Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 155 (21.3.1895)
- Date
- 1895-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Eene 10. Freies v l a t t. Nr. 1.V>. 21 hr weiß de»» Professor Pstcidcrcr, wie dieser angebliche Berächler Deutschlands in seine!» vicrnnddrcißigslen Jahre (1>S 18 > über Oesterreich und Preußen schrieb? Hölle er eS gewußt, viel leietn würde er den „Hilden" Börne, der aber ei» xY.itjr vorher 1*17 i sich prolcstantisch halle taufen lassen, doch nicht so weg- J werfend behandelt haben. x\ti einein Aufsätze: „Sebüchtcriie Bemerkungen über besteri reich und Preußen" sagte B ör n c.nach einigen Worten der warmen > A-nakeuiiiiNg für Bestcireich: j „Tic österreichische Regierung sürchlci jede Bolksbcwegnng und ist folgerecht genug, auch keine solche zu dulde», die;u ihrem 1 eigenen Besten tbälig ist. Sie hat dies in dein;nin Sturze Rapolevn's geführten Kriege geleigt: sie war die einzige Macht, die eine Bolksbegcisternirg gegen irrankreich nicht hat auffviiiinen lallen. z'lnf den Wiener Schaubühnen wurden gn jener Zeit die; Bürgerbewallnnng und das Streben der Deutsch,n zur Bolts lhüinlichkeit, welches überall, auch wo es in den Kieidcrlrachlcn! nur spielend sich zeigte. Hane geebrl werden sollen, lächerlich ge. macht." .; Binn denke nur: selbst den alidenischen Rock wollie der : Börne geelirl wissen Gern vergaß er darüber den gelben Fleck ans d,in o-'ewande s,iner Borsaheen. Beil einer beule last unbegreiflich scheinende i Bl'äßigung be . mcrkl, Börne wciier über Desterreich: „Dieses Reiches inneres Regierungssnstciii. die Unmündigkeit, .worin der Geist der Unterihanen ziirückgehalien wird, die Selaverei der Presse, die C.un raniaine, d.r sich jede ans der fremde herkommende M-innng unierwerseil muß, ehe ibr der Eingang verstatiel wird, oder die i gänzliche Gekanken'perre ausländischer Erzeugnisse — alles dieses! war nur bis seht verzeihlich, vielleicht heilsam. Ioieks II. all;»' -rasche und darum inißlnngene Persuche mochten es billig schüchtern ' mackien." Ja, Börne meinte sogar, es sei. zu begreifen gewesen, . daß man es in Disterrcich zur Zeit der französischen üeevolntion - bedenklich »'and, den Bürgern die an sich erwünschten (Freiheiten, wenn auch auf gesetzlichem Wege, zu gewähren, „da sie in irrank reich a,s Frücknc des Berbrechens erworben worden waren" und : „die Giiie des Zweckes über die Schlecknigkeit der Mittel leicht j batte verbleiden können. Jetzt aber wäre es an der Zeit, den : Bin gern freiwillig zu geben, was man sich nicht ahlrvtzcn zu lassen sich stark genug gezeigt Halle. Daß das österreichische Bolk mit j innigerer riebe, als irgend ein anderes, an seinen Fürsten hängt, ' beweist nicht die Porlreiilichkeil der Slaalsversassung, sondern die - des Zinsten und der Perwaliung. Aber letzkere find sterblich,; wäbrend erst, re dauert." Fit das nicht ganz christlich germanisch sroniin gesagt? Run höre man. was Baruch Börne, den Ausdruck von der „schweren Rüstung aus Preußens schmalem reib" um etwa fünf, ui.dvnrzia Zahre voransuehinend, weiter schrieb: „Preußen kann in seinem langg, streckten Gebiete sich nur , »iub','111 beweaen: seine Grenzen schloilern ihm wie ein weites Kie.d um die f'iieder — es muß und wird durch Wachsen das .>i:,id auszu'iillen iuchlii. Die Rhein Provinzen, welche cs erworben - liai. können auf die allen ränder, denen sie cstiverleibi worden , sind-, ivelillhälig wirken, indem sie ihnen die unter der französischen [ Herr'ckasl .rrnngeiien neuen und heilsamen Ideen üb,r Bürger- - lciuni und Regieinng mitiheilen. Letzt man sich aber dieser Ent-! Wicklung eulgegen, dann wird die Perbindnng des Rhdnlandcs : mit All Preußen verderblich für beide werden und muß bei den - Bewohnern, hier und dort, einen bedenklichen Geist der Un Zufriedenheit hervorbringcn. Man muß cs bekenuen, daß unter der kaiserlichen Regierung das französische Polk der Gleichheit sich u naitf, die man schmerzlicher vermißt als selbst die Freiheit, und kan, wenn sie Rapoleon tcr lctzicrcn beraubte, es weniger geschah, um sie.selbst zu niuerjochcii, als um sie zur Unterjochung anderer Staaten und Böller leichter gebrauchen zu könneii? 'Will Preußen eie freisinnigen Rcgiernngslehren seiner Rheinländer nicht auch für k:e allen Staaten benutzen, dann lhnt es besser, diese Provinzen ' r aaencii Berwallung zu unterwerfen, wie es mit Schlesien batte. Auch hier.gilt: .Trenne und herrsche!' Oesterreich . l ■ e arum >■■■ r.ft und ungestört seine Staaten jeder Zeit zu be : risch-.:: gewußt, weil es jedes g'and nach seiner eigenen Weise, ..ach a.:.r L ite und Herk. turnen, regieren ließ." Pülle eia praißi'cker:Regiernngsii:ann anders schreiben können als der „indische vuerai" Börne im Jahre '1*1#? Und nun gar der Schluß der „ Schüchternen Bemerkiingen": - „Prenren ist laueuropäische Macht: nicht seiner Größe ,,ik keinen, Gewjchi,, sondern der Schnellkraft, welche der Stoß - - des Glückes oder Unglückes mitlheilt, . hat cö die Achtung zu ver danken, die seiner Stimme im Rathc der inächtigsten Fürsten gegeben wird. Aber Preußen ist eine deutsche Macht, und da e< die einzige reine ist, so ist Dcntschland nur in Preußen. Das deutsche Gemeinwesen sindet allein iin preußischen Könige scineu aufrichtigen Freund: die anderen Fürsten heucheln ihm nur An hänglichkcit, weil sit cs als Mittel zu ihren Zwecken gebrauch u wollen. Dieses Bewußtsein, die Dankbarkeit dcS deutschen Polka zu verdienen, kann allein Preußen die Beruhigung geben, in, Fall, eines Krieges innerhalb Deutschlands, bei seinen ansgcdehineu Grenzen, dem feindlichen Andrange nicht zu unterliegen. Indem man der preußischen Macht jene hohe Bedeutung zngestehl, tan» man zwar nicht lciiqncn, daß die Preußen die Berrichtuiigen d: . - männlichen PolleS mir noch spielend treibe»: aber das Spiel des Ernstes gute Bo'.Übung. Deutschlands Geist ist in Preuße«': und der ist's, der den Körper regiert." Also ganz hvhenzollerisch preußisch, trotz der Richlerfüllung d in der Stunde der' Gefahr, bei der Erhebung gegen Rapolee gegebenen feierlichen Bersassiiiigsversprechcns Friedrich Wilhems >>' Wiederum 1 x, schreibt Börne in seinen „Dcnkwürdiglei! der Frankfurter Eens'ir": „Es ist nicht das Silstein der österreichischen Regierung, l >> össentlicke Meinung für sich zu stimmen, sondern sie erkennt ,;ir keine solche an, und sic würde bar um ein Vob ans deren Mao. von ihren Unterthanen ausgesprochen, ebenso unwillig zurückwe»',» als einen Tadel. Dieses ist sehr folgerecht ... Preußen kam der Preßfreiheit keine Fesseln anlegen wollen; cs würde '.-tbensprineip zerstören, wenn ihm sein Bestreben gelänge. D'".lc geographischen, ohne politischen, ohne den inneren SchwerpnW , den ein icicher Boden, eip blühender Hgndcl, ein Ehrfurcht stoßendes Alter gewährt, findet cs nur seine Stütze in der vis>' lichcn Meiiiniig, fei nett Schutz in der Viebe icincö Bolkes, seine:: Einfluß in der Achtung deutscher Bürger. Die preußisch'' R. gicrnng täusche sich nicht. Sie sucht aufrichtige riebe, unerschnli liche Änhäiiglichkeil bei jedem deutschen Hofe vergeblich: man m ihr im Herzen gram, weil aus ihrem Staate der Freiheiten in des deutsch n Bolkes ausgegangen ist. Man wird sic vcrlasi'eu :» der Roth, und dann wird ihr das deutsche Bolk allein Schm.' währen" n. s. w. Unter dem deulschen Bolke verstand Börne übrigens ganze Dcntschland im Sinne des Arndt'schen Liedes k.u, bloßes Großpreußen, sondern das gesaininte Batcrland von " :i Alpen und der Adria bis znm Belt, das rand, wie wir cs iin Reich und im Bund, in der großen Erhebung von 1*1* 1' i'.' unb bis l *«>«> gekannt hibc». Uebcr die Franzown sagte Börne in jenem Aussatze von 1 1 in welchem er für die Preßfreiheit eintrat: „Was hat Frankfurt mit allen seinen Bücklingen und nnlerlhäuigeii Redensarten seil sünfnndzivanzig Jahren gewonnen? Welche Ucb.i hat es dadurch von seinen - Bewohnern serngehalten? Haben uns darum unsere epidemischen Feinde, die Franzos'ii, weniger Millionen Brandschatzung abgeuoinnien? Waren aus Dankbarkeit für die schonende Spracht, die durch den ganzen Revolnlionskrieg die hiesigen Zeilniigen führen mußten, die Bomben, die über unsere Köpfe flogen und unsere Häuser anzündcten, mit Baumwolle umwickelt? Haben wir l'SO«i nicht unsere Seidl ständigkeil verloren? Und hat. die kräftig stolze Sprache, die M ufalö der Senat führte, nicht bei Freundeil und Feinden Ach'.niig geboten: und lag in jener schönen Leichenrede unserer Frei!, il nicht die größte Bürgschaft ihrer einstigen Auferstehung, da k.-in kräftiger Witte, wo er eine Saat auSwirft, je im Keime verdarb? Aber genug; ich will mich jetzt nicht verlocken lassen, den Groll, die Wehniiilh meines Herzens ausziiströine». Jeder gute, stdcr nachsiiinendc deutsche Bürger zürnt und weint, wenn er -sollt, wtzlchen Jammer ungeschickte Hände allerorten über das theu re Baterland bringen." So äußerte sich der vaterlandslose, doctrinärc, weltbürgerl'chc, jüdische Literat Börne vor scchsundsiebzig Jahren. lEin L>üliis;arülcl »e. ' . Literatur. Merk- und tvcüeilkblältcr für jeee» scltx'islaiidigc» Wähler. An: ' i'tie aiiliieiiiili'äier Perircler. tNesainnielt von ciiiciii Wiener Burger. Wien, nick nu* Perlag Ser', Ersten Wiener PereinSblichdruckerei, l*!>5> Ta-5 Büchlein iü eine Blnuieiileie von '.«lns'vrüchen >^regorig'4, pi 'er i, iNeßinann's mit anbcrcr 'aänpier der Wiener Rowdieparlei, welche : iieich ein voUnäiidigeS Bild alles denen geben, was in den Auge» der Aiili'- inilen