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Freies Blatt · 1895-04-21 · 159 (21.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
159 (21.4.1895)
Date
1895-04-21
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15<J. freies Blair. feite 5>. trft nichts Tröftlichcres, als daß „erforderlichenfalls" — das heißt : falls cs einmal opportunwerden sollte — unsere' Wünsche beherzigt werden würde». Wir haben gesehen, wie diese Zusage in der Äsfaire der „Rettungsgesellschaft" eingehalten wurde, kur;, wir haben erkennen müsse», daß dort keine Stütze zu finden war, wo sie uns freiwillig Halle geboten werden sollen. Und drüben im tiager der Gegner war man nicht blind. Für Jene war diese Zugel nöpfl hcrt, die uns zutheil wurde, geradezu eine Ans inunleruiig, in der e i n g e s ch l a g e »e » Dichtung fort z »fahren, und sie haben es auch weidlich auSgenützl, u nt daraus Capital z n schlagen, neuen -Anhang zu gewinnen. War das itichi ' vorauszusehen? Darr man sich da wundern, daß angesichts solcher officieller Duldsamkeit die Schwenkung niuer der Beamtenschaft und Lehrerschaft nach jener Seite hinüber immer bedenklicher wurde? . . . Ein offenes, ein entschiedenes Wort von oben, zu rechter Zeit gesprochen, statt aus weichender, umschreibender Phrasen, die sich wie die alten Drakelsprüche dehnen und verdrehen ließen, -aalte das hintangehalten, was heute kommen mußte n e i n, nicht m u ß t e, sonder n was m an io in m tu ließ. Und auf dieses bestimnite. offene, keine Mißdeutung zulassende Wort!,ai jener T-beil der Mitbürger ein Recht, der gegen alle staatliche Ordnung schutzlos den wildesten Schmähungen und Bedrohnugen vreisgegeben, der geradezu für vogelfrei erklärt ist. Tiefes offene Wort ln if;t: D e r A n t i f e m i I iö m u S in Schrift, Wort und Thal i ü eine gemeingefährliche, dal» W e f e » d e r Staats . rdn n n'g, die S t ä a l s g r n n d g es etz e schwer verletzende Bewegung. Er kan-n von einer Regierung ebenso w > n i g geduldet iu erben w i e der A n a rch isin ns o d e r auder-e Bestrebungen, die dahin gehen, den inneren ,v. i e e lt d n r ch G ew a l t m a ß r e g e l n; u st ören und einen B ürger tr ieg her b e i; u f ü h re n. Daß dieser oder ein ähnlicher Äu-'ivrnch einmal gethau werde, darauf habeir wir hingearbeitet und öamit unsere Pflicht gethau. Vointue, ivas da wolle, wir weichen 'nicht von der Bresche, denn in unseren Herzen hab.en wir daS Bewußtsein, einen Standpunkt zu vertreten, den jeder gerecht, fühlende und denkende Mensch einnehmen soll. Dieses Bewußtsein genügt uns, um unseren Math aufrecht zu erhalten. In unseren Reihen ist nicht Einer, der durch Bethütigung dieser Gesinnung, einen persönliche» Vortheil aniiteilt, rill Gegeutheile, wir wissen, daß wir heute ebenso schutzlos da flehen, ebenso allen Schmähungen. auSgesetzt sind wie Jene, deren Rechte wir gewahrt wissen wollen. Aber schließlich ein alter Spruch sagt: Hilf dir selbst, so wird Gott dir helfen — und zur Selbsthilfe wird eS noch kommen müssen, wen» diese österreichische Special Anarchie hereinbricht, die bereits ihre wilden Schläge an den Thoren c-.srölnieii läßt. Sammeln wir uns, wenn es dahin konimen soll! Pom Hund ans dic Katze.) Man schreibt uns: Im „Freien -Blatt" vom B. Juni IBO-t wurde berichtet, daß der im X.-Bezirke ivolmliafte antisemitische Tapezierer Johann Mayer in einem Gast liaufe am Bürgerplatze zwei Heldenthaten vollbrachte: er beschimpfte einen alten gebrechlichen jüdischen Hausirer in der rohesten Weise und schnitt dann dem Hunde des WirtheS den Schweif ab, welcher Streich iliiu später ziemlich theuer zu stehen kam. Bor einigen Tagen hat nun dieses Mnsterexemplar eines. Antisemiten im Gasthause der Frau Caroline Skazel in Favoriten, Triesterstlaße, ein ähnliches Heldenftiidlein. vollbracht, und zwar war diesmal das Spfer seiner Rohheit eine — Katze. „Wollt's selten, wie - ma aüS » Kater an Juden macht?" frug er zwei Arbeiter, die an seinem Tische saßen. Die Befragten lachten, und einer von ihnen meinte, das möchte er doch wohl gerne sehen. Mayer packte rasch einen in der Stube befindlichen -'f ater, klemmte ihn zwischen die Beine, erfaßte daS vor ihm liegende Brotmesser, und ehe es noch Jemand verhindern konnte, lag der Schweif des armen ThiereS schon auf der Erde. Diesmal sollte es dem Tapezierer aber sehr übel bekommen, Venn zwei Ziegelschläger walkten den rolie» Menschen gehörig dnrch. Tie Antisemiten sind trotz alledem •-»echgehends große Thierfreunde, und auf einer der nächsten Petitionen -im Erlassung eines SchächlverboteS wird der Raine des Tapezierers Foliann Mayer sicherlich nicht fehlen. r Cfftrrrcid)ifd)c Gesellschaft der Friedensfreunde.) Am l". April : irtiiftaltctc die Gesellschaft der Friedensfreunde in Baden bei Wien mm „Suttner-Abend", der von glänzendem Erfolg begleitet war Der Bonrag des Baron Suttner über „Die Erziehung zum Frieden" und die Vorlesungen der Baronin fanden den begeistertsten Beifall -es zahlreichen PnblicumS, unter welchem sich auch mehrere Mitglieder ^'S Wiener Vorstandes befanden. Hohes Interesse erregte ein fran- .'sischer Portrag des bekannten Pariser Schriftstellers Felix tiaeaze, der im vorigen "Jahre auch im Coneördia Club und im .Wissenschaftlichen Elub als Friedensapostel ausgetreten in. ‘ An die Borträge schloß sich' unter dem Vorsitz der Ehrenpräsideitiin Bertha von Suttner ein Vereinsabend der Badener Friedeti.sortsgrnppe mit Fest' effe»,. Ansprachen und dem Vortrag einer neue» Blneti'e von Bertlia -Matscher. Die Badener Ortsgruppe zählt bereits ICO Mitglieder.' >Gi»c Tiroler Lliinutc über die Versündig,nig gegen den Liberalismus.) aäs „L irolcr ^.agblait" eonstatirt eine alte ivahrhaft liberalen Elemente der deulichc» Bevölkerung Oesterreichs nnifasfendd tiefgehende Unzufriedenheit' mit den herrfchende» Znftände», um den Resultaten der Eoalitio» und mit der Rolle, welch? die gewählten Vertreter der deutsch liberalen Partei in dieser Eoalitio» spielen, und sagt: „Tiefe Empfindung der überzeugten und denkenden Bekenner des liberale» PrineipS har ihre Berechtigniig, . iveiin man beobachtet, wie vielfach die Vertreter der deutsch-liberalen Partei ii» Abgeordneten Hause mit dem Gewichte ihrer Stimmen für geici-geberifche Acte eintreten, welche mit dem freiheitlichen Grnudgedanle» unserer Staats verfasiiing im Widerspruche stehen, wie sie schweigend eine Handhabung der StaatSverwaltiiNg sich vollzi-'hc» lassen, welche die wichtigsten staatsbürgerlich n Rechte einengt oder ganz ignoriri, wie sie widerspruchslos duldc», daß das Evmproniiß ans parteipolitische Zu-rückhaltung und gegenseitige Duldnng dahin ear.ikin wird, daß die Deutsch liberalen sich die streng sie Zurüllhaltnng anfertegen und die anderen Faetorcn.-der Eoalitio» die weitgehendsie Duldnng -- der Deutschliberalen für sich in. Anspruch nehmen. Die große M'asi'e der deutsch liberalen Partei ist sich darüber tlar, daß bei einem solchen Verhallen ihrer gewühlten Vertreter der Abt'all von der Partei epidemisch ein treten muß, und da sie überzeugt ist, daß diese immer wiederkehtelrden Versü'ndigungeu ihrer Vertreter gegen das Parieiprincip nur aus den Berpflichtunge» abzuleiten sink, ivelche den deutsch liberalen Abgeord »eten gegenüber ihren Parteigenossen aus den Ministersiühlen obliegen, so ist die Unzufriedenheit der deutsch liberalen Bevvlternngseleniente mit der Eoalilion nach unserem'Dafürhalten ganz und gar begreiflich. . Die Kennlniß dieser Verhältnisse, dreier Stiinmri/g innerhalb der Be völkerung ist gewiß eine unentbehrliche Voraussetzung zu eine», richtigen Verftünduiß des Wesens der gegenwärtigen politischen Vage, weil dieses Jmponderabiliuin zweifellos bei . den »ächsien llreichsrathswahlen deutlich zum Ausdrucke konimeu wird. Die Wähler werden, weri-n der gegen wärtige Zustand.der Dinge andauert, den deutich tiberaleii Eandidateii Vorhalten, daß sie ihre Angehörigkeit zur Eoalitio» und ilire Heranziehnng zur Regierung durch PreiSgebung jener Principien erkauft haben, ans Grund, deren sie gewählt worden sind. . . Zn dem Ber ständnisse von dem wahren 'Wesen der Eoalitio» ist mau durch die nun anderthalbjährige Geschichte der Eoalitionsregiernng coii'feaueut hingedrängt worden, und eben - dieses Verstünduiß' ist es,- was dies deutsch-liberale Partei begreiflicherweise veranlaßt,- dem mißglückten Erperimeute, in dem sie sich schon genug eoinproinittirt süblt, ein baldiges Ende zu wünschen." ' (C5s bleibt beim alten (iouric.) Eistzelne ra»f»iün»ische Ber? tretungeii der östlichen Provinzen Preußens hatten sich an die betheiligten Ministerien mit dem Anträge gewandt, die anö Rußland und Galizien - z u; i e h e» d e n Juden, soweit sie als Händler, Eonr missionäre, Eorrespondenten im Interesse deS Handels unenibehrltch seien, allgemein und ungehindert zuzulasfeu. Der preußische Minister deö Innern, Herr v. Köller, thut aber durch sein Drg'an, die „Berliner Eorrespondenz", kund und zu wissen,- daß es in dieser Beziehung beim alten Eorrrfe bleiben werde. „Bei diesen Eingaben sind," wie offieiöö »likgetheilt wird, z,die Gründe, die 7ür daS bisherige Per. halte» der preußischen Behörden gegenüber den ans Rußland'und dem österreichische» Galizien zuziehenden Juden bestimmend gewesen sind, eingehend geprüft worden. Es ist dabei keine Veranlassung gefunden worden, von. dem bisherigen Verfahren, wonach eine Prüfung von Fall zu Fall stattsindek, abzuweicheit. Die Interessen von Handel und Gewerbe werden »ach wie vor bei der-Zulassung ausländilcher Juden »ach Möglichkeit berücksichtigt werde». Zur Vermeidnng etwaiger lli, heguemlichkeiten wird eösich empfehlen, das Bestreben darauf zu richte», diejenigen ausländischen Elemente, die in den Eingaben als zur Zeit für den Handel unentbehrlich bezeichnet werden, durch Inländer zu ersetzen." Der letzte Satz verdient besondere Beachtung: er verräth eine so rührende Fürsorge für die „Bequemlichkeit" der preußischen Handelskreise, wie sie unter dem Ezar Alexander III. für die russische Geschäftswelt bekundet wurde, welche man — ebenfalls zur Ber meidung etwaiger llnbeguemlichkeiten —- davor warnte, Reichsdeutsche an zustellen oder sonstwie z» verwenden. , (Tic Juden nnd der Ackerbau.) Anläßlich einer. Feierlichkeit, welche jüngst in der vom Eonsul Simon begründeten israelitischen Erziehungsanstalt für Bodeneultur in Ahlem bei Hannover stattfand. I

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