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Freies Blatt · 1895-03-31 · 156 (31.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
156 (31.3.1895)
Date
1895-03-31
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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reite s. Freies Blatt. Nr. Ifi6. unter anständigen Politikern nickt Üblich; geschieht sie aber, bann muß sie wenigstens nickt den Stempel ber Ungenauigkeit an sich tragen. Ich habe gewiß nicht conierrative Abgeordnete gebeten, gegen bas allgemeine Ltiniinrecht tu votiren, beim vom erste» Äugenblicke an waren sie ja dessen entichiedenste Gegner. Ick konnte eine solche Bitte nicht motivire» mit der Stimmung unserer Wiener Wählerschaft, denn diese hatte sich nie für das allgemeine gleiche und direote Wahlrecht ausgefpiochen. Gleich in der ersten öffentlichen Ver'aiiimmlung, unniittelbar noch Einbringung des Taaffe'schen Wablresormentwttrfes habe ich mich in deutlichster Weise dahin geäußert, daß die Christlich socialen an' Grund drs aUgeineinen Wablrecktes, falls es votirt werden ollte, den Wahlkampf enevgisch aufnthmen werden, daß aber daS allgemeine, Wablieckt aut genossen'chaftticker Grundlage das vollloinnienere und wünschenswertbere sei " Es kann Niemandem schwer werden, in diesen gewundetie» Erklärungen das zu erkennen, was sie sind: ein vollständig mißlungener Versuch, den bockst ärgerlichen Ebaraktcr nnleugl arer Tbanacken zu verwischen, Liechten stein kann nickt leugnen, sich önenttich tiir das allgemein« Wahlrecht auSge'procken, iin Vrivat.ze'prisch dasselbe aber als „öffentliches llnglück" bezeichnet;n habe». Er iuckt daher die. Glaubwürdigkeit desjenigen zu verdächtigen, der 'eine oinino',» Worte über die Wahlreforin der 'Tesscntlichkeit verrathen har. Ru», daß es nickt besonders „anständig" ist. Privatgesptäche, überhaupt Privatangelegeiibeiien tue voliti'cken Agitation auszmtützen, geben wir bereitwilligst zu: wir Kaden auch noch nie den Ai.silsemiten uud ihren geheimen F: eiinden den Vorw-il- Ser Anständigkeit gemacht. T"ß aber daraus gerade 'eigen müsse. daß jener Gewährsmann die Worte Liechtenstei»'s nicht „genau" iviedergegebe» habe, ist wieder nur mittelst der Xalksl'iirger Logik für den äußeren Gebrauch einzu'ebo.i. Liecktenstein kennt doch den Namen jenes ,,u» anstäiidigen Politikers", warum vergilt er nicht Indiskretion mit Indiscretion . und;:.l,t ihn an die Tesseiiilickkeit. um ihn der Ungenauigkeit ZN zeihen? Tas wäre wirkungsvoller. um die „Wesenlosigkeit" der' gegen 'eine Tiplomatie erbob'iicn Porwüise zu zeigen, als ist ine gewundenen Erklärungen im jemitischen Lttile. — Tas ,-Vt n5f r Volksbla11" bemerkt zu der Erklärung Lieckteuste.n's Folgendes: „llit'ere, Anträgen lauteten: .sich klar auszu'prechen I. ob es Piin; '.".ecktenstein und Tr. Geßmann mit der Erklärung, daß die Ebristlick- Socialen die Tentick Nationale» bkämpten würden, Ernst war uud ob sic kiese Erklärung im Liomen der christlich sooialen Paitei abgegeben habe».' Ans die erste Ar.'tage gibt Prinz Liechtenstein eine unbestimmte und eigent Uch reriieiiieiide. aus die zweite rtnsrage gar keine Antwort. Zn dem ersten Piinkte bemerken wir nun: Was die beide» Herren Abgectdneten dem Herrn Bückst veisickeii Kalen, ettlziebt sich tinferer .stenntniß. Aber in der längeren. Unterredung, welche drc Herren mir uns batten, erzäblten sie positiv und mit aller Teutlick!e:t, last sie dem Herrn Bi'ckot erklärt hätten: die christlich sociale chartei bekäniv'e I die Liberalen, 2. die social Temokraten, die Teutstck Ne.iioitaleu. Tentlicker kann man sich doch nicht et klären, Im Lanke der Belvreckiing kam die Rede Mick ä»t die deltt'chaiilüoi.ale Parke', wobei die Herren tbre.t ,:e, i'.eii'cke» Srandpniilt zur deut'ck-nationaleu Partei eingehend moti virten Es u :re itr.s ein Letcktes. die Unterredung dem Herrn Abgeordneten Brinzen Neckten».':» g.iiaiier in Erinnerung zu bringen. Aber einstweilen düi'te das Borstekende glnüge». um Zedeimann vollständig zu überzeugen^ daß zwt'ckeu der dauialigen Erklärung des Printen Liechtenstein und der heutigen ' ein Wide, 'p: uck bestel l, wie er größer nickt gedaci t werden kann Tantals hieß es: .Wir Ebristlick S.eialen bekätrp'en die Teutich Nalioitalet.', beute wild gesagt: .Wir b.länp'en die Teutsch Nalstonalen nicht'. Möge daraus klug werden, wer kan» Hinstcktuck des zweiten Punktes münen ivir tief bedauern, daß keine Antwort daran' '.folgt ist. Ta es sich um die Gründung einer christlich-socialen Bartei in Tberösterreich bandelte, >o glaubten ivir und mußten glauben — und .Zeder hätte es an nn'erer Stelle geglaubt — daß die 'beiden christlich 'oktalen Abgevidneten im Namen der Partei kamen und redeten: wir zweifeln nicht, daß auch der Herr Bückch dieser Uebeizeugung ^irar Nur dann war ja den Lersickeiiliigen der Herren ein politisches Gewichts beizulegen. wenn sie im Namen, der Partei 'pracken. Blau nabin alw ihre Erklärnngen in dein Glauben entgegen, daß rie'.Ib.n von der christlich 'ocialen Partei ralisscirt >cien. Tas ist aber nach der heutigen Etklärnng nickt der Fall. >a Prinz Liecktenstein selbst vertritt beute eine andere Ansicht wie damals. Wie >otl man es nennen, i'jetruchrist.icke AKgeotdnete an i'o hoher und maßgebender kircklicker Stelle Erklärui'geu abgeben, 'ür die iie nickt ein-;u steb : i! in : er Lage sind und die > ie kurze Zeit >päter selbst il..l'. i,:ck macken?" — Bon katholistck-coniervativer Leite wird bei Beleackiui .i d-r Tirlomatie Liechtenstein s auch Geßmann arg mitgenommen il'i, ermia wie feinem curcklauchtigsteit tsiönner der Borwurs der Toppet-' züngia' :: gemacht. S 'Wer uttlcrsiukn die antjscmirische Hctlvresk'Ll Man schreibt uns: Tas „Freie Biati" war bis nun das einzige publicisiiiche Lrgan, welchesin ganz unverblümter Weist' 'eine Verwunderung darüber ausgedrückt hat, daß gerade jene Geldinstitute. ::e zum TKeile in den Händen von Juden sind, ihre Inserate und -onsttgeu stundmachnngen der antiiemiti'chen Presie zur Perafseutlichung übergeben, und zwar z» libnornl hoben Preiien, damit nur ja der Fonds dtestr das Volk verbetzendkil Zeitungen recht gestäikt werde. Es ist gerichtlich seftgestellt worden, daß da« „Deutsche Volksblakt" im Jahre wen über 20 000 fl. von derartigen Instituten bezieht. TaS letzte Ltaatsbah» Inserat, eine Seite groß und wahrscheinlich mit einem Betrage bezahlt, der die Rorinfjlaxe weit übersteigt, war zu meiner Verwunderung auch im „Deutschen Volks blatt" zu sehen, trotzdem der Präsident »er Staatsbahn Gesellschaft ein Im-e ist und in dem Texte des Inserates als Emissionsstelle unter anderen reu Inden geleitete» Instituten auch das hiesige Großhaiidlniigshaus S. .'st. v. Rothschild genannt war. Tie letzte Nummer deS Berg'sche» „Aikeril.', eines antiseinitischen Schandblatles schlimmster Sorte, wimmelte von bodenlos gemeinen Angriffen gegen die Liberalen, die Juden und das Großkapital — und — wadrdaftig, e§ ist zum Staune», im Inseratentheile dieses ^chmntzbla: s prangen die Inserate der Wechselstuben Aotiengesellschast „Mercur" und : „Wiener Bankvereines". So etwas ist nur in — Wien möglich! Aber es low-nt noch bester. Tr. P s e n n e r, der Herausgeber de« von Judenhaß triefend, „ „B o l k s f r en n d e s", verschmäht eS nicht bei einem Inden, dem die V treiung einiger Institute lwornnter die „Erste österreichische Eparoassa", :.-r „Lesterreichische Phönix" und der „Anker") in Jnseratenangelegenheiten üb •. kragen ist, persönlich vorznsprechen und um Jn'erake und Pauschalien ickvorren. Natürlich ist diese Schnorrerei stets von Erfolg begleitet, den» Blätter werden unbedingt unterstützt; ob aus Unverstand oder aus Furch: wer kann das wisien? —r. «Bon der „Saisonstadt'.Z Manschreibt uns: In der gesamint-n reaokionäre» Presse, in den olericalen "Mib autisemitischen Hetzblättern wi.d jetzt Salzburg über den grünen .stlee gelobt. In der „Saisonstadt" süblt sich der Antisemitismus schon so sicher, daß der dortige Lueger, Herr S tain r, lick „ans Familiengründen", vorderhand aus ein Jahr, vom oommuiialeii Lee» zurückzuziehen traut, -iürzlich haben, wie Preßoapläne und „Futharker" jubelnd verkündigen, die frommen geistlichen Herren Salzburgs im Bunde mit siniiungstüchtigen Verehrern WodanS eine von liberaler Seite einbern', ne Wäblerversammlung beherrscht und derselben bei der Wahl des Bureaus loi,. >e in der Tebatte ui » in* den Beschlüssen ihr Gepräge ausgedrückt. Tiei'er Held n tbat der verbündeten Rückschrittler wird, wie gesagt, überschwengliches tob gezollt. Tie auf den Fremdenveikehr angewiesenen Salzburger werden sich aler lckon früher oder lpäter überzeugen, welchen Werth ein solches Lob kür v haben werde. zTie Gittkit gegen dir Anderen.> In der von Ahlwardt und Bo,:,l feit 1. März herausgegebenen Zeitschrist „Teutsches Volksrecht" weidsn die Herren von der Teutsch-sdcialen Reformparkei bewußter Lüge geziihen und Entbüllungen über die Wuchergeschäfte eines antisemitische» Zeitutigsb,sitzet f :n Aussicht gestellt. Tein Professor Förster wird schnöder Undank voigewotsiv; es heißt in der betressenden Notiz: „Professor Förster, der bekanntlich Ahlwardt seinen Sifsi'im Reichstage verdankt, hat sich jetzt gegen seinen früheren Fretu d ausgeiprochen. Einst ries derselbe Professor Förster ans: .Ich stehe und v„:e mit Ablwardt' — heute warnt er vor ihm. Ja, ja, Tanlbarkeit ist eiue^u-tce der fraktionellen Ztämpfer für Teulschthuin und Christenthitin!" lieber :ie Glö ß'schen Bilderbogen schreibt daS Ahlwardt - Böckrl'sche Blatt: „Tu Glöß'schen Bilderbogen werden immer possenhafter in Bild und immer con'n'.r im Text. Ta >olche Bilder oft alS Waste gegen den Antiseinitisntns benutzt werden, so halten wir es für nöthig zu erklären, daß dieselben ei» Pru ' unternehmen ohne politi'che Bedentnng sind." lNichl das kleinste Btrgkheit.s Tie „Tentsche Resorni" in HänZ'nig ichrieb vorAurzem: „Ter Rector Ahlwardt, von den Spähern der Beiliner Iudenlchaft umgeben, ist niehr als ei» Tntzeiitwal bei der Ltaatsanwalt'ä aß denunciit, ohne daß ihm das kleinste Vergehen nachgewiesen nerden lonnte " Im Februar ldi!>2 wurde Ahlwardt zu vier Monaten Gesängniß veruitbeilt und seine .Handlung vom Vorsitzenden des Gerichtshofes als eine „ganz meine That" bezeichnet. Am!>. Tecemder ld02 wurde er zu fünf Monat.'» Gesängniß vertirtheilt, weil er das Beleidigen „gewerbsmäßig betreibe" und daS „Staateinteresse bewußt gefährdet" bähe. Am 27. Juni ld93 winde or zn^ drei Monaten Gesängniß verurtheilt, weil" er den „ganzen Beamteiistank iu'S Schmählichste verdächtigt und verleumdet" hatie. Für die Hamburger Anti', 'emiten scheinen Ahlwardt's Bestrafungen Ehrenbezeigungen zu sein. ZLauter Zitdcn.» Tas „Tentsche Volksblatt" hat entdeckt, daß .-. in letzter Zeit mebrsach genannte Tominicanermönch?. A. Weiß et» tanfter Jude sei. Wir wissen nicht, ob daS wahr ij£, jedenfalls ist eS kür :>e Weltgeschichte höchst wurstig. Wie kommt es aber, daß das ehrkinverthe B.a:t erst jetzt die jüdische Abstammung des PateiS entdeckt, wo derselbe alS rohr der EpiScopalen gegen die Christlich-Socialen in den Vordergrund tritt, während es ihn früher, während er noch „Socivlogie" im Geiste Scheici 's betrieb, als das größte .stirchenlichl feierte? — Auch der jungtschechische :tl geordnete Tr. Engel, welcher bei der bevorstehenden Landstraßer Reichst, wähl, statt den Antisemiten tschechische Auxiliärtruppen znzusühren, selbst als Zählcandidat anstritt, wirs zum I » de n st ä m m I i n g geinacht, n»d die „'7 » deutsche Rundschau" erklärt auch den ans der Gefangenschast des Mahdi gl cklich entkommenen S l a t i n B e h für einen „j n d i s ch e n 'Üben teure r". Lauter Juden! Wenn da« so sortgeht, wirb Spitzer-Weimar in obse.bbaier Zeit die Genealogie deS Carl Hermann recte Chaim Hersch Wolf enthüii.n,

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