Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 158 (14.4.1895)
- Date
- 1895-04-14
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Freier Blatt. Nr. 158 Seite ß richtennun an die Zeitungen, welche Berichte über jene Hetzpredigt gedracltt liaden, folgende Zuschrift: vel-lt.!-.- •■'{ejaetion! Jer ergebenst unterfertigte Provinzial der österreichilch- , Provinz der Gesellschaft Ieiu ersticht, diesen Zeile» in Ihrem Blatte t'ir.mt zu geben: Ta ich mit Bedauern in Erfahrung brachte, daß ein Priester un'erer Gc'ell'cha't in seinen Predigten in der Spitalkirche zu Preßburg in UN : der W.'i'c das volili'ctie Gebiet berührende Aeußerungeu sich erlaubte, so entfernte i.h einex'eir» den Betreffenden von 'einem Amte und sehe ich mich andererseits •.evrrlieluer, mein Borgeben öffentlich kundzngebe». mit der irrigen Meinung rorzubeugen, alS halte eine wiche Predigtweiie die Gutheißung der Oberen der o'e;e»\1'a.'t Ieffi getimten, da ne im Äegentheile deren entschiedene Mißbilligung rr'ädrt. Hochachtungsvoll Franz .1 Widmanu 8 .1. Wien In einer lluterrcdung mit cineni Mitarbeiter des „t>keue» Wiener TagblaiteS" sagte der Provinzial in Ergänzung seiner öffentliche» Er flärnng im Wesentlichen Folgendes: Ich bab? : ne Zuschrift verfaßt und hinanSgegeben, weil ich von der Uebcrzeuaung di!r>1 mitten bin, daß die Politik nicht auf die jianzel gehört. Tie :>i,-ch:e der.stucke sind UNS heilig, und wir werden sie immer vertheidigen. allein gegen die tleduug. von der Sianzel herab Politik zu predigen, werde ich stets ine'n Bete eiulegen. Ter Seelsorger stebt über allem-Parieigetriebe, er hat lodere Äu'gaben. Ich mißbillige es auck, wenn ein Christ irgeudwem gegeuübe!-, >ei eS In I'raelit, ein Heide :e.. de» Naeeiistandpunkt einnimmt: das ist .n-z uncknffstä Ein wahrer Christ tan» dös nicht ihun: er achtet auch Jedermanns Ued-.z llguna in Glaubeus'achen, und die Frage ist nur. wer von den -nvf e„ . e:t Ivad'eu Glauben bat Ter Mensch irrt, und wir sehen, wie!-. P ilr'ovben gleich dom von einem .stunde zum andern oSrillirendeu i'i.-t:: l! einem Ertrem in das andere fallen: da. das eine Erirem, stebt der ram anderen der Materialist, Atbeiff. Das Schwierige ist nun, >vie 1 ■ - :u be-'-ändig oSeillirenden Pendel die Mitte, die Wahrheit — Gott zu d:u Ter S-cl-orgee, der Ebrist soll aber hel'en, diese Wahrheit für diejeuigeu, n i>: - stiulli il ausffudig;» machen: allein man handelt uuchristlich, wenn mau d —?l»d rSglaubigen wegen feiner Ueberzengung kränkt, angreift. stört. 5!a.1tet-nen auch Cbristeu und Israeliten, welch letztere ja auch an einen - r .n t: ich.-n Goti glauben, .flau; gut beisammenleben Bergan:, Jro und Wolf dürften nun auch den Jesuiten Pro :-:uzial für einen Inden oder wenigstens „Judeitknecht" erklären, und ■f könnte uns nidit Wunder nehnien, wenn auch Spitzer-Weimar dies :! :te. um „'ich nicht zu erkennen zu geben". Alls fartidirittltdicii $rrcincn.i In, „T eutschen Verein"!,I ^'rünii hielt kürzlich Abgeordneter Tr Mar M enger einen mit lebhaftem Beifalle ausgenouimenen Portrag über die allgemeine Vage, in welchem er sagte: So lange für die wichtigsten Interessen, in. £eiit'rt)!lutm und Fortschritt, wirthschaftliche und politische Entwucklung die Eoalition größere Porkheile als Machtheile bringe, wäre cs tbörichl,- die bestehende Organisation, so viele Mängel sie besitze, :u sprenge» Allerdings niüne.dies in dem Augenblicke geschehen, wo I '?iaditheiie die Porkheile stiberwiegen. Tie Entscheidung stehe bei der Partei Er müsse allerdings schon jetzt hervorheben, daß tiefe II n z u f r i e d e n!: e i t deshalb herrsche, weil die Negierung d : e Z u >' i ch e r n n g, de n e x t r e ni e n Parteien entgegenzu- : r?l e », n i cki k erfüllt und die s e l b st v e r st ä n d l i ch e, leider ii u i e r d e m M i »i sl eri u ni T a a f fe durch l a ng e I a hre n icht e: ' n l lt e Ausgabe, im Sinne der b e st eh e n d e n Gesetze die verwerfliche Hetze gegen ganze Elassen von Staatsliicgern ntschieden z u r ü ck zu we is en, bisher nicht oder dock nicht genügend erfüllt hat. Auch auf die Turchsührung d.r S teuer: eformgeieye müssen die Zustände, die daraus folgen, ungünstig einwirken, ja auch auf unser ganzes wirthschaflliches Leben. Angeuckis der großen Besteuerung und der stetig wachsenden Eon- .nirenz des Auslandes haben Regierung und Parlament ganz bes.'ndcren <^:u»d, unsere Industrie zu schützen und ihre Interessen;n p'ldgen,. wie es endlich an der Zeit wäre, daß die nun schon seit I:!;:en geggn das Capital inscenirte Hetze ein Ende nehme, damit Industrie. Handel und (bewerbe unbeirrt sich weiterentwickeln können, i e Ha np iw aste, welche England und die anderen concurrirenden v>::dcr im Eoncurrenzkampfe gegen unsere Industrie anwenden, sei d - „»geheuer überlegene Eapitalskrast. 'Dem ' entgegen habe unsere Ii-.dust'.:c e:.- schwierigen Aufgaben zu lösen, bei mäßigen Zöllen die -ngl'-'cke und sonstige fremde Coneurren; auszuhalten, einen großen W-'st der .: steigerten Heereskosten und die nokhwendigen Kosten der •H'.taleti P -.iickerung zu tragen. Tiefe Ausgaben könne die österreichische Industrie für die Tauer nicht lösen, wenn Capital und Unternehmungsgeist aus Sesterreich vertrieben oder doch brachgelegt werden. Turch die Erschütterung der Concurrenzfähigkeit unserer Industrie und das Sinken derselben werde auch die Arbeiterschaft leiden, mit ihr das Gewerbe und nicht am wenigsten die Landwirthschaft, denn Hunderttausende von Arbeitern seien beachtenswerthe Abnehmer von Kleingewerbe und Landwirthschaft. — Der „Deutsch-liberale Perein" in Innsbruck hielt dieser Tage eine Versammlung ab, in welcher die Stellung der deutsch-liberalen Partei in Tirol zup Eoalition und Regierung zur Erörterung kam. An der Debatte de theiligten sich drei anwesende Landtagsabgeordnete, Dr Angerer, Dr. B l a a S und Professor Payr. Ersterer warf einen Rückblick auf die Parteiverhältnisie des Abgeordnetenhauses seit dem Jahre lSSi), Letztere beleuchteten die gegenwärtige Lage mit scharfen Streif lichtkrn. Das Ergebniß der Erörterung war die allgemeine Ansicht, daß man sich von der Eoalition, durch welche die Alpenländer den Eleriealen vollständig überantwortet werden, gänzlich und entschieden lossagen inüsie. (Stojalowski's Freunde Illid Fcilldc.s An demselben Tage, an 1 welchem Wiener Blätter die Erklärung des galizische» EpiSoopais j gegen Pater Stojalowski anzeigten, gaben ihm Scheiche'r und Genossen im Abgeordnetenhause ein Zeichen ihrer Sympathie. S - richtetest an den Justizniinister eine Interpellation, in welcher es. heißt: „In Teschen sitzt schon seit Monaten ein katholischer Priester, Stojalowski, in Untersuchungshaft. Man hat es verweigert, ihn selbst gegen Caution auf freien Fuß zu setzen unter der unglaublichen Bc gründung, daß er in der Freiheit jei» Pergehen (Preßvergehen) wiedci hole» fönute. I» der letzten Zeit wurde er zu vier Monaten Arrests wegen Preßdelieten vernrtheilt. Will er nicht auf unabsehbare Zeit i» Untersuchungshaft znbringe», muß er auf die Rechtsmittel d-r P rufuug verzichten. Um ihn zu diesem VerzweislungSentschlusse ui» n> sicherer zu bringen, ist seine Behandlung eint geradezu grausame. Tic Juterpellanten fragen den Minister, ob er in der Lage sei, dem politischen Gefangenen Stojalowski Recht und Humanität z» verschaffen." Ans der nun im Wortlaute vorliegenden Erklärung de: katholischen Kirchenfürsten Galiziens gegen den christlich-socialen Agitator tragen wir noch folgende Stelle nach: „Wir erfüllten eine Pflicht, geliebte Söhne in Christo, indem wir euch vor solchen falschen Propheten warnten, welche, in Lammsfellen einherschreitend, durch Verdrehung der Lehren des Papstes und der Heiligen Schrift euch verführen wollen und sich als aufrichtige Katholiken geberden, wiewohl sie raubsüchtige Wölfe sind. Und einer derselben, ei» geistlicher Re dacteur, Stojalowski, wagte eö in seiner Verwegenheit, um seine» Worten mehr G wicht zn verleihen, als päpstlicher Würdenträger auf zutreten und sich als päpstlicher Hofeaplan zn unterzeichne», wiewohl er dieses Titels mittelst Teeretes vom 9. März 1894 verlustig erklärt wurde. Nicht wir allein warnen euch in der gedachten Hinsicht, sondern auch der Vertreter des Heiligen Vaters selbst, der apostolisch. Nnntius in Wien, richtet an euch diese Mahnung." ( (Zur Conciirsstlitistik in Deutschland. 1 In einer der letzte» Sitzungen des deutschen Reichstages sprach .sich der CentrumSabgeord nete Bachem dafür auS, daß in der EoneurSstatistik eine Scheidung »ach ReligionSbekenntniffcn stattsiude. Tie Erfahrung, meinte er, habe gelehrt, daß Juden bei Bankerotte» in erheblichem Maße stärker bc theiligk seien als Katholiken oder Protestanten. ES liege ihm fern, dic Mitbürger israelitischer Eonfession etwa im Allgemein«! angreifen zu j wollen, aber es müffe jedenfalls nach allen Seiten Klarheit geschassc» werden. Treffend bemerkt hiezu die „Allgemeine Zeitung deS JudenrhumS": Eine solche EoneurSstatistik eristirt bereits; sie hat das Resultat ergeben, daß die Juden als solche an den Coneursen nickt mehr betheiligt sind — als die frommen urdentschen Sachsen. (Der Fall Hammcrstcin.) Dem „Berliner Tageblatt" ist folgendes vom «>. d. M. datirtes Schreiben deS Grafen Kanik, Kammerherrn und Vortragenden Raths im Hausministerium; zu gegangen: Tie vereheliche Redaetion beehre ich mich tut Austrage des Comitvs d-r „Areuzzeitung" il.::.Ausnakme sotgender Erklärung in Ihrem Blatte zu ersuchen: 'Tie in dem von Ihnen wiedergegebenen Artikel der „Kleinen Presse" geschilderte Geschäftslage der „Kreuzzeiinng" entspricht den Thalsachen nicht. Ebensowenig hat die daselbst zwischen den Zeilen gemachte Andeutung, als ob Herr Freiherr v Hammersteiu Mittel der „.ltreuzzeitung" in seinem Interesse verwandt habe irgend welche Berechtigung. Tazu bemerkt das „Berliner Tageblatt": Wir können nicht umhin, zu erklären, daß die Mittheilung deS Herrn Grasen Kanitz im Wesentlichen daraus abzielt, d^e Geschäftslage der „8reu: zeitung" als keineswegs so bedenklich erscheinen - zu lassen, wie nach jenem Artikel hätte geschlossen werden könne». Unseres Dafürhaltens lag in dieier Mittheilung keineswegs der Schwerpunkt des Frankfurter Artikels, sonder» in den übrigen behauptelen Thatsachen, deren der Herr Gras kanitz in seiner an