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Freies Blatt · 1895-04-14 · 158 (14.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
158 (14.4.1895)
Date
1895-04-14
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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ITr. l-r)8. freies Blatt. Seile II. Feuilleton. J n Acdt itn 6 ^lann.' llomait ans Polens tloijrit IH'll Carl (Oriot. Erstes Eapitcl. Jim ,vu|V des Hügels, auf dem* die Burg BogdanS vö» ^swieliee ü„nd, kauen sich alle seine Untcrlhaueu i» sonntäglichein Festgewaude zu empfange». Ö'alt es der tip.i sich eine >,u'gestelll, »in den Herr» und seine Gattin zu cinptangc». eeek jetzt, die Gunst dcS gestrengen ManncS;u erwerbe», inekr denn einem Jahre seine Heimat verlassen halte, um Gemahlin;u holen.?a standen in langer Reihe die Bauer» des TorscS, ihe Krane» ' und Tochter, ha hielten hoch zu Roß die bcwassncte» -li»echte, und da uv.!-'» auch, sorgsam bewacht, die leibeigene» BogdanS ausgestellt.; waren zuerst hichcr geführt worden, nachdem man 'ihnen Brannt - wein gegeben halte, um sie zu beschwichtigen und einen Tumult zu i r. 'Inüai. Tenn denen war nicht zu tränen, und leicht konnten sie hu dt Trotz und plötzlich loSbrechcndc Wnth den schonen Enipsang deS i H »n verunstalten. Aber jetzt standen sic schon mehrere Lrunden in , ' glühendste» Hitze, und die grelle» Strahlen der Äugustsoune sielen , nuliechi auf ihre glattgcschorcncn nnbedeeklen Tcheitcl und brannten sic,! tust; ti selbst diese» abgehärtete» Männern zu viel wurde. Echon!.. . iede Spur des BraniitivcittS, den man ihnen verabreicht halte,! ea.vchwundcn und schon entfuhr hie und da ein wilder, gotteslästerlicher Fluch einem der störrigen Geselle». '.'Iber die Aufseher der Selaven, die heule jede Störung vermeiden wellte», fuhren nicht wie sonst gleich mit ihren stanzen und Schwertern taiwi'che», sondern sprachen il>ncn begüiigcnd zu und suchten durch milde Worte die unlenksaine» Geinüthcr zu beschwichtige». Toch sie »'.essen nur auf Widerstand und begegneten überall finsteren, drohenden ilesichicru, die wahrlich nichts Gutes;n weissagen schiene». Wie, s. -liieu ihre- Anstrengungen erfolglos bleiben? Sollte der wobt vor bereitete Empfang des Herrn durch häßliche Seeucn verunstallet und Begtan selbst gleich bei seiner Ankunft crzütiil werden? lind die "Aufi.iier wußten, wie schwer cS auch den Unschuldigen traf, wenn der Herr von SSwieliee zürnte. Und schon hörte mau i» der Kerne Bsirdegetrabc, und anr Ende der Reihe, dort, wo die Barreru mit ilueu Frauen und Töchter» standen, ertönte der Ruf: „Sic koinmen! Tie lominen!" T a faßte einer der Ausseher einen glücklichen Gedanten, und er inil lauter Stiinmc seinen llntergebeiicii zue „Hört, ihr stcule. wenn ihr euch jetzt gesittet aussührt und euch die Fnsriedeuheit urisircs st vin erwerbt, so sollt ihr heule Abends doppelt soviel Brannlivciu f ■' sonst bekommen!" Ein lautes, beistiuiiucudco Geheul antwortete ihm. Fetzt touulen v. Aufseher ruhig sei». Bon der wilde» Rotte war von nun ab ->:chtS mehr zu befürchten Und da raste schon der Borrcilcr auf fchifanbendem Rosse vorbei . .rd auf daS Schloß zu, vor dein er ermattet und schivcißtriefend an >>!elt Ihm folgten die Reisigen, die den Herrn ans seiner Fahrt be rleiirt hatten, und nun .rissen die Bauern ihre Hüte herab und beügten "dt deiiiüihig zu Bode», während ihre Frauen sich eilfertig uaä> vorn i längte», um die »cuc Herrin zu erblicken. In dem Wagen saß ein kleiner Mann mir schwarzen, funkelnden Augen und bis aus die Brust hcrabwallcndeiu Bart und eine schöne, ningc Frau, groß, blond und blauäugig. TäS plumpe Gefährte hielt vor der Reihe der Bäuerinnen. Einige .geputzte Baucrninädchc» tialcn aus der Menge heraus und reichte» "er neuen ^Gebieterin Kzäiizc und Früchte kchr mit wenigen, verlege» Itainiuclteii Worten. Tic junge Frau »ahm sic freundlich cutgcge», Bogdan aber erhob sich von feinem Sitze und wandte sich an seine Untcrthancn: «Ihr seid, wie ich bciuerkc, euerer Pflicht nachgckouimen und habt mid) vor dem Schlosse gebührendcriuaßcn erwartet. Ihr seht, ich bringe nck, eine neue Herrin, der ihr zu gehorchen habt, wie mir. Bcrsteht ihr. wie mir! Stehe auf, FroSwitha, und zeige dick) deinen neue» Untcrthancn!" „FroSwitha!" ertönte cS plötzlich aus der Schaar der Selaven, und ein Jüngling stürzte athemloS hervor und warf sid> nieder zu de» Fuße» der Herrin. Tohienbteich trat die junge Frau ciimr Tchritl zurück Tann aber säiric sie aus und streckte, Alles um fidi-bei vergessend, dem Jünglkiig ihre Hände entgegen, die dieser stnrulifdt eigrisi und ilbn und übernlit .sinsie» bedeckte. Ta traf der Blick FroSwithas >inwilltnrltd> den »eben ihr stehenden Herr», und. sie fdjvacf zusammen vor seinen finster zusammengezogencn Brauen und dem wilden, zornsprnhenden Blick feiner dunklen Augen Ihr Antlitz war kreideweiß geworden, und »ist raschem Gnu entzog sie ihre Hand dein vor ihr liegenden. Tiefer erhob sich jetzt und' blickte tühu und snick>ilos Bogdan in das Unheil verkündende Antlitz stängere Zeit maßen sie einander mit drohende» Blicke», dann aber r:ß Bogdanplötzlidi die Reitpeitsche ans seinem Gürtel, und mit dem Rufe: „Wahnsinniger Selgve, das für deine Frechheit!" versetzte er , dem Jüngling einen Streicks über daS Gesicht, daß das Blut von den Schläfen herabrann und er laut ausstöhncn mußte vor Sdstner;. _ Aber im nädst'lc» Augenblicke rafile er sick, aus und warf fid) mit der Wnth der Berzweitlnng a»' seine» Herrn. „Toch schon stlsizten von alle» Seiten die Knechte und Bauern bei bei, die bisher vor Be stürzuug fassungslos dagestauden waren, und nniringlen und sest'ellen den Jüngling.; Ta eridioll plötzlidt eine tiefe Sllinuie aus der Nsteihe der Vcib> eigene» und rief: „Auf, Genossen! Sd>ützel ihn'" Ein lanteS Wulhgcheul, nid>t nst>ähnlid> dom Brülle» relßender . Thierc, antwortete dein Manne,' der dies genife», und mit bod>. er. lwbenen Armen stürzten tict) die Telaveu in das Gewühl .. J»> nächsten Augenblicke iah inan »ichis als einen nndnlchdring > liechen Knäuel von heulenden, jamin rtiden, btiillenden Beeufdienstknr die Sdiivcrlcr nitd staiizenfpitzen fnnlelteu und leudsteie» im grellen i stichle der Sonne, und die Pferde der Reisigen bäumten tick, hock, alif .und warfen ihre Reiter zu Boden. ■ * Mit dein Toben und Heulen der Selaven misd>ie siech bas Gelreijch j der jatiiitierndeit Frauen und Mädd>en, der Hilferuf der verwundeten! Kneck>tc, das.Stöhnen uud Acck);cu der zu, Tode Genossenen, und i das Blut floß..in Strömen ' Bogdan aber spornte mit kräftigem Beilicheuhiebc und sie!.ihn und seine B'erdc an, agien hiiiivcg über die Köpfe feiner lluterthanen und siihuen -die ohtttttäd)lige Herrin vor das Thor feines Scktlofses von weites E a p i l e I ,Bei»t heiligen Peid>aei^ S;>>moiil" ■ , T ich' da, Wladiwo»! Woher des Weges?" .-,Bon Tcuischland, Freund, oder wenn du.'s, genauer wisien willst, sirakau oder am genauesten von^ Sswicliee." „Ah< hast and) du den Herzog »>id> Teiilsdtland begleitet?" „Ja fvcilid) war ich mit dem Herzog, Szunivn. Sind ja dod> die meisten von u»S Edclleuten mit ihm nackt - Teuiicklland gezogen! Rurdu und einige wenige außer dir sind in Polen geblieben, der heilige Biichael weiß, warum'." „Ächz was künimern midi.den» dieie.Fuge nadi Teulsichland! Jck> bleibe lieber z» Hause und ,age in meinen Wäldern tliid bcdriicke meine Bauern. Jetzt eben war ich zivei Wock>en lang auf der Jagd ab tvescnd, Wladiwo», und habe meine dummen Bauern geguäli. daß es eine Freude war. lind, jetzt bin id) gerade auf dein Heimioeg begrisseu." »inon Eine Strecke weil ist jaunser Weg hast 'du erlebt in der langen jni, Hat der „Ich begleite dich gleiche." „Run sag, was Wladiwo». feit wir uns nicht gesehen? Was ist vorgegangen in Teiilschland? der Herzog sei» stand wieder zu stehen gevoninieu?" „Freilidi, freilick>! Aber denke dir, Szymon: der Raiker ist todl!" „Ter .siaiscr? jiaiser Heinrid)? Uniuöglid>!" „Ja, ja! So jung er auch war! Raiser Heiuridi ist gestorben llitb so plötzlidi! Alle glauben au Bergifinng. Sieh' nur, Sznmo», wir hallen uns alle in Goslar -cingefnnde», der Herzog -und wir poliiifdicn Edelleuic. Und außerdem waren »och sehr viele..Fürsten und Edclleutc da aus andere» ständeru, ja einige aus ständern, von deneit ickj mein steben lang nie clivaS gehört habe. Und d»r belehnte der Kaiser unseren Herzog wiederum mit Polen, und wir mußten Alle, einer nach dem andern, schivören, daß ivir ihm ewige uird unverbrüch liche Treue halten würde». Tann nahm der Kaiser den Arm unseres Herzogs und ging in die Kirckfe, und wir Alle folgten ihtii Am nädisteu Tage sollte der heilige Pater aus chtoni kommen, und der Kaiser hatte einen glänzenden Empfang vorbereitet. Aber als der Papst ankam, begann es plötzlich stark zu regnen, und das Fest mußte unterbleiben. So ritt denn npr der Kaiser mit seinem Gefolge

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