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Freies Blatt · 1895-04-14 · 158 (14.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
158 (14.4.1895)
Date
1895-04-14
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Freie» Blatt. Nr. 15* lil'ni'.ii' |!nitci in iiMcit auch durch A'mntt) znsainnienschrunipfcn, nnnu fit nur fdl'ft ihre Würde dcwnhrt, so ist unS um ihreZufunfi nickil bange. fomint uichl auf die Ziffer an; ein nn-!-ei,g>.:i» gefinnungskreucr Manu — das sehe» wir ii» deutschen •>i\ uiKMiiiji' und im preußischen Abgcordnetenhaiise — bedeutet ::n!ir als Dutzende von diplomatisircudeü Schwächlingen. welche ans WaneniUchkcil »der höchstens um augenblicklicher Borlhcile u-:•» '.'llkc vernachlässigen und verleugne», was ihren Mandanten Uui.iT in. Bewahr: mir eure Würde, und wir werden hoffentlich 'ckisn »ackfft.s Jahr frvhlickie Astern feiern. ttt IPo sind lvir, und: Mas jetzt? i Cdijmal-'iJiitthVilimfl de? „freien Blaues") L alzbnrg, IO. April. io iriiic den» auch die Wahl ans dem I. Wahlkörper bei uns .1»:; ::yiiU ausgefallen, i ic fremden- und Saisonstadt Salzburg i :.: : f k- Mitiitlitgciibc 2diaii!piel, dag ihre Leitung mit AuSnpl-:::.- der b.-:den liberalen Tr. Jager und Tr. Pollak aus lauter des Fi.indenvcrkehrcs oder sortschrittsscindlichcn Elementen lYNe!n. Wu und uocki nicht am Ende der Enttünschungcn, aber doch du-;iu'.ir genug, um zu sehen, daß die österreichische Gemüthlichkeit, j : ,ii:,;.idt.' Tiilduuq staatsfeindlicher Bewegungen unter dem I rie: aie '.-lbsiinchtiAer Zeloten gar liebliche Pflanzen gedeihen;;'n. Vü? „„sii.-nt.- fallen Tic von der liberalen Partei dem i m der Anliiemilen so -lange zu, bis cs zu spät geworden für .m'i.n’d) :. Jiiriiekweiinng. Was man hätte längst im Keime :t ’c .-ii, das Ilutrant, wnckiert jetzt und verdeckt den Boden. Haut der stVnenhaner ist dickin ihrem Rausche abnormer Sclbst- •■duitir.iji lallten ste sich für vollständig regierungsfähig! Ter Sieg .- e.> 'st'eichsliauvistadt, das Beispiel aus dem Ecntrum des Reiches an Neckend in der Provinz. liniere Salzburger Bevölkerung ist nde..-nr. „rerbelet", weil seit Jahrhunderten von der Geistlichkeit . i schwerfällig,' olmmächtig gegenüber den glatten Phrasen und l-'.ven Perst"..ckningen, dabei ein ungastliches, dcrbcS, egoistisches Volk, einin. Wed elest. >' I :,- Kl.ingewci betreibenden glaubten dein Vicbc von der „Eou- :z i.v .luden" : sie bemerkten cs nickst, daß sich die antisemiti di-.» Ä.ii'voi gnade mit jener Partei verbündeten, welche die ganze S:!,uid nag: au der Eoneurrenzuntäbigkeit, d. h. an der Indolenz, ni ist-liugkeii und Trägheit des hiesigen Volkes. Snstcmatisch ünd :.i i" ge stigeu Fähigkeiten des bajuvarischcn Stammes erbznck: wende::. Waren die Ami'euiiten wahrhaftig' Tcuttch-Rationale, ste! a::el: d'l T enifch-lilester-reicher eher von dem Einftuffe der Elericalen;? Aber die mangelnde Ehrlichkeit wurde eben nicht -.st eu. gan; natürlicki gefunden, daß man sich mit den ■ iKvn’uKii "stgW-i n der Volksiiitclligen; verbünden müsse, um durch een »iiitt'il>. :: e u Autick)wung anznbahnc». l.'.>-n!>i j>m,imi'-nx -1- ' i Als e .e einzige Erklärung für solche Anomalien haben i-sth'l '^el-irln' nickus als das gedankenlose: „Es ist halt die Strömung". Tie'.s 'alovve „Hall" des Ocstcrrcichcrs, cs mag auch noch -st zemütbrick, klingen, - ändert nichts an der Schädlichkeit der ongcnouckuchen Bewegung. Run stellt das ,.Halt",System wie der Zauberlehr» -a rer de. ielbslgeichaücncn Situation und steckt die Acußernngcn des U J.nuunes ruhig ein. Ter Gcwaltstrcich ist „halt" einmal da, die -st:ge Anarchie ist „halt" vroelamirt von den Feinden der Bildung. Tie Scknnd dainu liegt in der Hauptstadt in der Abstinenz der st.- sie.: W >l >er Wiens! Tiefe war ein Mißgriff, sic bedeutete so - , stanen wir uns „halt" einmal versuchsweise todtschlagen, wir w'd-u.n '?hen. ob wstr--nichtdennochweiterleben? Tic Gegner sollen dann zeigen, was ist: lernten!" Ein kühner Versuch! Toppclt gefährlich, wcit ::'}t attgemein das Schlagwort üusgcgeben wurde, daß die u ...A gewiribschanet" hatten. Eompromiffe liegen in der Lust; - -- niui'l.g d nk nde Liberale aber werden sich kaum locken lauen, '-.-st.-- g-na.,: d.-„ reii» gehen". Es bleibt den liberalen nichts übrig, als fortzufahren, jeden Antisemiten so zu behandeln, wie er es verdient; ist diese Partei doch nicht durch den eigenen Werth, sondern durch die geistige Beschränktheit des GesinnungSpöbcls hinaufgekommc» und durch träge Kleinbürger, welche nicht weiter sehen alS ihr eigenes Geschäftsinteresse reicht, und nickst einmal so wcit. Zur Macht sind Jene wohl ge kommen, aber auf die politische Achtung des Bildungsadels dürfen sie nicht rechnen, nur auf Ansehen bei den Ihrigen und vielleicht noch einige Zeit bei den Clericalen, welche die christliche Lehre der Opportunität unterordnen, trotzend dem Papste, trotzend dem Worte eincö würdigen Priesters, welcher den Antisemitismus eine gefährliche „Häresie" genannt hat. Materieller Gewinn ist da, ein moralischer Sieg nicht. Das Wort „Jude" bleibt so gut wie „Christ", die Be Zeichnung „Antisemit" aber wird immer für gesunddenkende und ans geklärte Leute einen fatalen Klang haben. Die systematische Ans schließung der antisemitischen Einflüffe ans Schule und Haus sei vor Allem Psticht aller gutdenkendcn Eltern; man trete der Verkommenheit frühzeitig entgegen, wir müffcn dies umsomehr, als wir. der Jugend die Lebenswege zu weisen haben. Leute, welche de» größten Lyriker Deutschlands verspotten, welche mit insipiden Gesten Werke Mendels sohn's und Mcyerbecr's verdammen, weil dieselben Juden waren. Leute, denen als der einzige Maßstab bei Beurtheilung der Menschen das RcligionSbckcnntniß und die Race gelten, deren brutale Art jede Achtung für das Alter, für die Erfahrung verweigert, jene „arischen Urtcutoncn" mit ihrem „Juden hinanS"-Gehcnle sind kein Umgang für unreife Knaben, denen die sogenannten „weltstürmenden" Ma nicrcn leider zu sehr impouircn. An die Stelle des Gefühlslebens, der Lnrik, der Romantik ist nicht etwa bloß praktischer Sinn, nein, einfach das Faustrcchl getreten. Selbst Mädchen kennen das alte zarl poetische Hrrzcnsspicl nicht mehr, weil sie „fürs Leben" erzogen werde». Tie Ehen werden Calrule; die Jugend ist nüchtern und zum Verzweifeln prosaisch geworden. Welches Ende wird einem tdealloscn Leben, dessen höchstes Ziel Sclbstverhimmlung und GefühlSbarbarci ist?- Bei der Jugend also sollen wir cS versuchen, denn so lange cs Mittel zur Bildung gibt, werden bevorzugte Menschen stets für die Aufklärung cintrcten, nur der Durchschnittstypus erliegt der Strömung des Augenblickes. Wir müffen die Jungen davor bewahren, das Gift des RaccnhaffcS in sich aufzunchmen, der Vater muß ihnen zeigen, daß die Jugend einst die Fahne der Freiheit entfaltete und groß war, daß cS ihrer unwürdig sei, zu Handlangern von politischen Ge schäftslcutcu, zu feilen Pfaffenkucchlen hcrabzusinken; wir müffcn ihnen ideale Vaterlandsliebe und Begeisterung für Poesie einflößcn und die Schamröthc in ihren Wangen wecken über die alte, viel besungene Burschenherrlichkeit, die jetzt in Banden liegt. Sehe» die Knaben denn nicht, daß man sic nur als Stufe benützt, um von ihrem Rücke» aus das Licht des Jahrhunderts zu löschen, weil die Dunkelheit den Raub der Menschenrechte, die Wiederkehr dcS Mittelalters bester be günstizt? Sehen sic denn nicht das Brandmal der traurigsten Epoche, Oesterreichs? Einmal werden sie doch erkennen, welche Spuren die jetzt herrschenden Parteien hintcrlaffcn, wenn in sehr absehbarer Zeit Stcucrerhöhiingen und der Rückgang auf allen Gebieten denk Zorne der Wähler wieder einmal eine andere Richtung geben werden; einmal wird doch auch das höchste Cnlturziel wieder in der Verbrüderung der Rationen, in der Freiheit der Eonfessionen und der Gleich' bcrechtigung der Racen erkannt werden. Ueber diese Wahrheiten helfen weder Lnugenkraft, noch Pose hinweg; weder eine irregeführte Maffc, noch eine antilibcrale Majorität werden die Grundlagen deS internationalen Aufschwunges ändern. Meine Vaterstadt möge daher bei Zeiten du Worte beherzigen, welche vor mehr als einem halben Jahrhunderte der edle Sänger des „letzten Ritters", Anton Auersperg, schmerzbewegt aüsrief: „Wien thu' Buß'!!" Ein reinigende- Ge-, witter wird das ganze Land von der Epidemie befreien. l>—l.

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