Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 158 (14.4.1895)
- Date
- 1895-04-14
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Freies Blatt. Nr. 158. waren jct)on zu in Tode verurthcikl, als cS ihnen mit genauer Roth gelang, die strenge Königin zu bewegen, daß sie ihnen die Ucberfahrl gestattete nach dein gelobten Lande, nach Ricderlanv. Aber ei» wnlhcndcr Siurm faßte das Fahrzeug und schleuderte cs an die ostfrieüiche stufte. Bon da auS errcichtcn sie endlich nach langer, langer Fahrt iinscren Hufen: Jacob Tirado, Miguel Lopez, Manuel Lope; und leine bildschöne Braut, Maria 'Jiuncj. Hunderte, Tausende folgten ihnen, denn Amsterdam hält Wort: frei und' nnbchelligl legen sic das erheuchelte Schein Ehristenthum wieder ab und sinden daS, was sie zivei Jahrhunderte haben entbehren müssen. Davon zeugen andere Tauieude ihrer Glaubensgenossen, welche zwanzig und fünfzig Jahre spater, dem Blutbad in Deutschland und Polen entronnen, sich bei ihnen nicderließe»; davon legen die zahlreichen Synagogen, welche eine nach der anderen erbaut wurden, beredtes Zeugniß ab. Allerdings mochte für de» müden Jrrfahrcr auS dem Sstcn in dem dichte seiner weitgehenden Hoffnungen auch unsere Stadt nur ein Srt der Bcrbaunuiig bleiben, aber er lernte sic doch unter dem erwärinenden Strahle der Frcilzeir und dcS Friedens als ein zweites Baterland lieb gewinnen... Das protestantische Amsterdam hat feine Menschlichkeit niemals frömmer und fruchtbringender bethäligl als bei diesem Willkomnienheißen deS Hanfes Jacobs." i'v'uifli Vujjatti und Der Bischof von (frcmoiia.) Zwischen Lnizi Vu;;atti und dem Bischöfe von Eremona fand letzthin ein reger Briefwechsel über die in Italien durch den Einfluß der Geiltlichkeir ins Lebe» gcriifencli^LiJnvirthichaftlichen Berciniguilgen und Borichnßcaffen stall. Neben bijfen (lassen, deren cs bisher ungefähr 170 gibt, bestehen seil zwei Jahren die von den Abgeordneten Luzzatli und W ollen borg errichteten italienischen Ackerbaucasscn, -4') an der Zahl. Die Institute beider Arten haben cs sich zur Ausgabe gemacht, den Bauernstand aus Wuchcrcrhändcn zu bcsrcicn. Der Brie'wech'c! zwischen Luzzatli und dem Bischof von Ercmoua hatte nun den Zweck, eine Art sinanziellcn Eartclls sestzustcllcn, durch welches beite Eaffenkaregorien ' von der cbensalls durch Lnzzo'ti gegründeten italienischen Bolksbank in gleicher Beeise unterstützt werden sollten. Luzzatli kam den Wünschen des BischosS auf das Bereit-! willigste entgegen, und auf seinen Rath hat die Bolksbank den Bor! ichnstcanen dieselben Begünstigungen gewährt wie de» Ackerbaucasscn. i * Irin jiideiifeiildlicher Mas des Generals Wannowskij.) Man s schreibt uns aus Petersburg vom 5». d. M.: Der Mangel eines; e..il eiillchen Programines in der' inneren Politik der russische» Ne-! gierung bildet feil jeher die Hauptguelle der Willkür und Gewalt str>'iche von Seite der rufssschcn Machthaber. Jedes Ressort hat seine Gesetzgeber, und jedes O'csetz wird in einem jeden Ressort anders gedeutet Eine Jllnstration dazu liefert ein Ukas des russischen Kriegsininisters W a n now sk i j,' welcher soeben im Srgan des KricgSn:iii:steriniiis. dem ..Rnßkij Invalid", publicirt wird. Der IlkaS hat folgenden Wortlai^: „Auf Grund des Artikels lo des Paßrcgleiiienis vom Jahre I -Jöi wird den vludcn der /ländige Aufenthalt im Ton. Kuban und Tcrckgcbicte verboten. 'Rach den bestehenden lR>li-eu dürfen Juden zur Mineraiwassercur und in Kliniken nur v.ach siicw kommen Trotzdem treffen Inden, laut Meldung der taukassschen Behörden, dortsclbst in den Bädern zur Eur ein. In Felge denen und in Anbetracht des Umstandes, daß außer der Gruppe d.r kaukasischen Mineralquellen von Pjaligorsk, Schclesnowodsk, Eneniuk: i::.d Kißlowodsk im Tcrckgcbiele an verschiedenen Punkten zahlreiche andere T-ucUen von Mineralwässern sich befinden, daß cS solche auch im Kubanuud Dongebietc gibt, so halte ich es für nolbig, .;i!i Bermeiduug von Mißverständnissen in Bezug auf das ''recht der Juden, zur Eur in den genannten Trtcn sich aufzuhalten, den Behörden der Kolakentruppen im Dongcbiete und im Kaukasus zur Richtschnur zu geben, daß dem Gesetze nach den Juden der Besuch des Ton, siuban- und Tcrekgcbictcs sowohl zur Benützung der Mineralaue^en wic überhaupt zur Cur verboten ist." Und doch lat Fürst Swsaiopotsk Mirskij, der Ehef des Dougcbictes, Nu vorigen'Jahre den Juden das Recht deS Aufenthaltes zum Eur gebrauche zuerkannt. Weun cs „ungesetzlich" wäre, ivürde der Fürst s sicherlich nicht gelhan haben. Aber es herrscht, wie gesagt, keine E »beet in der Eenkralregicrung, und was Einer den Juden gibt, daS ihnen ein Anderer. Empfang einer jüdischen Deputation durch den Ezar. .ch .n r polnischen Blättern aus Petersburg zugekommenen Mel dnna to:: eine Teputation der jüdischen Bevölkerung aus dein "wnreri'„nienl Jckaterinoslaw angelangt, um dem Ezar die Bitte rcrzukragen, cS möge die Regelung des Rechtsverhältnisses der indischen Unlerthanen ehestens durchgeführt werden. Ter Ezar empfing die Abordnung sehr freundlich und versprach, ihre-Bitte zu berücküchtlgen Wird dies geschehen, so werden wohl Erlässe, wie der in der voranstehendcn Rotiz reprodncirle Utas deS Generals Wannowslij nicht inehr möglich sein. (Antisemitismus der That.i Durch eine Aetheierplosion sind kürzlich auf dem Bahnhof in Warschau 17 Personen verletzt worden. Es stellte sich heraus, daß die Explosion beabsichtig, war, um einen jüdischen Kaufmann, der zur Hochzeit seiner Tochter nach Mlawa reiste und 15 000 Rubel bei sich-führtc, beraube» können. Tic Thäter sind zwei junge „arische*' Kaufleute, die leben« gefährlich verletzt wurden, während der jüdische Kaufmann mit un bedeutenden Brandwunden davonkam. ' (Amerika, d» hast es besser.) Ein Beispiel 'confcssioncUcr Berträglichkcit hat sich jüngst in Pcnsacola in Florida ereignet. Dort brannte der Tempel der jüdischen Gemeinde Bcth El ab. Roch während das Feuer wüthctc, kamen der Geistliche- und zwei Borstehcr der presbyterianischcn Kirche derselben Stadt, um der jüdii schcn Gemeinde ihre Kirche für den Gottesdienst am Samstag anzu bieten, und die jüdische Gemeinde nahm dies Anerbieten mit Tank an.! ES läßt sich begreifen, warum Stöcker in Amerika so geringe Er! folge hatte. 2lus antisemitischen Oereinen und Oersammlungen. lZur Bismatck-Fcier in der „Ostmark".) Tie Feste mit überschwengliche» 'Jubelredeii, welche die in „Tentichlhuin" inachenden Antiseniileiwereine Oester reich» zur Feier des achtzigsten Geburtstage« des Fürsten BiSmarck ver auftaltelen, mißfielen ihren christlich socialen Brüder» i» hohem Grade. lli» ihnen dies kundzugeben, verfiel Pie» ner auf einen schlauen EinsaU. älhut io, als ob sie Bismarck Feier in der „Ostmark" das Wert der Liberalen, Juden und Freimaurer wäre, und schreibt: „Tie Lev>e habe» entweder ein kurzes ««cdächluiß oder einen sehr fadenscheinigen Patriotismus oder Beides Es scheint ihnen, den Zöglinge» des internationalen Freiinanrerthuin«, an der richtigen Baierlandsliebe zu fehlen, svnst könnten sie nichi dem Manne, der linier Palerland im Bruderkriege;u Boden getreten hat, so übertrieben zujlweln. Tieielbeu charakterlosen Leute erfreche» sich, de» Katholiken Borwürie zu machen, daß sic die Bismarck Feier nicht milmachen wollten. Ja, solle» denn die Katholiken, die in der rücksichtsloseste», gröbste» Weise im Cnltur kämpfe verfolgt, an Seele und Gm geschädigt wurden, noch die Hand küsse», die sie geschlagene Tas können nur charakterlose Leute 'verlangen, die keinen Begriff von Manneswürde habe». Zur Eharaklerisirung der Art, wie man seinerzeit i» Tentichland die Katholiken behandelt hat, sei hier jene« .Festlied' wieder sestgenagelt, welches bei Gelegenheit der Enthüllung der Canoffasänle lzur Erinnern,ig an Bismarck'« leichtfertiges Wort: .Nach.Canossa geh',, wir nicht' l ungeheure» Jubel der Eulturpauker hervorries. TiescS .Festlied' kenn zeichnet irffe nicht« Andere« da« brutale Borgehen des Bismarck'schen Eulmrkampfcs und der Eulturkämpfer selbst. ES lautet : Als die Pfaffen frech geworden, Zogen sie nach Teutschlauds Norkeu, Bora» mit Posannenton Zog der röm'sche Ercujon Herr von Ledochowski. I» dem ganze» deutschen Lande Schrie herum die schwarze Bande Freiheit wollen wir und Recht Für das incnschliche Geschlecht, Sonderlich die Frauen. Aber die Berliner Winde In die Killten blas'n geschwinde. Aus die Raben stößt der Falk, Ans den allergrößte» Schall In dem ganzen Centrum. Tiefer dient im Psaffenheere Lange schon al« Bolontäre, Machte römisch-welschen-Wink, Macht die Katholiken blind. Windlhorst-Mcppe,, heißt er. ' Aber Mai und Spcrr-gesetzlich. Kapellan und Monn' — entsetzlich Falk und Bismarck ging dranf lo« , Und das Jammer» wurde groß lieber da» Pkartnrinm! Peter, Paultis und die Andern Mußten ins Gcfängniß ivanderu Alle tre» bi» in den Tod Blieben sie in aller Roth Bis gus ein'ge Wenge!