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Freies Blatt · 1895-04-14 · 158 (14.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
158 (14.4.1895)
Date
1895-04-14
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15S. __ Freie feinen innigsten Dank für die ihm gewordene werkthätige lliiterstütziing ,'cilcnS der Spender aus und schließt der Eurrcndc ein Schreiben des Hofrathes Dr. Nothnagel bei, welches lautet: , ISnff Hochwohlgebore»! Wa« für daichwerverwiiiidetc Empniiden tas >>ö.ln'!« ist, Sie ihn» es; Sie üben Güte und Milde — und über die tranrigsie llnaerechligkeit breite» Sie de» sanfte» Glanz einer edle» »::d hochherzigen v>a»eln»g, »»d »>>t derselbe» verbinde» Sie für mich, der ich nur de», heiße» prange ineiiieS Gefühles gefolgt bi», nur gctba» habe, waS heiligste Wicht der Aeiiichlxhkeit gebietet, eine» mich fo tief ergreifende» Ane-druü Ihrer S»»lvaitiic. Als eines der kostbarste» Lestbthüiner meines Lebe»« will, ich drnftlben ste-i bewahre», und aus bewegtem Herze» sage ich Ihne» iimiglle» Tank dafür, t'rue- Tie für Bedrängte getha» habe», »»> ihnen de» harte» .stampf »»iS ta’>in z» erleichtern, wird de» Segen bringe», der ans jeder gute» Thal r»hl. •iiju aber ist es ei» erhebendes Gefühl, daß durch Ihre hochherzige Slifinng mein stamc mit »nicrcr ruhmreiche» Alm.i mator verknüpft bleibe» wird. In »gezeichneter Hochachtung Eurer Hochwohlgebore» ganz ergebener Dr.Aoth naget. Mit der juristische» Durchführung der Stiftung wurde der wiener Hof und GcrichtSadvocat Dr. Adolf Stein betraut, der bereits die zweckdienlichen Schritte eiiigelcitet hat. ' Hlimauitärcs.) Sonntag den 7. April veranstaltete der „2ti c »c r Evangelische Singvcrciu" zum Beste» der Arme» Wiens eine .Gastliche M »f i k a u f f ü h r u » g" ans Werke» hervorragender deu'.icher Meister dcS XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts »nler Teilung dcS EhormcisterS Professors «Franz I a k f cl> und unter Mi» Wirkung der k. t. Hofoperiisängerin «Fräulein Paula Mark sowie der Helrc» Josef Habor„ königlich hannoversche» Kamiucrvirtuosc», und Professor Rudolf Glickh. ,Fräulein Mark trug G. F. Häudcl'S „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt" mit cincr a» den große» Zug dcö Tondichters heraureichcndc» hinreißenden und ticfrcligiösen Empsindung vor. Minder glücklich war die Wahl cincr wenigstens im Gesangspart stcllcnivcisc ganz aus dem Kircheustyl fallenden Sopranarie von Ioh Tcb Bach mit Srgel- und Ecllobeglcitung. Einen seltene» Genuß bo:cu die mit großem »tnsikalischen «Feingefühle cinstudirlc» und mit tadelloser Präcisio» ausgeführten Ehöre des SingvcrcineS. durchaus Eompositionen a»S der RcformatiouSzeit. Dem Ehormcistcr dcS Sing Vereines ist cS wohl i» erster Vinte zu danke», wenn die Aufführungc» deö Vereines für die musikalische Welt eine starke AnzichnngSkraft üben ulid somit auch für ihren humanitäre» Zweck einen — wie wir nach dem starken Besuch deS sonntägliche» EoneertcS voraussetzen — reiche» Erfolg abwerscn. —k— B»r ('icinciuDcrnttHMunl)l im zweile» Wnhlkvrpcr. Wir erhalle» folgende bemerkcnSwcrlhc Zuschrift: Gar oft konnte man in diese» Tage» die «Frage hören: Warum hat ei» so beträchtlicher Theil der Wiener Wähler dcS zweiten Wahlkörpers sich von der so lange hochgchaltencii Sache des Fortschritts abgewcndet und der reactionärcn -Mischmaschpartci, die durch Hnegcr und seinen Anhang rcpräsentirt ist, ';»>» Siege verhelfen? Wie »läiiniglich bekannt, waren cS limncnilich Hausherren, Beamte und Hehrer, die in der ersten Aprilwochc an die Wahlurne gerufen worden waren. WaS die Hausherren betrisst, so in es eine Thatsache, daß in ihren Bcrcincn sich die antisemitische Agilalio» schon von allein Anfang an recht uultbhindcrt breit gemacht hat. Man hat eS liberalerseitS im Vertrauen auf die Einsicht der so hoch b steuerten Elasic von Bürgern nntcrlasien, ihnen so um den Bart zu gebe», wie dies von anderer Seite geschah, und so breitete sich das Gm immer mehr ans, die eigenen Interesse» wurden oft über das Gemeinwohl gesetzt und auf Austiftcn gcwisicr Schreier «Forderungen erhoben, die ui»sowcuiger in Erfüllung gehe» können, als dieselben ..früher" gleichzeitig den Beamten und Hehreru Versprechungen machten, : wieder nur ans Kosten der übrige» Steuerträger, also auch der Hausbesitzer, erfüllt werde» können oder vielmehr in ihrer Gänze bcnso unerfüllt bleiben müsie» wie die de» Hausherren vorgegankclteu überschwenglichen Hoffnungen. ES wird die Zeit kommen, wo sich all '.>« erweise» wird, und dann werden auch jene Hausherren, die »ich von der Sache des Fortschritts adgcwcndct haben, cinschcn, daß sic zum Besten gehalten worden sind. WaS ferner die Beamtenschaft an belangt, so ist cS eine Thatsache, daß viele Staatsbeamte mit cincr gewisieu Sstentatio» für die antisemitischen Eandidatc» gestimmt habe». Einzelne haben offen erklärt: DaS ist nnscrc Antwort a» Herr» von bleuer! Man ist in Bcamtcnkrciscn trotz aller momentanen bedeutenden Aushilfen erbost darüber, daß die definitive Rcgnlirnng der Beamten geholte »och immer nicht etfolgeu konnte, weil dafür erst eine Be detkung gefunden werde» muß, die auch schon angcdcutct ifL, DaS üat allerdings gar nichts mit de» Gcmeiitdcwahlcn zu schaffen — den» die liberale Mehrheit dcS GemcinderalhcS hat für die städtische» Be auike» getha», waS sic mir irgend lhn» konnte, und ivcun trotzdem Blatt. Seite fi.! eine Anzahl von Magistratsbeamlen dein Rufe Hueger's und Ö'cfj | mann'S folgte, ja sogar im ainiscmiiischen Sinne agilirke, so ist das j eben eine Verblendung, die sich vielleicht »och rächen wird. . Den»! wenn auch heute schon die amiliberale Partei das Sadtruorr ganz in ■ i der Hand hätte, könnte sic nicht mehr fin die Beamten ihn», als tue | liberale Partei getha» hak,, und man wird vielleicht noch Gelegenheit i haben, sich rtcht gründlich davon zu überzeugen, wie »ehr die »Fedln'ka und Grcgorig die geistige Arbeit karire»' . .Tie f. l. Beamten aber i haben schweres Unrecht begangen, so weit fie1 ben Antisemiten zum Siege vcrhalfcn: sie, die oberste» Hüter der Slaaisgrundgeieye und! Autorilül dcS Staates und »'einer Trgane,'sind am allerwenigsten be! rufen, einer dcstructivcu Partei »achzulaufen, die i» Schrift und Wzort' j daraus auSgcht, jede Antorilät, auch die der Beamte» selbst, zu unter-' ' graben und die Bürger untereinander z» verheize». Vielleicht kommt > mau gar bald in diese» Kreisen zur bessere» Einsicht . . . Und nun; die Hehrer! Sic haben wahrlich alle Ursache, gegen den Hiberalismns! zu «Felde zu ziehen — sie, die von der liberalen Pariei ansiini würdigster Knechtschaft befreit und z» einem geachteten Stande gemacht! wurden: von derselben liberale» Partei, die im beißen Ringen das; RcichSvolkSschulgesetz geschaffen, das die.Basta der heutige» Stellung! des Hchrcrstandcs in der (sfefetlschafk ist Plan tränt »eine» Augen und'! Shrcu nicht, wenn maii anS diesem Hager Anklage» und Vorwürfe! gegen die «ForkschrilkSparlci hört, wen» man die Hehrer den Schlepp, j träger» dcS ElcriraliSmuS, de» Blachern der^ Katholilentage 'nachlan'en sicht! AlS^ob eiu vcr»ü»ftigcr B>e»»ch von diefer Seite etwas Gutes für die Schule und für die Hehrer erwarte» könnte Run der schwarze; Weizen blüht, werde» wir ja vielleicht erlebe», ivelehe Gislähre» dieser j Saat entsprieße» Es i»'l. ein eraffer llpdank das muß gesagte ' werden welcher von Seite eines ThciRs der Hehrerfchafk bei den; letzte» Wahle» zum Ausdruck kam, und dies ganz besonders bei den.! eifrigsten' Anhängern der antiliberalen Partei, bei de» 'ehemaligen i Vorortclchrcr», die durch die Vereiiiigling der Vororte »nt Wien ihre Bezüge mit einem Schlage, verdoppelt oder iiiindestens um ei» Tritte! . erhöht sahen. Auch sic werden wohl dew Hohn ernten-. . .'Tie traurigste ' «Frucht der antiliberalen Agitation und Hetze ist aber »»zweifelhaft das zu Tage getretene Schivindcn alles Gemci»si»»cS. In den W-ählcr versammlniigen und Wahlreden der Antisemiten hörte' man nur. von . de» „Interessen" dieses oder jenes Standes, der eben snr das schwarze Heer eingesaugen werden sollte, rede», nie aber vom allgemeinen Wohl:, das jedem einzelne» Bürger am höchsten stehen foilsi Tic von Hueger so schlau ersonnene Bearbeitung der einzelne» Interessengruppen. die Wiedererweckung deS Kastengeistes, die Ausspielung der Sondcrintercsse» der einzelnen Stände gegen einander, kan» nimmermehr gute Früchte zeitigen für ein großes Gemeinwesen, das nur! in einträchtigen, und zielbcwnßtem Zusa'mmcnwirken Aller blühe», und gedeihen “filmt Ans Dem Pniter., Bt'an schreibt U»S: Vergangene» Sonntag besuchte ich in einer Gesellschaft von neu» Pcrfone», »vornnter aticli drei Juden, die ehemalige H a u s w i r I h'fche Restauration i» der AiiSstcUnngsstraße. TaS geräumige Ho^al war überfüllt, lüid unter de» Gästen waren auch viele Juden A» einem Tische uuS zur Rechte» saßen acht Herren und z»vei Tarnen, die in bantein, fast schreiendem . Tone die ütcsultatc der letzte» Wahl besprachen. 'Man hone da nichts Anderes als „S . . judcn", „elende Bagage", „galgcnreife jüdische . Brut" und ähnliche Schmähnmze», Besonders die jüngere der beiden Tameii bekundete i» gemeinem Schimpfen eine seltene Virlno'itäk. Ter lslastwirth stand bei diesem Tische und hörte den l^assenbübereien ruhig zu, ja er warf sogarab und zu eine» lächelnde» Bl,ck auf die in unserer Gesellschaft befindlichen Jude». Ties bemerkend, standen wir sofort aus lind verließen daS Hoeal. „(sfehk'S nach Jerusalem!" schrie unö cincr dieser rohen Beuget »ach >'. (?iu Jesuiten Proviuzinl gegen Henpredigel'.) 2K»r einige» Tage» hatte der Jesuit Pater Findenit an der Spitaltirche i» Prcßblirg eine «Fastcnpredigt aiigckündigr: in derselbe» fff in er ans daS politische Gebiet hinüber und verbreitete sich über die kirchen politischen Fragen. Er zog eine Parallele zivischcn den Zuständen i» Rom zu Seiten des Pilatus und de» jetzigen ^»ständen in ll.ngar».. Wie damals, so werde,, auch jetzt »nler dem Schlagworie „ »Gewalt anstatt Recht" gekämpft, doch der katholische Ehrist beuge sich nicht vor der Gewalt. Es gebe »och Eharakterc in llngaru, welche das Beispiel bei* de» Kaiser sürchtcndc» Pilatus nicht befolge», das seien die «Führer der christlichen Partei. Allein cS c^cbe auch elende Ereainreii, insbesondere eine» Menschen, dessen '.st'amen >er' nicht nennen wolle, welcher versprochen habe, 'die stcechic der Kirche zn^vertheidigeu, eS aber * dennoch mit der Macht halte . ... Tie letztere Bemerknug enthielt eine' . nicht mißzuvcrstchcndc Anspielung aus den FürstvrimaS Earfniial . BaSzar». Der i» Wie» residirendc Provinzial - Pater W i d m a » n

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