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Freies Blatt · 1895-03-31 · 156 (31.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
156 (31.3.1895)
Date
1895-03-31
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ITr. freies Bist». reite Viceprüsidcnten den Eurator Herrn Oberrabbiner Tr. Güdeman» gewählt. In derselben Sitzung beschloß PaS (5uratoriu,n aus Antrag ieincö Präsidenten, Herrn David Ritter v. Gutinann, zu Beginn dcS neuen Schuljahres zehn neue Volksschulen an Srten, wo das Beöursniß hiefür am dringendsten ist, zu errichten. (Kardorff eontr» Ahlwardt.) In der Sitzung des deutschen' Reichstages vom 26. d. M., in welcher der Etat verhandelt winde, brachte v. Kardorsf zur Sprache, daß Ahlwardt in Karlsruhe in einer Versammlung ihm vorgeworfc» hätte, daß er (Kardorss) sich vor einigen Jahren bei der Abstimmung über die Erneuerung der Reichsbankprivilcgien absentirt habe und hiezu durch einen Brief einer indischen Firma Mohr ö. Cp ei er veranlaßt worden sei, welche il>m andernfalls mit der Kündigung eines Darlehens gedroht hätte, v. Kardorsf erklärte das Ganze für eine freie Elsindung Ahlwardt's. Er habe bei der betreffenden Abstinimuna nicht gefehlt und damals gegen die Vorlage und für die Verstaatlichung der Reiche bank gcstinnnt. Auch sei er nie mit der genannten Firma in Verbindung gcüanden. Die Arier und Germanen, von denen Ahlwardt Deutschland - bevölkert wünsche, werden hoffentlich nicht Ahlwardt gleichen. Das wäre sehr bedenklich. Schließlich forderte Kardorsf den Er Rector ans, den Brief, auf den er sich berufe, aus den Tisch des Hauses nicder- ,„legen, eine Aufforderung, welcher der letztere umsoweniger entspreche» tonnte, als er sich ans dem Hause entfernt halte, trotzdem er zn Beginn der Sitzung anwesend war. Erst am 28. d. M. rechtfertigte sich -Ahlwardt, indem er seine Anklage „modisicirtc". Ei» Angestellter der jüdischen Firma, sagte er nun, habe einen solchen Brief geschrieben, oer vom Ehcf unterzeichnet wo» den sei; ob jedoch der Brief abgeschickt worden, wisse er nicht. , „Gtiitralvercin dciitschkr Staatsliürgtr jüdische» Glaubens.", In einer von diesem Vereine in Berlin letzthin veranstalteten Vcr< sannnlnng hielt der bekannte. Schriftsteller Earl Emil Franzos einen Vortrag Über „Tic Juden« in Rußland nach christliche» Zeugnisse»", welchem das zahlreiche Auditorium mit gespannter Anfnicrksamkcit folgte. Ter Redner erklärte, lediglich einen Beitrag zur Ethnographie und Eulturgcschichtc geben zu wollen, und sprach kann über die von ihm auf sechs Millionen veranschlagte Zahl der Inden in Rußland, über die geographische Vcrbrcisnng, die rechtliche und nationale Stellung derselben im rnsüschcn Reiche. Dort gebe cs ine „Iudcnfrage", die gelöst werden müsse, aber nicht durch Aus Wanderung gelöst werden könne, sondern nur dadurch, daß die Juden emancipirt und russische S t a a t s b ü r g c r j ü d i s ch c u G lau bcns würden. Die russischen Inden müßten zu diesem Zwecke die siiihen Heiraten, die starre Abkehr von weltlichem 'Wissen, die na t-ionalen Träume abthnn, die von den deutschen Juden voll- -.ogtiicn Wandlungen a» sich selbst vollziehen. Das; die Gleichstellung Inden dem russischen Reiche nur vorihcilbast sei» werde, daß Slaatsraison und Menschlichkeit gleichmäßig für dieselbe sprechen, eaiür führte der Vortragende aus einer eist von der russische» Eenjur cbörde genehmigten, dann aber von der Polizeibehörde beschlagnahmten -dentsanicn Schrift zahlreiche Zeugnisse russischer Staatsmänner, Rationalökonomen und Dichter (u. A. Korolcnko) an. Die Behauptung, daß religiöse Gründe in Rußland gegen die Emancipakion iprüchen, .widerlegte er unter Hinweis auf viele bemcrkcnSwcrthc Acußcrungcn'berühmter russischer Erzbischöfe. Die Tüchtigkeit der nssischen Juden im Heeresdienste bewies er durch Zeugnisse russischer 'Rnerale und des MilitürblsttcS „Invalid". Rach Anführung de denlfanicr Kundgebungen Michael Katkow'S und Turgenicw'S schloß oer Vortragende mit dem Ausdrucke der Ueberzengnng, daß daS, was gerecht und vernünftig sei, nach harten Kämpfen schließlich doch geschehen werde. Die Anwesenden belohnte» den Vortragenden durch t eichen Beifall. Hierauf thciltc Tr. Horwitz Verschiedenes ü.bcr das WachSthum und die Organisation dcS CentralvcreineS sowie über die neuerliche Thätigkeit der RcchtSschutzcommissio» mit. Er berichtete dabei, daß der Verbreiter eines antisemitischen Flugblattes in Köln i» erster Instanz nur wegen. PreßvcrgchenS, in zweiter Instanz aber auch wegen groben Unfugs vrrurtheilt worden sei. WaS daS Verfahren gegen antisemitische Verleumder anbelangt, so wurde von« Redner namentlich daS Vorgehen der jüdische» Gemeinde in Braunschweig, welche die dortige Handelskammer ersuchte, gegen die antisemitischen Flugblätter und GeschäftSwegweiscr Stellung zu nehmen, als vorbildlich bezeichnet. In der Discussio» geißelte Journalist Wohlberg unter lebhaftem Beifall die Unsitte einzelner jüdischer Firmen, antisemitische Blättcr . durch Inserate zu unterstützen, und ermahnte schließlich zum Anschluß an die Sache der Selbstvertheidigung. Ter Vorsitzende schloß sich bezüglich der Inserate der jüdischen Firmen den Ausführungen des Vorredners vollständig au und theilte noch mit, daß auf ein Schreiben an den ReichstagSabgcordnctc» Tr. Vieler, in welche», et ci,n die Mitarbeiterschaft von Venß an der von ihm irrtbümlich der jndiilchen Feder zng schriebeneir Monatsschrift „Zukunft" hingewiesen ward, Imic uatiuit’dje Antwort erfolgt sei, in welcher der Führer des .Eeuirnins der „hervorragend' friedesördcrnden" Thäligteil des Eeniralvcreines Erfolg wünscht^ Dr. H. Hildesheimer hob die Wichtigkeit! des Virbcr'schen Wortes' hervor: „Wir find für kein A u's u a lj m e gcse.tz z» haben!'" ermahnte dann zur Dankbarkeit gegen Männer vom Schlage des. Abgeordnete».Rickert und berührte zuletzt die Frage der jüdischen Inserenten in antisemitischen Blättern, die d u.r ch Berösfentl ichnng einer Visie a» den Pranger gestellt werden sollten. BemerkenSwerih war auch eine Warnung des ToetorS Kochne vor dem Kaufe antisemitischer Schrine», zu de», sich Jude» vielfach a»S Reugierde verleiten lassen. Vcrfchlcicrtcr .Wllchcr., Ter T berlchrcr Tr. Heutig üi, Berlin, j:iu Tivoli Antisemit reinsten Waners. ist kirrzlich ans der' dortigen Stad>verord»elenvcrsan»nlnng ausgetreten und hat diesen schritt damit begründet, daß cr keiner .Körperschaft angehören wolle, welche die Bismarck Ehrung 'ablehnte. Rnnmehr wird aber bekannt, daß gegen Dr. Heutig feil Februar bejm Amtsgericht ku Fürstenwalde das Strafverfahren wegen Wuchers schwebt und hierin der wahre Grund seines Rücktrittes liegt. Tr. Heutig tritt wohl dieier Anschuldigung össentlich entgegen, gibt jedoch zu. daß er einem in Roll,' läge befindlichen Manne dreitausend Mark gegen die üblichen Zinsen geliehen und der Beiressende hiesüx seiner iHcntivig's' Frau „ans Tankbarkeil" 250 Mark geschcnlt habe. Recht sindige Vuile, diese Herren antisemitischen Wucherer! (Gill Rtlligrr.' Der frühere Redacieur'dei. „Hannoverschen Post", Herr Rethwisch, verösfentlicht in den.Zeitungen der Stadt Hannover folgende Erklärung: „Hiedurch erkläre ich, daß ich es aus bas Veb hafteste bedauere, durch Aufnahme einer Erklärung des Herrn V jedermailU v. Sonnenberg in die ehemals von. mir redigirie .Hannoversche Post' Herrn Schriftsteller Earl Weigl schwer beleidigt und. gekränkt zü haben." Herr Rethwisch, der die Aniisimilenführer und ihr Treiben gründlich kennen gelernt und mancherlei? Erfahrungen gesammelt hat, bedauert cS. der antisemitischen Partei angehörl zu haben, und hat nach cincni uns vorliegenden Berichte auch den.Ausspruch gethan, di« größten Schufte »nd Vnnipen ' " ‘ " '" ' semilcn, und zwar zumeist bei denjenigen, Juden.schimpften. ' Würdigt Allkiltmitrilhiillpllilllsc.> Tech badischen Antisemiten. Häuptling Fritz Böscnberg wird von ertieni Eoicurrente». Professor S c v i n, vorgcworsen, wissentlich eint» Meineiv gcfchworen zu habe». --- Ein Kü st rin er Vocalölatt meldet: „Ter ehemalige Vorsitzende des hiesige» antisemilisehe» Vereines, der nach Breslau nle,- siedelie Barbier Reimer, war vom hiesigen Schösiengericht ivegeir Betruges zu acht Tagen Gefängniß ve>urthei,lt worden, ' weil" er dein Barbier Venius aus Soldin fein in der Plankagenstraße befindliches Geschäft unter der Vorspiegelung verkauft hatte, daß' dasselbe sehr flott gehe, er aber eine einträglichere Stelle als Versicherungsinspeelor erhaltest habe, die er seinem blühenden Geschäft vorziehe. Ticie Angaben waren »»wahr: Reimer Halle auch, während sein .tiätisir hier war, um sich über den Gang des Ge'chäfies zu informireu, heimlich l>'eld in die Vadencaste gelegt, »n« die Tagescinnahnien größer erscheinen zu lasten! Ter ehrliche' Anliseiniienhäiiptling legte gegen dieses El'kenulniß Berusnng ein, und die VandSberger Slraslainmer bestätigte dasselbe einfach, dcr Staatsanwalt aber'bedauerlo, daß »rä,t auch seitens des AintsanwallS Berufung eingelegt worden se», damit die überaus milde Strafe von. einer Woche Gefängniß hätte verschärft werden können." — Tie „Zeitung für Hiuterpoinniein" berichtet: „Gegenden Bürgermeister und Hanpimanu a. T. v. Boß in Bnb l i tz, dessen Handeln bei der letzten RcichStagswahl eS zu verdanken ist, daß die Wahl des Vandralheö v. Ger lach im Wahlkreise Kolberg- Körlin für ungiltig erklärt ward-, ist seitens deS ersten Staatsanwaltes in Köslin Anklage wegen Verbrechens im Amte erhoben worden." Bürgermeister Voß war eine Veuchle des Tivoli-AntrfcmitiSinuS. (Alls jllöcnrcilicr Zeit.) Während des »ordamcrikanischen Freiheitskrieges (1775,—1786) verkauften bekanntlich verschiedene deutsche Fürsten ganze Schaare» ihrer „Vandeslinder" an die englische Regierung, welche die Unglücklichen nach Amerika verjchisstcn. Rach den Angaben Franz Vöscher'S in seinem Buche „Geschichte und Zustände der Deutschen in Amerika" verkauften die Fürsten von Hessen 16.622, von Braunschweig »723, von Hanau 2422, von A»sbach 1644, von Waldeck 122», von Zerbst 1160, zusammen 20.166 Soldaten an England. Davon kamen »1» beziehungsweise 6500, 3615, 081,461, 720 und 176, zusammen 11 843 Bkann. Für jeden Uingekoiniuenei', ja sogar für jeden Verstümmelten mußte die englische Regierung noch fände man bei den Antidie am lautesten ans die A

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