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Freies Blatt · 1895-04-07 · 157 (7.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
157 (7.4.1895)
Date
1895-04-07
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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feite •-* Frei«, 8Utt. Nr. 157 durch Rücksichtslosigkeit sogar das Präsidium des Abends erobert j Fleisch und Blut übergegangen ist. Wie bezeichnend ist eS, daß der batte. Wir wissen es ja, daß die erstgenannte Partei niemals um die! hehre Spruch des Baco von Berulam: „Knowledge is power" in }>en, Mittel verlegen ist: doch an den Werth ihrer so stark auspoiaunien! völkerbefreienden Documte glänzte, welches die Verfassung gab! Errungcuschast läßt stch ganz gut die Sonde anlegen, und dem j Wissenschaft ist Macht, eine erhabene, geistige Macht, gegen welche .Fruhliugsahne» kann ja ebenso leicht noch eine HeGslstiiiiniung folgen 1 die kleinen Minirer und Polterer ohnmächtig bleiben. An der geistige» selbst der Wilde hat ein Gefühl für Ächtung der Gastsrenndschafk, i Ueberiegenheik prallen alle Bersnche der Streber ab; sie braucht keine d.e elerieal ankisemilische Partei aber rühmt sich noch ihres Mangels! Vereine, keine Stärkung durch Parteibjldnng. Das Wort eines einzige» au Urbanität und politischem Zartsinn. Oder ist es nicht eher einem wahrhaft Gebildeten wiegt mehr, als die Summe aller Phrasen Diudenicustücklelil aus der Kneipe zu vergleichen, wenn den Einladenden, den Gastfreundlichen, den Hausherren alle Plätze weggenoinmen und zuletzt noch daö Präsidium der Gegenpartei autgezmungen wird? Die liberalen hätten damals in c-orpor.- den Saal verlassen und diesen Act der Dankbarkeit für die . großmüthige Einladung tüchtig kennzeichnen sollen. Das geschah leider nicht. Sie verließen einzeln den Saal, in welchein man die christlich-soeialen Eandidaten für die Gcineinderathswahl noniinirte, unbekannte Größen, Sterne letzter Ordnung; wahrlich kein großer Gewinn für die Vertretung einer Saisonsladt, au deren Spitze doch Männer stehen sollten, welche nicht bloß den (''etuiim aus den Tasche» der Fremden, sondern auch de» geistigen Erfolg des Fremdenverkehres, den internationalen Contact und damit die Aii'kläruug und den Fortschritt fördern sollten, vor Allem aber de» guten Don in der Rathsstube heilig halten müßten. Indeß hat die Wahl stattgefunden, und die Antisemiten haben auch im zweiten Wablkörper gesiegt. Der hochgeehrte, vielgereiste, seingebildete Dr. Prinzinger stel gegen einen halbgebildeten Eisenhündler, der nür de» Vorzug hat, elerieal zu fein, der tressliche Professor Schmidt gegen eineu deutsch nationalen Heißsporn, der Lehrer an der k. k. Lehrerbiidungsänstall ist Die Wähler sind eben wie die kleinen Kinder; sie haben sich einum^-das anlisemikifche Spielzeug in den Kops' gesetzt, um jeden Preis, .selbst zum eigenen Schaden, bis das Spielzeug später von selbst zerbricht. Dieser Zeitpunkt wird dann kommen, wenn die Partei, weiche sich jetzt schon selbst all »h>nrllniu führt, bei deui Punkte angelangt sein wird, wo sie ihren Versprechungen wird gerecht werden müssen Der derbe, trockene Bajuvare an der Salzach scheint noch ganz verzückt zu sein durch die märchenhaften Träume, welche die Hvpnoiiseure des Volkes mit ihrer schrankenlose» Worifabrication ihm vorganlelren Hetzer gute Deutsche in Oesterreich aber muß diesen Umstand und vor Allem das „Deutschthümeln", das liebäugeln über die Grenze l.bbastcst bedauern. In welchem Wahne lind diese Menschen besangen? Mögen ste doch gehen, um in der großen Easerne Deutschland ihr Hell zn versuchen! ^Die heurigen Verhältnisse da draußen lassen es keineswegs so wün'cheHSwerlh erscheinen, davon zu kosten. Man vergißt Eines, wenn man jetzt Bismarck als den Einiger Deutschlands feiert Hai doch ein Vierteljahrhunderr - genügt, um die großen Errungen ichatten in Frage zu stellen und die Deutschen wieder zu spalten. Tie 2ohne unier'chätzen ire mit der Väter Blut erkauften kostbaren Früchte der Siege, sie habe» dieselben mit Hader und Parteihaß befleckt. und nun gar wir 'Rachbarn über der Grenze erhielten nichts von den Errungenichasteii, sondern nur von dem Racenhaß, von dem Partcihater. die wir mit wenig Dank guiltiren. So lange das Shstem Taaste noch »ich, zu Grabe getragen war, schien das Demonstriren Ne lualeonienteu Deutschen ui Oesterreich ja noch viel begreiflicher, obwohl das stete Hinausgravitiren über die Grenze imuier eine große Tborheil gewesen ist. denn das letzte.Endziel solcher Bestrebungen der' Deuisch-'Raiionaleu kann doch nur die losreißung von Oesterreich fein Mau liebt dieittben in Deutschland auch gar nicht. In. Verbindung uni dem Änliiemitisuins ist das deutsch-nationale Element sogar zu eiuec Act von „Umsturz" geworden, und es wäre geradezu unfaßlich, wie Eoniervative, ja ., Schwarz'gelbe" so unvorsichtig sein können, sich ihm anzuschließen, wenn nicht die Hallung der Regierung, welche duich ihre Passivität die Antisemiten groß werden ließ, hiezu leider au'inunterte. Heute st.hl sie freilich mitunter schon mit recht gemischten «^e'ulilen vor dem durch ihre Energielosigkeit großgewordenen Werke, denn die deutsch nationale Beimischung kann den Freunden der Skaatsuiegrität nicht io gleichgiltig lein, während man die Unterdrückung i i liberalen Juden anfangs mit Wohlgefallen duldete. Run, es ist t.i 'fraglich. wem der Äuiiseutilisinces zuletzt gefährlicher wird. Ten. Vlbcraiisiuns als solchen werden die Freudenfeuer nicht vero-.e Sonntag aufden Salzburger Bergen zu Ehren Bisff icienc». während es in Hochbayern drüben an diesem Abende c.tn!U. war Der Liberalismus hängt von keiner Partei ab, denn erst das Rc'ultai vielseitiger Bildung und wird von den Bildungsgcgncrn bc'ciiderS als solcher bekämptt. Tie anderen Richtungen ha st re II a..e entweder aus einseitiger Bildung oder denselben gehören ‘ au, u:1:1k; B in elericalen Erziehungshäusern verbildet sind. T ie Wineu'ckia't muß liberal machen, wenn sie den Menschen in gemülhSroher, inhumaner und selbstsüchtiger -Scheinpropheten, denen nur die Masten »achlaufen, wie immer, wo die Lärintroniinel geschlagen wird, Leerer Schall aber verfliegt, und mit Geschrei hal »,a» noch keine Burgen gebaut, eher zerstört, und daher scheint uns das Frühlingsahnen der Dunkelmänner denn doch noch etwas verfrüht ' — ll. Jlpiii Schon am Abende des Montag nach der Wahl konnten sich d:>- feurigen Deutsch -Nationalen bei ihren elericalen Prolectoren m,d BundeSgenosten höflichst bedanken für ein aus den Wolken gefallenes z... vgoin -Betreff der Bismarck-Feier in Salzburg und der sogenanuic» „FrühlingSfener" am Abende des Ul. v. M. Tie clericale. „Salzbu>gcr Chronik" ließ Montag den Bannstrahl auf die Verbündeten fallen, nachdem dieselben für die Elericalen gestimmt hatten. Fast wollte es »us wie ein Aprilscherz scheinen: bis 3 Uhr Nachmittags Freunde nnd schon um li Uhr Abends eine derbe Auseinandersetzung! Was thun ,etzt die elerieal und antisemitisch angehauchten Christlich-Socialen? Dimüssen sich wie Holofernes im Restroy'schen Stücke wohl selbst zun: Kampfe herausfordern! Es ist anzunehmen, daß dieser Artikel dcr „Chronik" ein Wetterleuchte» sei vor dem nahenden elementaren Kampfe, bei welchein die Brüder, Clericale und Antisemiten, Schwarze und Deutsch Rationale einander in den Haaren liegen werden! Dann wird es heißen: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, dir Mohr tan» gehen". Die Antisemiten und Urteutonen werden endlich begreifen müste». was inan ihnen längst vorausgesagt hat, daß sie nur ein Werkzeug für höhere, fromme Zwecke und Hebung der Unfähigen Über die Ge bildeten seien. Der Montag-Artikel der „Chronik" enthüllte den Eha rakrer der clericale» Partei: er bestätigte die schlechteste Meinung vo» ihr. Lebte Pater Greuter noch, wahrlich, er ließe diesmal sein geflügelt, „Pfui" über'den Häuptern mit der Tonsur ertöne». >- Ein offener Brief. Im -l’esti Xiijili'-" erschien jüngst ei» von Adolf Grüß ge zeichneter „Ostener Brief", welcher die bekaiinten antisemitischen Ans lassungen deö Grafen S. C s » ky - Pal la v ici n i in einem ganz eigenen lichte erscheinen lassen. Ter Brief lautet: Anläßlich der Velhai>kl»»g über die Recipirung der jüdische» Religion Hai der clericale Wortführer der Magnale», der Maikgras Sigi»»»d Cs-il» Pallavicini, nicht weniger als die Aussegung der a»S Tarnopol mit tvm Schiilterfell aus Haienhaut ins Land gekoininene», das Blut des imgaiiiäKu Volkes auS'augeiideii, knoblauchriecheiide» jüdische» Brut in Bori'chlag gebraüu Dieser Herr ist am wenigste» dazu berufe», de» Patriotismus der ungarisch.-» Iudenheil in Zweitel z» ziehen, aber auch »ichl berechtigt, mit seineni eigene» exclusiven Patriotisinns;» prahlen. Denn dieser Herr hat einfach eine Unwahrheit gesagt, als er sich als gerade» Tescc»denlen Jene,, die mit dem Pantherfell »ach llngar» käme», hinstellte. Thaisaä.- vielinehr ist es, daß der Vater jenes Herrn, der iialienifche Markgraf Re Pallavicini, als „gegangener" t t. Cavallerie Oisicier »ach Ungarn re schlagen winde, woselbst er durch feine Gattin Gruudbesitzer im Bortode, Comital ward und ivährend des Freiheitskam pfes wegen B aterlandsveri aib zuni Tode »nd;ii»i Verluste seiner Guter verurtheilt wurd . Vor dein 2nicke flüchieie er in Schlicks Lager, seine Güter gab ihm Hayna» zurück, und :> ef>,ito alldesse» ist sein Stiessohn — o, Ironie des Geschtcls! — geborener ungarischer Gesetzgeber. Die valeilandSrettende- Thätigkeit diests Herr» vermögen wir in Folgendem zusainiiienjufasse»: In Folge seines „muster basten" Betragens hat man ihn aus Ilalien, seinem ständige» Ausenihallsorie. ausgeiviese», in Ungar» demonstrirt er mit seine» panslavistische» Gefühlen, »nd in so inaiichei» Verkaussloeale, wo geistige Getränke vecschänlt werde», batte er n» an ge» ehine Scene». Tie Ausbrüche des bocb grdorne» .stneipeiihelde» und Wortführers ersühre» gar keine ernste Siritit, wenn er dieselben i» einem der oben erwähnten Berkaussläde» producirt hätte, aber leider hat er die ungarische Zndenheit int Heiligthuine der ungarische» Gesetzgebung, angestchls des ganzen Landes beleidigt, ohne daß ihn der Präsideni des Oberhauses sofort zurechtgewieseu hätte, ohne daß Ihr, hochgeborne Herren, die Ihr derzeit im Oberholpe die einzigen von Eure» Glaubensgenosse» seid, diese unwürdigen Angriffe zuruckgeiviesen häuet. Sie haben wortlos, schweigend eie Insulte erduldet, welche man Ihne» und Ihrer Confessio» anthat, und da« >nar

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