Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 160 (28.4.1895)
- Date
- 1895-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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?ctte - freies Blatt. Nr. Ill" und ti hängt Alles davon ab, wie die Regierung und namentlich die derselben angchörigen Vertreter der deutsch-liberalen Partei die Mahnung, welche dieses VcrtraucnSvotuin einschließt, beherzigen werden, aber auch davon, wie sich die Partei selbst zu benehme» gedenkt, um fürder unter allen Umsrändcn das treue Festhalten ' au ihren Principien zu bekunden. Wollen die deutsch - liberalen Abgeordneten den in fortschrittlichen Wählerkreiscn von Bregen; bis Czcrnowitz herrschenden Mißniulh bannen, so müssen sie endlich, um ein treffendes Wort des Abgeordneten Dr. Rott zu gebrauchen, ihre Principien in Thalen uniscyeu..;rr’f . <§ine Frage an die „verschäntten". i C l igiuat-de- „Freien Blatte-".) Hannover, 24. Äpril.' 2cit etwa fünfzehn Jahre» leiden die öffentlichen Zustände i» Dentfchland nicht wenig unter den schädigenden Einflüssen der antit'euiitiichcn Bewegung. Es handelt sich für jeden unbefangenen Beobachter unserer politischen Entwicklung bei dieser systematisch betriebenen -Judcnheyc gar nicht mehr um die Juden und ihre sociale oder staatS rechllichc Stellung in Dcnlichland, -sondern um ganz etwas Anderes. Die antifeinilifche Bewegung — inan mag im klebrigen über Juden nut Jndenlhum denken, wie man will — iit nachgerade zu .einer j BergiflnngSguellc des öffentlichen Geistes in Deutschland geworden. j Daß in ihr daher nicht zu unterschätzende Gefahren für Deutschland! '.erborgen sind, beginnen nunmehr sogar, die — verschämten Antii Kirnt:» einzufrhen. Gründlich, wie diese Herren nun einmal sind, gehen! sie :etzk, nach fünfzehnjähriger Hctzarbcitszcit, den Dingen ans bic i Dvnr. -Sie fragen nach den wahren Gründen dieser Bewegung. Sie 'inten, daß „vielfach niedrige Leidenschaften die Triebfeder für den Antisemitismus abgebcn", sie erkennen, daß „Rcid und Mißgunst iU'itr diz Erfolge mancher Juden auf dem materiellen, zum Dhcil auch auf gciüigcm und soeia(em Gebiete sicher die Saat dcS Anti feiiiitismns in manchem Gemüibe ausgcstrcut haben". Aber wenn trotz dieser häßlichen Beweggründe, wen» trotz der „störenden, persönlichen Momente", wenn trotz der Ahlwardt, Veit § und Anderer diese anliseniili'che Bewegung in Deutschland noch immer nicht zurückgehcn milt, fo muß, wie diese edlen Leute schließen zu sollen glauben, an der Dache doch ciwaS sein. Man muß, wie das neueste beschönigende Dchlagwort für alle moralischen Minderwcrthc lautet, mit dieser .. Dbailache" rechnen. Das lbun natürlich auch die „Verschämten", und da finden sie denn als den "wahren Grund für die Fortdauer her Antisemitenbeweguug in Deutschland die durch ihre 'Reuhcit wahrhaft staunknerregendc Dhaksache, „daß sich daS Jndcnthum bei nnS in immer bedenklicherer Weift vvrdrängt". Do heißt cs beispielsweise in einem Artikel der mit dem Antisemitismus von jeher liebäugelnden, frei eont'.rcativen „Post" : „Glicht bloß auf dem Gebiete des Erwerbslebens, und hier gerade in denjenigen Zweigen des Erwerbes, welche nNe.i .wirklich productiven Charakter wenig oder gar nicht haben, sondern auch betreffs der akademischen Berufe. Die Berufe der Richter, Rechtsanwälte/ der Acrzte vor Allem sind cs, in welchen daS Jndcn- :! «nt sich in einer ungebührlichen und nicht bloß lästigen, sondern l antig direct schädlichen Weise vordrängt. Bon der Presie gar nicht zu reden. *1 Dieses rücksichtslose Auf- und Bordrängcn des Judenn ums in Verbindung mit dein Gebühren der philoseuiitischen Preise m die vornchmlichc Ursache, aus welcher in der Volksseele die Dtim- .anng für den Aiuisemikisinus hervorgeht. Wird diese Ursache be- ' nr.u, >'o wird auch dem Antisemitismus seine stärkste Wurzel ge- '/ ,'ti Jir. J.V.* :. : „freien Blatte-" wurde schon darauf h,»gewiesen, num die ..'tzcA" von ser tzrene gar nicht rede» will. Die zählt ja unter . reu eigenen Uledacteuren zwei Herren semitischen Nrfvrunges, welche i» journ Niüi'chrn Xrei'en wegen ihrer hervorragende» Bildung und Begabung für die tfiVn Bl,'a'beiter des Blattes gelten. Tic Red. nontnicn werden. DaS sollten sich die verständigen, und anständigen Juden selbst sagen und zur Richtschnur dienen lasten." Der „Post" war cs zuerst unter allen ihren vollblut-antisemitischen Mitbewerbern um die Gunst einer gcwisten Sorte von Lesern bc" schieden, die „nicht bloß ungebührliche und nicht bloß lästige", sondern die „hüüsig direct schädliche Weise vor Allem der jüdischen Acrzte" endlich dem geknechteten deutschen Volke vor die Dcclc zu führen. Es fehlt nur noch die positive Behauptung dieser verschämten Antisemiten mit der scheinheiligen Maske des Biedermannes, daß jüdische Acrzte mit ausgesprochener Absicht ihre christlichen Patienten vergiften oder abschlachten. Wir zweifeln nicht im Mindesten daran, daß nach einem weiteren Studium zur D.ucllcngeschichtc dcS Antifemitismuö diese chrcnwcrthcn Leute auch noch zu dieser Erkcnntniß gelangen werden! Was sollen nun nach deren Meinung die „verständigen und an ständigen Inden" in Deutschland werden? Den unproductivcn Zwischenhandel sollen sic nicht treiben, an der productiven Arbeit thcilzniiehincn, hindern sic die Zünfllcr jetzt schon, Lehrer, Richter, Rechtsanwälte und Acrzte sollen sic auch nicht werden, was also sonst? II. A. w. g. Die Dudell in ^bina. Herr P. G. v. Möllcndorfs, welcher, nachdem er -viele Jahre in Korea gewirkt hatte, gegenwärtig in Shanghai ansässig ist, vcr öfientlicht in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Jtrdcillhuins" einen Aufsatz, über die Juden in China, welcher ander wciligc Angaben in zahlreichen Punkten berichtigt. Er schreibt: Man hat Juden in China nur in Kai snng-fu, der Hauptstadt der Provinz Honan, gefunden, wo sic der Jesuit Alcni 1013 zuerst sah. Roch vcrschicdcncmalc sind sic dort von katholischen Missionären besucht worden, aber keiner von diesen besaß die nöthigcn Kenntnisse, um zuverlässige Angaben zu erforschen. Was die ältere Literatur übcr dic Juden berichtet, ist oft zusainmengestcllt worden. Danach bildeten die Inden in K'ai snng fu noch im vorigen Jahrhundert eine Ge mcinde von 5ÜU—000 Mitgliedern und besaßen eine Synagoge. Bon den Chinesen wurden sic mit den Muhammedanern verwechselt, ivelch Letztere chinesisch lmei-liuei heißen, und dies mag der Grund sein, daß weder die amtliche - Beschreibung der Provinz Honan (Houanschemr-tsi-liy'), noch die der Stadt K'ai fnng-fn ihrer erwähnen. Die Missionäre geben an, die Juden seien in den Rcgiernngsjahrcn ,'>ung p'ing's (58—7(5 ». Ch.) der Han Dnnastic ans Persien gekommen, und ihre Sprache enthalte viele persische Wörter; zur Zeit des Kaisers Hsiau-tsnng <1163—1190) hätten sich 70 jüdische Familien in K 'ai fung-fu niedergelassen. Im Jahre 1850 wurde eine Dcputution chinesischer Christen auf Veranlassung der Londoner Gesellschaft für die Verbreitung des ChristcnthninS unter den Juden nach K'ai-fung fn geschickt. Dieser Besuch ist im Chinese Iiepository, vnl. XX (1*51), p.430 bis 466, und vervollständigt von A. Wylic in I. SuinmcrS, Th- Chinese an<l Japanese Iiepository, vol. I (1863), p. 13—22 nnd 43—53, beschrieben worden. Es gelang den Sendboten, einige Handschriften zu erwerben, von denen eine Thorarolle in Hongkong aus bewahrt wird, die anderen (7 Handschriften: „Theile des Alten Testa ments aus dickem Papier, in Seide gebunden, und die Liturgie auf Purim") in den Besitz dc»8oeiely kor the Propagation of cliristianity among the Je\vs in Liueoln's Inn I'ields. London, ge kommen sind, aber, so viel ich weiß, noch nicht von Sachverständigen untersucht wurden. Das in Hongkong befindlich/ Mannscript ist eine defecte Thorarolle auf weißem Schaffell. Eö enthält die Thora von Gen. 29, 30 bis Ende, auf 194 Eolinnncn zu 49 Zeilen, neueren Datums mit Kalam geschrieben, unter ziemlich genauer Befolgung der Vorschriften für Thoraschreibcr. Von dieser Handschrift wurden 78 Seiten zu 9 Zeilen in Facsimile lithographirt: Facsimilos of tln- Hehrevv -Maimscripts ohtained at the Jewisli Synagogue in h»"- fniig-fon. Shanghae, 1*58. enthaltend Epod. 1,1 bis <>,1 und 38,21 bis 40,38. Das Facsimile ist aber von unkundiger Hand an gcfenigt und für wissenschaftliche Zwecke ganz unbrauchbar. Im Jahre 1865 kam R. A. P. Martin auf einer Reise von Peking nach Shanghai über K'ai-fung-fu. Er fand noch sieben Geschlechter (mit chinesischen Familiennamen) und etwa 200 Individuell vor, welche ganz zu Chinesen geworden waren - und nur zum Thcil den semitischen Gesichtstypus bewahrt hatten. Sic besaßen keine Kcnntniß der hebräischen Sprache und.Schrift. Biele waren mit