Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 156 (31.3.1895)
- Date
- 1895-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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reite «> Freies Blatt. Nr. 156. eine besonders auSbediingene Entschädigung leisten, die aber^nicht an die Berniiglückten oder an die Hinterbliebenen, sondern an die fürst- ' lulie 'i.tfie gezahlt wurde. To bekam der Landgraf von Hessen-Kassel 30 T Haler für jeden Mann, den er lieferte, und 200 Gulden für jeden, welcher fiel. Es ist durchaus verständlich, daß ein „Landesrarer"; welcher die Gesundheit und das Leben seiner „Landeskinder" ans diese Weise versichert hatte, au deren Schicksal den lebhaftesten Äniheil nebinen mußte. Eine. Probe davon bietet der folgende, gleich falls in dem erwähnten Buche inikgetheilte Brief. Am .8. Februar 1777 schrieb der Graf von Tchauniburg und Prinz von Hessen- Kaffel. an den Oberbefehlshaber der hessischen Truppen in Amerika: ..Baron Hohendorf! Ich erhielt zu Rom bei meiner Zurückkunst von Reapel »ehren Brief vor» 27. Teeember letzten Jahres. Ich frh daraus mit uitansiprechlicheui Bergungen, welchen Mn», »reine Truppen bei Trentou entfalteten, und Tie können sich »reine irrende denke», als ich las, daß von 1050 Heff.u, welche in dem Gefecht waren, nur 31H) eniflohen. Ta waren denn gerade l«ll>0 erschlagen, und ich kann nicht genug Ihrer Klugheit anempfehle», eine genaue Vtfre an meinen Bevollrnächsigte» in London zn senden. Tiefe Borsicht wird um'oinehr nötliig fein, als die dem englischen Minister zngesandte V:!’:e ari'wcisi, daß nur 14;V> gefallen reien. Ans diesem Wege sollte ich I.:i> ".', i Gulden verlieren. Rach der Rechnung des Lords von der Tchakkarrriner wurde ich bloß 48.">.4.‘><« Gulden bekomme», statt t'i 14 m.i Tie iehe» wohl ein, daß ich in meiner Forderniig du: ch einen Lrecheiisebter gekränkt rverden soll, und Tie werden sich Haler d:e äußersie Müde geben, zn beweisen, daß Ihre Liste genau in und 'eine unrichtig. Tre brili'che Regierung wendet ein, daß 10» verwundet seien, für »ve.eite sie nicht den Breis von todten Leuten zu b ".al len brarlchte. Erinnern Tie , daran, daß von de» GKl Lore daineniern. welche den Paß bei Tbermopnlä vertheidiglen, nicht einer rniiick. Ich warglücklich, wenn ich dasselbe von meinen braven He'ien ragen konnte. Tagen Tie Maior Miridorff,. daß ich außer - .".den.:.ich rrrtgu'rteden bin »sit feiner:! Benehmen, weil er die 3no V.’ia-rettet habe, welche von Trentou entflohen. Während des I.tdzngeS sind nicht z.bn von-feinen Leuten gefallen," Gras Tchllwnlow. Man schreibt Nils ans Warschau vom .'riimn.ji.itr tvy n^ne trsiiieralgonverneur im t!‘ fchrän!nngsmaßnahnten gegen Genera? Gnrko, erlcksie» hatte,- -ne :f . welche ge:n-ckn •. ‘.:::itt in. - :n :r eiche, e Tcb::!» : ein Ts ra' cchnwarow, de hat eine Anzab! von ein r'to sorganger. r-'-ch!-sick' T l r.'a- Lviiic;-.t 0: Bliilbcichiilvitlinist im »>nlirc >87!«. Tie „Teut-che . nie I>7'.' 'Ni - 1 in Rr. 2«>: „Jener dein n-si-.-.-'s.-n.' Rb.-rgkaude, nach .velchern die Juden zur Be- Tsi . r i'.-n, |1':- sogenannt.n B-'ach'p i'eii, (ihriüeublut 1 -,r;.t Tor-ichkeri i-.t Rußland, Gouvernement Kukais, Zn i resi -- -.a-.ila''nng gegeben. Li ich! weniger als neun . e es': Berbrechens angeklagt, ein grusinisches sie. :.rl e ..wt»e: zu haben, UNI christliches Blut zur g-'w'rnnen Trc'sdenr der Gerichtsärzt, der die vorgenontnien, schriftlich bezeugte, daß das -- r-.t chk - r> y .... .'1 . ’- 'Ue -:.it l'Jtlf agen. tt n-i-, :>. -.Vf d c r r'lntb unigekontnre» fei, ein Attest, das auch un! transkaukasischen M e d ic i II e.i v erw a 11IIII g be- . e.:.;.: d.r Gon: erneur eine neue lliitersuchnng an. esi : .:,n ri d wirr, daß keine Art blutiger Tödiung : r.treu kau::, und doch ließ inan auf Grund von Zeugen- ' et::t »tii llnvaiteilichkeit die Berhandlung herause. uw i'.ntersiichnng .inleiten und sollte die Berhandlung rikn Tusis in Kutais starifinden." lieber den Ber- B »Handlung berichtete dasselbe Blatt in Rr. 2'.*: „Ter Gleich nach 'einer Anlnu'i r chicie er, .rvie Ihnen n Ansprach.- an die Berireter der hiesige» Juden ragte, die Inden int - Weichfelgebiete können Nets .Inte:!, litte Graf Tchnwalow löste auch fein B.r lat -i -ne beträchtliche Zahl jüdischer Fabriken, -. -rsiirks a'-'p.-trt weiden waren,, wieder in Betrieb fetze» n rbiu d e I-abriksbeiitzer d:-. "sinnde ihrer Maßregelung .- -' :;r hattet: I-er bat <^raf Tchnwalow den Warschauer .»Utl-ei: -I! ihren Kanzleien zu beschäftigen. Besonders -ch. 1» v.»:: :l:n: A tssicht gestellte Aufhebung des i B.': rskes. wodurch den »Inden der' Aufenthalt in den : .: lind in den hätte! lichen Häusern des Warichatter Be .-!!! »nt.e. Tich dt.-'.'S Berbot wurden in erster Reihe -si-tr u-.-d ' . Batn--.n hau berrosfen, da ihnen eine Ein- :: »reiche ihnen die Mittel zur Tecknng der eti .' -rsint'n i.-nes B.-rbokes 'tihrten die Bauern dt L-r'-ägntig: kies.blieb aber nnberü^ ........ fttbren nicht mehr eine >o jnden- Iudenproeeß in KukaiS, über den wir kürzlich berichtet, hat einen glücklicheu Abschluß gesunden Tämrntliche neu» Juden, die beschuldigt wurden, zu Ostern vorigen Jahres ein christliches Mädchen, LiamenS Tarah Modebadze aus Tatschchery sim Kaukasus), geraubt, ermordet und daS Blut desselben zu rituellen Zwecke» benützt zu' haben,! wurden vom Kutaiser Kreisgerichte freigesprochen. Bei dein Zeugenverhöre ergab es sich, daß die meisten Zeugen nicht imstande waren, ihr Alter anzugeben. Eine dein Anscheine nach im reiferen Alterstehende Frau behauptet hartnäckig, sie sei erst 13 Jahre alt. Josef Modebadze hat am 1<>. Februar in einer Eingabe an das Gericht dasselbe gebeten, von den Angeklagten zu seinen Grinsten die Trimme von 1000 Rubeln zu verlangen, da er mit dem Tode seiner Tochter Tarah eine gute Arbeitskraft verloren habe. Wie werthvoll diese Arbeitskraft gewesen sein mag, erhellt aus ofsiciellev Papieren, welche ergaben, daß Tarah, bte Tochter Modevadze's, am 24. März 1872 geboren, also sieben Jahre alt war. AuS den weiteren Zeugen vernehniunge» geht hervor,^daß daS Mädchen am Tage seines Todes einen Waldweg gegangen sei, der unbeqtietn »iid für ein Kind nicht zu passiren gewesen. Äußerdetn war eS an dem Tage »»genrein nebelig, fo daß das Kind, a» dessen Körper man nach seinem Tode mehrere Wunde» entdeckte, aus uiipassirbarem Wege gestürzt sein durste und dabei den Tod gefunden hat. Keiner der Zeugen konnte annähernd genau den Platz angeben, wo Tarah gesunden wurde. Auch dachte Riernan^r daran, daß das Mädchen von Jude» ermordet worden -sei, n»d erst am Tage nach ihrem Berschwiiiden wurde dem Bater des Mädchens von Rachbar» der Gedanke beigebracht, dasselbe könnte von Iudett ermordet und das Blut zu rituellen Zwecke» gebraucht worden sein. Bei der Pttbliealion des UrlheilS brach daS anwesende Publicum in Freudenrnfe ans " Wie gewöhnlich hatte auch dieser Proeeß eine Ausfrifchnng alter abergläubifcher Ideen zur prolge. Tie „Teulsche Roiuanzeitnng" schrieb in Rr. 31 darüber: „Tie Liachwthe» des blinden Aberglaubens (welchem die Anklage int Monstreproceffe i» KataiS gegen die eines Ehvistenrnordes zur Abzapfring von Passahs rliit angefchnldigten Juden reiche Rahrung verlieh) machen sich in strnßland geltend Tie rnsfifche .Tl. Petersburger Zeitungschreibt anläßlich eines analogen Borfattes:' .Einige Ilnbekaunte haben in Moskau das 0'erücht eireutiren lassen, daß ein Polizeisoldat jüdischer Eonfession einen Knaben in reinem Wächterhänschen, nahe an de: Krimschen Brücke, uutgebracht habe, indem er ihm den Hals auf schnitt, das Blut in einem nieffitigene» Kessel anift'ttg und dieses den Inden zur Eelebrirung des Pasiahfcstes verkaufte. Tas OKrücht fügt hinzu, daß der Totdat bereits sieben, andere» Bersionen nach ^—zwölf Ehiiftenfiiaben ans dieselbe Werfe und zu demselben Zwecke geschlachtet habe, und daß die Polizei, die bei dieser kfsi-euelthat betheiligd fei. sowohl den Mord als den Mörder verhehle und auch der» Anne der t^.-rechiigkeit entziehe» werde. Man ging sogar weiter: zur» 20. Mär: il April: war die Erschießung des Biörders angesagt, und alb-am genannten Tage ganze Bolkstnengeu sowohl ans der Ttadk als aus deren llnrgebnng auf daS .Inngfernfeldpilgerten, lim der Ereentio» beizittvohuen, war der Auflauf so stark n»d daS alberne, boshafte (''e rücht fo fest eingewurzelt, daß einige besonders vorlaute Pilgersleut. zur Bernhigung ünd Abküblnng ihres eigenen Blutes einstweilen it: Botizeiarrest wandern mußten. Wenn dergleichen in Moskau paisire» konnte, wer kann .dafür einstehen, daß ein. ebensolches Erei'gniß wo nicht in diesem, fo docks tut nächste» Iohre in unserein Weste» geschieht, und zwar dann mit weit ernsteren Folge» als hier?'" i'-hklt Ccitlidicb.) Ter Tchlachiruf der teutonischen Antiseniiten „ T e u t s ch l a » d d e n T e u t s ch e tri" und seine aritiseniitisch eongeniale:- Zl'arianten: „Riiinänien den Rumänen!" oder „Bnlgariei: den Bulgaren!" ist zwar geschmacklos, dafür aber unlsoweniger originell. Wie »ran tut „1. Evangelische» Missions-Magazin" (Bafel, V''70, T. f>4) lesen - kann, erscholl auch aus Hawaii — alS daselbst die Weißen und Ehinese» mit ihrem Einfluß die armen Eingeborneizu erdrücken drohten derklruf: „Hawaii für die Hawaier!- Wir möchten indeß die wackeren Hawaier durch eine Ztisainnienstellirna mit nuferen Airiiseniiteu nicht weiter beleidigen. Aus antisemitischen Vereinen und!?ersammlungett. i Ter Meister in der Kneipe, t Wir erhalten folgenden Beitrag zur Kemz.-ichiiiing de? Bereiuslebeiis aniisemitischtr Tnideiiten: Traußen scheint tage? heller Mond, und die tauge- Gaffe ist noch überdies von GaStichieru beleuchte: jedoch inen'chenteer und still. Rur aus einem Eckhauie hört man lautes Ttimiw-igewirr auf und z». Tort nachtet ja die ..Tchmuelleebcohiria", und soeben t->- - in Haiden, dunivfen Tönen das wüste Lied: