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Freies Blatt · 1895-04-07 · 157 (7.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
157 (7.4.1895)
Date
1895-04-07
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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•v Seite <> freies Blatt. Nr. 157. war ei ■ l'iuauszuposannen in alle Welt: Wie grauß die Taitschen dastehen unter ihrem grausten Bismarck " Or. Ottontar Lchuchardt war enrüstet über das Teutsche Reich, >„ dein - das „mit Bleichröderthum verquickte Bismarcklbum zum Liege gelangt iü" 4 Adam Weber, ein Wortführer der bäurischen Antisemiten, behauptet, i'iiuiaut «ei von den Juden bestochen. „Welche Wetterfahne," schreibt er, ..«retlich >>eeunia umi »let", und er fährt fort: „Tie Bismarck-Anbeter in Ostpreußen baden sich die geplante Wallfahrt zum -Rationalheiligen in Barzi» wieder überlegt iroegeit mangelnder Tbeilnahme?) uud wollen für den armen Ep Geld iammeln .zu eigener Verwendung. Was au Bismarck 'Rickelu zu- ,ammen kommt, -oll ibm am I. April k. I. (tE zu Füßen gelegt werden. Wie er dergleichen .verwendet', weiß man aus den Ergebnisien früherer Betteleien: er faimrelt Alles an und behält es für sich, ans daß Bleichröder «oder wie «ein jetziger Lechjude beißt p es mehre und vervielfältige, damit der arme Er — der bereits mit 40—50 Millionen behaftet ist — nicht gar noch verhungern muß in seinen alten Tagen. Er ist ein gar spar>amer Herr und nimmt lieber ein, als daß er was ausgibt." 5. Auch Tdeodor F r i t i dt, der Vertaner eine« antisemitüchen Bismarck- Flugblattes. rückte von dem Fürsten ab. „Wenn einzelne Antisemiten," io ichrieb er in den „Tentich-socü'len Blättern", „einen übenriebenen BiSmarck- Eultus pstegcn, io können wir ihnen das nicht verwehren. Tie Leitung der .£ei,t'i*-'octale,i Blätter' weiß sieh davon frei." >!. Ottomac Beta ichrieb im Jahre!>!>!! über Bismarck in Fritsch' ZeMchri't: „Fürst Bismarck wurde einst von Wedeuiener-Lchönrode .der Juden Oberster genannt. Wedemelier büßte dafür mit Lelbstmord, aber sein Wort lebt noch betete. Tie Art, wie Bismarck zuletzt regierte und wirthschastete, war das Bild der Rechtlosigkeit, war ein Taumel von Ausnahmegesetz zu Aiisnahmege-etz Ein wabrba'ies Gesetz der Gerechtigkeit und Billigkeit fehlte uns damal/ ivte beute. Etn -olches verträgt sich nicht mit einer Judenwirthschaft, wie sie -.luter Bismarck s Protege Bleichtöder in Preußen, dem Lande der frommen Litte, eturtß " ' _ Tie „IInrcrsalschten Teutschen Worte", welche sich in dem Bismarck Ottltni, den sie neben dem schönererCultus pflegen, durch nichts beirren lassen und von Poschinger, der philosemitische Aeußerungen des Altreichskanzlers verzeichnete, erzählen, daß er mit der Tochter des indischen Comiiiercieiirathes Jacob Landau verheiratet, also ein Schwager deS jetzigen Banquiers Eugen^Landau ist, dürften nun Paasch, Al'lmardt. Schuchardk, Adam Weber, Fritsch und Beta für Inden, Lotterbuben und Teeienluinpen erklären. Zwei Acilßcnillsten Bonaparkes.) Ein Freund unseres Blattes schreibt UNS: In der »'.J,rrrs>>auiltzll>-'- iiiväikö" aus den Jahren I71*t> uud 17'.'7 leie ich zwei bemerkenSwerthe Aeußerungen Bonapartes. An den Bischof von Conto schrieb derselbe am 6. Mai 17!>7 : ..(fließen Tie Wasser, nie Tel, in die Leidenschaften der Menschen; terstreuen Tie Borurtheile, bestrafen Tie mit Kraft die falschen Priester, welche, die Religion herabwürdigend, sie zum Werkzeuge des Ehrgeizes der Großen gemacht haben. Tie Moral des Evaitgeliums predigt (.Gleichheit: sie steht mit her republikanischen Regierung, der Regierung, die in Ihrem Baterlande emporkoiumen wird, in der nächsten Berbindnug." An daS Tirectorium schrieb Napoleon im Jahre 171*7: ..Aegnpten ist Riemandens Eigenthum; eS gehört dem Großherrn nicht, cs muß uns gehören. Mit Armeen, wie die unsrigen, denen alle Religionen, die türkische, koptische, arabische, gleich viel gelten, läßt sich ein solcher Zug mit Erfolg unternehmen; wir haben für alle GlaubenSincinungeii Schonung und Achtung." Tic jüdischen Arbcitcrcolonien i» Odessa.) Man schreibt uns aus Tdeffa vout -. d. M : Tie russische Regierung veranstaltet in Rlichnei-Nöwgorod im Jahre 181H> eine Ausstellung^ welche alle Zweige der Industrie, des Gewerbes und der Landwirthfchaft Rußlands umfassen J>ll. Tie in Sdesia seit einem Bierteljahrhundert bestehende jüdische Arbeitercolonie „Trud" (Arbeit) wurde int vorigen Monate von dem Ttadthauptmann von Odessa, Admiral Selenyi, besichtigt. Während der Jm'picirung siel ein kunstvoll geschnitzter Schrank dem Admiral aus, und dies veranlaßte ihn, den in der Colonie ausgestellten Kunsttischler- und Tchlofferarbeiten überhaupt größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ter Eindruck, den die von ihm besichtigten Gegenstände auf ihn machten, war sehr günstig. Ter Admiral lobte den Fleiß und die Kunstfertigkeit der Eoloniezöglinge und versprach, das Ackerbau- und Handelsministerium hievon in Kenntniß zu fetzen. Neulich erhielt nun die Verwaltung der Arbeitercolonie die ofsicielle Einladung des Ackerbauminiiteriums zur Theilnahme an der Ausstellung in Nifchnei-Nowgorod. Tiefe Thatiache, an und für sich schon erfreulich, gewinnt noch an Bedeutung, wenn man die Ausfälle der hiesigen Judenfeinde gegen die . Arbeitercolonie in Erwägung zieht. Während Jene behaupten, die Colotrie fei unter aller Kritik, weil die Juden angeblich physischer Arbeit abgeneigt seien, constatirt eine ofsicielle russische Persönlichkeit, der man allzu große Sympathien für Juden nicht nachsagen kann, daß die Colonie sich in blühendem Zustande befindet, und daß die von ihren Zöglingen geleisteten Arbeiten überaus anerkennenswerth sind. Ebensolche Resultate ergab die Besichtigung der zweiten jüdischen Arbeiter colonie zu Sdessa durch das Stadthaupt Marosli. Auch hier zeigte■ es sich, daß die Juden als Handwerker die größten Erfolge aufweisen können. Aus antisemitischen Vereinen und Oer sannnlungen. lGleichberechtigung mit Agio.) Ter capiialsseindliche Großcapitalist Paul v. P a ch e r hat noch nicht den Jargon abgestreist, den er sich iin Laufe; . Jahre als BerwaUuilgsraih, Gründer, Liquidator rc. angeeignet hatte, llin tu angebliche Machtstellung der Juden in Oesterreich zu kennzeichnen, fprach cr iv einer Antiseinilenverfaminlinig ans der Wieden von der „Gleichberechtigu. ■ mit Agio". Das war ein sehr feiner Kniff. Tem Mob, welcher sich über;• thatsächtiche» Bcrhälinisse gar keine Klarheit verschafft, kann man ohneweitcrs die Tinge fü darstellen, als ob ei» Jude sich nicht mit dem Posten eine- BezirkshauptniauneS oder BezirksrichlerS zufrieden gäbe, sondern im Falle feiner Berufung zu einem solchen Amte auch noch die Anstellung eines jiiti'dw. Amtsdieners als „Aufgeld" verlangen würde. Man darf dies in einer Ami femitenverfaininlung thu», ohne den Borwurf der Lüge befürchte» zu »iü>ie» j Tie antifeniitifche Agitation braucht nur — reden wir Pacherifch — fest ein zuietze», und sie vermag jede tendenziöse Entstellung zu „poussiren". (iluerbörte Treistigkeit.) Ein höherer Liaatsbeamter schreibt uns: El» christlich-socialer Jugendbildner, der sich im dritte» Bezirke um ein Gemeind: ratbsmandat.bewarb, hatte die Dreistigkeit, die Krone in den Wahlkampf bereu,- zuzerren und in einer Candidalenredezu sagen, dem Kaiser würde die gcößu Freude bereitet werde», wenn bei der Feier seines fünfzigjährige» Regierung jubiläuinS- Wien einen „christlichen" Gemeinderath haben würde, jgas solche Herren unter „christlich" verstehen, ist genügend bekannt. Die Treistigkeit d-s erwäbmen Jugendbildners ist aber gerade;» unerhört. Le. Majestät hat de. wiederholten Anlässen das Treibe» der Antisemiten in den Bertretungstörpciu auf das Lchärfste gerügt. Tas ist eine Thalsache, Uber welche sich ein Mann nicht hinwegsetze» durfte, welcher sonst äußerst loyaler Redewendnngeu sich be fleißigte. Es ist, meinen nir, sehr illoyal, sich zur Förderung von Fraclionczwecken auf die Krone zu berufen und dabei deren Intentionen grundsalstb darzustellen. tTic Trauben sind ihm zu sauer!» In einer Bersammtung des vo:: Georg Lchöuerer gegründeten „Bundes der deutschen Lanvwirthe iv der Ostmark" hörten wir wieder die bekannte Klage über die — zu sauere,, Trauben. Lchöuerer hetzte gegen den „modernen Capilalismus", natürlich gegen die Juden, und stellte die culturhiftorisch intereffante Behauptung auf, ca. Ehriftentbum sei erst durch das Gernianenihum zu hoher Macht gelangt. Er gövlich waren die Auslassungen Schönerer'« über das Ansuchen, sich wieder ui» ein Mandat zu bewerben, welches angeblich wiederholt an ihn gestellt worden wäre. Erst kurztich, versicheite er, sei ihm nahe gelegt worden, „n dritten Wiener Bezirke für den Rochsrakh zu candidireu, es würde nur einige tauiend Gulden kosten, und er würde bestimmt gewählt. Er werde sich aber tiieina.s eiii Mandat erlaufe» oder erschachern, andererseits wolle er sich auch angesichts der im „Bunde der Landwirthe" zu erfüllenden Aufgaben nicht an einen längere:: Wiener Ansenthalt binden. Er kündigte eine rege Bersammlungsthätigleit des Bundes an; die zahlreichen Unterschriften, welche die seineizeit von ihm im Parlamente eingebrachten Petitionen (um Zolleinigung mit Deutschland, gegen die Einwanderung ausländischer Juden, gegen die jüdische Presse u. s. w > gerat bei der Landbevölkerung gefunden haben, geben de» Beweis, daß ein Großibeil der deutschen Michel bereits vor Jahren begonnen habe, die Zipfelmütze.ven dem schläfrigen Kopfe zu rücken. Schönerer wies weiter gegenüber den Nerglern und Kritikern am Biertische darauf hin, daß er auS seinem politische» Am treten »iemals Bortheile, sondern nur Nachtheile hatte, die er allerdings zu tragen wußte, jkr bitte nur zu vergleichen; wie viele Andere ziehen auS ihre,» össemlichen Wirken Bortheile nach allen Richtungen. „Sehen Sie sich", ries er aus. „die zumeist falschen Propheten in der Wiener Wurstkeffelpartei an; ihnei: bandelt es sich heute schon nicht mehr um den Kampf gegen daS Judenthum, sondern um die Erlangung der Macht. Heute spricht man von den Coalitionsnichten; es wird noch die Zeit kommen, wo man die Polo ns! i tauten in Schutz nimmt." Schönerer beurtheilt die Verhältnisse richtig, weiin er sich über seine Aussichten, ein Mandat zu erlangen, keiner Täuschung mebr hingibt, aber ungeheuer poi'firlich ist die stolze Haltuckg, welche dieser herab gekomtnene Antisemitenpolitiker einnimmt. So gescheit ist auch der „Großchcil der deutschen Michel", um Schönerer'- Machtstellung gebührend zu schätzen. (Wahlagitation eines Spitalsgewaltigen.) Man schreibt UNS: ..Ter Primararzt Dr. Bartholomäus Z b o r i l am k. k. Kaiser Franz Joses-LpüU im X. Bezirk versammelte die ihm unterstehenden Aerzte am Morgen dt»

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