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Freies Blatt · 1895-03-21 · 155 (21.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
155 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 155. .freies lonrnalistischen Pranger.... Wenn die „Westfälische Reform" sich auch lhörichteriveife de« Ausdruckes „jüdisch" bedient, um eine antisemitische Gemeinheit zu brandmarken, so ist ihre Charakteristik zweier Antiseinitenhäuptlinge, die in Radauversainmlunge» das große Wort führe», immerhin eme hüblche Probe N-r Lcharssichtigkeit des Haffe». scliim. 2lus antisemitischen Blättern. «„Juden.") PolonskiS „Deutsche» B o l k» b l a t l" dringt kotgende eqeu de» „beste» Manu der Ostmark" gemünzte Briefkasten, otiz: „E. St., Mödling. Sie sagen uns da nichts Neues; seil bereits langer Zeit wirb selbst den Reihen der stumpssinnigste» Allergelreueste» die Frage der jüdischen .'ibstainmung dieses Führer» im Allergeheimste» erörtert. Es Ijeibt unter Au- 'eieui eines der größte» psychologischen Rälhsel, daß sein Schinntzblättchen -eine Al>»e» noch nicht bis ans Adam zurück verfolgt hat Nebenbei müssen wir! „äugen, daß uns bis znin Sprechen ähnliche Doppelgänger seiner Persönlichst in der Gestalt einiger Pferde- und Siälberjuden begegnet sind." Ta? ist Bosheit! — Tie „DeutscheZeitung", die neubekehrte „christlich» Schwester" -er Poloiiski'schen Klatschbase, macht auS drin jüngst verstorbenen Leopold Ritter i Sa chrr - M a so w, dein Sohne eines k. k Polizeidirectors, eine» „polni i-m Jude»"- Das ist offenbar Unwiffenheil! -Indische Namen.) Man schreibt UNS: Bekanntlich ist er Art oder, bester .-'agi, Unart antisemitischer Blätter, mit einem Scheine geiltiger Ueberlege» -il ,i»d tiefer Sachkenntniß. über Dinge ein Urtheil zu fällen, ' welche die eiien Anlüemite» gar nicht kennen. Ta» Manco an Wissen wird, tagtäglich inan es erfahren, durch die Unverfrorenheit der Behauptung zu ersetzen, -sucht. Einen Meine» Beitrag zu dieser That'uckie lieferte ich schon in 'Nr. 153 7 „Freien Blattes" unter der Anfichrist „Jüdische Namen", deren enttnr "leruche Bedeutung weitaus die der — arischen übertrifft, wie ich Nachweise» ■itr „Es ist," sagt Tr. Ludwig Philipps»»,' „eine anerkannte Wahrheit, daß, wir von einem Bolle, namentlich in seine» ersten Geichichlkperioden, alle -üeii'chen Nachrichten verlören, »nr eine beträchtliche Zabl seiner Nanieu und -gleich deren sprachliche» Berständniß behielte», der Charakter dieses Volkes n»d ' Gang seiner Cnltuientniickeluiig »»« dadurch doch zu Vielsachen Einblicke» . estnet uuirbeit". Während die O-uelle» zu arischen 'Namen nur spärlich ' -Ulst.-n und' i» Folge der Beranickung mit römischer und griechischer AnSdritcksre viel UnllareS und UnverstündlicheS biete», geben u»S die in den ge- , ä-iä>tliche» und prophetischen Büchern der Bibel übermittelten Name» einen sicheren Einblick i» den Charakter, KaS Fühle» nnd Denken," Thun »nd Lasten -? indischen Volkes, das unbestritten »liier de» Enltnrvölkern de» Erdballs - hervorragenden Rang entnimmt. I» neuester Zeit haben die Aiilffemiien : der oben erwähnten Kühnheit nnd Gründlichlett die These ansgestellt, daß - Fiite» nichts denn al» ein „Handels- und Schachervolk" seit ilransang ge- -'» wären. Die TKatiache, daß den Inden schon in de» frühesten Zeile» der i-iliche» Aera lvergleiche H. Grätz: „Die westgoihische Gesetzgebung betreff» - Juden") jeder andere Erwerb, außer dem Handel bochnolkpeinlich;»eint mar, wird mit echter Tarlüfferie zur Begründung der Tbeie von ani .lcher Aibeil-'chen der Jude» herangezogen. Daß die Inden nicht aus i s'estlich ein-Handelsvoll waren, dafür sprechen die altleslaineiiiarischeti Namen rie gzoßen Richtungen de» gesellschastliche» Leben» der Israeliten sind durch .-»de 'Namen charakierisirt: Zeltbewolnier tNomaden), Wüstenbewolnier, Waldohner, Histtenbeivohiier, Sohn der Wanderung «Beduinen!, Städler, Hirt, '.bwärler, Siaineelhüter, Biehlreiber. Hiezu kommen: E'eltreiber, Manlihier , -'iber, Heerdenbesitzer, Scherer. Ferner Namen,-den Jägerstank bezeichnend: s - -'-er, Vogelsänger, Fischer. Sodann: Vater deS Meere», Schiffer, Flößenj rer. Für die Beschäftigung mit dem Ackerbau zeugen folgende Naineii : slner, Olivenpslanzer,' Winzer, Gräber, Weinbauer. Von Slnnslen nnd Hand -!e„ habe» ivir: .Künstler, Haupt des Reigens, Schöpfer d.es Sange». Sani la'vieler, Ambosschläger, Goldarbeiter, Schmied, Götzenbildner, Panzerveritiger, Linnenweber, Korbmacher, Wirker. I» den Handelsstaiid einschlägige - Lezeichnnngen sind folgende: Kaufmann, Genosse des Verkehr», Weilineiiter, rchrtiber, Wächter, Arbeiter, Lastträger, Diener, Lohnarbeiter. Al» bezeichnend j. - » hervorgehobe»: Zauberer, Banner, Beschwörer, Seher, Gesichte>'chanender cletzeserklärer, Dein Siriegerstande gehören folgende Namen zu: Krieger, ' inzenführer, Wogenkäinpfer, Reiter und endlich sogar Räuber. Den Schluß i gen bilden: Vater des Urtheilsspruches (Richter), Gefäiigiußivärker nnd — iachrichter. Aus obiger Darstellung ist wohl zur Genüge ersichtlich, daß die. .-Häuptling derjenige», welche in de» Juden nur ein Hände,lsvolk sehe»; .'lfen, eine grundfalsche ist: E» sind in den oben angeführten Raine» fast alle j ' :ände und Bernsselasse» der orientalische» Welt vertrete», »nd sie geben ein - '-'ngniß von der Thäligkeit der Inden aus allen Gebieten des-gesellschastliche» ' eben». Bo» dem hohen sittlichen Werth und dem lebendigen Goltesbewußliein deS jüdischen Volkes sei zum Schlnffe nur eine Thatsache angeführt, daß unter -'en gangbaren biblischen Name» deS jüdischen Volkes mit dem Namen „Gott" 110 und mit dem Name» „Ewiger" 195 zusammengesetzt sind, abgesehen von der Zahl derjenige», welche mit andere» Eigenschaften GotteS verbunden sind. Blatt. j Seite 7. Treffend beinerkl Tr. Ludwig Philipps«»: „Lrffr werde» uns iagen niüffen, daß die» (die Juden) ein Volk gewesen, denen innern.r Lebeiiskern die Religion war, da« i» den, religiösen Elemente sei» Dasein 'and. da» stch mit Gpll »ational und individuell i» de» nächsten und engste» B.-ziednugen suhlte und dachte, das in dem lhenersten Verhältniß, in seinen.linder», immer wieder I eine» Ausdruck und eine Ausprägung für seine religiösen En>ff>ednngen suchte, daS taS'Lebe» durchaus religio» anichaute und überall eine» Rester seiner religiöse» Gesinnung fand." De» gelehrte» Thebaner» der ..Unversälichle» d e »t s ch e» W or t e" und der „Ostdeutschen R n » d >' cha »" möchte» ivir raihen, fall« sie nochmals das Gelüste hätte», über -jüdische Namen zu schreiben, sich vorerst bei einem Rabbiuaiszögling RaiKs zu erholen. Freilich inüßie da» sachverständige Publionin ans die heiteren wiffenschasilichen Thesen der Herren ver- - zichte».Welch ein Veilnst! 'X I! sWar»IN so schwrigsaiii?, Ei» Reichsdeutscher schreibt uns: .Der ehemalige Landwirth Friedrich Johann August .grause, Ver'asser "der Broschüren „Der Wucher und seine Geldlonte" und „Die Hintermänner de» Wuchers", wurde in B.rlin von, Landgerichte I wegen Betrugs nnd Erpressung zu zweiJahren u'nd sechs Monaten Gefängniß vernrtheili. Ter Gerichtshof bezeichnele da» Gebahren dieses antisemitischen Sittenrichters als „höchst nstderträchtig". Ter Fall ist interessant: ivaruni velschweigen ihn aber die Wiener Antffeinilenbliitler, die sonst ibreii ««esininingSgenosse» un R-iche so große A-i'lnerl'aniteil widmen? — tDir Vorrechte der Jude».«' Ta» Trga» der deutsch nationale«! Anti feniiten theilt lüngn unter der Spitzmaile: „Die Vorrechte de» Adels" folgende Staiistik mit: „Das jetzige Ministerinni zählt unter ieire» '.»iiigiirder» 1 Fürsten, 5 Grase», 2 Ritter uiit I Edle». Unter den > l '.'andeSvslegern jener Länder, welche iin Wiener ReichsräiK vertreten sind, befinden nck, 5 Grasen, 5 Freiherren nnd -1 Riiier. In dos Herrenhaus wurde» mit dein letzte» taffer lichen Erlaffe 21 »ene Mitglieder berufen. Von diesen sit'd 7 «'Lasen. :! Ritter.. 5 Freiherren. 2 Barone und I Maignis. „-',n Bezirlslianinlente» iveiden i» Oesterreich nieisteniheils »nr mehr Len'» mit .blauen, Bluternanni. Von de» 17 Bezillshaiiplleulen in Niederösterreich sind z B. I Grase», -ff 'Freiherren, 5 Ritter und nur 2 gewöhnliche Sielbliche." 'Nichtsdestoweniger muß ei» braver „Voltsfreund" vor Allem gegen die „Vorrechte der Inden" aiiureteiv lAlles, nur tritt Jude.» Die „Reichsvost" erzälgie vor stttrzeni iin Feuilleton die recht beivegle Vorgeschichte des iknninohr de» Morde-:-- an der Preichern verdächtige» Ociavia» SiichovalN- 'Nach dem Berichte der „Reichs post" war der zuletzt als Musiker bezeichnele Snchvvaiu >»ichl nür abivechselnd Zuckerbäcker »nd WeinKändler, bald leicher Hausherr, bald' armer Haustrer, .sondern auch Veriragsbrccher, F-affchschwörer. D ieb'sbebter. Wucherer, Mäd>chon versührer nnd Mädchenbandler. Wir mochte» in.» gerne wissen, ob d:evs schlangelllluge Ungeheuer, das sich st-ets dem Strafrichter zu einv-ehei! ivnßle auch ein - - Jude ivar. . _ tMlin Nierll s! Unter diesem Titel berichten die „P.l;e (-/l,-j L i st u" nach de» ,,'Narotn» List»", 'daß die Inden in 'Nenby-'cho>v am d. B>, einen deutschen Ball veianstaltelei,, bei welchem die Eiiiladnngen, die Tanzordnnngen und die Taiizveiie im Saale dental ge-ve'eit seien und - daß bei diesem Balle die „Sokol Eapclle" aus Chlunietz im „Sotol-Gewände" die Musik besorgt habe. Das indenfeindliche Pilsener Blatt benierlt dazu:' „Rach all den, Kumte wahrlich ein gesundes Gehirn ins Gegenilieil n,n-ck>lagenl" Tie „Bohemia" sagt zu letzterer Benielkniig lakonisch: „Man niertl's!" IV „Teillsch-nalioiialc 'Waric .1 D.:b '7:Jau der Honibuvger Ami-eniit,-» teutonischer,Eonleur, die „Teulich-nalionaie Warte", bat 'ein Er'ckirinen ein gestellt. Tein Rowdybläiick'-en ivur., in 'D üiiilich schon' -iniger Zeit dag Postdebit entzogen ivorden .» .f-eulllcruii. ..Arvei .(üdil'ctie Liter orten". j-, Bon >iarl Bllild. , I. ' ' Selbstverständlich ffoißcn sie/ wie iininer. He i n e und B ü r..» e. Bon ilincii sagte Prosessor lt o P f l ei derer,.derzeit Rcclor der Berliner Hochschnlr, in seiner Festrede zum Hleburtstage des deutschen jtaisero: „Die jüdischen Literaten Heine und Börne durften ätzenden Spott ausgießen über das, was dcm Deutschen heilig und theucr ist, ohne der ailgeineinen Bcrachtung zu ver falle-».'" Ei wie'? Waren cö denn wirklich „jüdische" Literaten-? Pro stssor Psteiderer's Fach ist die Goklesgelthrsainkeit. sollte er nicht wisst», daß Ludwig Baruch, gl<>ch Heinrich Heine, zur evangelischen Kirche übertrat und nach seiner Taufe iin Jahre iBl7 den grulidgermanischen Namen Börne annahm, gleich als jer er /

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