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Freies Blatt · 1895-03-21 · 155 (21.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
155 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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.freies Blatt. Nr. 155 reite *>. C. tiefle erfahren, ist auf Antrag des BaronS Tehn im stnnländischen Senate ein Entwurf ausgearbeitet worden, wonach den Juden im Gtoßtürstettthnme alle Rechte verliehen werden sollen, welche die nnnandi'che Verfassung allen ausländischen Christen zusichert. Dies bedeutet fast eine völlige Emancipation, denn die ausländischen Christen liabcit in Finnland daS unbeschränkte Niederlasiungsrecht sowie das Recht zum Ankäufe von Immobilien in den Städten und von Grund und Bode» auf dem flachen Lande und sind in der Wahl ihres Gewerbes :e. durch nichts beschränkt. Anlaß zu dieser Wendung gaben die Rechenschaftsberichte der sinnländifchen Handelskammern, welche den großen Einfluß der dort lebenden Juden auf die Entwicklung der Industrie und des Handels im Großfürstentbunie einstimmig constatiren. io beißt eS B. in dem Rechenschaftsberichte der Handelskammer der 3labt Abo: .Biele neue Zweige der Industrie und des Handels sind von den Juden inS Leben gerufen worden, welche der einheimischen Bevölkerung neue ÖbneUen von Erwerb und Berdienst erschlosien haben. Tie Handelskammer kann nicht umhin, zu bemerken, daß auch die Landwirlhe über die Thätigkeit der Juden als Mnhlenbesitzer voll deS Lobes sind, indem sie ihre Redlichkeit und Eorrectheit sehr rühmen." Baron Dehn, der die Berfolgnngen der Juden unter Alexander III. mißbilligte, beuüC'ie nun die Rechenschaftsberichte dazu, um die Lage der Inden im Großfürstentbunie günstiger zu gestalten. Der diesbezügliche Entwurf, welcher dem finnländifchen Senate zur Berathung bereits zngegangcn ist, dürfte nach den Ssterserien durchberathen werden und noch im Laufe des Sommers Gesetzeskraft erhalten. —t. 2lus anlisemitischen Vereinen und Versammlungen. Bon der ailtifcniittldicn Wablborse. , G#.batte nicht riet gebraucht, und . ueger wäre dtcfer Tage in eine neue Ham geiabrett, und nur diüber' raunten Ämrruche der „Teuttch-Nationalen" baben den uemiiual Gekanteten eäret betrabtt. Angesidus der vor der Tbiire sleb.nden GemeinderaihSwahlen traten zwi'chcn bet» .GhristlidiSocwlen und Teut'ch Natiotialeu Perbandlungen . i!:er > eines aeinetn'atnen LorgebenS hei den Wahlen eingeleikel Ivorden, welches Teiirch-Nationalen an folgende Bedingungen knüpften: „I. Der Bürgerelnd ankert feinen Namei: und beißt in Zukunft m.Ai.tisemttifcher Verband int Wiener Gemeiiideraihe. Es wird den dentfch nationalen Getneinderäihen zugestanden, rf.tteil a:b fieiee Pcibatides eine eigene Verenigung zu gründen. 3. Als Haupt ::::k: des Programme» ist die Befettigung des jüdifchen GinstuffeS auf allen bieten des öffentlichen Lebens atifziinebmeit. 4. Tie Teut> ch^N al ionaleit nad) tvii vor jede Öemeiiticfcaft mit Bergauf nnd .BolkSal " r'neger stimmte angeblich diefen Kedingungett nicht nur rückbaliSloS .. 'er.dern Ibat den Tenifch Nationalen überdies »och die Freude, die beide» r-.-nt -Wäbnttgsr Anli'einitenvarst Kaumann rjrcotntmiiiictrten Bezitlsa;:o;ä::"e .«terntr tiitd Palla aus der christlich ioeialen Partei auSichließen zu .gifen. Ji> einer lüngst in Währing stattgebabien Wäblerversatnmlnng, in welcher üi -et fett Anbatigern SdönererS fie;e eriienliche Botschaft ntittbeiltc, erklärte;t zi.g.etch, rast 'eine Warte t bei den b ece r fte b ritt e n Wahlen für i ' ut d' nati r. t;a :eti Gand>dalen ejntrcieit werde Tie T e n l f dt .:: i e n a: e n. tneinte Lueger, können dein Fürsten BiStnard lein ch.n.r.s Geschenk t. in k. Avril tnacheti, als einen glänzenden W ab!':e g. Wir tna.ter. uns schon die Gerne aus, wie Lueger bei einer?•.ttr'd i'.-icei:.:; ar.ti'ciniti cteii BiStna:cI'eier neben schönerer als Festredner .i:, u Bd.t.ee:. etis auf die „der! ki.cchige Bauet ngestall des All Reichskanzlers" •*; r iuar >0 nnbedingt sollten übrigens die Jndenheber nidn auf den Ami iiimsimis des Alt Reichskanzl.-ts zahlen. Ter „Freund mit Gönner Blcichröder's' ar ..MdI schon ,pbilos«mitifch". Pofchinger t..Fürst Bis,ward. Bens «Ke. r..'.d> : Jut.rvicivs," 2. I I." erzählt:. Bei einem Fainiliendiner Anfangs i. n.l r Is»>. zu welchem and» der Kaufmann Kehrend aus Köslin ge- ... tarn u. A auch das Gespräch ai:' die ..Judenfrage" und ans BiSi.'d.ech s LteUung zu ibr ' ..Id, mißbillige," tagte Per Fürst, „ganz kiufchieden di. .: nampf . ,.N Ue Juden, sei es, daß er sich auf eonfessioneller oder gar - . . Grut..l„gc :*•&• Abstammung bewege. Mil gleichem Rechte löniitr man : T s r.b : Tiu'sche ven polnischer oder französtfdier Abstaminnng ber- . , ....: » und »agen. es >'e,eu leine Tentichen. Tag die Jude» mit Vorliebe -. H.-.t.',..-,."'d.ä''!en b.'faffen, das ist Gd'chmack'ache: durch ihre frühere ■ tvlt ..»d'rkn Betli'sarleti mag das trabt begründet fein. Aber ch l . .i;:-it e? nicht, »rer ihre größere Woblbabeubeit jene aufreizenden , . 5.. tbiin. die -dt dt,rchat:s verwerflidi finde, weil sie den e16 - ... : ü d e r Menge erregen. Ich werde niemals darauf .-neu d ie i h n e n ver f a f f n n gS mä ßig z n st eh e »de n , : : i tner Weite verkümmert werden. Tie geistige T . .. - : u :m Allgemeinen macht sie zur Kritik geneigt, und io i ' : - :: " r.rt. r: zug»:r.".-'.: in der Opposition; aber idi mache keinen ■■ ■ .: t :: ch. [i .i en und lüdi chen Gegnein meiner Wirlhfchaflspolilik, i. r.ach w.-:t..r U.berzengung als er>pr,eßlich.»ür das Land verfechte. Wenn [ .! t st'n-ntri Ad:.sie» und Telegramme beatifvonet bade, >0 erfüllte ich : ' .:>»l : ... ch'im.l > r Hr'lichkett, wie ich dies schon Richter erwiderte: Ich; mit B...:i..gen r! : hUidte Amivorten auf ZnftimmnngSworle der \ .' ■ .f :tt.-Partei a-f,-.teu bet», ich bataber leine erhallen.'"! | halten würde. Da trat plötzlich an der antisemitischen Desectenbörse eine vollständige Aenderung der Situation ein. In der „Ostdeutschen Rundschau" erschien! der Artikel: „Bergani, der Ehrenbürger von Mühldorf", die deutsch-! nationalen Werthe stiegen, nnd Schönerer glaubte diese Hauste für eine lang s geplante Speculatio» — Lueger von Bergani zu trennen —- auSnützen zu , müffen. In einer Versammlung des „Deutschen BolkSvereines" am; 15. März, die Schönerer durch feine persönliche Anwesenheit verherrlichte, wurde! nun beschloffen, den Tr. Lueger anszusordern. daß er die obenerwähnte Z„. \ sliminmig zu den Pnnktalionen schriftlich gebe und obendrein namens des l Bürger clubs ossiciell erkläre, daß jede Gemeinschaft mitBerganj > »nd „Volksblatt" abgelehnt wird. Bergani war über diese Eontremine >o entrüstet, daß er dem Rosenaner Schloßherrn seinen Agnaten Schmnel Leeb . Koh» vorwarf. Tie erwartete bündige Erklärung hat aber Lueger bis betne nicht gegeben. lLiechtcnsteill's Tiplomalit.f Dem „Balerland"-wird ans Oberösterreich mitgetheilt, daß Prinz AloiS Liechtenstein einem bekannten Abgeordnete» gegen; über bald nach Vorlage des Taaffe'ichen WahlresormentwurseS erklärte: „Id, i bitte Sie um Golteswillen, sind Sie und Ihre Freunde dod) gegen das allge! meine Wahlrecht; es wäre ein Unglück. Wir inüsten wegen unserer Wiener; Wähler dafür sein." Bald daraus habe er in Floridsdorf oder in der Nähe ir. s der Thal eine „begeisterte" Rede für daS allgemeine, gleiche Wahlrecht gehalten. fFiasco.l Tie Badsiter Antisemiten veranstalteten Wanderversammlungei! ' in PerchtoldSdorf und Traiskirchen am 10., beziehungsweise 17. d. : In beiden Orlen haben sie Fiasco gemad>t; auch Lueger hat sich nicht mehr alS „Zugkraft" bewährt. i Lpiegtlbkrg, ich kenne dich.) In Tortmund, woselbst Ahlwardt dieier Tage wieder seinem Erwerbe nachging und einen seiner Dreißig Pfennig Bo: träge hielt, verrielh er auch, weshalb er ein so wüthender. Antisemit fei. G. führte aus, daß die Juden in ihrem Morgengebete um die Zurückführung nab dem heiligen Lande bäten und auf den Mann wartete», der von Silo komme Nun fei es eigemhümlid,, daß er unter den Ruinen der Burg Silo geboren, sollte nun, so fragte er, nicht er etwa der Mann der Lerheißung sei», der das Volk Israel zurückführe in daS gelobte Land? Ahlwardt's Einsall ist keineswegs originell. Schon Schiller'« Spiegelberg wollte das Königreich der Juden wieder auss Tapet bringen und durch triftige Toenmeme zfo triftig, wie die Arien' stücke Ahlwardt's in Lachen des JnvalidenfondS!) nachweisen, daß Herodes, der Bierfürst, sein Großahnherr gewesen. Ahlwardt ulS „McisiaS" ist — Spiegelberg II. (Scharfsichtigkeit des Hasses.) Daß die Amiseinilerei ei» Geschäft ist. dürfte allbekannt fein, daß es nid» sauber ist, ditto. Unter dem Zeid>en nn * sauberer Geschästsgebahrmig stand von allem Anfänge an das Treiben de, >. Bolksverhetzer und Aufwiegler, aber solange als ihm der prickelnde Reiz d:: stkenheil znkam, gedieh der Weizen der'„Unternehmer" prächtig Judeß, k: Zeilen haben sich geändert, und mit ihnen trat eine Berschlinimernng der Gr werbSverhällniffe ein Tie Goncurren; miler den Abhalplern aiitifcinitifd». S.bandreden erzeugte unter den minder gewandlen Emreprenenren volkSlhüm lidier Radanverfantmlungen gritttmigen Brotneid, Scheelsucht »nd überbanp: . eine haßerfüllte Slimmmtg, die sid) von Zeit zu Zeit i» einer wahrhaft et göhlichen Weise Luft machen. Tas Schönste dabei ist, daß sid> and, hier die alt,- Beobachtung von der Scharfsichtigkeit des Hastes bewährt. 'Tie Herrschaft.:: kennen einander dock) gar zu gründlich, und es wäre unbillig, die Richtiglen der Gbarakteristiken anzuzweifeln, die sie von einander entwerfen. L i e b e r in a tt n v. 2 on » eiiberg erfährt in der amiseniilisdten „Westfälisdien :>l. form" folgende Abkanzelung: Gr hielt Borlvägc über Vorträge 30 b 5>» Mark nnd mehr nnd brachte es darin zu einer solchen Birtnosilät, daß i: ::t. 14 aufeitiander folgende Redeabende zu Zeilen besonderer Geldbedürftigkeit lein: Schwierigkeiten verursachten. Sein Glück stieg sorlau ... Wir gönnen mm zwa Herr» v. Liebertnann seine» fitianziellen Erfolg von Herzen, glauben ab:, hervotheben zu müssen, daß ein Mann, der es so wohl verstanden Hai heautifentitiidje Bewegnitg zu seinem befonderen Portheil zu bewitthfchafien weder 'elbst stod, in seinen Frennten nnd Anhängern da« Recht besitzt, ein. ,: Ablwardl, der sich nnd seiner zahlreichen Familie die Unlerhallnngskoslen mm wendig erwerben mnß, gleichsam zu desien Perächtlichmachung vorzuwerfen, : er dies durch Erhebung von Gintrillsgebnhren oder durd) die Erweileyn:.; seines ZeilnngsitnternehmenS zu erwirken versuche.... In demselben Bl,,!: wird Johannes Wilberg wie folgt charaklerisirl: Turchan» jüdisch-gefchrn: mäßig äußerte sich Wilberg von der „SlaalSbü/ger-Zeitung", als man ihm vorhielt, daß dieses Blatt von Jliden bezahlte Anlündigungen ei»sd>alte. Er - tagte: „Taß die .Staatsbürger-Zeitungvon den Inden Annoncen ausneli». , lönne man ihr nicht verdenken. Potz den Anlisemilen bekommt sie dod) ferne Annoncen. Tie Leier der .SlaatSbürger-Zeitnngwerden trotz aller Annonc, n nicht bei Juden kanfen. Wenn die Juden fo dumm sind nnd in der .Siams bürger Zeitung' annonciren, so sage id>: .Her mit dem Judengelde, dadurch iv:» t die anlifemitische Bewegnng nnkerflützt. " Wenn dieie Aenßernng wahr ist, dm .: hat Herr Wilberg nicht das Recht, das deutsche Volk durch eine Zeitung ziehen zu wollen, denn mit solchen Grundsätzen schlägt er dem Antisemitism:,S ins Gesicht. Elite solche Geschäslsmoral ist deuisch-unsittlich, weil sie ed)t jüd >h ist! Leute, die mit unserer BolkSsache so Schindlndec treiben, gehören an den

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