Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1895-04-14 · 158 (14.4.1895) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
158 (14.4.1895)
Date
1895-04-14
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4886575-5439167-5441615--1920-4888339
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I? IJ1t. 5citc 12. , Freies — auch ich mar darunter — dem heiligen Vater entgegen, und wir begrüßten ibn vor dem Thore der Stadt." „Wie'/ Du Haft den heiligen Vater gesehen, Wladiwoh?" „?>ch babc ihn gesehen, und ich habe ihm auch den Pantoffel ge fm';:! Und das thatcn wir Alle, nur der Kaiser umarmte ihn untz küßte ihn aut die Wangen. Doch Tags.daraus ergriff den Kaiser ei» heiliges «riebet', Er ließ sich auf seine Burg im. Har; bringen, und bald danach war er tobt." „ Das war ein gar gewaltiger Herr, Wladiwoh! So einer kommt nicht io bald wieder." „lind schon und stattlich war er von Ansehen. Er sah wirklich aus >v>e ei» Kaiser." „Doch wer herrscht jevt in Deutschland?" ..Der König ist ein Kind, ein sechsjähriges Bübchen. Er heißt auch Heinrich. Die Negierung aber führt die Witwe, die französische Agnes." ..Hurrab, Freund! Wenn dem so ist, dann ist's aus mit der deutschen Sberherrichait! Polen ist wieder frei! P§lcn ist frei!" ..Das >'agie auch der Herzog ans der Hcimreffe, Sznmon. Und er rügte hin;», jetzt, wo er von Deutschland aus Ruhe habe; jetzt werde er ersi ansangen, gewine Veutc;u zügeln, die ihm stets Widerstand keinen und dje nichts im Reiche geschehen lensen " „Ha, da, der alle Herzog Kasimir! Da meint er ja uns, die Zzi.ichta!" ' ..Wen anders als die Zzlachla! Aber er wird wohl seine» Meinet" uudeil an uns, der alte, närrische Herzog!" ..Was glaubt denn dieser Herzogs? Zollte» wir vielleicht allen '-uuen Befehlen gehorchen? An den Hof ziehen, wenn er besichlt, in den Krieg zi ben, wenn er befiehlt? . Was wäre eS dcnu dann mit nn'crer gevrieienen Freiheit??WaS wäre es mit der Freiheit, aus die .ivir >o stolz und, wenn wir solches geschehen ließen? llkei». Ehe der Herzog das erreicht, isi längst der Stamm Boleslaiv Ehrobrhs verdorben!" „Zollte es der Herzog wirklich wagen, Szmnon, sollte er cs wirklich versuchen, uns in unserer Freiheit zu beschränken, so empören ivir uns Alle und stürzen ihn und erheben einen von uns aus den - Thron Odt glaube, wir haben genug Männer in der Szlachta, die der Herzogskroue würdig sind, da in der Wojwod Graf Faromir, da der Eaneellarins "'rai Zvikihncv.. und noch viele Andere könnte ich aiffz,rillen." ..Z der gar — denke dir — men» einer von uns Herzog würde! Hei. das wäre ein lustiges Vebcn! Da lönuten wir Krieg führen und rauben »ud plündern nach Herzenslust! Wladimo», das märe köstlich!" .Ta in;«m Beffvicl Bogdan von Dswiclice. Der ist wahrhaftig in kluger Kops, ich sage dir, klug genug, um Herzog, zu sein. Er kann >'ogar, glaube ich, leien und schreiben und nicht bloß dies, auch Nr. 15». Deutsch versteht er, und als wir mit dem Herzog in Deutschland waren, hat er mir oft übersetzt, waS der Kaiser und die anderen deutschen Herren gesprochen haben." „WaS fällt dir ein, Wladiwoh? Liegt den» etwas daran, ob man lese» und schreiben oder Deutsch spreche» kann? 'Kein, mit dem Schwert muß man gut drcinhaucn können, und eine» offenen Kops muß man haben: dann taugt man zum Herzog! Doch will ich nichts Schlechtes reden von Bogdan. Er ist wirklich ein kluger Mann. Und während wir diese vermaledeiten Selavc» immer aufs Strengste. bewache» müffen, behandelt er sie so, daß sie niemals einen Aufstand wagen." „Da hast du doch Unrecht, Szymon! Denn gerade jetzt haben sie einen Aufstand gewagt. Wie nämlich Bogdan mit seiner Gattin, die er aus Deutschland mitgebracht ..." „Er hat sie also mitgebracht? Wie sieht sie aus, Wladiwon?" „Eine schöne Frau, fürwahr, eine schöne Frau! Aber wie alle diese deutschen Frauen: schlank und blond, Nichts Schwarzes, wie ich's an unseren Polinnen liebe. Doch höre, als Bogdan sich diese Fra» heimbrachte, erwarteten ihn vor dem Schloß die Bauern und die Knechte von Dswielicc, und auch die Sclavcn waren do>t aufgestellt worden. Und siehe da, als Bogdan kommt und seine deutsche Frau den Bauern zeigt, stürzt plötzlich so ein höllischer Selavc hervor und gerade auf sie loS. Und sogleich beginnt ein allgemeiner Tumult, und cs gelingt einigen von den Leibeigenen zu entwischen." „Hat man sic nicht wieder eingcfangen?" „Pein, sie gingen verloren. Aber der größte Thcil wurde doch überwältigt, und auch dieser eine freche Hund, der auf Froswitha so beißt nämlich die Gattin Bogdans — losgcstürzt ist, wurde ge saugen und in Ketten gelegt. Als ich auf meinem Weg »ach Ds wielicc kam, erzählte mir Bogdan das Alles. Ich fragte ihn, ob er diesen Mensche» tödten laffen wolle. Er aber sagte: .Nein, tobten will ich ihn nicht: denn was ist das für eine Strafe für einen solchen Mrnschcn? Ein Streich, und aller Schmerz ist vorüber. Nein! Martern will ich ihn, und arbeiten soll er nicht wie einer, sonder» wie drei Sclavcn!'" „Es lohnt sich wahrhaftig gar nicht, Sclavcn zu hatten, Wladiwon. Man hat ja nur Mühe und Verdruß mit ihnen, and läßt man ihnen nur ei» wenig Freiheit, so zünden sic uns das Haus über dem Kopfe an. Hütte ich nur mehr Bauern in meinem Dorfe, ich würde alle diese Sclavcn meine» Hunden zum Fräße vorwerfen. Doch siche da, Wladiwoh, hier trennen sich unsere Wege." „Lebe wohl, Szhnion. Auf Wiedersehen am Hofe dcS Herzogs,'" „Auf Wiedersehen!" Und sie trieben ihre Roste an und jagten nach verschiedenen Rich tunge» auseinander. ' (ftortffi>mig folgt., erl'orel'ei; Von (fin i I f e l| ,n a tt n. "^.1; nirit’ nicht. foll rs tVföfiitnt. Dati ich Ui traurig lut. »'in Märchen aus alten Zeiten Das kommt mir itid:t ans oem Zinn. Das iüiTrdini von Hrunnenvergiftnng. Das Märmen. äaf; jegliche tloth iicruit' auf der Inden Anstiftung Dies Marmen schafft Mein mir und Hrot. Dies Märchen hat Diaminen entnindet. Hat Inden verbrannt und verkannt,^ Und., wo man es bente verkündet, third's lnbeind als U>akrtieit erkannt. Düs Märchen erspart mir das Denken. Das Dorschen nach eigener Zchnid; tl.-schämige Menschen;n kranken, - s leichter als Dteist nnd (Hednid. Z'onst. schaffte die ä nden der Ztocker Ins Dencr, ins Eisen chinans — Doch leben sie beut' noch - - und luriscr Als elimals — im eigenen Haus. Ich mochte vor Aerger urglalmt,. U'emt ich einen Inden rrbltri;’. Ich mocht' ihm die Augen;crkrat;cn. 7>nmal hat er (Heist und (Ocl'dnrl:. Das erbost mich läita schon im Z'tillcn. Ihm bricht es std> offene Hahn — Iknd das hat mit seinen ßacilleit Der Hai; nnd der Hrotnhid gethan. iind will mir nidits lied>tes gelingen, Entgleist' ich im Heben der Haiin — Zo Kann idj doch schimpfen und singen: ..Das haben die luden gethan!"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.