Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 158 (14.4.1895)
- Date
- 1895-04-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Freies Blatt AbonuementSpreiS. ^flr Ctderrti^•Ungarn:; itirfa.* Kronen (fl- *.S0) •'iVwjMij -.3 Kronen (ff. I.«*) i 11 f ^üt Sa« gefammte Au»Innd: -tt'riq rdng ..ft Mark ..3 Mark SO PI- Einzelne 4iummern « kr. -onkirl« Briefe werden nicht angenommen Organ zur 2lbwekr des Antisemitismus Erscheint an jedem Sonntage. Nedaclion und '.'ldi»i»inrntion: I. rcilcritiittc io.. werden mit ' '7 kr ... . r»ük ^mal -lespalteneh’r.-: r. «rlk.n.- tt»;eig-r-daS ^'ort i £ S:r kr.;;n*u. :;iv von Jnf<rat<n in unsrer ^min;;i uir-it ' wie im Ännvncenhure.ut Ji. L uk4'. l. ^'ott;ei!e Riintmer 15K, Wien, 1i. -Xpril 1895. IV. Jahrgang. öm Feuilleton der heiitigen Hummer beginnt» wir mil der Pcivisentlichung eines intcressaiite» Roinanes aus Polens Borzeii: In Acht xxnb ^.>ann von Carl <6 riol. TZewabrt eure Mürde! 'sis sind Heuer trübe Astern für Alle, welche im ösfeiuliche» L.-l'.-n WienS eine Rolle spiele». Die liberale Partei hat bei Oe» l.i-tc» Gemeinderathswahlen eine Niederlage erlitte», die »ni so schmerzlicher ist, als der Sieger ihr nichts weniger denn Achtung eniftoßt und sie sich den Porwnrf machen muß, ihr Mißgeschick zun, große» Theile selbst verschuldet zu haben. Während die Aniiieiniten monatelana in zahllosen Versammlungen, Ausflügen, Festen und geselligen Unterhaltuugen sich für die Wahltage rüsteten, unterließen eö die Liberalen, sich durch regelmäßige Manöver für die Wahlschlacht vorzubereiten. Diese Unterlassung ist um so ladelnswerther, als. nicht viel Scharfsinn dazu gehörte, um vor auszusehen, daß dem Gegner in der Stunde der Entscheidung eine erkleckliche Anzahl von HilsStruppen beistehen werde. Seit der Aera Taasfe ist die Beamtenschaft Wiens besonders stark von slaviiche»' Elementen durchsetzt, welche nur in der deutsch liberale» Pulli einen ernst zu nehmende» nationale» Widersacher erblieken und sich bereitwilligst jedem Gegner derselben anschließen, sobald dies ohne Gefahr zulässig ist. Wer tschechische und polnische Blätter liest, wird auch in solchen Organe», welche sonsteine freisinnige Haltung zur Schau tragen, ein Frohlocken über den Wablsieg der Antisemiten, eigentlich über die Niederlage der D.uisch-Liberalen in Wien finden. Unsere slavischen Mitbürger, 'w.!che an der einheitlichen Berwaltung und Fustizpstege, an der deutsch«! Armeesprache Anstoß nehmen und ihren angeblichen DtaaiSrechten Geltung verschaffen wolle», fürchten nicht die Groß ivrecher in der germanischen Löwenhaut vom Schlage des ehemaligen Zwettler Abgeordneten, Wohl aber die deutsch liberale Partei, und an deren Schwächung mitzuwirke», erscheint ihnen gleichsam als eine nationale Pflicht. Allein die Führer der Antisemiten befinde» sich ebenfalls in keiner freudigen Stimmung. Weh', wir haben gesiegt! — rufen sie zwar nicht aus, aber sie lassen es nur zu deutlich merken, eaß der Sieg ihnen unwillkommen sei. Sie sind sichtlich in großer Berlegenheit, wie sie daS eroberte Gebiet untereinander vertheilen solle». Was säugt »ta» mit einer^ Majorität an, zu I re» hervorragenden Arbeitskräften Steiner, Jedln-ka, Gregorig und Havranek gehören? So sehr der erste Führer der nnti niitischen GemeinderathSopposition auf die durch nichts zu erschütternde Treue seines Gefolges baut, so lange er eben nur Anklagen zu erheben braucht, ebenso scheint er, vielleicht mit Rücksicht ans sei'ne Genossen in der Führerschaft, davor zurückzuschrecke», ienen Posten zu übernehmen, auf welchem er auch den Bornirtesten seiner Anhänger nicht mit einem pathetischen Wortschwall zusriedenstellen könnte, sondern arbeiten und thalsächliche Erfolge anfweisen müßte. „Nein, er gefällt mir nicht, der neue Bürge DM- Dir I,rutigr }li,nu,ier i meister!" — meint Dr Vueger, während di. von >l>m angeführt.» Streitschaaren sich in Hochrufen auf il)ii. als künftiges Siadtober baupt heiser schreien. Und so tam man denn an' den Epifall/ ein Gemeinderegiitie Lueger, genannt Grübt,- zu errichte». D:e bisherige Bürgermeisterfirma soll nicht gelöscht-werden: nur in der Proeuraführuug hätte ei» Weichsel einzntreicn, und Dr "u.g-r würde sich in aller Bescheidenheit mit der Stelle des Dr. Aioert Richter begnügen. Also bloß der erste Bieevürgermeister soll dun antisemitische» Siege zum tapfer fallen. , Se. cheSlinl »ich! so vmimnMit •JL'iii» ii'iir' l'er'i.dit, Um ti.-rzlich immm ... ueiiii.i.. Dem Dr. Lueger, welcher sich nicht fähigfühlt und leine ','u)t hat, derzeit den Bürgerineisterpoften' zu übern.chme», wäre ans diese Weise die Möglichkeit geboten, die Eonimunalverwaltung in die Hand zu bekommen und nöthigensalls die B.rantwortung auf. jenen Liberalen zu wälzen, welcher von dcr Antisemiten Gnaden aus dem erst-n Pla-ve im Gemeind.ratböpräsidinm belasien würde Dr. Lueger als Führer einer reaetivnär antisemitischen Gemeinde rathömehrheit unter einem zur liberalen Minorität zählenden Bürgermeister brächte am Ende 'auch das MunfiftiKf zustande, gleichzeitig die Gemeindeverwaltung zu beherrschen und die Deele der iDpposition zu sein. , Nein, die Liberalen Wiens habe» die Wahls.tilacht verloren, aber wir können, nicht glaube», daß sie auch die Wurde einbüßen werde». Scheue Hort inan in Brün», das gleich, andere» Provinz ftädten in früheren Fahren freudig de» Rnf erschallen ließ: „Wir gravitiren nach Wien!" kein Wort der Fusliiuinuilg mehr, sondern ini Gegeutheile eine Bersicherung, welche wahrlich, geeignet ist, Alt Wienern die Schamröthe ins Gesicht zu treiben. Die deutsche Bürgerschaft der Landeshauptstadt Mährens erklärt mit stolzem Selb/tbewußtsein, daß sie sich die Stärke zütrane, bei einem etwaigen Anstürme auf ihr fortschrittliches Gemeinwesen die .Kämpfer der Reaetiou mit blutigen stopf.-n heinsiuschicken. Aian, würde aber in der Provinz von den Wiener Lweral.is geradezu mit Berachtung sprechen, wenn sich diese je zu einem eompro mittirenden Eompromiß mit den.Antisemit.-», den Feinden der Rechtsgleichheit und des moderne» Rechtsstaates überhaupt, herbei lassen wollten. Das wäre eine Eoatitio», bei welcher auch die be rufsmäßige» Bertheidiger der Principienfälschnug nicht die Eourage haben dürften, den Ausdruck „Znrückstellting" statt „Preisgebnng" anzuwenden. Für daS fortschrittliche Lager Wiens tan» es sich im gegenwärtigen Momente nur darum handeln, die Ehre zu reite», die eigene Würde zu bewahren. Stein ehrenhafter Liberaler darf mit thun oder auch nur passive Assistenz leisten, sobald ein Lueger sich anschickt, mit oder ohne Perantwortung das Wiener Eommnnal schiff zu lenken. steine wie immer geartete Gemeinschaft mit Demagogen, welche in die-Massen Schlagworte schleudern, wie „stopfen oder Ertränken!", wirthschaftliche streuzzüge predigen, das Ehradschneiden eil gros betreiben und im Reiche Umsturz und Berwirrung her vorrufen wollen: keine Gemeinschaft mit F^nen^ welche ans fanatischem Haß gegen humanitäre Bestrebungen eine Fnauisition zur Ausrottung der Freimaurerei einsetzen möchte»: kein Paet init den geschworenen Feinden deö ungarischen Ärnderstaateö, den Gönnern der Zukunftspläne von Ratiu und Lneaein! Mag die scchirhn Heiken Narlc. t