Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 159 (21.4.1895)
- Date
- 1895-04-21
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441617--1934-4888352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 1«». Seite y. .freies Blatt. Hage ansrechtzuerhalten, »iid ziehe dieselbe zurück. Mil Rücksicht hieraus wutde! der Angeklagte freigesprachen, und die Autisemitenblätter drücken diesem .'lämpser gegen „Corrnptian" ihre Sympathie auS. . (Ccfterrcidl als Muster.)- Die „K re u zz e i l n n g" sühn darüber Besckoverdej daß in Preuße» viele Juden als Richter fuitgiren, und empfiehlt dem preußischen Ministerium sich daS Berhallen der österreichischen Regierungen gegenüber jüdischen Bewerber» um AmtSstellen zum Diuster zu'nehme». Das Jnnkerbtalt schreibt: „Seit Jahre» zeige» sich die verschiedene» Regierunge» in j CeüeireiA bestrebt, das 'Auskommen der antisemitische» Bewegung zu ver! Iniider», und dennoch haben sie nur unerhebliche Zugeständnisse gegenüber dem jüdi'chen Andrange gemacht, ja man ist sich sm Grunde genommen stets darüber üar geivesen. daß die Zulassung jüdischer Juristen' in größerer Zahl daS Bernau, » der Bevölkerung zur Rechtsprechung wie das Ansehen deS Richterstandes nberbaupt herabdrückeu muß.. Lo sind im Gebiete deS österreichische» ^bertandee-getichteS höhere Richter jüdischer Religio» überhauvl nicht vorhanden.' Alle Mitglieder derselbe» wie des höchsten GerichlSKofrS. ferner fiimiucli.-ii.- Staatsanwälte sind Christen. Unter 171 LaudeSgerichtSrätheu be knidrl sich nur Ein Jude. Bon i:iO BezirkSrichiern gehören t>, von Adjnncten tAffefforen) nur 8, von 103 AuScultanien (Referendare l nur ein ein vger der jüdischen Religion an, so daß in Desterreich Alles in Allem nur '1-: jüdische Richter anzutrefsen sind. Eine Zeit lang schien mau geneigt: den Juden die richterliche Lausbahn ein ireuig zu öffnen. AuS der Dhatiache, daß gegenwärtig nur ein einziger jüdischer AuSeultant zugelasse» worden ist, geht md,neu hervor, daß selbst, da» CoalitionSininisterium bestrebt ist, daS jüdische Element vom Richlerslande sernzuhalte». Wo an einem GerichtSbose jüdische \ Runter' vorhanden sind, nimmt man jüdische AuScultmiten nicht an, weil bereits j Juden genug vorhanden sind, und wo die Gerichte sich bisher noch judenrei» I evbaltrtt haben,, da wollen sie von der Aitnahtne jüdischer Richter erst recht nichtd wissen. Selbst in Galizien ist die Zahl jüdischer Richter ttnverhältutß mäßig geling; unter 120 LandeSgerichtSrätben findet inan nur einen, unter lT-’J B.-zirkSrichtein nur drei, unter 311 Adjuttcten nur 18 Jtiden. Außerdem haben sich die jüdischen AuSetiltanten wie in -Desterreich stark vermindert Seit acht Jahren soll kein jüdischer AuSeultant ernannt worden icitk In Galizieit sind die jüdischen Richter auscheinend auf den Aussterbeetat geiel-t ivorden. In die übrigen BerwaltungSzweige, abgesehen von der Wiener Polizeidirection, baben die Jude» bisher überhaupt noch keinen Eingang finden können. Der Jtttanzntinister soll verboten haben, daß btfi der Ueberwachung der Brantttweinüenererbebung in Galizien jüdische Beamte beschäftigt werden! . Ja. eS wird er- : ibli. daß Herr v. P l e n e r, desien Liberalismus über jeden Perdrcht erhaben ist. unlängst einem jungen jüdischen Juristen, als er sich mit eine Stelle bei fei Finanzverwaltnng bewarb, fügen ließ, er möge lieber Advoeat werden Die l:c'.. und Tetegraphenverwatlung in Galizien nimmt Juden an, aber ttach ihrer bisherigen Praxis, obwohl die jüdische Bevötkernitg 12 Pereept attSmacht, nur bis zu t> Percent deS BeamtenttandeS. und sie hat mit Beztig daratts iudf che Bewerber wiederholt znrückgewieseu, sie ' will von diesem Gruiidiatze lischt 'abweichen." Die „Rrettzzeitung", welche sonst von „jüdischer Allmacht" in Sej,erreich;n sasel» pflegt, läßt sich diesmal das Geständniß entschlüpfen, daß die Juden daselbst nur im Get'chäslSleben Einfluß besitzet,, darüber hinaus aber rbl'tnächiig seien und eine Behandlung-wie die vorher geschilderte ertragen i müssen. Rede» wir nicht davon!). Die Berliner „Post", welche abwechselnd t'einitelt und den Antisemitismus mit Entrüstung verurtheilt, sagte jungst ' tr eitlem Artikel über „de» Antisemitismus und seine Ursachen" wörtlich: „Die Berufe der Richter,, der Rechtsanwälte, der Aerzte vor Allem sind es, in r eichen daS Judenlhutn sich in einer ungebührlichen und nicht bloß lästigen, t ltdern häufig direct schädlichen Weise vordräugr. Bon der Presse gar nicht.zu reden." Daß die „Post" von der Presse gar nicht reden will, 'luden mir — bemerlt die „BolkSzeitung" zutressend — eintgeriuaßen begreiflich, . e.t sie unter ihren eigenen Redacieuren zwei Herren semili s-lten Ursprungs zählt, welche in journalistischen »reisen wegen ihrer hervori'genden Bildung und Begabung für die befähigtesten Btilarbeiler deS Blattes rlten. Unter solchen Untständen hätte die „Post" vielleicht besser geihan, auch eit den Beruseu der Richter rc. „gar nicht zu reden".' tl'Oiicemrirmiß »ach rückwärts.) Herr v. Ha mm er sie in, d.r mit gerichtlicher i eisolgung seiner „Berleuinder" gedroht halle, tritt nun eitlen Rückzug an und 'uäu ihn dtttch folgende in der „ttreuzzeitung" vom 18. d. M. perössentlichte Etllärung zu beschönigen: „Tie anständige Presse hat den von der „»leinen i teste' tn Fraulsurt oeibicitctett verletiinderischen Angriffen gegen die .'ireuz ' innig und meiite Person leine Austtahme gewährt. Wenn ich mich trotzdem iM'chloß, zu BerleumdungSklagen gegen mehrere Blätter Auftrag zu geben, so „'chah dies, weil ich es im Interesse der .strenzzeilung und der conservativen Partei für meine Pflicht hielt, seststellen zu laste», daß die Behauptung, die 'iceuzzeitnng sei finanziell ruinirt, mtd zwar durch meine unredliche Gebahrung mit den Mitteln derselben, itt allen Theilen erlogen ist. Nachdem die Feststellung "eit der für diese Frage am besten insormirten und maßgebenden Stelle, durch die Erklärung deS CommistärS der RrenzzeilNug zGrase» Rattitz), klar und bestimmt erfolgte, lassen mich die übrigen gegen midi gerichteten Berietttuduttgett völlig kalt, so lauge dieselben sich alS daS pmnttrnte?.',achwerl einer G, iellschafl darstellen, die, wie schriftliche m meinen Händen befindliche BewelSstncke darthnu, schon seil längerer Zeit an der Arbeit ist. i:nt durch Bestechungen um loben 2 ttntttten Aussagen gegen mich zu et taufe,». (!) Inzwischen bat aber tie ..'(leine Presse, und andere Blätter sind ihr neuerdings Ptolgt, bebanvtet^ daß ihre Quelle für die von ihr vetöstentlichten Angrine in den Rethen der mir politisch nahest'ehettden Persönlichkeiten zu suchen sei.. Ich halte zwar n ,>ti„ii dt.ie gegen die Mitglieder der conservativen Partei gerichtete.Jnttnuatiotr ttir ttnbtdtttgt lügenha't, will aber zur »laistellmig -biem-. die .»leine Pee-'-e mtSkritcklich ans; gefordert haben, entweder selbst die Namen derjetiigen eon-etvättvett Persönlichkeiten zn nennen, ivelche ihr das Material für tfne Berlettinknugeu geli,". .1 haben sollen, oder diele Herren zu rcraniasse-t. selb-) mit ihren Namen bervotznlreten. Erst wenn dieser meiner Aussorkernng in der einen oder anderen Weste entsprechen in, werde ich mich veranlaßt der Atigelegenbeit nett wettere Beacklinng zu schenket,." fniillmin. In Jldif und Platin. Hornau ans Polens Porjcit Carl (Oriot. , f l. .!• DrillcS bigpil c l. Die'Sonne ging eben .aut in greUroihem, fleck,endeut >»lan-e' und beleuchtete die ansgedehnten Felder, den Wald in der Ferne und daS Dorf zu den Füßen des Schlosses Der anbrechende Dag enveckie die Bauern;n neuer Arbeit, und tie schritten ans das Feld hinaus, mit ihren Werkzeugen beladen, die rüstigen Ackerpserde vor sich herlreibenkfi An einem Erter des Schlosses von SSwielweständ Frosmilha und blickte sinnend über die weile Ebene hinaus. ». Ja, cs war schön, dies Alles zu beherrschen, das Wittb, so weit die Angcn reichte», sein Eigen zu nennen. Solch ein Los Halle tie er hasst,.solch ein Los war ihr als das schönste erschienen in den Dogen ihrer Mädchenlrättme, und es' war ihr znlbeil geworden. Wie oft Hane ihre Phantasie ihr blendende 'Bilder vorgegaukell von Macht und Herrlichkeit daheim in dem ärmlichen Schlosse des! Bakers, und bcgehrenswcrih war es ihr stets erscktienen, weithin zu! gcbieien als geehrte, geachtete Herrin. Wie halte sie ausgchorchi, wenn der ihcnere Greis von dem polnischen Edelmann» erzählte, der aus seinen Gulcr.» herrsche wie ein Rönig lind dessen Sohn einst loniinen solle, um ne, FroSwiiheu, heinizusuhren. .Immer und immer wieder haue ihr. der Baler ,berichten müssen, wie er, einst ein mächtiger Gras, vor dem Zorne Kaiser EonradS nach Polen geflohen sei, wie ihn der wackere Edelmann gastfreundlich ausgenommen und wo er zum Dante dafür seit, reizendes, tleincs Töchlerchen mit dem naben Bogdan, dem Sohne des Freundes, verlobt habe. Und dieser Sohn Halle all ihr Denken, all ihr Dräninen ansgefnlll. Wie er wohl attSseben mochte? Halle tir stets, gedachtsind sic entwarf sich in ihrem Herzen ein Bild von dein Manne, dem sie. einst/angchörcn sollte ihr J'eben lang. Groß, und stattlich müßte er' sein und alte anderen überragen .an Mtith und hochherzigem Sinne. Wie schön mußte sich leben an der Seite eines solchen Gatten! Wie wurde sie beneidet werden von allen ihren Freundinnen, wenn sie Mit seiner Seile dahinschritte, Arm in Arm mit dem herrlichen, mächtigen Manne! Und dann kam er wirklich, der beiß Ersehzrtc, und er kam ganz anders, als sie gedacht hatte. ' Es war zur Weihnachtszeit gewesen, und ringsum erglänzte. Alles in weißem, lenchtendem Gewände. Bon den Nadel» der Dannen, die in langer Reihe zum Schlosse führten, funkelten und ' leuchteten die Eiszapfen. Der Schnee tag ringsum auf den Feldern, und die Leute ans dem Dorfe Mußten sich mühsam ihren Weg bahnen. Froswitha fuhr an der Seite ihres Baters in einem leichten Wägelchen. Die Weihe deS heiligen Festes, daS sic begingen, umfing sie und verklärte ihr Antlitz, und ein freudiges Lächeln uinspielie ihre rolhen Lippen. Sic waren schon nahe'am Schlosse angelangt, das in seiner schmucklosen Einfachheit eher einem Bauernhause glich ass dem Sitze eines Edelmannes. Da vernahmen sie plötzlich Pferdegetrabe und erblickten eine Rciterschaar, die gucr über die schneebedeckten Felder ans das Schloß znjagkc. Was war daS'? Näherten sich Gäste ihrem sonst so 4