Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 157 (7.4.1895)
- Date
- 1895-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ÄlioiiilcmcutSprcis. ,'»iir Cffterrtirtl-Hnjarn: Kronen (fl. 2.:>o> --,r;.1 .> Kronen ft.; u r lat gefa », »> Ie A » »! and: . »l Mark . .1 Mark SO t;f. «i iabrii Sri.) lLi„,eI»e ftluninicrn ti kr. ranliric t'riefe werte» »ichl angenommen. Organ zur Abwehr -es Aiitisrmiti5mu5. Crschciul nit jedem Lonntage. »iciMttion uud VIAmiiliftratioit: l idltriuittc I i •Jiifciatv U’v'iöwt m 'mal qespalN'n.' 'KonvarcllU'-.i: Anzeiger 'ca? 'Wait l H-.Ucr :2 kr.:m- ^nseraleil in unfern?U>:itiuifsrat; Annoncrnb^re.n: I'k. Iu?<r l. ukuvi icrok im ,'iummfr 157. Wien, 7. .April 181)5. IV. Jahrgang. Nach der Schlacht. Ze Aliliseuiilen ließen Bicioria schieße». Sie haben >»i zweiten tzv-ihllörper achtzehn wohlgczählte Mandate für den wiener Ge anliscinilische Gernieinderathsiuaioritäl iei» wirJ d.r such h,uu ülu’i auch in mehr o'ier-minder starlcn.'egirniigen in oer >(, g.: .i»,,, m ei» . einderath errungen und verfügen nun mit den schon früher liineg.Iiablen 4<! Mandaten über eine Streitin acht, welche der liberalen Stärke fast nichts mehr nuchgibl, an karitscher Schulung gewiß ,a» ist. M, maien wir nicht in Hiniinelbau! Die Zahl der .,!>zuverlässige», schwankende», »ach Herrath lüsternen Elemente er ehemaligen Majorität dürfte nach der übereinstimmenden An üä'l Aller heule schon das halbe Dutzciid von Sliinnien iiber- ..ueg'u, mit welches die liberale» ii» Gemeindcralhc noch scheinbar < i/ Antisemiten voraus sind, und so stehen wir denn vor dein lnii -. i'inpii. daß die ribcralcn die Entscheiduiigsschlacht verloren, die Aistiseinilin Wien erobert haben. Dhalsachrn sind vcrhällnißniäßig leicht zu ertragen, und von »ui deiilbareu Situationen pflegt eine unsichere, langsam der ^ni'cheionng zuschwanlende Erwartung die aufregendste, die.»» zu fein. B,i sueiu schweren t^ewitter crzeugl das ..teil des Blitzes geradezu ein Gefühl der Erleichterung. Auch . ■; imo hat der Blitz eingeschlagen, und so traurig die Thaisache n> mag. daß er unser eigenes Haus angezündcl, sst will uns ' st euräglicher dünke» als das Alpd.iiek.en der Uiuzewißheu von ' i ■ tu. Die Zustände im Wie»er Ge »ie i» dcl eb.'n waren unh iltbar oen, sie lasteten wie E.mlnergewuchl ans dein gese.ligea Per! . vor ihrem Hauche stöckle der Puls des geschäftliche» Vebens, Sohlen von Blei schleppten sich die coniinunaieu ii ui, ■HM » Pr >i mit » aste dahin. Himer unseren jüdische» Mitbürgern schlich beständig eine confiociiic Gestalt, ans' deren Berniuinniung »nheiinlich die Dolchipitze des Bienchlers hervorlngtc. Der Zustand war imev :eaglich, und es soll nun — die liberale Partei mag sich ,cni ichiieße». wie sie wolleanders werden: ob besser, oh schlechter, wer soll das lagen? Wir meine», wenigstens mit Bezug auf die - genaiinte „Judcufrage" ist cs nberstnssig, sich die Zuknnsl allzu .wllenbreiighelhafl atlszumalen. Jür eine legislatorische Aenderuiig ' r sti'echlsverhältnisse unserer jüdiichen Mitbürger hat der Gea,einderath Gottlob kein Mandat und keine Bollniachl; und was nie praktische Richlersülluug der sogenannte» Gleichberechtigung vlirisst, so ist man auch bisher so hart an. die Grenze des Er richbaren gegangen, daß eine wesentliche Berschlechiernng der?age nicht leicht möglich sei» wird. Und wenn auch wirklich die fünf '.igc ('senieigderalhsmajoritäl ihre segensreiche Wirksainkeil zii Gunsten des kleinen Mannes und zur Bernichlung des Groß apilals clwa mit einem localen Hausirverbole einleiten und nlit sonstigen reaetionürcn Maßregel» int geiverblichen Bereiche »elsetzcn sollte/ so vergesse ina» nicht, d>ß auch die liberalen nicht immer derlei rückläufigen Bewegluige» zu widerstehen und mit mein enlschiedencn Rein zu begegnen in der rage waren. Man gebe heute nur Niemandem die ausschließliche Schuld daran, daß die Sachen so gclominen sind: nicht der Regierung, welche den Antisemitismus nicht int rteim zertrat, nicht den "iberalcn, die ihn nicht mit Areimulh und Entschiedenheit bekämpften, nicht den Juden der Veopoldstadt, die im letzten Augenblicke einen ebenso naiven als sentimentalen Standpunkt einnahinen. Die Schuld liegt vor Allem an dein . reaktionäres» Zug in der Bolksseele, dessen häßlichster AuSdruck allerdings die zukünslige .-liberalen Partei uild selbst in den Juden Nachweisen genchis der Stärke,' zu welcher dieser Zug nunmelir. gei-n.i uml) die ruhigsten Politiker, die..nie Destrueunn lu:vt darin einig, daß sieb die .stranklien uustob >i uni , Antiseniilisiuus se bst überwinden inuist.. Heraus deiin, ihr Herieu, mit dem Jled»>v >'■.!! .: La> cipicn hoch, dar rivpst heniuier!" lneß es eh>,d in. 'W->- v, an.z » eure Aopfc nitijt, weil wir mit d>» >,»setig>» jii» zunieNn siue aber wir wollen sehen, ob ihr nb-iliaupt so elwen-'wie P-.ineipie.» habt und ob ihr denselben auch nur d e Rückiichl au? euer Mandat opfern wollt. Den».ui» das wird es sich drehe». Tie .stücklich.u Tage der billigen 'Dppositio», der Bersprechungen aus Anderer Ber aiitworluiig hi» sind für euch 'vorbei, nun heißt .s Niif 'eigene , Rechnung arbeiten undjeden Schaden mit der eigenen P-erioii decken, '.stilil wollen w i r einmal die kritischen Zuschauer 'spielen, und UH»» sich nicht die Ralur der Äeeinechen seit de», Wahl sie .. per, Wiener AuNieiiiilen geä'iderl,- hat — werden auch wir dieieni dankbare ii ZPe chafte gar bal o den Beifall;>•'•:» Itvn Hort schäften 'iudeu, die jetzt mit heiseren Mein-ii' eumi a riunir - feiern.- Ja, es fehlt .heule seiion innerhalb der fiegreichr» Reihen . nicht an >i.aiblickeuden, denen vor der Hohe, ans we..l,e sie ge stiegen, angst und bange werd. „l^csiegl!" - sagt , die ,.,üTstdeulsche iliundsch.ul.. Was nuii > Der Siegesrausch verge-ln. di> Jrend' icher den uichl erwartete» glanzenden Sieg muß a.r nüchlerr.en Eiwägung weichen.-, Und nun koinuil die uüchierne Erwäguna des ehrenwerlhe» Bialtes, die daliin gehl/ daß man flau einer halbschlächligen Sleltung als Majoriial,. o. h. wohl nmi einer Rücksichtnahme auf die auch von Aiiliseniuen nicht.;n beieiligeüdeu . Berhäliilisse lieber noch zwei wer, auch sechs Jahrin >-e- R!l, des strinkers weiter mrharrc» möge. „Besser zehn Jahre 'Dpvo siiiou, als ein fauler Jriede, als eine schnnbare. ''veachliletjung unter Anfgebliiig der Parleigruudsgtze, unier Perieugnnug aus gestellier Jordernngen und gegebener Zusagen'. Das, was nie anliseinilische Partei a »strebte, hat ihr za»! Si^g^ verhoifen,. ihr die Sliinniung der weilen Bevölkernugskreise ziuresnhrl,. eine, wenn auch nur theilweise Berleuguiing der Parleigrupdfatze müßte die grivotinenc Zuneiguiig wieder ins e.^egeiiiheii uinwanSeln." Ach, das ist ganz unsere Meiunng, und wir ve ne ,'» die dieser Herren ganz gut, welche lieber noch zehn Jahre bei den J'leischtöpfen der iDppositio» sitzen wolle», um uuchi ins i^edränge mit ihren Parleigrniidsützeu, die so widerslreileudcr Ralur sind, zu kommen. Allein diesmal bestehen wir auf unserer Eintaduiig, und alles Depreeiren hilft nicht. Rur hereinspaziert, meine Herren^ zeigen Sic, was Sie könne,i nnd was Sie sind. „Die Prineipiew y hoch, die >lopfe herunter!" - Oon der ^alzacl). Ärunl alzburgee Pon Jriihliiigsahne» berauscht, erhob die elerieale Ehkonik" ihr Sicgeögeschrci, weil die elcrieabantisciliitischc Partei bei Gelegenheit einer am ->> März vom liberalen Deutschen Berein süe Stadt und '.'and Salzburg angeregte» allgeiueineii Wählerversammluiig