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Freies Blatt · 1895-04-14 · 158 (14.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
158 (14.4.1895)
Date
1895-04-14
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 1 Freie, binnen einer in analoger Weise ansgebildeten Einwirkung anfzuweisen. In dies aber der Fall, so kann den Juden ein bemerkenswerther, u-uin auch erzwungener Antheil an der Entwicklung deS deutschen s.rrnoriums und damit des modernen deutschen Staates nicht abge'i'rodien werden “ IVas mm? ' - .-lii-chrikc an DaS „Jvteie ‘.Statt".) ‘ (^iiflflenttial, am 7. Jlprit. Cardinal Schönborn ist von Nom hciingckehrt und hat einer Bt-chosscoitferctiz in 'Wien präsidir-t. Wir sind überzeugt, daß der Bruder dos Jttnizminifters dein heiligen Pater die Sachlage ge hörig klar gemacht hat. Und wenn das geschehen, woran nicht;u zweifeln, so bat der Papst sicherlich sein entscheidendes Wort gesprochen. Wie dasselbe gelautet, ist ebenfalls nicht zweifelhaft. Der Nnnsemitismns der Ehristlich Socialen ist eine ausgemachte Häresie, von der jeder Ehrist, abgesehen vom EonfessioitalismnS, sich lossagen muß. In allen Zeiten wären Eoneilien gehalten worden, die .1.1\.tvi< liM'-roin autist-iiiitii-um entschieden Stellung ge nonimcn ballen. Wobl tjabeu von Justin dem -Märthrrr an geangcn bis At-gtistin die Kirchenväter die Iudenfrage nach allen Seiten veuiilirt: aber kein einziger hat so horrende Behauptungen o.n'gcstclit, wie, um blos eine» zu nenne», Fritsch i» seinem Kalcchismus u::d ieiueu Heilen. Mau lese doch den Dialog Justin's mJ. Jahr n. Ehr. mit dem Juden Trliphon, der in Ephesus auf einem Spaziergänge mn Justin znsaiiimengelroiieu war' und allsogleich eine Uiilerredung aiigelnupil hatte. Keine Spur von Beschiittpfupgcn, noch krau lenden Behauv tiingen. Man lese die Schrift des hochernditen Terlullteitt /J-!r.-r>-i' man sehe das Werk Ellprian's ...1' -• imr. ,i ..J-tni-i In-I.o ml it>uiriiiiinru.?(., nirgends die geringste Svur von dem lödtlichen Hasse und der Perbleiidiing n.inrer rHntijenuten. f Die näitfie Au »gäbe unseres Episcopats ist demnach die, de» . Antisemitismus zu bezeichnen als das, was er ist, nämlich als - oiienbare Häresie. Dadurch wird das christliche Bvlk auf den richtigen Siandvnnkt gestellt: daß das keine leichte Sache ist, liegt am Tage. Es gibt nämlich Biele und darunter selbst Wohlmeinende, dre den Annscniitisnttis mit dem berechtigten Kanipfe gegen Eor. r»rt:on idenli'ieiren und demnach jede Berurlheiliing des enteren; als einen An graf auf die gerechte Sache anschd.iieii. .Darüber muß dir Eviscovat sieh lsinwegsepen und muß mit Berufung auf den , obersten ven!cr der Kirche Die ungeschminkte Wahrheit verkünden. In welcher ,uu’:n das geschieht, ist einerlei. Sb in der Form eines gemliniamen Hirteii'chreibens oder in der Form von Rundschreiben .'Wirer Bi'chö'c, ändert nichts an der Sache. Aber geschehen m'..ü etwas, and;jrar möglichst bald. Das erwartet das christliche B.ck nicht minder als der katholische Elerus. Dr. Schöpf. '.! lllnuin nun luguesi»i I Eardinal Schönborn in heim- > gu.lDas Ergebnis; seiner 'römischen Mission Hnrste den vor- .i'.e.nt 'B.richte» rttsolgc das sein, dag Nom gegen den Anti-! '.iii.iismns .ittniretleti ^nichts unternelmien wird, lieber die Stimmung, w.lelt: in tratrdigeu katholischen Pti-stcrkrciseu herrscht, gibt die Zn- 'chi:': des Herrn Eonsistorialrathes Dr. Schöpf Aufschluß, welche ' .oic ui. Br.aukicbcntcu cum Abdruck bringen. Aus Der Schult flCidmnitH. Das .X itt;er B ll I ks b lall" em.i! Wiener Brief, als dessen Bersaner der Abgeordnete E.ttboch gilt, in welchem mit außergewöhnlicher Unverfrorenheit d:e Teitdeuv:» eingesianden werden, denen ein Theil des Hohcnlo.t.t Elubs buld-gi Der Briefschreiber, welcher noch immer nicht verhiiii.z.n kann, daß das Eoncord»t nicht mehr besteht, freut sich, daß nach den Weener Gcmcindcrathswahlen nicht nur die liberale Partei Wiens, -rndecn des ganzen Reiches geschwächt sei, und schreibt unter Ander.m: ..^tc Eoalition besieht für die Eottservakiven bloß deshalb, w".l r-.:malen keine ben'ctc Parteiengruppirung möglich ist, welche - o n die D'.i-ilnabme an der Majorität mit alt« ihren Portheilen "..bei» inr.r.c Der Sieg von Wien hat die Stellung der Eonser- °.alt! -m we-'cntiiK geüo.ctt. weil er die Position der Pereinigten Linken ic-.-entlick, ge'chwacku bat. Eine Partei, die solche Niederlagen erleidet, dar' tune pacteimäßigen Forderungen mehr stellen. Die Ausgabe deö Wachtpo't.'its m der Eoalitio^t. - als welche wir seinerzeit die Aufaal-e der Eonteci-niven bercichneten. in henke wichtiger als je, und die b.Id.'i -eiligen '.'.UI der „tituntet feindlichen Brüder' werden gut Jlirttt, Blatt. Nr. 158. diesen Wachtposten nicht zum Einziehen zu bringen, sondern , ihn zu verstärken und ihm seine Aufgabe zu erleichtern. Mögen die Sieger diese Auffasiung aufrichtig entgegennehmen; vielleicht bietet sie ihnen manchen Anlaß zur Beherzigung." Wir sind der Meinung, daß diese Auffasiung in erster Linie den liberalen CoalitionSgenoffen des Herrn Ebenhoch manchen Anlaß znr Behcrzignng bietet. Nebenbei bemerkt spielen die sogenannten'Deutsch-Nationalen wieder eine unfreiwillig-komische' Nolle. Sie, an welche der Briefschreiber des Linzer bischöflichen Organes sicherlich nicht dachte als er die Einladung zur „Verstärkung deS Wachtpostens in der Eoalition" ergehen ließ, drängen sich „tit einer ablehnenden Antwort vor; eines ihrer Blättchen läßt sich vernehmen: „Tie freundliche Einladung, diesen Wachtposten zu verstärken, werden aber die .mitunter feindlichen Brüder' wohlweislich nicht befolgen, dem Triebe dev Selbsterhaltung folgend. Bei den Deutsch-Nationalen findet diese Einladung überhaupt lanbe Ohren, die Ehristlich-Sorialen aber werden dem Lockrufe nicht folgen können und dürfen, auch wenn Einzelne geneigt wären, am Hohenwart'schen Wachtfeuer sich zu wärmen, sie werden lieber weiter warten und das .saure Brot' der Opposition esien, bevor sie sich den Boden unter ihren Füßen gänzlich abgraben." Ein Folklorist, dessen Zuschrift wir in der Rubrik „Ans antisemitischen Blättern" veröffentlichen, hat niil seinen Bemerkungen über die Spuren der Eonvade, die »tan noch j„ Enlkurländeru findet, nur zu sehr Recht. -Zur Wahl auf Der Landstraße.) Die dcrmalige zerfahrene Situation scheint den Social-Deinokraten der richtige Augenblick zu sein, bei der Ncichsrakhswahl auf der Landstraße mitzureden, wäre cs auch nur der Temoustration halber. Sie haben deshalb in der Person des bekannten Arbeiterführers Reumann ihren eigenen Eandidaten ausgestellt und ans diesem Anlässe am B. d. M. eine allgemeiue Wählerversamutlung einbernfett, die jedoch vorwiegend von social demokratischen Parteigängern besucht war. Ter Eandidat Reumann beleuchtete die dermalige durch den Sieg der Antisemiten geschasfene Situation in einer Weise, die wohl jene „pensionirten Feldmarschall- Lientett att18, Hofräthe nttb Ober landes gerichtsrät he", die nach einer Aussage des Herrn G front er letzthin die Antisemiten wählten, über die möglichen Früchte ihres Sieges, etwas nachdenklich , stimmen könnte. Reumann sagte am Schlnsie seiner mit Ausfällen gegen die Liberalen wie gegen die Antisemiten ge würzten Candidateurede, die Liberalen seien durch ihre Niederlage nun in die Opposition gedrängt und müsien nun zeigen, was sie können. Das sei ganz gut, denn dann würden die Anti-Liberalen um so eher abwirthschaften und schließlich die social-demokratischen Anschauungen zum Durchbruche kommen. In diesem Sinne, allerdings ohne die geringste Hosinnng auf einen Tieg, werde die Partei diesmal einen Eandidaten ansstellen. Ein darauffolgender Redner, der Schneider meister 2 w a t e k, wendete sich in drastischer Weise gegen Tr. Lueger, der die kleinen Leute jetzt gegenüber den Beamten „znrückgestoßen" habe, obwohl sein Pater 'elbst ein Tischler gewesen sei und sich nun im Grabe timdrehen müsse. Lueger wolle nur ein Tictator sein wie 'Napoleon l. Aber wie dieser sein Moskau, werde auch Lueger das seine finden: die kleinen Wähler — und so wie Napoleon werde auch Lueger einst mit der langen 'Nase dasitzen. Es ergriff hierauf ein jüdischer Wähler, G r a b s ch e i d, das Wort, mit in heftigen Ausdrücken die Führer der liberalen Partei und, die. „großen Juden" an zuklagen. daß sie die „kleinen Juden" nur als Ball benützt hätten, tun hittaufznkommen. Er verlangte schließlich in so stürmischer Wei'e Schutz vor den Liberalen und-den „großen Juden", daß er in eine Ecke des Saales geführt werden mußte, um sich zu beruhigen. Man sieht, welchen Siedegrad bereits die politischen Leidenschafteü erreicht haben. — Endlich haben auch die Liberalen einen Eandidaten für die Reichsrathswahl im dritten Bezirke anfgestellt, und zwar den ehemaligen Abgeordneten Alfred v. Lenz. (Rolhnagcl-Stiftuilg.) Wie vor einiger Zeit gemeldet wurde, hat eine Anzahl von Freunden und Berehrern des Herrn Hofrathes Profesiors Tr. Nothnagel eine Stiftung für Studenten errichtet. Das Eomit-'-, an dessen Spitze einige Aerzte stehen, gibt nun in einer Eurrende au die Spender bekannt, daß eS seine Aufgabe beendet ünd zur Activirung und llebernahme derselben von Seite der Wiener Universität die nöthigen Schritte cingeleitet habe. Bis zum Jnsleben treten der Stiftung erliege der eingegangene Betrag von 54.000 ff. bei der Niederösterreichischen Escomple-Gesellschaft. Diese Stiftung werde für immerwährende Zeiten den Namen Nothnagel's trage», und dieser selbst werde, so lange er lebe, einen bestimmenden Einfluß auf die Berwendung derselben ausüben. Es sei bestimmt worden, eine Anzahl von Stipendien für unbemittelte Studirende mnd Rigorosanten an der medicinischen Facnltät zu ereiren. Tie Stiftung werde-, eine iulerconfessionelle sein. Zuni Schlüße spricht das Eomitc'

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