Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 157 (7.4.1895)
- Date
- 1895-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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«r. 157. Seite 8 .frei«» iviitlid) schade Euere Hochgeboren hätten, von Mmh und Setbsibkivußi'ci» a» qcponit, Ihr Bcio dagegen erheben müffeu, daß Jemand, sei er wer initiier, d e ganze tingarische Zndenheit beschinipse und an den Pranger stelle. TiiotKKt '.iiteii gibt eS im Laube; Serben, Cioalen;usan>i»enge,io,»,nen nur tii«mi, . j,< ^„dei.heit ist atio zahlreicher als die sei bei oa i iich e -Jit i c •.!.:liiiit, »amhaster als die r »lbenilche.-lind d.i ist tinr non der Anzak, -j, g!,-de. »ln ivirthschastlicher, politischer und sorialer ^e,,ehn»g iiberliistt ihre! -»edeiiinng die aller stkationaliiäte». Und wenn diese Setbcn, stlnmäiien und ■ 'uiiH-n gleich den Jnben sp echen winde»: „Wohl, wir wolle» Ungarn weide». :vii e.lernen die Sprache des Staates, wir wollen fMM) voin glei che des - iiiiiiaii'chen Staates, Blut von seineni Blute loerde», wir inagnarisiren den evindel, die Industrie, wir entwickeln die ungarische Agrienltiir. wir »lilcisintz.» ungarische Literatur und die Annsi; wir verlange,, rai'iir nur, daß „ns die nngarnche Gesellschaft in sich ausuehiue, uns aus^sich nid i ansftoße sie soll etlüiilen Ungar» zu sein" — waS hätte wer mimet gegen ein wlches' .'ln . lgeien einzuwenden, tarne. es nun von den Serben, Rumäne» oder Slaven'e ^elerieale Majorität des SbeihaiiirS hat jedoch dtesis Anerbieten znnick .le.i'ieien, ivelches die Juden znm großen Theile bereits verwnl.icht haben. Herr , "snlgrai Si-.mnnd C»iilt> PaUavicini und seine Genossen reeipiiet, i.ns nicht,. die ungariiche Judenheil weiß sehr wohl, daß diese engherzigen, piwitegnteii -Serien nicht die ungarische Nation, die immer gerecht >,»d edeldenlend ivar, .i aseniire», die ungarische Jndenheit weiß ,'ehr ivohl, daß die iitidnriu : t. :,iet;ce, anständige ungarische Nation nicht solidarisch isi mit dr» Heideulhaten | Narlgrase» Signinnd ESnki) Pallavici.ni, und wenn 17 Millionen Menschen § .ssin BorwärtSj dann schreit eine Handvoll Menschen — und seien, sie auch! . . i.;:mtcn — vergeblich, daß man mit dem Nucken ins Mittelalter znriickweiche. j n. 5. petlm und die russischen ^uden. (>)rigi»al-M>ttheil>i»g deS „freien Blattes" > Petersburg, AnjangS April.; «siegelt «Tndc dcS abgelaufenen Jahres wurden belanntlich in strußi ..ans durchgreifende Reformen auf dem Gebiete des SlaalSeredileS. i dnlchgeführt Bevor jedoch das russische Finanziiiiitisterium an die > Nevrganisatioit der Reichsbank und an die Rcugestaltnng des Staats- | ctcdiies schrill, wurde der Bieedireclor deS HandelSdepartemeiitS, - <''il'idmVatl) ')l. S. Petlin, beauftragt, eine genaue - Beschreibung . s.iiuniUicher (Louvernements des Reiches in statistischer und ökonomischer s Beziehung zu liefern. Diese Beschreibung war für die Commission bestimmt, welche mit der Ausarbeitung des Projectes zur Reorgani! Mtu.ni deS StaatscrediteS betraut war. Geheimrath Pellin entledigte l tick, 'eines Auftrages in glänzender Weise, indem er dem Finanz- > imniftmimt ein reiches Material lieferte, daS ihm ein genaues Bild ' - ökonoinifchen Rußland gab. Rnnmehr hat das Finanzministeritim von Geheimrath Petlin gesaininelte Material in Buchform ew 'che,neu lasten. Dieses dreibändige Wert, „Bersnch einer Dari slellnng der ökonomischen und statistischeit. Lage der GouvcrnementS 1 liiißlaiidS" betitelt, liegt uns nun vor, und wir halten eS für unsere! : *iid)t, . die Leser des „freien Blattes" mit dein Inhalte desselben, ■ ttiiofent es die Stellung der russischen Juden im-ökonomischen Leben - s Reiches berührt, bekannt zu machen. lie Ausführungen des Geheimrathes Pellin über die Bedeulung ' ruisischen Inden für daS ökonomische Leben des CzarenreicheS sind , n doppelter Hinsicht sehr werthvoll: erstens weil sie einen ofsieielleu . Charakter tragen, und zweitens weil sie aus dem Munde eineS Mannes 'ounnen, der keineswegs zu den Judenfrennden gezählt werden kann, -enn Geheimrath Petlin unterläßt eS nicht, in seinem Werke den .'»iden hie und «da Hiebe zu versetzen. Was er jedoch an der Hand! ' m Ziffern und statistischen Belegen über die Thätigkeit der Juden mi verschiedenen Gebieten des Handels und der Industrie sagt, das ■t geeignet, das weitestgehende Jntereffe zu erwecken. Wir ivenden unS! «erst jenem Theile des Petlin'schen BucheS zu, wo die Thätigkeit der ulsischen Juden auf dem Gebiete'der Wein- und Liqueurprodnetion! besprochen wird. In Bessarabien, sagt Petlin, haben die Juden die Pein- und Ligueurproduction ans eine ungeahnte Höhe gebracht. Die ' ualität der von den Juden gebotenen Weine und Liguenre ist eine .r besten, Cognac auS KischuiMv wird nach Petersburg, Moskau und -varschau auSgefnhrt, der Wein Besiarabiens verdrängt aus vielen Absatzplätzen die ausländischen Weine, waS eine Berminderuug des »LciniinporteS aus dem AuSlande zur »folge hat. Roch uiehr, der Lein Besiarabiens wird sogar nach dem AuSlande erportirt, und -war nach Frankreich. „Tie Weinprodurtion in Bessarabien," schreibt > Petlin wörtlich, „welche in den Händen der Juden liegt, hat eine i große Zukunft und dürfte für den Staat von großer Bedeutung sein." j - Gleichzeitig constatirt Petlin, daß die Bauern in Bessarabien, welche den Weinbau betreiben, in den Juden roulante Abnehmer finden, i Blatt. welche die Preise nicht herabdrücken und den '^eld-nangel der Bon.:!, ttiemal-/ auSnützeii Und darin liegt der >i«r.nnd, warum die Torsgeineinden Besiarabiens in, vorigen Jabre beim. Ministerin,n des Jniiern nui Rückbernsnng der ans den Törsern aus,je>vi'-'enen Inden petitionirl halle». Cin ähnliches Uriheil fallt «rteheunral'.i Petlin über die Bedeninng der rn>'siichen Juden für die «Entwicklung des Tabak baue» in Bessarabien und im >ianlasns . Auch hier begegne» wir derselben C'rscheinnng, daß die Inden Jnöiistruzwcige ins Leben rufen, welche der christlichen Beoöllernng neue «Trwerbeanelle» erschließen. Aber auch rin.Borwurs, welchen Geheimrath Petlin gegen die jüdischen Tabakplantagenbesiper in strnßlaiid erhebt, sprich' eigentlich zn "«»uslen der Juden. Petlili klagt nämlich darüber, daß die jüdischen Tnbatpflanze den Arbeitern derart große'Löhne zahlen, daß die christlichen Tabalpslanzer last inniier Mangel an Arbenskräslen -verspüren, da jeder tüchtige Arbeiter lieber.- zirm Inden als znni «ilnifteit gel>k. Aus diese Weile, meint der Bersaner der ofuctcUcu Tentichrist, werden die christlichen Tabalpslanzer durch die Inden geschädigt Born Slandpuntle eines riiisi'chen «^eheiinralhes, der es vielleicht nochjepl nicht verschinerzen kann, daß die Leibeigenschasl in :>rnßla»d abgeschrritl wurde, mag dir anständige Enllohnnng eines Arbeiters >rls Berbreche» gelten: Menschlichkeit und Billigkeit .iltacherr es dagegen dein Arbeitgeber znr Pflicht, für seine Arbeiter in, anständiger Wecke zu sorge» - Petlin ahnt kaum, welchen Schlag er mit ''entert, Tadel gegen die indischen Tabakpslanzer der Legende über den Ansbetilnngsgei'l d r .i Inden versetzt hat lieber die Theitnahine der russischen Juden an der Qiilwickliiiig des «'«artenbaries im Reiche spricht sich Petlin lobend, ans ' Der ('SnienlHUt in de» «ssonveritrmenis >ioiviro nnd Minst nimmt in folge der Thätigkeit von Inden jahr,ähllich -einen größeren A»k schwnng: für die Prodnete dieser «Lattung der Lanbrvirlhichast werde»' stets neue Absätzplätze .erobert, nnd arich die ' christliche Bevölkerung zieht daratiS'bedeutende Bonlieile. «äben''o hervorragend ist der Antheil der russischen »Inden an dem Holzhandel urrt^ dem "AriSlande. Im «Lonvernement "Minsk bildet die von Inden betriebene Hoizilldnstrie eine rejche «T'riuerbSgnelle für nahezu säinnrlliche Bauer» deS Gou^ vernernents: hh Bezirke Pinsk allein finde» jährlich mehr-als -tlün» Bauern ihren Lebensunterhalt bei der Holzindustrie >B. l. S. L>a -: Soda»» wendet sich Geheimrath Pellin der Brarnilweiirbrennerci in rtrußland zn, n>id da tann er nicht nmhin, zu ^enierlen,' daß die Ans Weisung der Inden ans'den Dörfern ans diesen Zweig der ilndnilrie einen vernichtenden (5'insluß auSgeübt hat So besinde» sich die christlichen Besitzer der Branniweinbrennereien im Gonvernemeiil Möhileiv seit der Judenversolgrliig in der Zwangslage, ihre Fabriken an christ liche Pächtermit jeden Preis^ zu verpachten, da die Inden, welche früher gute Preise zahlten, »»»mehr nicht berechtigt sind, Fabriken zn pachten WaS «Leheiinraih Petlin über die Rolle der »studen im «Lelreidehandel Rußlands sagt, daS ist Jedermann bekannt' Man weiß, daß sie auf diesem ('Miete für die Hebung der Landivirihichaih im Reick)« Hervorragendes geleistet haben und noch leisten Bon Bedentring aber ist ein ilriheil eines angesehenen Gutsliesitzers ans dein Gouvernement.Pensa, des Fürsten Drntzkoi Sotolinskij, über die Juden als «Leireidehändler. „Tie Inden," sagte der Fürst, „haben den «Letreidclgrudel im Reiche ans eine rationelle Basis gestellt, wodurch die früheren drückendeti Bedingungen beim Berkanfe der -landwirthschast-lichen Prodnete-völlig geichwunde» sind." Tie voranstehenden Auszüge genügen wohl volllonimen, um die angebliche Genieinschädlichkeit und Allöbentungsslicht der russischen Inden als. eine böswillige Ernndnng erscheine» zn lasten. i(£-iu Appell au die jüdischen 2ommcrfritdiki., W,r erhalte» von einem der angesehensten Bürger von Tb er-St. 'Beit folgende Zuschrift: Wie», Ist 7, Sber-Si. Beil, am Lü März I Löbliche rtredaetion de» „Freien Blattes! ' Tie znm XIII. Wiener «Lemeindebezirt gehörige ehemalige S rk schaft- Sber-St. Beit hat im III. Wahlkörper ungefähr;>()() Wähler, von diesen wühlten am --L. Mär; eirea -'!«> liberal, circa 2-10 anti- , semitisch, circa BO wählten nicht. Die abgegebenen JO liberale« Stimmen waren nur durch unsere» Einfluß erzielt worden, sonst Hütten auch von diesen Wählern die meisten im antisemitische» Sinne gestimmt Die Gesinnung der Bewohner Sdcr-St. Beils ist damit genügend charakterisirt. Ru» ist es aber interessant, daß die Ober - St. Beiter g rö ßt e» l h c i IS von Inden leben, und zwar sind cS in erster Linie die Sominerparteien, welche für sä mint liche (Leschüf-tS lenke in Sber,-St. ri'eit die A » s b e n t u n g S^cz u e l l e bilden «') e r a d e d i e v»r