Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1895-04-28 · 160 (28.4.1895) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
160 (28.4.1895)
Date
1895-04-28
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4886575-5439167-5441619--1948-4888365
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 10. Nr. lüu. Freies I? ( j 11. itud) dank uiiscrcm Herzog jede Schlacht siegreich für u»S gewesen. Sie Söldner hallen sletS reiche Beute, und der Unseren sind nicht allzuviel gefallen, ja, edle Frau, ich wünscht' Euch nur zu sehen, wie panischer Schrecken in den Feind fährt, wenn Boleslav mit seinem Schwerte aus sie einhaut und sie vertreibt gleich dem Erzengel Michael mit dem flammenden Schwerte!" Die Juden im affen IHom. Teil „antisemitischen" Historikern, die mit der Wahrheit bekanntlich aus ständigem Kriegsfuße stehen, ist es recht unangenehm, wieder und wieder baren zu müssen, daß daS Iudenthnm in der Eulturgeschichte der Menschheit ein grundlegender Factor ist, der sich nach der französischen Revolution zur wohl verdienten (Geltung gebracht habe, und zwar in Folge der ihm innewohnenden geistigen und phnsischen Kraft und Unverwüstlichkeit. Es wäre eine historische 'Naivität, anzunehmen, Laß etwa daS „Zerstreutsein" der Inden erst nach dem Falle Jeru salems zu Tage trat. Ein Blick auf die Geschichte der Juden vor dieser Epoche reicht Hin, um die Unrichtigkeit dieser Ansicht darzulegen. ES genüge nur, hier auf die Bedeutung der Inden hinzuweisen, welche dieselben;. B. in dem großen Staate der alten Römer hatten. Nicht allein, daß sie unter den hasmonäischen Fürsten in Borderasieu, wie dies nun einmal historisch sestsleht, entschiedenen Einfluß hatten, daß sie in dem Eguplen der Ptolemäer eines der wichtigsten Staatselemente waren, in den Heeren derselben in großen Masten dienten und ibne» oft genug die besten Heerführer lieferten, daß Julius Cäsar ielbst in Egiwten seine Rettung und seinen Sieg dem von Antipaler angeführten, aus Snrien zur rechten Zeit angelangten jüdischen Heere verdankte — im ganze» römischen Reiche, in Rom selbst waren sie schon zu Eains Julius Eäi'arS Zeit eine ^Machr, und dieser große geniale Römer rünmle ihnen einen bedeutenden Platz in dein von ihm nmgestalteten Staate ein. Theodor Mommien, der den Inden nicht besonders freundlich gesinnte große deutsche Historiker, sagt über die Bedeutung der Juden im römischen l'cben im III. Bande seiner römischen Geschichte Folgendes : „ D ie erste und wesentlichste Bedingung zu der politischen und nationalen Rivellirung des Reiches war die Erhaltung und Ausdehnung der beiden zu gemeinschaftlichem Herrschen bestimmten Rationen iRömer und Griechen» unter möglichst rascher Beseitigung der »eben ihnen stehenden barbarischen und barbarisch genannten Stämme. In gewissem Sinne könnte man allerdings neben Römern und Griechen noch eine drille 'Rationalität nennen, die mit denselben in der damaligen Welt an Ubiguitäl wetteiferte und auch in dem neuen Staate Cäi'ars eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen bestimmt war. Es sind dies die Juden. Das merkwürdige, nachgiebig zähe Bolk war in der alten wie in der heutigen Welt überall und nirgends heimisch, überall und nirgends mächtig, die Rachsolger Davids und Sälomons bedeuteten Für die Jude» jener Zeit kaum mehr, als heutzutage Jerusalem 'ür sie bedeutet: die Rationfand wohl für ihre religiöse und geistige Ernheik einen sichtbaren Anhalt in dem Königreich Jerusalem, ober sie selbst bestand keineswegs in der Unterthanschaft der Hasmonäer, sodern in der unermeßlichen, Lurch das ganze parthische und das ganze römische Reich zerstreute» Judemvelt. In Alerandria namentlich und ähnlich in sinrene bildeten die Juden innerhalb dieser Städte eigene administrative und selbst local abgegrenzte Gemeinwesen, den Judenvierteln unserer Städte nicht ungleich, aber freier gestellt nnd von einem Volksherrn als oberstem Richter und Verwalter geleitet. Wie zahlreich selbst in Rom bereits vor Cäsar die jüdische Bevölkerung war und zugleich wie laizhsmannschasrlich eng die Juden auch damals zusaunnenhielten, beweist die Bemerkung eines Schriftstellers dieser Zeit, daß es für den Statthalter bedenklich sei, de» Juden in seiner Provinz nahezutreten, weil er dann sicher daraus zählen dürfe, nach seiner Heimkehr von dem hauptstädtischen Pöbel' ausgepnsseu zu werden. Auch zu jener Zeit war das vorwiegende E'etchätt der Juden der Handel: mit dem erobernden römischen Kauf- - mann zog damals der jüdische Händler ebenso überall hin wie später.! mit dem genuesischen und venetianischen, und neben der römischen j strömte das Capital allerorts bei der jüdischen Kaufmannschaft zu-! iammen. Auch zu jener Zeit endlich begegnen wir der eigenthnmlichen! Antipathie der Secidenralen gegen diese so gründlich orientalische Rare - und ihre fremdartigen Meinungen und Sillen. Dies Judenthum, ob-! weist nicht der erfreulichste Zug in dem nirgends erfreulichen Bilde der damaligen Völkerwanderung, war nichtsdestoweniger ein im natürlichen Verlauf der Tinge sich entwickelndes, geschichtliche« Moment, das der Staatsmann stch weder ableugnen noch bekämpfen durste und! dem Cäsar vielmehr, eben wie sein Vorgänger Alexander, in richtiger Erkenntniß der Verhältnisse möglichst Vorschub that. Wenn Alexander, l der Stifter des alerandrinischen Judenthums, damit nicht viel weniger j für die Nation that wie ihr eigener David durch die Gründung von ■* \ Jerusalem, so förderte auch Cäsar die Jude» in Alexandria wie i» I Rom durch besondere Begünstigungen und Vorrechte und schützte woj möglich ihren eigenthümlichen Cult gegen die römischen wie gegen die 1 griechischen Localpfassen. Die beiden großen Männer dachten natürlich j nicht daran, der hellenischen oder italisch-hellenischen Nationalität die : jüdische ebenbürtig zur Seite zu stellen. Aber der Jude, der nicht wie , der £'ccibetitale die Pandoragabe politischer Organisation empfangen! hat und gegen den Staat sich wesentlich gleichgiltig verhielt, der ferner - ebenso schwer den Kern seiner nationalen Eigenthümlichkeit ausgibt, > als bereitwillig denselben mit jeder beliebigen Nationalität umhüllt und > bis zu einem gewissen Grade die fremde Volksthümlichkeit sich a», j eignet —. der Jude war eben darum wie geschaffen für einen Staat, 1 welcher auf den Trümmern von hundert lebendigen Politien erbaut! und mit einer gewissermaßen abstracten und von vornherein ver schliffenen Nationalität ausgestattet werden sollte. Auch in der allen Welt war daS Iudenthnm ein wirksames Ferment des Kosmopoli tismns und der nationalen Decomposition. und insofern ein berechtigtes Mitglied in dem cäsarischen Staate, dessen Politie doch eigentlich nichts als Weltbürgerthum, desien Volksthümlichkeit eigentlich nichts als Humanität war." Zu diesen Ausführungen Mommsen'S schreibt Tr. Leopold! Philippson Folgendes: „Für uns ist es hier nnr von Wichtigkeit, von! dem meisterhaften Geschichtsschreiber der Römer constatirt zu sehen, j daß die Juden vermocht haben, in dem weltbeherrschenden römischen j Staate, trotz des nahenden Unterganges ihres kleinen Reiches, ihre Rationalität ' neben der griechischen und römischen aufzurichten und i vollgitig zu machen. Keine andere Nation, selbst mit den mächtigsten I materiellen Mitteln ausgerüstet, hatte dies vermocht, andere alle hatten »ich j vor dem Joche jener beiden occidentalen Volksgenien beugen müssen.' Roch! mehr tritt dies inS Licht, wenn man erwägt, daß die Griechen nur; durch daS Aufgeben aller Selbstständigkeit, nur durch ein heuchlerisches > nnd kriechendes Verhalten gegen das Herrschervolk einen Einfluß sich! zu bewahren vermochten, während die Juden nicht nur ihr ganzes! GlaubenSbekenntniß in seiner scharfen Gegensätzlichkeit, sondern auch \ ihr Gesetz und ihre Sitte sich bewahren, ja in dieser Zeit sich eben! anschickten, in einem großen Verjüngungsproeesie dieses Gesetz von Neuem durchzuarbeiteii. Wir haben also hiemit ein Zeugniß mehr, daß der jüdische Stamm nur dann von einer kräftigen. Theilnahme und Wirksamkeit in Wirklichkeit sich zurückgezogen hat, wenn er durch alle möglichen Gewaltmaßregeln zurückgedrängt und znrückgehalten wurde j und daß er zu aller Zeit Lebenskraft genug besessen, in die allge! meinen Verhültnisie mit Energie einzugreifen, sobald ihm die Thore dazu geöffnet und die Dämme, die man um ihn gezogen, durchbrochen wurden." lieber die einflußreiche Stellung, welche die Juden in Rom . ein , nahmen, ließen sich ganze Bücher schreiben. Hervorgehoben sei. die Thatsache, daß in Rom außerordentlich viele Bekehrungen zum Jude»; thume, selbst von Mitgliedern der kaiserlichen Familie vorkamen. Tie [ Bekehrungen zum Glauben und zu den Sitten der Inden waren so s zahlreich, daß nicht bloß die Satyriker ihre Pfeile dagegen loSließen, sondern auch unter Domitian Convertiten hingerichtet wurden. Schließ lich läßt sich sehr leicht erweiset», daß die Judengemeinden in Rom und anderen Städten des römischen Reiches durch ihre Friedensliebe und hohe Sittlichkeit zu großem Ansehen gelangten. Cicero« Wivwort: ^^iii.i .ludac'o cum Vt-rreV“ beweist, mit welcher Pünktlichkeit die Juden RomS den Satzungen ihres Glaubens Folge leisteten.-Die „Anti semiten", welche ihre Meinungen und lleberzeugungen so wechseln, wie man tagtäglich daS Hemd wechselt, nlachen die „volkliche Zähigkeit" der Juden zur Anklage gegen das Judenthum. Die Narren werden eben nicht alle. II Literatur. „Tie Wassen nieder.'" Dem April-Heft der S n ft n e t'schen Me»a:s schritt „Tie Waste» nieder' liegt als Gratisbeilage eine Broschüre bei: ...1» die Kaiser, Könige und Potentaten" nach einem authentischen Sendschreiben and dem XVII. Jahrhundert. Ans dem übrigeii Inhalt heben N'ir hervor: .Hcieg und Thristenthnin von Tiakonus Böhme; Rentralisirung von Ir. Bajer, Mitglied deS dänischen Parlament«: Briese deS sraiijöstlcheu Minister« Trarieur, de« englischen UnterhansntilgliedeS PH. «tanhope tt .1; eine Polemik zwischen Moritz Adler und Dr. Bernatzig, Prosestor an der Wiener Universität; Gedichte vom Majerz«ki und M. Amster; Literariiche«; Jeitichau: Liste der Beiträge der T esterreichijchen Friedensgesellschast u. s. w.. /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.