Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 160 (28.4.1895)
- Date
- 1895-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. H50. freies gemachte» Einlagen »och durch Gutstchung gedeckt erscheinen.!>. 5er Verein lrcibc auch Politik und tiabc bei den legten GcnieinderatltSwalilen eine» Druck ans seine Mitglieder dahin auSgcübk, das; dieselben sur die liberalen Eandidatcn ihre Stimmen abgcbcn. Die Revision ergab nun folgendes Resultat: I. Die finanzielle Gebahrnng der . PerciuSlcitnug wurde vollkoinincn corrcet befunden. 2. Die crtheilten | ungedeckten Borschussc waren als rückgezahlt verbucht. DicBcreinS! leitung gab zuin Schlusic der Revision zu Protokoll, das; sie in An ■ betracht dcS Umstandes, als sich nnker den Mitglieder» der Anti' ieinitisniuS ciuzuschlcichcn beginne, abdankc und in einer demnächst ' einzubcrnscndcn außerordentlichen Gcneralvcrsammlung die 'Auflösung des PercincS beantragen werde. Zugleich behält sich die PereinSleitnng r>or, gerichtliche Schritte gegen diejenigen zu ergreifen, welche sie eines ' imomctcii Gcbahrcns beschuldigten. Älo ülciüt die dcutschc, dir christliche Pictiit?» Man schreibt nnS aus Salzburg: Alibiirgcrmcistcr Biedl, ei» liochvcrdicnter? Ulan», welchem Salzburg großen Dank schuldet, zonrdc am 21. April;u ('nabe getragen. Er war ein wackerer Bcrtretcr. der liberalen ' Partei, der ja Salzburg Alles dankt, was cs isi neuerer ^cit zur -. suchten Saisonstadt gemacht hat. Trotzdem crschixncn die SicherbeitS Wachleute in stappcii, brannte» keine Gasflammen i» den Straßen, ■ ».eiche der Trancrzug passirle, und wurde keine schwarze Fahne vom. R.nbba»se auSgesteckt — ift das lein Ansdruck der Pietätlosigkeit? Es scheint, daß die momentan herrschende Majorität des Gemeiude -.all,es mit der Geschichte und moderne» Entwicklung Salzburgs am' 'äilechtcm Fuße siehe. Die Bäter der Stadt hätten wahrlich nur sich ,„d Salzburg geehrt, wen» sic einem Bicbl die höchsten Ehren bis n das Giab erwiesen hätte»! Es kölllltt ja rill Zllür fein.) Man i et) re i ln uns ferner ans Salzburg: Die erste Heldcntbak der. neuen Acra unserer 1'nmeuidE- -.rwaltnng, der Majorität von dcS Elerus Gnaden, ist bewunderungswürdig Ei» Ebrenbiirgcr unserer Stadt, der sich an der Spike ibrer Aduiiiiistraiion um das Genieinwobl große Berdicnste erworben bat, - eilte jungst einen Bauplatz für sich von der OVmciiibc kaufen Dici'er stanf wurde von der Majorität nicht bcivilligt, da die Anlisemite» der PeriniitKung Ausdruck gaben, er wolle bi-feil Bauplatz fiu einen .'„den .-iierwerbe» So tbcilte mir ein Mitglied der Stadlvcrtretung .-,r Saisonstadt Salzburg mit. Wir liberalen tönncn uns nur freuen - -u-.r solche HcldcUlhatcn. Sic beweisen wieder, wie politisch reit, ivie idiuinistralionssühig und wie weitsichtig die neuen Bäter der Saison stabt sind. Sie benutze» die Institution der Freiheit, die Autonomie, :a ihren Sonderzwcckc», scheinen aber in. den OViit der Bcrsassnng, Mutter der Autonomie, noch nicht völlig cingcdrnngc» zu sein. Zur Hebung des Fremdenverkehrs in Salzburg lind zur Förderung - ' r Ansbrcitnng des neuen StaditheilcS werden vielleicht »och folgende Totschläge gemacht werden: I. Feder Ankommende wird »in leinen Taufschein befragt. 2. Wer keinen besitzt, hat sofort mit dem nächste» Zng^abznrciscn. Di.- Hoteliers werde» zugleich strengstens beaul nagt, nur Ehristcn ansznnehme» Tie Herren von der höchsten Bliiihe anlonouicr Freiheit sangen früh an, sich bei der Bevölkerung, ivclche nur von dem Fremdenverkehr lebt, beliebt zu' mache»/ insbesondere bei ken Wirthcn,. die sich ja nichts Schöneres als eine Fremdciispcrrc wünsche» können . . . Bald werden wohl auch die Protestanten dran : '.niiiiic», eine neue Acra Firmian dürfte vielleicht die nächste Folge; »ein, kurz, cS gebt wunderbar! Und welcher Stolz darr die Männer; eb ihrer Heldenthat erfüllen! Und welche Freude erfüllt uns liberale, weil wir richtig voraus gesagt haben: So wird es kommen! , Tic 'Reception dcr Inden in Unffnril.' Im ungarische» Abgcords ncicnhause wurde am 2Ö. d. M. das Runtium des fTberhanfeS bezüglich! der Rccevtion dcr Juden in Bcrathnng gezogen und dcr Bcschlußantrag ' dcS EiiltnsministerS Tr. Wlassics, betrerfend die unveränderte Rucksendnng dcr Vorlage an das Tbcrhaus, mit einer an Einstimmigkeit! grenzende» Majorität angcnonimcn. : (Auch kill 3itlcitrid)tcr.') Im „Pcsti Raplo" veröffentlichte Herr Julius Gabel, Eommunallchrcr in Budapest', ein offenes Schreiben an den Markgrafen Sigmund E saki, - Pa llav ie i»i, in welchem er sagte: „Bor zehn Jahren, als ich Vchrcr der israelitischen Schule zu Siendrö war, zeichneten Sie, hochgcborner Herr, mich damit ans, daß Sic mit mir de» Frcundschaftsbcchcr zu - leere» und mein Tn-; Kamerad zu werden geruhten. Ich gestehe, Herr Markgraf, diese AuS- ,;cich»»ng machte mich im ersten Moment unendlich stolz: als ich aber ipäter fast jeden Dag Gelegenheit" hatte, Ihre. Lebensweise kennen z» lernen, machte ich von dieser Auszeichnung keinen Gebrauch mehr, nicht nur, daß ich mich ihrer nicht rühmte, sondern ich war sogar bemüssigt, sic in meinem eigenen Jntcresic zu verschweige», dan.it mir durch dieselbe nicht der Stenipcl eines unsittlichen Betragens ansgedrückt werde. Behufs Wahrung meines wohlverstandene» Interesses hütete ich N l a t I. Irene .'> mich auch, wäl>re»d meines weiteren Szenen.'er An»enil>alies mit Jbnen znseunuicnzukomincn. Zwar kam ich mit Jlmen ivaiep deck, einnial in Berübrnug, allein nicht kameradschaftliches «"eiulil brachte inich da.nals mit Jlmcn zniammc». sondern nic»>chenfreii»dlick,e Psticht, als ich Sie. nämlich ans dem n.xli S;allona 'nh.rcnde» Weg in-einem mit stotb »nd Wast'cr gesülllen Straßengraben, wolil nicht mit einem Pänlherfeil, sonder» mir einem Kanonenransch in bewußtlosem Zustande liegend fand, aus dem ich Sic mit Hilfe eines Szendroee Bauers lierauszog.. Wenn nun Vaster und Schlamin ,.l>r Vebenselemeni .lind, f» ginge mich dgs eigentlich gar »ichtS an, denn das sind fiir mich längst ge fchclienc Dinge. Wenn aber Sie, Herr Maikgra'. denen Sitienrichlci das allerletzte Hasensell-Jndenjüngelckien sein tonnte, >ick> vor die Magnaten Ungarns binstelle», »»> meine Religion io anzugreife», wie dies einzig und allein nur Sie tbalen, io ib»l dies nichts »ui dem Inden, sondern auch'kein gnien Pcklrioten webe, und deSbalb will ich Jlmen mit diesen Zeilen nur da-? zur stennlnis; bringen, daß cs Jlmen am allerwenigsten;nstebi, über sie .Inden sich >'o;u änßern, wie Sie es geihan. Sie, dessen Veben eine stelle von Vaster»', dessen Dasein ein Fleck snr den großen Rainen rnbmvöller Almen, ein Fleck für die edlen Zeitgenossen »nd nir das Vaterland ist Harte Worte Und dies, Herr Markgraf,'aber iie sind ivabr, und wenn Euer Hochgeboren in der Ehre lnindcrrianiender von anstäudi.zen und ehr lichen Staatsbürgern bcrnmwaten tonnen, warum sollte ich Jbnen nicht mit gegenwärtige» Zeilen einen. Spiegel verführen darien?" Die stirchenfürsten und rückschrittlichen Blag na lei: wurden erst dieser Tage vom Vinn lins Agliardi. in ihrem Widerstand: gegc.» diekircheiipolitiichen Reformen bestärkt, und voranssichtlich wird' in nächster Zeit der edle Markgraf wieder feine Stimme erbeben, tun vor indischer Unsitte;:i. warnen Viltfümil, fclirt, irtimcuft irilü! Eru'l Freiber: v. Wol zogen,, der bctannte Dichter, bat in einer -Br'vschüre gegen die Uni stnrzvorlage, belitetk: „Vintsuin. lebrt, schwenkt — Trab!", auch nu* , Jndenfrage" ■ das Wort ergriffen. Ist er auch nnvergleichiich mehr Edcliiiann als Junker, io bciveist doch, wie nnfeie Berliner Abwebr eollegin lreiiend bemerkt, seine Broschüre, das; die antiieiiiili'chen Schlagworte auch bei ihm';arte Spuren zuriickgelassen liaben- Rameutlich ist die. Jventisieirnng von Jridkiillnini und (R-ldaristokraiie verfehlt. Abgeseben hievon, steckt aber in der Wolzogen'schen.Broschüre viel Uubesangenheik. Er redet die Adeligen wie folgt an: „Ich ivilr euch ein Beispiel 'geben, an dem ihr bandgreislicki bestätigt, rinder,. n-ie sehr ibr euch geschädigt habt, indem ihr, den Anschluß an die neue Zeit veriänintei. Seln die Inden an! ''-Warum , ärgern sie euch so sehr? Weil sie bereits da find, .wo ihr i'o nerti fein mochtet »nd wo ibr von vcrnunfiswegen - and) sein solltet Warum stellt das Inden ' ilmm Iieutznlage nicht nur dir (''eldariiiokratie, sondern fast -incki schon die Geistesaristokraiie dar? Einsach. weil , es sich aus 'einen Boitheil verstand. Als eS mit der fcnbalen Herrlichkeit vorbei war nnd der drille Stand an die Stelle des zivciieii cfninckie, »m die. ekelliak'le Aera des EapilaliSmus zu begründen, da niachteu die Inden von ihrer eben errungenen Freibeit den qllervernünstigsten ('st-branch, indem sie sich aller der Geschäftszweige beinaeliiigle», bei denen das meiste tä.-ld zu verdienen war lind als'sie einen iinverhältnißinäßig großen Dbeil unseres Rationalvermögens in ihren Taschen ballen, gewänne» sie Mnßc, 'ich auch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Da ne gegen die Bergangenbeik keinerlei Berpflichtnnge» ballen, io hielten sic sich an das Veben u,nd de» l'Kist der Gegenwart. Der Vebendc bat stcecht, das 'Junge muß über das Alte lrinnipbiren, Stillstan^ in geistigen Dingen bedeutet Rückschritt — das Alles er kannte» iie und danach handelten ne. Sic inachlen sich mit Feuereifer alle neuen Ideen i» Wissenschaft nnd .st»!.st zu eigen Ich. fähigsten stopfe stcUlcn sie als Gelehrte oder als pratliiche Äusbenrcr der Wissenschaft, ihre Talente, auch die kleinen und kleinsten, als Schriftsteller und .stünstlcr in den Dienst der modernen Idee». Und was war die Folge? Eine ungeheure Steigerung ihrer Macht -Richt genug damit, daß sie den größte» »nd cinslnßreichsten Dheil der Presse iir ihre Hände brachten und dadurch eine oft n»S, ihrem Wirthsvolk, fein' unangenehm fühlbare ('sewalthcrrschaft anszunbeii vcrmochle», nein, sie wußten sich auch innerlich durch-ernstes Erfassen dcr eigentlich , modernen Eulturausgaben so zu bereichern, daß der alte, billige Spott über /ihre aalglatte Geschmeidigkeit und serupellose Findigkeit niininchr schon übel angebracht erscheint gegenüber der von keinem Bornrtheil mehr zu bestreitenden Dhatsachc, daß sic wirklich bereits ans fast allen Gebieten die eigentlichen Träger 'dieser moderncu Enlkur geworden sind. Schaut euch nur ein wenig . tun in unseren geistigen Ecntren: außerhalb dcr crelusivsteu aristokratischen Kreise spiele» die Inden überall die erste Rolle. Ihre Betheilignug oder zKichtbetheiligung ist so gut" wie entscheidend für alle neuen Bestrebungen