Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 155 (21.3.1895)
- Date
- 1895-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 155. .freies Blatt. Seite!». und Hochmmh zu führe», 'biö der arme gemeine Mann nicht' fiiii» und »mg länger ertragen. Das schwer! ist eu»l> auf dein .vtnlfe; »ach meinet ihr, ihr sihct so'feste im Latiel, man werde euch nicht mögen anöhcben. Lolche Licherheil »nd ve»stelle Per ui^essenheit wird euch den Haiö breche», das werdet ihr st he» .. . j Zhr ringet danach und wollet auf den stopf gci hlaßcii fein....! 'rein das sollt ihr wissen, lieben Herrn, <'>'oü schasfl's also, das; > inan nicht kann, noch will, noch solle euer Wüterei die t'angc j Slildui. Mv »läßt anders werden, und (Volles Wort weichen;! lbul ihr's nicht durch freundliche, willige Weise, so müsst ihr's!!lu,!, durch gewaltige und verderbliche Unweise. T-Hun's diese Banern nicht, so müssen 's andere lhun. Und ob ihr sie alle schlüget, i -- sind sie noch »»geschlagen; (Volt wird andere erwecken; denn -.r will euch schlagen und wird euch schlagen, -(ss sind nicht Einern, liebe Heren, die sich wider euch ,'epe»: tC-oil ist's silber, - ."iehl sich wider euch, heiinznsuche» cnrr Wülerei." -- j •Jlit anderer Steile wirst Vnlher den Hohen »iid Mächtigen .. .. das; sie die Armen und Elenden 'nicht mit Zchnn versehen, ramm müsse» sie «die srürstc») fallen »nd nnlergehen, wie sie .bienen. Und,sollt' doch ja ein menschlich Herz gar. höchlich er ' .ecken, wenn es höret, was für ei» Unheil »nd Rede ii» Himinel : .1 solche T»ranne» ginge. . . das: inan sie hall für Gerächter . ...id Lstriolger (.Volles Wortes, für frevele „nd niitlichtige Töer eren: da;» die blind find und in Finsternis; gehen, unö_; i u . :: r, e NI sollen g c st ii r; l w e r d t ii. solcher Rede ist der ganze H.mmel voll, und wirch auch di- Erde voll durch .diesen Beis. Aber dagegen haben sie sich gerüstet mit einem starten, dicken llii- \i'.nl',»,' der schasset ihnen ein steinern Herz lind einen eisernen .. rs, das; sie solcher Rede nicht achten lind mit Stolz und 3rei- . Urtheils geivorlen. Wohlan! To lasse in an sie auch - l,re» immer zu in Teufel zu, weil sie es ja nicht anders tleu". Welch prächtiger Staff für eine Unistiirzvorlage gegen Vnilier s? briiten und Rede»! Es gibt noch stärkere Lachen' bei ihm: wir . n Ile» sie hier nnerwähnt laue». Vnther hat bald so, bald wieder rnders gesprochen, indem er ausführle: „Der Ehrist müsse das ' iiireckil leiden, denn die Ehriiten seien nicht Weideichafe, sonder» s-biochtschase — immer eins nach dein anbei;» hin." Aber was ‘yh angesührl worden und durch noch LchärscuS vermehrt iverden j l.'niile, bleibt doch bezeugt. ,\». 'cnuaii Zngrimm sprach sich Viithcr sogareinmal dahin ans: Das heilige römische Reich gehe sk'inem Untergang entgegen:! 'er Türke stehe ans der Höhe seiner Macht: der' EAanz des Povstlhiims. sei verblichen; die Weit krache nach jeder Ri-hlung w>, als solle sie in Ltücke satten, und am End» werde man i'adeii. das; der Türke der von (Voll in ieinem .^ern gesandte j ermator sei. - sich da nicht gegen Vnther eine hübsche Anklage ans-, e.ueriaiidslvsigkeit, wie inan sie Heine und Börne vorwirii,;> ündeii'? Es sindel sich bei Vnther wie bei Heine und Börne, Bieles, .: -/wir nicht billigen oder selbst streng tadeln. Aber spricht e-wa - Vm Baicrlandslicbe ans folgenden gegHi Wolsgang Menzel ge iNelen Worten Äörne's über die Refornialioii? .Bfaffentrug halle den allen guten (Vlanben mir Aberglauben , '-lischt, so daß er gcsnnden Herzen nicht mehr innnden, konnte.! Ti kam Luther, der sich, wie alle deutsche (belehrte, ans eineit! nun Wein verstand, ließ das fraß anslaiisen »nd best dein Bolle! ar den verdorbenen Wein des (Vlaubens da» reine Wasser der , W'üojophie an." sM'an sicht, der jüdische (.-ileral Börne ist sogar ini Aahre lsti>7 noch so christlich, die lutherische stirchenverbesser »ng snr einen Ausfluß der Philosophie zu halten — vielleicht weil , üiher einmal Professor der Philosoph-e in Witierberg war.-! Was wurde dabei gewonnen'? Der westfälische Friede ist da! seiner Rechnung über Einnahme und Ausgabe der Refor j i nion. Einige tausend Denker erwarben sich (Vedantensreiheil, und : ' ganze Vand verlor seine Vebcnsfreiheil. Au einem Wahne ' 'de das Bvlk ärmer, »nd an tausend Rärrheilen, welche die aschcn Theologen und Philosophen ersonnen, wurde das Rind her. DaS Papstlhum... das ivurden sie los; dafür aber be- ' 'inen sie zwei handgreifliche, schwerbewaffnete Bölker i» das '.'and, .n ivranzosen und den Lchweden. Ein Jahrhundert lang erwürgten a-h die Deutschen unter einander; und um ungestört ihre Wunden '.'.(binden, ihre Todlcn begraben zu können, mußten sic endlich -inen' Theil ihres Rindes fremden stönigen abtrele». Zwanzig Universitäten wurden errichtet, um die (.Velchrlen für ihre Bolks^ o-rrülhcrei, für ihre Flirstendiciisle, zu belohnen; und tausend Lkädle und Dörfer lagen in, Trümmern und Asche, und die (Ve keine von' zehn Millionen Ternsche» bedeckten das verwüstete Vaiid. Rio haben die denlschen A'ürsten ' il»'cn Bölkem, -nie habe» diese fidi selbst, nie wurde ihnen vom Anstande müiv 2-I)imi’f »nd Tchande angelhan, als während der Re'vrmativn.'' ' Wir ivollen diese Darstellniig nicht -ms ihie i^enonigkeü' in jede»» einzelnen 'Punkte n,nlerinche!i: ober ihee wcunlliche Richtigkeil läßt sich nicht bestreiten. ' , ■ " Bon protestantischen Ellern »nd Bere'.l.rn .ibstanlniend, jedoch' -geistig freidenkend, blicken tvir mit voll.r Theilnahnie sticht bloß ans Vulher's und der ansgillärtereii zeilgenö.ssiichen Hnmanisten stampf gegen Ü>om zurück, .sondcui auch ans die, viste Zahr hnnderie vorhergegangenen lavseren. vapslsein-, lidjen Bestrebnirgen Watther's von der Bogei weide und der ilnii iolgen.de» Lchnle von Minnesingern. c>steichwohl isl^. nicht zu leugne», daß die'Bergnicknng der starchenverbisieriiiia mit d-r Zucht der ssairsten nach Erringnng der vandcshoh»i.l aus st osten der üieichseiilheit »njereni Balerlande die liessten, >iecki^h-ule llanende» Wui/deii geschlagi» >>nt. .stai-er st >rl V. und die nieisteir. Anrslen 'einer Zeit haben gleichmäßig schiv-r ges-hli. re- Nae zu >agcn, wäre Proiesickr Psleideier's Pstickn in seiner Tlndch. über „o-st-schichie und Enlivicklnng des d-nl'chen Rationalg-siihles" -geireien Lintl dessen schernl er sich ansschli-ßlicb prenß-iuhümlich über die „inkeinalioiialen Znteressen der Habsburger und deren Beziehungen ',iim Papstlhum" ansgelassen zu haben, um zu erkläre», warum ans der.st>esor»ialivn kein denlicher stialionalstaal erwuchs. To einseitig sollte man die c-teschickne nicht behandeln Da ist der „jüdische viterat" Börne -dem Berlin-r Reelor an 'echter Bnlerlandsliebe und richtiger Anstassnng doch iiberligen. Wohl sggl Pros-sior chileiderer: - „-Der ' dreißigjährige strieg vollends vernichtete das eben ansteimende Rationalgesühl und zerstörte Bildung Etei'itinng und Wohlstand in den 'deutschen otauc».". Allein davon, daß t'elbstsü.'!ti-v A'ürsteiipolittk in Rord nnd^LÜd unseres Baleriandes dies Unheil schuf, lesen wir nichts in dein Bericht--seiner Rede, Dagegen heißt cs in ihr weiter: . „Die Wiedererweckung des denlschen Ralionalgefühlcs -stiig uns zwei Wegen vor (ich: durch das deutsche Zchnfnhuni und durch 'die politische Einigititg Deulichtands unter Preußens /rührung. Mächtig,'wirkte ans deutsches srichlen >.n> Bolle n 11) e r s Bibel ein. Während, dir (belehrten lateinisch schrieben, aii den Höfen das .vranzösische -vorherrschte, faßte ii» dentsche» Bürgerhause '.'lilüer's Bibelf-sten ,v:n;. Die deutsche klassische rreralnr war zl> Aitsang -weltbürge-rlich. Bei V e s s i n g, L i1)_i l 1 t r, o e t h c sind'-'n fick, Zeichen, daß das nationale Empfinden bei ihnen znrncksla») hiitler dem c>'esühle des WellbtirgiethlimS. -mili-i) konnte die tl-igliche stleinstaalerei nicht zu nationalem irühlen aneegen. A-doch begann man schon damals in einem gewiste» Linne wieder deutsch zu snhletr. Ariedrichs des >V roßen Tbakcn etiipiand man als deutsche Th-uen." . ' Vünler Halbwahrheiten oder Zibiesbeiten, die der Ergänztliig, vietsech auch der Berichlignug bedürfen. Wir wollen uns nicht dabei »nshalteii, das: Vulher's B:bel>ibn','ei-nng, io lresflich sie ist, keineswegs ihm als a-isschließliches Berdienn zntomml. Es hat deutsche Bibel Uebers-hnngen schon vor siini gegeben. Wenige Theo logen icheinen aber zu wissen, daß Bit her an einer ganzen' Menge Ltelle» die ältere Ueberiragnug .fast wörtlich w:edergab - so d.rß die Behauptung, er habe das Rene Testainenk höllig ans dem (Vriechrschen verdeutscht, bedenklich hinfällig wird. Wollten wir vergleichende Proben millheilen, so wurde' der 'äeser wahrhail . erstaunen. Man soll Vnlher das Seine lasse». Aber wer Hans LachS oder selbst de.iHim fast hnnderl Zähre ihm vorangeggngenc» Roseilplüi kennt, der weiß, daß nicht Vnlher allein, odergar zuerst, nufere Lpräcbe sestgestrllt hat, nnd daß in Vieser Äeziehnng selbst Zachschriststeller sich ans Unkeinilniß in den abenlenerlichsten Ueberlrcibnngcii ergehen. Vange Zcit hindurch habe» im denlschen Bürger nnd Banernhanse Hans Lachsens Lchriften und Dichtungen gut forlstewirtl, bis über-den dreißigjährigen strieg hinaus, während die (Velchrlen - well meist mit Hoihninth ans diese Dinge herabsah. Was mi» die „dentsche stleinslaalcrei" betrint,- so ist nicht blos sie, sondern auch das ans Zerreißung des denlschen Reichsnnd 'Ralionakverbandes ausgehende königlich preußische Ltrebru, da» die Hohenzollern'sche Hansmacht mit der Habsbnrg'schen in blnltge'n Wider streit brachte, die Lchuld an unserem späteren liefe» Unglück ge wesen. Der jüdische Viterat Börne hat, g> ach de in er politisch reifer geworden, dies vollkommen eingefehc».