Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 157 (7.4.1895)
- Date
- 1895-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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t freies Blatt. Nr. 157. Seite 8. , Ter Gdrcudiirgrr von Mühldorf und seine Partei.) Bergan, klagt Ar 1,o’d)t;iid)t. lrovtem letzterer in der jüngsten Nummer der „Unoer« fäl''d'ten" gegen >b,i neue Anklagen erhebt und an diese die erneute Aufforderung schließt, Bergani möge ihn zArnoscht) gerichtlich belangen, falls des Levtercn önentliche Minheilungen über Bergani der Wahrheit nicht entsprechen. Berga», klagt „ich,, und auch Lueger chat daS Anfinnen, mit seinem Freunde; Bergan, zu brechen, ’rtiroff znrückgewieien, fo wie etwa eine routinirte Lebedame; die moralische» Zuinulbungen einer' prüden alte» Jungser zurückweist. Schönerer \ in darob and dem Hänschen und läßt durch seinen Schreibknecht Jro der! „Bergani-Parlei" solzende Schönbciten sagen: „ES ist^traurig, wenn sich eine; pcliii'che Barrel, die sich die energische Bekämpfung der Corruption auf allen Gebieien des öffentlichen Gebens zur Ausgabe gestellt hak, nicht auS eigenem j Antriebe veranlaßt füblr, zuerst eine» in ihrer Mille befindlichen Hänfen der! widerlichsten Berderbniß zur Seile;>r stoßen und zu beseitigen, bevor sie sich! ainchicht. vor andere Tbüreu lehren zu geben. — Tie christlich-sociale Partei : hat der Teisemlichkeit gegenüber einen schlechten Beweis von der Aufrichtigkeit und Gründlichkeit, mit der sie alles Schlechte zu bekänipse» gedenkt gegeben, als ne in dem Augenblicke, da sie daran ging, die judenliberale Corruption bei den : Genieinderalbswakilen zu bekänipfen, einen Menichen unter ihre» schützenden ' Mantel nahm, den die Tcul'ch Nationalen alS einen Förderer der Corruption, alS das verkörverle Wesen polilöcher Gaukelei und sittlicher Oberflächlichkeit entlarvt darren. Ans dieie Weite erziebl man dar Bolk zu keiner — die Schützer Bergani's iagei: .christlichen', wir sage» deuiiche» — Weltanschauung. — ES ist . inleres'ant. zn beobachte», daß die christlich ioeiale Bartci, die sonst in allen Winkeln ihres geliebten Testerreich nach .iinereffanle» Fälle»' der Corruption stich!, den großen politische» Corrnvrionsina»» Bergani „»beanständet läßt — weil, weil — er nicht kein .Bürgerclstb' angekiört!!!!!" u. s. w. mit Grazie. Aber Bergani klagi doch nicht, und Lueger beugt sich doch nicht der Ticiatnr des Schloßderru von Rosenau, und da-S ist der WermuiHStropten, welcher den Teuk ä, Naiionalen den 'nber'chäuiiicnden Freudenbecher der antisemitischen Wal lee'.'lge reibilieri. -Wer ziillucl den AiilisemitisniilS ei Zn der Icuten SonniagSmlniiner des ,.T e.:: >'ch e n B olksb Ialtes" sanden wir folgendes Inserat: 5i. K. priv. Kaiser- L-rrdinands-llordbal,». ^afirpreivcrmäfaiuuaj Wallfahrer nach Kalwarha. - 7> . in fcr Ibir 1'.'!:: 7. bi? incrunvc Ävril l. nach *i »uttnufcnbcn ^.lan*afcncn werden in den Stationen und Haue» iM.cn der Streifen Briedel—Viiftek—B»etih—-talwarna und T",icdiv - Lanbusch - vi r.n »abrpiJnwiiKi.Tcnl^crnMtciuüsjci! besonders crmäftiflte t.'vrui l! :rnf von Xdiao.m,: —icrntr lour und Rerourkanen .'{..itodm,:—'vclTitiroWvM mit »;iufta,U‘lcr i^iUi.ileitsdauer aus^c^evcn. nnvertem vrrtcbrt am I'S. Tlprit i Z;:u ^cvarar Per'Onen;u^: i'..:i 15 ... .»>:;.*» ,>rüd. .'iki7iin»'r xalw-ir'.-.r —Z ^irydc'wska . .f. . :»-ä2 i'orm. u::: Vlt’vil-vt x.ur.-:raa . .... äOo^admt. *.lntun»t ^uiip . .. 4 '»o :;n ckrn cfma*t.trcn ^atrpreiien. Xr K.xt-.rv’ ift aue den a»fid)incn xuirdinaäiungcn;n „• rieten. 'B.-ir kennen uns nicht genug wundern, wie dieses Inserat überhaupt zu - stände kam. ^Ten» I. ist die Nordbahn eines jener Institute, welches von , den Aniisemiten zu allen Leiten ganz besonders als Muster eine» „jüdischen" . UiiiernebmeiiS mir den gemeinsten und befrigsten Angriffen bedacht wurde. 2. Ist >t aiwa r n a nn Wall-abrisort, welcher wegen eines dort alisgestelllen ' auf de» „Nilualiuoid" bezüglichen Bildes einen stark antisemitischen Bei. ' ge'chinack bat. und 'vecieU das „Teut'cüe Bolksblar," hat seinerzeit das Bild rvn xalivarna zuni Anlaß der gemeinsten Aufreizungen gegen die Jude» genommen. Nui! aber 'eben wir, daß die Nordbahn, ein Institut, an welchem I Jude.-, l'erroi.ageud deiheiligl sind, den Zuzug nach xalwarpa nicht nur er -eichrert und ''ordert, sondern obendrein dasselbe Blair, welches Xalwarua als i Agilaliousinittcl gegen die Juden benützt, durch ein Inserat finanziell unteri stübl Wir lonnci: nicht glauben, daß die maßgeblichen Ar eile der s No rc bab uge''elischarr »in die ganze Sache überhaupt wisfen, . and .'lande,i. daß wir es hier mi l d e r Eigen mä chl ig ke i t ei n es \ a r: s e w i: is ch e u Be-amtrn zu lhun haben. Wir wollen hiemit die! l.i ...: i. B.'i'.'nen aus diesen Unsug ausnierksan, gemacht habe». : >Bon der ..krriizzciriliig'.) Berliner Blätter kündigten den Rücktritt dcS! Frei!'. H a u. m erstein von der Leitung der „eireiizzeitnpg" an, und! urar :. . .. r inerenzen" mir den Eigenlhümern dieieS anliseinilischen Hetz- > -rrgan-'S. .'la Angaben >:ber die Motive deS Rürltrities machte ein Frankl.uiev-d :..:i?,e zur Becla.,e der „Franksurier Zeiinng" erscheinende „Xleine Br. '"" melde'.', de. ««rund' des Rücktrittes >'ei in der Geldgebahrung Hammers zu 'uä i. «d's.blen über 40000" Außerdem habe Herr Hammer steu. :-"ch S-buldel' >ur k:c „jtreuzzeiiung" gemacht, die in den Berhällnissen und Bedürfnissen deS Blattes keine Begründung finden. Auch seien Thatsachen bekannt, die unter daS von den Confervative» so heiß ersehnte UnsittlichkeitS? gesetz fallen würden. Ter PensionssondS des Blattes sei verschwunden. Ter Papierlieserant deS Blattes habe 40 Pfennige für das.stilo bekomme», während er andererseits Herrn v. Hammcrstei» große Beträge lieh. AlS man den Papierfabrikanten jetzt berief, habe er sich bereit erklärt, das Papier fortan um 25 Pfennige für das Kilo zu liefern. Ter Mililärichriststeller Stadler habe schon vor mehreren Monaten erklärt, daß cs ihm ffiuc OfficierSehre verbiete, länger mit Hammerstein zu arbeite». Ebenso haben einige Redacteure mit ihrem Austritt gedroht, wenn Hammerstein nicht gehe. Tiefer aber habe einen lebenslänglichen Contract mit dem Blatte und weigere sich bisher, seine Einlassung zn nehmen. ' Ter Aussichtsrath deS Blattes könne ihn jedoch dazu zwingen, da er sonst die strafgcrichtlichen Schrille gegen ihn einleiten würde Im AussichtSratbe, dem fünf Mitglieder angehören, sollen bis jetzt drei die Ab sicht gehabt babe», die Sache i» Güte und Stille abzumachen. Ta sie ab.,- nun in die Tessenuichkeit gekommen ist, so werde nichts übrig bleiben, als daß Hammerstein vom politischem Lebe» znrücktrete. So die „Kleine Presse", n„d erst nach achtundvieizigstündiger lleberlegung erklärte Herr v. Hammerstein, daß er sic klage» werde. Ve.Ierswo! Fenlllctan. ..Zwei jüdische Literaten". Bo» >iarl Bliiiü. II. Man kann übrigeiiS tvellbürgcrlich dem Forlsctnille der Menschheit im Allgemeinen zugcthan sein und doch sehr deutsch empsinden. Hat nicht Lessing, mit Professor Pfleiderer'ö Perlaub, dies bewiesen, indem er auf dein Gebiete der Dichtung die Dculschcn von einem ungebührlichen französischen Einsiusse geistig befreite? Und waö fang der weltbnrgerliche Schiller von der „deutschen Muse", der kein Augustisch blühte, keines Diedicäers Güte lächelte? Bon dem größten deutschen Sohne, . Bon des großen Friedrichs Throne Ging sie schutzlos, ungeehrl. Rühmend darf s der Teutsche sagen. Höher darf das Her; ihm schlagen: Selbst erschuf er sich de» Werlh. Tarwm steigt in höberm Bogen, Tarum strömt in voller.. Wogen Teuticher Barden Hochgesang, lind in eigner Fülle schwellend lind ans Herzens Tiefe auellend Spottet dr der Regel» Zwang. Groß wird Friedrich H. genannt, lir war es alö Feldherr, als fürstlicher Staatsmann zum Zwecke der Bermchrung seiner Hausmacht — auch als aufgeklärter Denker, der Pfasfentrug durchschaute und die Selbstsucht so vieler Pcrtreter seines eigenen' Herrscherstandes in Worten geißelte, wie sie nicht grimmiger je aus Demokratcnmund gekommen sind. Gleich Luther wäre auch er einem llmsturzgesetze, wie man cs neuerdings geplant hat, unfehlbar verfallen, wenn ihn eben nicht seine majestätische Ausnahmestellung schützte. Aber bei ihm, der unsere Sprache kaum anders handhabte, denn als ein Mann, von niederer Herkunft und mangelhaflestcr Bildung; von ihm, der das Nibelungenlied für keinen Schuß Pulver werlh erachtete; von ihm, der kein ganzes, geeinigtes Deutschland, sondern lediglich ein vergrößertes Preußen :m Auge hatte und dafür Kriege vom Zaune brach, bei denen ihm nicht einmal fürstliches Anwartschaftsrecht wirklich zur Seite stand; von ihm, dessen Staatskunst die Russen, die Schweden und die Franzosen ins Land hereinbrachte, und der einmal sogar bereit war, die Länder des linken RhcinuferS an Frankreich ahzutreten, um sich freie Hand zu schaffen — von ihm zu sagen, daß er die Wiedererweckung des deutschen Nationalgesühles beabsichtigt oder herbeigesührt hätte: nein, das ginge wohl nach Professor Psic:- derer's Ansicht, aber »ach den Thatsachen der Geschichte geht es nicht. Aus Friedrich's^. Politik ist jener unheilbare Zwiespalt ent-' sprosse», der Preußen und Oesterreich selbst im Angesichte der ge meinsamen Gefahr zu keiner geeinigten Kriegführung gelangen ließ, ja,-die Berliner Regierung schließlich zu einem Sonderfrieden mit dem tzandcsfeinde veranlaßte — einem Frieden, durch welchen Norddeutschland zehn Jahre lang für den fremden Eroberer ruhig