Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 157 (7.4.1895)
- Date
- 1895-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 157. Freies Blatt. .-eite <. 1. April in seiner Kanzlei, machte sie auf die Bedeutung der VeinciuderatbS' irahlrtt ausmerksam und legle ihnen in eindringlicher Weise nahe, für die Eandidaten der antisemitische» Partei zu stimmen. Zwölf Aerzte leisteten diesem Eominando Folge, während zwei erklärten, sich nicht al« Wahlmaschinen contmandire» zu lassen." <Wir glauben kaum, daß guch nur ein einziger liberaler .'lmisches auf seine Subalternen einen ähnlichen Truck auSübte, ja daß irgend .•m jüdischer Geschäftsmann seine Angestellten zu bcstimnir» stichle, wenigste»« •:äu antisemitisch zu wählen. A. d. R) il'-jn vcrtingliickkcS Gastspiel» Ter antisemitische Abgeordnete Bindea t d, der kürzlich die Provinz Schlesien unsicher machte, holte sich in l k c n h a i n eine gründliche und wohlverdiente Riederlage Taselbst hatte Janersche antisemitische Bereit, eine Polkeversanimlnng veranstaltet, die von u t 3»0 Personen besucht war; Zutritt Haltern nur. „deutsche und christliche -,-äbler". Bindewald sprach über da» Thema: „Wer Hilst dem deutschen Mittel- :d Arbeiterstande in seiner socialen SlotljV" und erging sich dabci in den be- een a»tisen>itischen Schmähungen. Aber er fand damit iehr wenig Zu- •.nmung, während Redaclenr Türholt nnd Rechtsanwalt Dr. Ablaß aus Jchberg, die in der TiScnfsion da» Wort nahmen, mit Applaus übeiichüttet . den. Trotzdem der Bortragcudc 2' , Stunden gesprochen batte, erhielten seine ,!den Gegner nur je 15 Minuten Redezeit. Herr Tnrholt wie» in trcsscnder .' ■in’ daraus hin, daß die Bewohner de» Kreises Bolkenhain am allerivenigsten a,be hätte», sich von der antiseiniti'chen Beivegung mit sortreißen zu lassen: -■mal habe der gavze Kreis bei einer Einwohnerzahl von 34 0)0 nur 11 Juden, m befinde sich der Zwischenhandel mit Getreide i» der Gegend durchaus •: in Hände» der Juden, die der Borlragende alS Brotvertheuerer hingestellt . Hier kaufen christliche Müller von den Produceiircn da» Getreide »nd ',,n den Eonsnnicutcn Mehl, beziebuiigSweiie Brot. Türholt machte in »eine,, :ercn AuSsührungen daraus ausmerkiam. daß die Antiiemiten den Hausir del belämpfe», und doch bälte seinerzeit'de» Antisemitcnsührrr G o ck s ch in . zmtz durch Colporteure Bücher umgesetzt. Rachdein der Redner noch Per :ereneS auS den Behauptungen des Borlragende» ividerlegt, schloß er mit :v. bekannten Ausspruch« Kaiser Friedrichs über, die Antiseinitenbewegung. •'- lusainvalt Tr. Ablaß verwahrte sich sodann gegen die Angrisse de» Herrn .- udewald auf die Justiz im Allgemeine» »»d die jüdischen Rechtsanwälte im c- '»deren und erwähnte mit Bezug aus die Austührnngen Bindcwald's, be ■ »end die Abnahme des Eides durch jüdische Richter, des ProcesteS z'enß, der a deutlichen Beweis liefere, wie heilig einem antisemitischen Abgeordnete» . Eid gewesen sei, obgleich c» lei» jüdischer Richter war, der ihnvor dem »•eit* verwarnt habe. Schließlich legte er Protest dagegen ein, rin burschen. : .'UichcS Vieb als Schluß einer AgitationSrede, wie Bittdeivald das gethan, zu n'ende». Obwohl den'beiden freisinnige» Rednern, wie erwähnt, nur je >5Mi- .:. '.'n Zeit für ihre Enviderunge» gegeben worden waren, hatte» sie doch de» : .:a»S größten Theil der Bersammlung so zu begeistern vermocht, daß die aus versuchten Widerlegungen de» Herr» Bindetvald wohl ihren Zivetl ver- baben. < 2lus antisemitischen Blättern. Geld wollen wir verdienen!) Im Psenncr'iche:, Bläuckien >vi,d der »de über den Wahlsieg der Antisemiten in der Lcopoldstakt Ausdruck gegeben, t dinzugcsügt, daß politische Erfolge wenig »üven, so lange nicht die Bohcoi- ■ iing der Juden vollständig dnlchgesührt ist. Geld wollen tvir verdienen! — . ist der Sinn einer Mahnung Psenner'S, sich nicht mit günstigen Wahlen •iiedciizngeben, sdnder» aus die wirthschastliche Kräftigiing deS christlichen, o.le» bedacht zu sein. Pjenner gehört z»m Volke, und so streicht er denn »»< . itelbar daraus die Berdienste seitteS Blättchens heraus und appestirt neuerdings .•>. die Bricstaschen der Brüder iru AntiseinitiSinuS, um sich selbst wirchschaftlich zu kräftigen. »Tendknzliigkll.) Man schreibt »IIS: Ta» „Lettische Lolksblatt" »sterte sich vor den Wahlen: „Tie Liberalen haben nie für ihre Wähler, nie 'ur die Beamten und Lehrer etwa» RennenSivertheS geleistet, obwohl sie dazü it Macht, aber nie den Willen*) gehabt haben." Auch in dem Wahlaufruf der Christlich-Socialen wurde behauptet, daß die Liberale» nichts gethau habe», um c Lage der Lehrer und Beamten zu verbessern. Ta« sind durchaus faustdicke . uge». Die Lügenhaftigkeit der Antisemite» ist bereit« allgemein bekannt. Trotzi» soll diesen Unwahrheiten hiermit die sieghafte Wahrheit entgegengesteUt .•-'erden: I. Tie Gemeinde Wien, beziehungsweise die liberale Majorität deS R-tueinderathe« hat de» Lehrern stets höhere Bezüge zugewendet, al« ihnen nach dem Gesetze gebührten, bi« die Zuwendung solcher Zulagen der Gemeinde tntler- »gt w»rde. II. Am LI. Juni 1881 beschloß der Geineiuderath, jedem Lehrer zu er ihm gebührenden 4., 5. und 6. Tienstalterszulage je 50 fl. al« Personal- »ulage bewilligen. III. Am 22. December 1885 beschloß der Gemeinderath, •■.•mit 1: Jänner 1884 an jedem männlichen Lehrer zn jeder DienstalterSzulage >:»c Personalzulage von 50 fl. zu gewähren. IV. Im Jänner 1887 bewilligte "1 Diese Anwendung von „obwohl" ist nur im rolecer Deutsch üblich. Die Red. der in seiner Majorität liberale liiedetösterteichiätc Landtag jedem Boll-''äml lehrer zur 4., 5. und 6. und jedem Bürger'ckniilebrer zu jeder TienttaltcrSzulage eine Aciivität-Szulage von je 5»" fl. ^4.. Am 17. Juni deichloß der Wiener Gemeinderatk, Ke» Biirgetschullcbteiit und Bclls'chullelueiiiprogressiv steigende anßerordeiitliche Zulagen von 72 bi»!!'2 it. zu den D.innauennal zulagri, z» gewähren. VI. Durch da« über ^Anregung der liberale,i Majorität de« Geiueinderathe« von Wie» erflogene Lande»ge>ev vom 27 Teeember endlich wurde nicht nur die tüleichstelluiig der Bororiel-Hter mit de» Lehrern Altwien« hinsichtlich der Bezüge dtirchgeiuhri, sondeii, e» windgle,ä>;eiiig eine Erhöhung der Bezüge der Bürgerschnllehter um 13"--->:»>) st und der Bott» ichullehrer von >,0—2'!" st gegen da» vordem iu Wien-'beste! ..-»de Ausmaß und eine Erhökiiiig der Pcnsionsbezüge berbeigeiülirt. Fefibee detog eiir Voll» ichullehrer iuld, 4t);ähriger Ttenstzeit 11»"' fl , cm Biirgerubnllebrer 12"" fl. al» Pension. Heute stellt sich dieser Bezug aut 15t»». st. stlr den Bellsstvuitehrer, 170" fl. für den Bürgerichullehrer. Tic Witwe eine» Lebrei» beztedi mehr als die eines LandeSgcrichtSratheS. Richt minder unvei'dauit ,'i die anti seutitiiche Lügenhastiglcit bezüglich der Beamten. Ter Staat rat die Beamten gehalte seit 1^73 nicht regnlirl. Tie zahlreichen Reguli,:,„gen auizuzableu, die seit dieier Zeit die Eoinmiiiie. Wien hinsichtlich ihrer Beau,leidurch,tetüliri bat, und wir außer Stande. Wir wollen nur die deruiatigere B,;:un de, Staats , und Eoiniiiiiualbeainte» gegeiiiiberstelleu Es bezieht ei» Beamter: . beim Staate . ,!• •-: a der .XI. Raugclasse . . . OK) —lim, st. t'»k, — 11'>'» st X. „ . . 13""— Ilm, „ 1.;t i > l.'mi-; . „IX. Inno—-IN,., „ 2,""—2ll" > ,. „ VIII. „ ... 2',()"—24"" „ 2'!"" —3"> " j Und ivie etheblich b-sier stellen sich die PennonSbezüge Lnt der Eoin:n„ue,!. »ainentlich seitdem dtirch GenieinderathSbeschluß vom 47 .luni l>02 dar halbe! T-naruergeld bei der Pensionirnng belassen ävird. 'Auch )var die Ber'orguugS- > genüne der Witwe» nnd Waiien betrifft, jo stellt sich ein noch viel, craflercr j Unterschied heran«: eS fei nur erwähnt, fajjriie höchste Pensioncheim Siagte die,! W>twe«eine» Minister» erhältl.100) fl ); dieielbe Pension bet»turnt bei der Ecminunc! die Witwe deS MagistraisdlrectorS. des Bicedireetors, de» Baudirector». Diese 1 Beamte» stehe» in der V. und VI. Rangcla'ie, der Minister in de: I. oder j II Rangelaste. Wenn das „Deutsche Bollrblätt" auch den Biluigst einer! Ttenstvragmatil sür Staatsbeamte- und drd-ichlechte Besoldung, derselben den; Liberalen in die Schuhe schiebt, lo sei daran erinnert, daß es liberale Ab-! geordnete iDr-. P r o in b e r und Dr. Beer) waren, welche die Erlassung einer Tienslpraginatik sür die Staatsbeamten zuerst in Anregung brachten und immer fort »rgirten; daß ferner cher Finaiizinintster Tr: v. Dunajewli, als. ihm au« der Spiritnsstcuer eine Mebreinnahme von 30 Milliouei:, i» die üasseir stoß, nicht daran dachte, die Beamten Heuer zu stellen, und käst, nie- Fina»;-- ipinister Tr. Stein bach die Einstellung von 50".""0 sl sür Arisbilien a::^ Beamte begehrte, eS der Abgeordnete Tr. v: P lener "war, der d^e Perdopvknng dieses Betrage», da« ist eine Million für tif’en Ziveck beantragte,! nnd daß endlich Tr. v. Plener als Finanzinintstcr bereits durch 'Me Ansang»! diese» Jahresfristchgeiirhrte provisorische E.böhniig der Bezüge älterer Beanrien und dutch die erst lürzlich von ihm g>machte Borlage ivegen Gewährung von! Zulagen an die Beamten der »nteren Rangclassen mit großer Ra-chheil eine Besserung der Lage eine» Theile« der Beaurie» betbcitükrt nnd eine definitive l allgemciiie Regetung der Bcamtcnbeziigc in Aussicht gestelli har Lo'wnrdi! gegcit, - die Beamte» vorgegangen, älS die Freunde der Antisemiten, Grai T a a s s e »nd i T u n a j c >v S l i, die Feudal Elcriealeu nud die Tscheche» und .Slave» am; Ruder waren, In den vierzehn Jakreu dieser antiliheralen Herrieiia'i wnrden! durch neue Steuern, Peirolerun, Kanee uiid sonstige Zölle die Staats ^einnahnren ui» Hunderte von Millionen erhöht: für t:e Staat« i beamten ist aber gar nicht« geschehen. Minister v. Plen r ist noch nicht zwei Jahre im Amte, eine Erhöhung der Steuern hatn t äi t stattgesunden und schon sind iviedetholtc Maßregel» zur Berbesseriiitg der Lage dec Staatsbeamten zu verzeichnen, Und da sagt das „Teutsche Bolksblau" »nd tage» die Amisentitcit : „Tie Liberalen haben nicht« für Lehrer ttnd Beamte getban!" iTciikonischc Schmöckcrkt.l Im Hinterhatl'Uer „Utiversälsch tcn" er hebt der urteutouische Schmock Jro seine Stimme zu solgendem Briefkasten galimathia«: „Heimdall Haupt mann, Wil do n. ES gilt auch hier da« Lpvüchlcin: .Schaden macht klug - Man kernt.Freund und Feind von Angesicht zu Angesicht kennen. Hie Tcntschinann — Hie Teutichling — Wortdeutsch — Thatdentsch und der Rest Lotlerbnb und Seclenlunip. Und dann geht cs rascher der Entscheidung entgegen. Sie sollen sich nur sonder» ' die Parteien, Klärung ist auch ei» Erfolg. Wie scharf sich nicht die Grenze zog in der denkwürdigen Sitzung mmt'23. Lenzmond: der rothe, goldene und schwarz? Maulwurf — weh' de» alten Farben — nnd schadenfroh grinsend und mit springend der slavische Loki!-— so gerade habe ich ntir'S gedacht. — Heil! Tie Helme fester binden! Herzt, tt. d. Gruß dem Wächter it» Süden. I." — Wa« wird wohl der Ehrenbürger von Mühldorf in seinem Soleccr Jargon bei der Lectüre dieser teutonischen Schmöckerei gesagt haben'? „lissum teuer,? otnnes.