folgte' seinem Beispiele., i Bogdan insbesondere sprach dem -Weine reichlich zu, und seine Unlerliallnng war denn auch lebhafter, als man bei dem so»» so i liireig'amen Manne gewöhnt war. Ter-Herzog aber halte »nr Ang' und Li»» für seine schöne Tisch ii.-äibari», er war in lebhaftester Unterhaltnng mit ihr begrisfen und > :,i Blick rnhte entzückt auf ihrer herrliche» (Gestalt, die i» einem i .msammteiieii Gewände, reich mit kunstvoller Silberstickerei geziert, I.fwiend anSsah. Ihr reiches, goldig glänzendes Haar umgab wie ein UendeS Tiadem das schöne Haupt; ihre Auge» lenchleteu im K^iten Blau, und die weißen Arme sowie die schönen Vinicn deS zart ninnngcnen Halses mußten sei» Entzücken hervorrnfen. Tein gab ,in auch während der Tafel oft genug Ausdruck, und als er nach . . \:.t Mahlzeit sich von der schöne» Schloßfran trennte und ihre ■ Hand an seine Rippen führte, um eine» feurigen Kuß darauf : rücken, da hatte er ihr Bild mit sich genommen in seinem'.Herren, > in glückliches Anfleuchten i» FroSwithaS Zügen bewies, daß-^anch ckn stolzes -Her; der ritterliche Fürst eine» tiefen Eindruck hervort :d)t habe Bogdan hatte die Ausiiierksamteit deS Herzogs gegen junge (Gattin wohl bemerkt, auch das hänsige Erröthen FroS- .!as während deS Gespräches mit BoleSlav war seinem eifersüchtigen .ei. -/ nicht entgangen, aber er hütete sich wohl, davon etwas merke» uin'en oder gar ungehalten darüber zu sei»; denn daS konnte ja ,V :■ ehrgeizige», hochstrebenden Plänen förderlich sei», wenn eS wilha gelang, den jungen Fürsten zu ihrem Selaven zu machen. Und wahrlich, hochstrebend waren die Pläne, die er in seinem >- ': » »ährte und deren endliche Etsüllung der Endzweck seines -! ->n d'ebens war. Taß ihm aber Froswitha diese» Weg bahnen, ->! dem heiß ersehnten Ziele bringen würde, daS halte er nie zu : ' gewagt. Und dennoch war dem so — seine Gattin, der er ' ui lieißer Vicbc genaht, hatte ihm diese l'icbe schlecht vergolten: i :. et mehr ipnßte er empfinden, daß sie ihm jenes Gefühl vorent;; das er als ihr angetranter Gatte von ihr zu fordern halte — da stand denn plötzlich vor seinem inneren Auge jene Scene, dis ». - i feiner und FroSwithaS Ankunft anf.SSwieliee zngetragen, und packle ihn der Gedanke an jenen frechen Buben, mit ohnnw-ütiger Wnth, den» ohnmächtig leider — er mußte eS sich selbst lun — war er jenem halbwüchsigen Knaben gegenüber, der, als ■In nun schon sicher in seiner Macht geglaubt, ein zweitesmal onnen war. Er halte stets von FroSwilha erwartet, daß sie ihn -■ ■!> dem (Geschicke ihpes ^aiidSmanneS fragen würde. Aber vergebens, witha war kalt und verschlossen geblieben die ganze Zeit über, »ie halte sie ein Wort über deS jungen Teulschen ferneres Ge- '" >1 laut werden lasten. Sollte sie am Ende gar Näheres wissen, . dem Buben im Eiuverständniste sein gegen ihn, ihre» Gatten? in ganzer Stolz empörte sich bei diesem Gedanken. Aber nein, eS ' »:me, eS dnrfle nicht sein! So tief war Froswitha nicht gesunken, : weil würde sie ihre Franenwürde nicht vergesse»! leichter, viel -hier schien eS ihm allerdings, daß der junge Herzog FroSwilhenS '!. erringen konnte — aber auch dam; durfte sie ihn nicht ver- Uie»: sie »mßte dem Herzoge »»r nichtige Gunstbezeignnge» zu - il werden laste», ihm angehören, seine Geliebte werden —; nie! lauge er, Bogdan von SSwieliee, lebte, nie! Sei» Arm hätte;rft ivüijlcnblnt nicht gescheut, wen» eS gälte, seine beleidigte Ehre ■:i rachen. x^m Schlosse war eS stille geiporden, die Gäste hallen sich zeitig r 'Kühe begebe», und wen» manchen von ihnen der Schlaf floh, war doch auf den (Gängen und Eorridoren liefe Stille eingetreten. FroSwilha selbst war aufs Höchste erregt vo» den Ereignisten deS sibendS: lange Zeit verbrachte sie auf ihrem i'ager, die Auge» wie anniverloren ins Weite gerichtet, die Rippen halb geöffnet. Ihre Getanken eilten weit voraus, einer ferne», glänzenden Zeit entgegen, und / » glückliches lächeln umspielte ihren M»»d, wenn sie jener Zeit ge -achte,- in der sie an den glänzenden Hof von Mrnfau tommen sollte, »>! da aiigestaunt und bewundert zu werden von Allen — und daß dem so sein würdedas hatte ihr ja heute Abend der Herzog zngelliistert, als er ihr in beredten Worten daS glanzvolle i'eben an feinem Hofe vor Angen führte, a» dem sie berufen sei, zn herrschen als Königin der Schönheit.. Und ihr (''alle, Bogdan, hatte es dem Herzog . versprechen müssen, daß er ik an den Hof bringen und da bleibe» würde, so lange es chr gefüllt. C! uub 'gefallen würde -s ihr. das' wußte sie ja, in/der'Kähe und l'ielein ^Inigauge mit lenem ritterliche» Fürste», der am erste» Abende, schon ihr stolzes Herz, fo erregte, daß - ihre isider keine» Schlaf fanden und sie da lag glücklich — fiiiumi'cilpien. Sie halle den Kopf auf de» Arm gestüpt, n»d i»! ange», dichte» Massen ningab sie se"'ellos ihr goldig glänzendes Haar. j - * .! xTi T swieliee war es wieder stille geworden »ach des Herzogs \ Abreise, und das traninhast .stille '.'eben, das Froswitha je nt frihne, j lhal ihrem erregten Sinne wohl, xsihr (''alte Bogdan war-osi unter wegs, und sie allein auf de» Umgang mit ihrem Kammermädchen, ihrer treue» (''erhübe angewiesen. Ab inrb zu tarn stunde vom Hose und'vom Herzog; auch vom Einzug Boleslavs in Krakau vernahmen sie in dem einsamen Schlösse, und da irrten die h'ebanfen der Schloß fvait über die stille Burg hinweg weit, weithin ins '.'and, bis an de» Hof, a» dem der junge Herzog lebte, denen kriegerische THalen die Welt mit .'Knbin erfüllten — auch an Evnrad dachte sie — wo mochte der Aermste weilen? Welch neues Unheil halte ihn betrosie»? Tder war er auf feiner Flucht bis »ach..Tenlschland gekommen' vielleicht war er lodt — und sein armes, lrents deutsches Herz rnlne irgendwo aus unter dentsckter Erdei Wenn sie dann des Abends' mit ihrer (''erlende 'aß und sie von den Theueren sprachen, die Beide, Herrin' und Tienerin, im Thüringerlande ziirückgelasteii, und von denen grr selten >tlinde la»i in die ferne Poleiibnrg, da schlossen sie sich t.rov der dienenden Stet lniig deS Mädchens enge an einander, und b>e stolze, nach außen, hin so unnahbare Schloßfran vertrante ihrem Mädchen, daß — was sie sich selbst nicht zu gestehen gewagt — daß sie liebe. Tes jungen Herzogs ritterliche Erscheinung halle ihren stolze» Sinn bezwuiige», und in der Einsamteit, in der sie lebte, -schmückte sie sei» Bild mit den herrlichsten Farben, Und in Gertruds treneS Herz schüttele sie ihre» isiebeSkniiimer, und ihr sprach sie täglich und stündlich von d-r heißen Sehnsucht, die sie im Herze» trug, den geliebten Herzog wieder zn sehen uub wie damals;»r Zeit seines Anfenthaltes im Schlosse den süßen Worte» zu lausche», die sei» Mund-gesprochen,chnnd de» Blick seiner liebeglühenden Augen ans ihrem Angesichte rnhen zu sehen FroSwithaS Sehne» fehlte indeß lange nicht. gestillt werden, und der Zeitpunkt,. an dem . sie de» (''egenstand ihrer Vicbc wieder sehe» sollte, war plötzlich weit in die Ferne gerückt. Wohl rüstete man zur Abreise von T swieliee, aber leider galt dies nicht der Weife an de» Hof, uub -auch von jeder weibliche» Theilnahme wurde Abstand ge . »ominen, denn die Weife ging in den Krieg!; Bogdan hatte so.wie alle Edlen des üreiches von Herzog Boleslav Befehl erhalten, alle seine Untergebenen i» Wehr und Waisen zn setzen uub sie dem Herzoge znznführen. UnVfo war er denn eines Tages anfgebrochen ltub-Jjattc alles seßhaftg Bolk inilgenoinineii, des Herzogs HeereSban» Folge zu leisten: in der Burg aber verblieben nur unter der Aufsicht von EufebinS ei» gut Theil handfester Knechte, diezur allfülligeu Bertheidignng der Burg diene» sollten, wenn - wie dieS ja zu jener Zeit deS FaustrechteS leicht möglich-war — dieselbe in Abwesenheit des Schloßherrn angegriffen werden sollte Froswitha war s allein geblieben. Aber die Ruhe, die sie »mgab, lbat ihr wohl nyd besänftigte den Stnrm i» ihrem Innern: dann tonnte sie sich ja auch mit ihrer treue» Gerlrnde nulerhalle», konnte wieder und. immer wieder von bem "angebeteten Herzog spreche», und in das Herz der (''eueuen all ihre verhaltene Sehnsucht und glühende '.siebe ausschütlen; konnte sie sich doch ans die erprobte Treue derselben fest verlassen, und.eher hätte sich das deutsche Mädchen tödte» lasten, als ihre geliebte Herrin verralhen. Born StriegSschanplatze her kam von Zeit zu Zeit Knude, die theilS von fahrenden Genien, theilS auch von Krämern gebracht wurde-; ab und zu sandte auch Bogdan einen Krieger heim, der kampfniisähig geworden, und der '.','achricht nach tp swieliee bringen sollte, daß sein Herr lebe und dank alle» Heiligen noch unversehrt sei, trotzdem er j einer der Tapfersten wäre auf dem 'Schtachtfelde und gleich nach dem!. Herzog käme in kühnem Benthe und Unerschrockenheil; ja freilich,- dem i Herzog! dem gleich zn thnn, das könnewohl 'Niemand, so berichtete! der Bote, der heute gekommen war, und die. Augen der Schloßfran - lenchtelen in glühender Begeisterung. „Ter Herzog ist überall, stets j Alle» voran, und stets im dichtesten Handgemenge, uub da, wo die Gefahr am größten und das Schlachtgetümmel am wildeste», wie ein Teufel in Menschengestalt wü'.het er 'mit dem Schwerte und reißt riesenhafte Vücke» in die feste Mauer deS Feindes. Und bis setzt ist