Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 158 (14.4.1895)
- Date
- 1895-04-14
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441615--1915-4888334- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 158. __._ _ freies im* genchlclk» Zinchrisl mit tfincin Worte erwähnt. Also nicht -finderlegt ist die Äiiiheilung der „kleinen Presse", wonach „da» gesaiimne Lermögeu de» ionsl gut .,-benvenBlanc» — man iprichl von 400.«Kjt*-Jüiari — in Folge seiner de» Freiherin o Hainmn»ein« privaten finanziellen Berhälmissc gänzlich ansgebl^nchl und anstereein da» Un ernehinenl init erheblichen Lchalden belastet ist", Zn bei» Frantsniler Platte war vom „finanziellen :1tnin" de» von dein Freiherr» v, Hanimersleui ge ttiicic» Blatte« die Rede, Liese Schilderung emsptichl alw den Lhalsachc» nicht, na» wir gern glaube». Es ist über ferner in der Lrl.arnng de» Grasen.'laniv ' tn Äiilbeiliing der „Alcinen Presse" nicht richiigg.slellt, „daß der Penstoiiosond» . r>i .Nreuzzeilung-;» anderen al» zn stainleii»lästige» Zweiten verwindet worben". nt sodan» nicht widerlegt worden, dast die „Xreuzzeiiung" iehr hohe P..pie> oieiie, 4>l Psennige das Kilo, „an eine» l'ieseramen bezahlt hat, dessen Privatnbuldncr der Freiherr« Haminetstein gleichzeitig inil siner beträchtliche» Snintne aeirolden ist". E» .ist seiner in der Znschrisl des Grafen Aanitz die Behanplnug ^,n> Frantsurler Blattes nicht widerlegt, daß der Ansnch.sralh der „Arclizzrilnng" >,„ langer Zeit mit dein Freiheit» v, Hainmeistein verhandelt, uni „iein ännlle», stilles Ausscheiden" au» der Kebariioil zu veranlassen. E» iji anstertcin liiiti: ividcrlegt, daß dein Freiherin v, Han»»erste>» zu,» I, Zulk d. I. gekündigt itoide» ist. E» ist endlich nicht ividerlcgt, dast „der als Äililärschriststeller betM.mr Lbetstlicultnanl «chcibert aus der Ncdaetion der .Xrcnzzeiinng' anegeiretc» ist, weil er mit »nd »»ler Freiherr» v. Hainnielstein zn arbeiten mit einen Anschauungen nicht »iehr vereinbar hielt". Alle diese Behanplnnge» und diilch die Znschrisl de» Herrn Grast» nicht Ividerlegt. Wir wisse» sehr ...iiau, daß i» dein „Ürknzzeilti»gs-"Enini>a zwei Llröinunge» gegen einander!.imv'en, »nd wir glauben nicht zu irren, wenn wir behaupte», dast in der lepliil Eoniiie-sitzung am vergangenen LamSlag diese allgemcine Erklärnng de» >>ec,» Grase» Aauitz inühsain genug znslandc gebracht ivurde. Jin Uebrigcn .l en fiiir dem Bcrlanfe dieser Ängelegenheit, namentlich der von dem Freiherin r Haninierslcin in Aussicht gestellte» PerletiindiittgSklage in aller Ruhe entgegen. Tie „Krcuzzeitung" selbst gab am!). d. M. die obcrwähntc Comit>- Erklärung mit der Bemerkung wieder, cS genüge wohl in dieitln Ansammeuhange, einfach zn constalicen, daß die Nechnungen und Belege der „Krcuzzeitung" jährlich vom Comil«- geprüft und deäiargirl worden sind, Aufsehen erregt cs in Berlin, daß Freiherr v. Hanimclstcin in der Borstaiidsliste dcS dortigen „konservative» WahlvcrcineS", der eigentlichen Centrale der Tivoli-Antisemiten, nicht mehr angeführt ist. Pfarrer Lchulye nnd Hödel.) Ter christlich-sociale Pfarrer 2 d)»I ß c, erster Borsitzender deS evangelischen Arbeitervereines zn L.ipzig I., hat.eine Broschüre erscheinen laste», betitelt: „WaS trennt uns von der Socialdcmokralic'?" Darin behauptet er, daß Hödel im Zahrc 1877 eine Arbeiter-Versammlung in der 'Nähe Leipzig» geleitet habe, in der Liebknecht gegen die russenfeindliche Politik Bismarck s Knoche» hatte. Ter Herr Pastor thäke in feinem Interesse besser, über Hödel;n schweige». Tenn Hödel gehörte zu seiner Partei, zu len Christlich-Socialen! Hödel'S Name findet sich i» der L.riginalusiiglicderlrste der Berliner Christlich-Socialen, der Leibgarde Slöcker'S, nnier Nr. 1732 (2‘J. April 1878), und zwar unter dem Dramen: „Max Lelnnann", Klempner, Stallschrciberstraße 3, eingetragen! lind ein im. sinne der Christlich Socialen frommes Mitglied war er auch. Hödel mhmte sich dem Präsidenten dcS Stadtgerichtes gegenüber, daß er hundert geistliche Lieder auswendig wisie und ein Ralh im preußischen CnIluSministerium gab das Zeugniß ab, daß „das religiöse Wissen, sowohl waS Katechismus, als waS Lieder und Sprüche betreffe, bei' dem Hödel ein sehr beträchtliches gewesen ist". Tic Einistkcit der dcutschcn Aiitiscmitcil.) Ter Wahlkampf in Nintcln-Hofgeismar, welcher dadnrch nothwcndig wird, daß, >vic bekannt, die Wahl dcS antisemitffchen Abgeordnete» Tr. König iür ungiltig erklärt wurde, dürfte recht interessant, werden. Nicht allein, daß Nationalliberale, Freisinnige und Baucrnbündlcr einen ieiondcrcn Candidaten ausgestellt haben, werden sich wahrscheinlich auch noch zwei Antisemiten bekämpfen. CS sind nämlich der Ex-Hof- Prediger Stöcker: und NechtSanwalt Dr. Bielhabcn aus Hamburg als antisemitische Candidaten aufgestellt worden. Ta kann die Sache also recht nett werden! (Pont Trcschflegclpastor.) Der 'Nachfolger des Lcuß im deutschen Neichstage. der unter seinen Bekannten den Ehrennamen> „Dreschflcgclpastor" führende I S k r a n t, wurde vom Schöffengericht in Sch »hausen wegen Beleidigung deS RedacteurS Schüler zu 150 Mark Geldstrafe vcrurlheilt. Dem Beleidigten wurde PublialionSbcfugniß zugesprochen. (Abraham, Zsaak und Jacob.) Drei Kanonen, die jetzt im Artillcriemuseum zu Kopenhagen zu sehen sind, führen merkwürdigerweise die Namen der drei Erzväter Abraham, Isaak und Jacob. Die Geschichte dieser drei Kanonen ist in unserer Zeit der Judcnhctze doppelt lehrreich. Bekanntlich entstanden die sogenannten „Hcpp-Hepp-Krawalle" in den Drcißigerjahrcn ursprünglich in der Llatt. Seite 7. „Alstcrhalle" zu Hamburg, wo cs zwilchen einem-Jude» und einem Christen ans harmloicr Ursache zu einer Schlägerei kam Dieser Suen »ahm nnerwartele Timcnfionc» an und artete in eine ivahre Inden . Verfolgung auS. Wo sich ei» Jutzc zeigte, würbe er vom Pod.l, wenn nicht angegriffen, so doch mit dem „Hcpp Hevv" Nnir beleidig'' Tiefe unwürdige Hetzeblieb aber nicht ans das iü.ö,el der allen .hacii" Hansastadl beschränkt, sonder» vcrbrriictc sich weit - über die dentukpn: Staaten. Durch die damals zu Dänemarl gehörenden Heizagihnnn-r- ' Holstein und Schleswig verpflanzte sich die Berfolgnng nach >i.'prm Hage», wo die Jndcil kurz zuvor, auf Auräihen der S ländeveriamm lnngc» gleiche staatsbürgerliche siachlc mil de» Christen ei langt Hanen.-' Eines Abends halten sich Tausende van Menschen nnl-r wilden, Geheul und „Hepp-Hepp">Schreicn auf dein größtenPlaoe dei Stadl, dem Königs Neumarkt, versammelt nnd drohten, de» .indeii k>,c Fenster cinznwcrfc» und-sonst Gewalt, anznihun.. Die eben »ichl große Mannschaft der Hauplwache, die sich i» der eine» Elle des PlapeS befaild und innerhalb eines eisernen Gitters drei Pro,izeae Kanone» barg, vcrinochtc nicht die Menge zu zerstreuen, und ebenso wenig gelang dies der herbeigecilten Polizei. Als der alte illn'nndiechrig jährige König Friedrich VI. von der Bewegung benachrichrigl wurde, ritt er, nur von dem dienstihuendcn Adjutanten begleitet, nach dem Marktplapc und forderte die Menge ans, sich ruhig zu eni>ern.-n. Als - man ihm aber mit Geheul . aniwörlcle, ries er aut l>einiger summe de» Bersanimcllen zu, er werde mit den vor der Hanviivache ans gcstclllcn Kanonen zu ihnen reden, wenn sie auch »m noch einen Juden vcrunglinipfe» würden, und zwar io, daß sic glaube» unlui,, die Patriarchen Abraham, Isaak nnd Jacob rprächeii zn lllien. s ,!- dem hörte jede weitere Berfolgnng der Juden ans, iind rni» Andenken hat der Bolkswih die Kanonen »ach den erwähnten Paiiial>h>.n. benannt. Bor einige» Jahren siel die alte Hanrnwache der 'Ber schönerung dcS Planes zum Spfrr, ^nnd ieiltcm brlindcn sich dieic drei Kanone» im Artillericinuieum lTic crstc Aiisirdlmiif dLr Jilvcn in Amstcrönm. Proienor I. G. de Hoop-Schefccr erzählt u> einem Borlrage über die erste Ansicdlung von Juden in Amsterdam: „Einige Woche», bevor das erste Schiff mit englischen Berbannten i» nnscreul Hasen^ anlani, lief hier am 27. April (lf»ü3; ein anderes Fahrzeug ein, es laut von London. Tic Passagiere, die cS milbringt, sind noch n»n Bielcs mehr zu beklagen als irgend ein Märlhrcr. Zweihundert Jahre lang haben sie nolhgedrungcn heuchelnd ihre Kinder mit Lügen g»oßzir!icn iniisien. preisgegeben dem Fnchsaugc des Berrülhers lind den Tigallane» der Jnäuisilion. Es sind Marannen, Christen dem rsi'ame» »ach. aber Juden ihrer Abkunft und innersten llcberzengung nach, einstiuals leichmuid angesehen nnier de» Saracene» »l Spanien, abaseitdem der Halb niond verblaßte und unlcrging vor drin Lichte des Kreuzes, io• t und fort gepeitscht durch einen antisemisischc» Sturm. Tan'ende und Aber lausende fände» den Tod'auf dem Schcilerhansen. Die Schwächeren slnchtclcn nach Portugal, aber auch da war ihnen nur eine sn»s>äluige Erholung gegönnt und dann wi de: »in keine andere Wa-l gelassen, als sich taufe» zn lasse» oder nnrcr Hcntershand zu sterbe» Selbst die Bcrbaniiung, selbst die Flucht war ihnen verbole» J,i der Thal, wohin sollten sie fliehe», um dem Auge des 'mächtigen Philipp I I. entgehen zu könne», nnlcr dessen Scepicr die ganze Halbinsrl sich 'beugen inüßte? Scildcm seine Armada rettungslos zugrunde gegangen, gab cS nur ein einziges Land, auf welches sic ihre Hofsunng si-pen konnten: Holland, und in diesem Laude war eine Slakt, die ilmni Freiheit versprach: Amsterdam. Glauben Sie nicht, daß ich.übertreibe! England hielt jeglichen Zutritt' für sie so streng veriästofsen, ^aß selbst siebzig Jahre später^ nicht mehr als >2 Inden in London zn, finde». waren. Frankreich war jo sehr von Boiliriheileii geknechtet, daß noch nach Berlauf eines Jahrhunderts König Ludwig XIX. nichts Besseres wissen wollte, als daß cs für jeden christlichen Staat eine Schande sei, die Juden innerhalb seines Gebietes zu dulde» lind Deutschland L! Ta wurde schon das Morde» geplant, welches demnächst die l^heiti von Frankfurt, Worms und Speyer mit Entsetze» erfüllen sollte; da wurzelte der Glaubenshaß so tief, daß »och i»i achtzehnten Jahrhundert jedxr Jude durch töniglichen Erlaß gezwnngcii war, das Schandmal dcS Bankrotliers auf dem K.opfc zn tragen. NDederland' allein war den Inden ein schüpender Zufluchtsort-, doch »ichl das ganze Niederland. In Hoorn lvolltc man sic i,zS Gcfängniß Aversen, in Alkmar ihnen eine glätte versagen, wo ihre T.odtc» ruhen tönnien: Utrecht wollte sie im 'Stadtgebiete nicht dulden, und Nkiddleburg hak sie. trotz der beredten Berwendung dcS marokkanische» Gesandten Samuel Palrche, schmählich, zurückgeiviescu. Amsterdam allein bül den Unglücklichen die Hand der Gastfreiheit, und diese nahmen sie an. Heimlich aus Lissabon entronnen, aber bald von einem englischen KriegSschisic aufgcgriffen, wurden sic in London scstgenonimen nnd