Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 160 (28.4.1895)
- Date
- 1895-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JTr. 10O- .freit» Blatt. Seite li Chinesinnen verheiratet. Ihr letzter Nabbincr war etwa Id>20 in der Provinz Kaiisu gestorben. In der gänzlich verfallenen Synagoge zeigte man ihm eine Inschrift, nach welcher dix Sunagogc in der Negierungszeit Lung-Hsing (1I<>3—1165) erbaut und in den Jahren Hung-tschy's (1488—1506) ansgebessert worden war. Herr Tr. Martin, sah eine Pergamentrolle der Thora ohne Borate in einer Schristfonn geschrieben, die er nicht lesen konnte. Ans seine Frage sagte inan ihm, die erste» Inden |'$ic» zur Zeit der Han-Tynastie (202 v. bis 2:20 ir. Ch.) in China eingewandert. Tie letzte Angabe scheint also eine alte Tradition zu sein, für welche aber kein Beweis eristirt. Tagege» nimmt das Tatum der Inschrift, den Bau betressend, mit der An gäbe, daß unter dem Kaiser Hsian tsung 70 Familien eingewandert fiieit. Temnach sind also sicher Inden in der zweiten Hälfte deS XII. Jahrhunderts nach China gekommen. Lib alle auf einmal, ob sie ntion Glaubensgenossen in China vorfanden, aus welchem Lande sie :ainen, ob sie wenigstens eine Zc>t lang im Berkehr mit dem Lande ihres Ursprunges blieben, das Alles ist unentschieden. Tb ihnen die Biischnah bekannt war, ob sie eine Gemara inilbrachten, welcher Art 'ihre (Gebete waren, ob sie vielleicht Karäer waren, dck'nach hat sie A'ieinand gefragt, und das uns vorliegende Material berechtigt zu leiner Cnlscheidung. Ibn Baiuta'S Behauptung l 1346), in Hangtschou 'eien Muhanimedaner, Juden und Christen ansässig gewesen, beruht mir ans Hörensagen. Tasselbe sagt er fast von jeder, großen Stadl, V.- er beschreibt. Unmöglich ist es nicht, da während der mongolischen Herrschaft (1-00 — 136S} China einen lebhaften Berkehr mit Central^ asien unterhielt. Bis znm englischen Bertrage von lfi-12 war nur Canton in der iii 'lidieii Provinz Knangtiing dem inlerliationalen Berkehr eröffnet, rnrch jenen Beitrag kam die Insel Hongkong in den Besitz Cnglands, und mehrere Häfen wurden dem fremden Handel erschloisdn. Tie erneu Juden, welche sich an dem neuen Handelsverkehr betheiligten, Milieu ans Bombay, wohin sie im Anfang dieses Jahrhunderts anS Bagdad nbcrsiedclt waren. Tiefe vermittelten den Tpiumhandel zwischen China und Indien und in neuerer Zeit auch die Einfuhr indischer Baumwallengarnc. Ihre HandlnngShäriser, früher in allen -Häfen verrieten, sind jetzt in Shanghai und Hongkong coneentrirt, während die Chefs der größten Häuser j in Bombay und in London wohnen. Tie ran ihnen betriebenen Geschäfte sind außerordentlich umfangreich und werden mit lueitem Blick und - einsichtig geleitet. I» Hongkong Tlannton-Straßc) und in Shanghai (Futschon-Straße) haben sie je nie Synagoge mit einem Rabbiner aus Bagdad. Ter Nritns in iraiiiich, die (Gebetbücher sind zumeist in Bomba», znm Theile mit arabischer Uebersetzung, gedruckt: doch sind auch europäische Ausgaben u»i englischer Uebersetzung vorhanden. Beide Plätze haben gut er b.rliene Friedhöfe. ES gibt 21 Firmen mit etwa 1B0 Individuen, welche englische Unterthanen sind und Arabisch und Englisch sprechen. In neuester Zeit sind auch Juden anderer Nationalitäten nach China geloinmen, deren Zahl sich ans etwa 70 beläuft. Nachstehende» Abriß der Geschichte der arabischen Inden in China b.u mir ein Freund arabisch in der unter seinen Landsleuten üblich»'» Tchrist ausgezeichnet. Tie Umschreibung in hebräischer Schrift und die llebcrsetzung lich habe sie ans dem Englischen übertragen sind gleich- 'a!!s von ihln: „Tie Juden, deren Heimat in den arabischen'Tlabten .st und die jetzt in den chinesischen Häsen wohnen, sind gering an Fahl. Bor mehr als 40 Jahren kam Elias Tavid Eassoon hieher und begann kaufmännische Geschäfte. Er kam auf folgende Weise nach Cbina: Tie Familie Tavid. Sassoon'o war ursprünglich angesehen, ■? waren Kanflente und Borsteher der Gemeinde (in Bagdad». Sie wandelte», von Umständen veranlaßt, anS und ließen sich in Indien Bombay) nieder. Eines Tages ging Elias Sassoon zum Postamt,, um seine Briefe abzuholen, und bemerkte, daß viele Briefe und Packete ms den chinesischen Häfen einliefen. Er schloß hieraus, daß der Handel zwischen Indien und China ein gewinnbringender' sein müsie, sonst wurde die Correspondenz nicht so umfangreich sein. Er verließ Indien i» einem Segelschiff, und nach sechs Monaten, unter vielen Mühseligkeiten, kam er in Canton an. Zu jener Zeit war. der T'pinin bandet sehr gewinnbringend, und Herr Sassoon sah ein, daß der Zeit vnnkt günstig sei. Er begann in sparsamer und einfacher Weise; eine Tpeenlalion brachte die andere, und er erwarb ein Bermögen. Inzwischen waren auch Andere nach China gekomnien und hatten viel verdient. Zur Zeit leben etwa 175 Inden in China, die ersten sind die Häuser von Tavid und EliaS Sassoon. Andere Firmen sind Ieckseskel, Joschuä, Esra u. A, welche sümintlich in Baumwolle, '^arn und Lpiuiii handeln. Sie haben eine Synagoge-in der Futschon-?iraße (der Shanghaier Niederlassung), die den Bedürfnissen der (Gemeinde nicht entspricht. Alle Juden sind im iTpiuni- und Garngeschäst oder als Makler beschäftigt und, in guten-Berhältninen.' Ter Name Sasioon ist bei ihnen hochangesehen. Tie fleiben (ich englisch uuh sprechen Arabisch, Hindusiaiiilch und Cligtüch " (Spät kommt ihr, doch ihr tomml!, Wir erhalte» von anthenlischer Seite die Milthdilung, das; die Mjiglicder der 'Bereinigten deutsch,;» Linken des NeichSratheS, die liberalem Landtagsabgeordneke» sowie die der fortschrittlichen Partei angehörigen Bcitglieder des (>'e* mcinderalhes eine Art geselliger Berbindung gründen wollen, der auch t^esinniiugsgenossen. welche den genannten Bcrtrelnngstörpern nicht angehören, beitrete» können. TieSbezüglich hat sich bereits-ein Comil,' gebildet, das mit möglichster Beschleiinignng seine Borichläge einer eonstituirende» Bersamuilnng vorlegen wird. Als Haiiptprogrammpuiilt wird ein engerer Contael mit den Wählerkreiien bezeichnet, und es werden zu diesem Zwecke eigene BezirlSeomil-'s gegründet werden, die mit der Centrale in Berbindnng stehen würden. Es solle».in lnrze» Intervallen gesellige Bersammlnnge» in säinintlichen Bezirken stall finden und in den Sominermonalen Ausflüge' veranstaliet werden, bei denen die hervorragendsten Redner Borträge Hallen würden. 'Auch die Gründung eines große» Clnbhanfes wird beabsichligl (Tic stiilNkichcil (5oilciirsausschrtib»ngtil und Der Tliiijschriii.l Bor einigen Wochen stellte Tr. ii r o n a w e 11 e r jm 'Abgeorpiielen Hause die Interpellation, warum entgegen der Beilimmnng des ^TtaatsgrnndgesetzeS bei staatlichen ConenrSausfchreibungeii von den Bewerbern der Taufschein verlangt werde. Fiiianzminister Tr. v Plener ertlärle .in der-Beanlworlnng dieser Interpellation, daß tünslig in allen staatlichen ConeurSaiiSschreibungen bloß der „Nachweis d.es-<^ebnrtsjahreSE' verlangt werden wird. Bor kurzem -ist aber dievon säinintlichen Amtsblüllern pnblieirte ConeurSaiisschreibling für die -Ausnahme in die k >. Candwehr Cadctlenl'chiile in Wien erschienen, und dieselbever langt, Laß Beiverber um die Ansnahme jn diese Siaalsan.stalt unter ihren Toeumenten als erstes den Tansschein vorlegen sollen . In der Sitzung deö Abgevrdneleiihanseö vom-25. d. M. brachten Tr. C'otz lind (Genossen dieses dem SlaaiSgrundgeietze zuwiderlausende nencrlich.' Berfahren zur Sprache, indem sie wegen desselben eine Inlerpeltalion an £eit Pkinisterpräsidenle» stellten. (A»s dtlll (Ocilicillöcrntlic. Tie änlisemiiischen Siadlväler habe»! nach de» Tsterferien wieder ihre Thätigkeil aiisgeiiommen und im j Rathhanse eine streihe von Seandalscenen hervopgerusen. Ter Heurige.»- schänker Steiner wollte am 10. d. M zwei Fliegen" mit einem Schlage tobten und den Baron N'alhaniel rliothschild "zugleich mit dem MagistratSräkhe Tr C r o» a wett e r anschwärzen. Ufta diesen Bersuch des höheren Zielen znstrebendeii Grinzinger Schankets liegt folgender Bericht vor: , Steiner fieltt eine Interpellation, in wel.ber Sarani bingewieien iviid, das! rltathauiel'Freiherr v. Aolh'chüd das Ainiichen bei dem Magistrate eiiigcbraän habe, ihm zu gestatten, das; er von leinen (.''arten auf der Hohen Bö.nie l>:-> zum Tonaueanal eine eiiea zwei aulomeier lange Waneeleiinng erbauen dürfe In der poealcomniölion, als deren veiler Maginraisralb Tr. Ferdinand.'irona ivelter sungirt .haben soll, seien nur die '.lturainer, nicht'ab-'r auch die Inter eneuteu aus der eirea einen .Nilomeier langen Erinzingerüraße eingeladen worden. Weiteis heißt e-Z i» der vom Tcheinlübrer T ch r e n ck b verle>c»ei> Iuleipellaliou: Aach dem Eonimni'ionSpiototvlle wurde dem Baron 'liolbsäiild gestaltet, die Böasierlenung ans Tkraßengrund zu errichten gegen einen int:v tichen Pachtzins von lU-lr. per lanfeuden Meter und gegen dein, daß der i''e iuchswerber für alle eventuell entstehenden TBaden ba'ie. Brr nugeiähr vierzehn Tagen hat nun Herr Baron ötoibuchiid mit der Eirichinng der erwalnnen Böasserleilnng begonnen »n^ legte zunächis in den llmergrnnd,deSvon der stzrinzingerstraße ans die Hohe Want sührende» Bert lnt»n>zsweg.s eiira l."> Ccnlimeter starte lLisenrohre, Tie>er Berhindnngsiveg cFnßsteigl liegt znm größten Theile im Terriiorinm de-r alten Heiligenstätidb Feledhojes, und eg nihen daletbn im Tchooße der geiveihten Erde noch die Eiebeine der alten Heiligenftädter Bürgzer. Es wurden min, man bvre und staune, bei der Erd anshebnng für die Eunelie (Haber und (Jiritito in vaudalischer Weise mit Nraiiipen und Tchaiiselu geöniiel, die zin Wege stehenden lüebeiiie heraus geworse» ,... Hieß mann: Hvit, dort! Teandal! — F r a u e n b e r g e r : Ader, aber! (tzärm auf der liiite» Teile deS Hanies.i — (" v c g o v > g Uop't auf das Pult und rnit: Wir werde» »ns Alles gefallen lauen von de» Inden! — Bürgermeister Tr. <(' t ii bl iz» (Äregorigl: Mäßigen Tie sich! Ich iverde die Inlerpellatio»'gleich heansworlen. — Gregorig: Wied ichön ans'alten. Unerhört! Tas geschieht in der ükeichShaupl und :yeiide»;üadl Wie»! -- - Tchrislsührer T ch r e n ck h ii» der Beelesnng foetiaheeiidi:. . lind erst dann über eine Bersngung des magistraiischen BezirisanneS Töbling niinelst Fonegons eniseri». Eine circa vier Meter große Ernst z,var ganz voltge'nllt mit lüeheine» und eS wurde» aus dersktden so viele Menichenliiockicn i» pielälloier Weile herauSgeworsen, alS zur Tnrchfnhruiig der Wasserleitnngsrohre ersord rüch ivar.