Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 155 (21.3.1895)
- Date
- 1895-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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J l.Vi .«freies Blatt. -eile Mensch, der auS der Gesellschaft ordentlicher Leute auSgestoßen war und fast sein ganzes Leben im Gefängnisse unter verkommenen Menschen zubrachtc, im Himmel einen Fürsprecher haben kan». Die Zache klärte sich ans, und als hierauf Jancrek . de» heiligen Peter nochmals dringend bat, ließ sich dieser endlich erweichen und versprach, den heiligen Josef zu rufe», fügte jedoch gleich bei: „Du mußt ein wenig warten, vor einer Weile haben sic im Himmel angcfange», das Brevier zu beten, wobei ich sie nicht stören dars^ bis sie dasselbe becndcl haben werden, rufe ich dir den heiligen Josef heraus." D.ie Bille dcS Heiligen um Aufnahme Jancüek's, welcher als Kind Lämpchen unter des Erstcrcn Bild angezündct halte, ivurde jedoch nicht willfahrt. Der heilige Josef bewies nun, daß durch die Richtbcwilligung ieincs Ansuchens seine Autorität crschüttcit würde, und schickte sich an, das Pläpchcn zu vcrlasien, auf welchem er durch mehr als neunzelm Jahrlinndertc sich eines grenzenlosen Ruhmes erfreute. Tie übrigen; Mitglieder der heiligen Familie c> klärten, ihm folgen zu wolle». Rach .jifjfi» Exodus herrschte unter allen Heiligen im Himmel große Auf- \ icqinig- Der Erste, welcher linier ihnen sich beruhigte, war' aber der! Iiciligc Peter. Er raffte sich auf und rief: „Wohin mein Mciflcr und! Herr geht, dorthin muß auch ich gehen," und auch er verließ den Himmel. Dieses Beispiel blieb nun nicht unbcachlct. Hinter Peter. als ihrem Hauplc stellten sich die Apostel auf, hinter diesen deren Rachs'olgcr, die Bischöfe, hinter den Bischöfen wieder die Priester, die 'Iiciligc» Märtyrer, die Gläubigen, Einsiedler, weiters die heiligen Jnngfrauen, Witwen und Frauen und hinter diese» die Heiligen und Zeligeu des Alten Testamentes. Der ganze Himmel befand sich im, Ansbrechen, und vielleicht blieb Riemand in demselben als Gott allein, schließlich wurde Johann Jancüek doch in Gnaden ausgenommen, rroranf die Heiligen wieder in de» Himmel einzogcn. Das ist der In aalt der von einem Priester zum Besten gegebenen Erzählung. Wenn wir von derselben Notiz ncsinicn, so geschieht cS nur, um zu zeigen, wie die Lectüre beschaffe» ist, mit welcher Soeialrcformer vom Schlage der Hulka, Dcckert und StojalowSki das Bolt aufklären, und wie berechtigt ihre st lagen sind, daß die liberale „Judenprcsse" den religiöse» Zinn des Bolkes verwirrt. «Moötrnrr Mtllschcilllülldcl.) In Pardubitz in Böhmen ist ein Man», Namens Johann Prochazka, verhaftet worden, scr ein Rind gekauft hatte, um cs, wie er angab, nach Deutschland -,» verhandeln. TaS Berhör, das mit Prochazka anfgenonimen wurde, ergab, daß er sich schon seit längerer Zeit mit der Lieferung von Ilcinen indcrn für die Firma dritter in Holstein befasse. Betreffs der Berwendung dieser „Waare" gab Prochazka ofsenberzig an, daß die bedaucrnSwcrlhcn Geschöpfe zu „Liliput" LRenschen, und zwar durch Anwendung einer eigenen Ernührungsmclhyde umgcwandeli und daun in aUcii' Welt hcrumgczcigk werden. Das stiud, das Prochazka ^L>cii gekauft hatte, war das achtjährige Töchlerchen des Wenzel H'.oupcj auS einem Torfe nächst Pardubitz. Der Bcrhastete gab iler a», daß jene Firma bis fl für ein solches stiud bezahle, und falls cs zwei Jahre „hält", »och 'JUU fl. an die Eltern nach gezahlt werden. Er erzählte ferner, daß er ein solches stiud noch zu Hause habe, das ebenfalls für die genannte Firma bestimmt sei. Tein Bermittlerhonorar betrage f>0 fl. per Stiirf. Prochazka wurde iii Hast belialie» und in der ganzen Assaire die unifasiendste Untersuchung ein geleitet. Die antisemitische» Blätter, die sonst eine ständige Rubrik Moderner Menschenhandel" führe», scheine» über die Eompagnie l'rochazka-Rillcr ganz ununtcrrichtct zu sein. Wir wollen ihnen zu Hilfe kommen'.und fordern sic auf, diese "Notiz nachzudrucken, wen» e re Menschen Händler auch keine Juden sind. lAlltisemitisiIllls in der LchulcJ I» dcB Berliner Stadt- .rorductcnvcrsammluug brachte vorige Woche der Stadtverordnete Riemer eine Beschwerde gegen den Tbcrlchrer Tr. EvcrS vom stönigstädtischen Realgymnasium vor und thcilte u. A. mit: Tr. Evers!>abc einmal vor seinen Schülern geäußert: Die Inden seien ein ein gewandertes Bolk und dürfen nicht dasselbe Recht wie die Ehrislc» genießen. Kinder, die solche Lehren hören müßten, fügte der Redner b.uzu, würden die schlimmste» Antiscmitc», und er müsse das betrcsfcnde Gymnasium eine Zuchtschule für Antisemiten neunen.. Er könne sich für dieses Christcnthum. daS. dort gelehrt werde, nicht begeistern. TaS sei eine Religion dcS Haffes und nicht der Liebe. Ter Magistrat sollte ans diese Schule' seine besondere Aufmerksamkeit richten. In den Erörterungen, die sich an diese Beschwerde knüpfte», wurde von mehreren Seiten betont, daß eS die Aufgabe dcS Magistrates fei, darüber zu wache», daß .die Schule nicht mißbraucht und der Antisemitismus nicht schon in die Herzen der Jugend verpflanzt werde. t'Leuß' Nachfolger., Im Wahlbezirke E sch w c g e - S ch m a lfalben wurde bei der Stichwahl der antisemitische Eaudidat Pastor Jskraut zum ReichStagsabgeordncte» gewählt. (Hepp! Hcpp! üci einer Necrnleiiüllsliehillig. i Eine eigenartige Methode, jungen Leute» gleich bei der Aushebung die Liebe znm Soldatcnstande beizubringe», wandte, wie der „lste»cral-Anzej.qcr ' für Halberstadt" meldet, neulich Stabsarzt Tr. .st ans Magdeburg, ' der dis Untersuchung, der StellungSpflcchtige» in Halberstadt leitete, an. Dieser Herr brachte nämlich bei dieser Gelegenheit seine ami. semitischen Reizungen in einer Weise zur Schau, die große Entrüstung' nicht nur bei der jüdischen Bevölkerung hervorricf. Als einer der ' junge» Leute sich zur mosaische» RJigion bekaiznte, rief ihm der Stabsarzt zu : „Also ein Jude, pfui, wie kau» uian wohl ein Jude sein!" Zu einem Anderen sagte der autisemiiische Herr: „Ihnen wird mau die Jüdensticfel schon auszichen!" Wieder einem Ander» , ries e,' zu: 'lim Jüd, ein Jüd, ist Dein Baler auch^ein Jüd'?' Und als ei» junger Mann sagte, er. sei kurzsichtig, hieß es,: „Aber hebräisch können Sie doch lesen'?" Einem Anderen, wurde klar gemacht, das; ein Jude auch tief Alhcm holen müsse, und wieder einer wurde nu: den Worten empfaugcn: „Den brauche» .wir nicht sxst zu messen, -be schnitten ist der Kerl aber auch." Bon dem Bocstande der indischer Genicinde in Halberstadt ist ans. Anlaß dieses Borgauges eine B. schwerdc a» das Rriegsministcriunl gerichtet worden "Rach Hn»s Leus! Adolf Theiß.« In Tarmstadl wurde kürzlich der dortige Sastienhändler und frühere Berleger der inzwischen cingcgangene» antisemitische», Zeitung „Ter Landwirih und Bienen züchtet", Adolf Theiß,' welcher eine große Rolle als anliseiyitische. Agitator spielte und sich znm strengen Sittenrichter der Inden auf. warf, unter der Anklage der Beilcitung zum Meiileid verhaftet: Dieser EäsuS Hai eine auffallende Aehnlichkeil mit dem Falle Leus; , indcui Theiß, der selbst zum zweiicnmale verheiratet ist «seine erste Ehe wurde, nachdem daS zugebrachlc Permögen der Frau io ziemlich „drynfgegangcn" war,, gerichtlich geschieden«, mcl der Frau eines MauueS. mit welchem er gelegentlich einer bienenwirihschasllichen Aus stcllung in sreundschaftliche Beziehungen getreten war, ein Berhällnin einging, in Folge tscffcn die Frau, Mutter mehrerer Rinder, nach, l "«jähriger Ehe von ihrem Manne. Mitte Jänner, d. .I. geichiede: wurde. Während dieses Ehescheidungsproeesses «'all nun. Theiß «owohl in verschiedenen Briefen als auch durch nnlndliche Aufträge, welche. c>. durch seinen gleichsalls rcrhastelcn Buchhalter ausrichten ließ, versuch: haben, die Frau zu cineln Meineide zu veranlassen.,.Die gegen'Theiß vorliegenden Berdachlsniomente müssen «'ehr schwerwiegender '.statu sein, da derselbe auch nicht gegen das Anerbieten einer Eaution an' ircien Fuß gcsepl wurde. . ' ' «Achim v. Aniim Illid Mvriy Zljig.t Tie „Frankfurter Leitung' erhielt folgende Zuschrift: Unter Bezugnahme auf das Geiger'i'ch Fcuilleron „Achim v. Arnim und Moritz Jtzig" stehe Rr de- „Freien Blattes"» überreiche icl» Ihnen in Abschrift eine Ranz, die sich im „Trient", herausgegeben von Dr. Jnlstis Fuerst, Leipzig.'. Jahrgang >54!», vorfindet. Daraus scheint hcivorzngchcii, daß ei». Bestrafung des Jtzig nicht stattgesundeu hat. Biclleichi hat die Al schritt Interesse i'ür manchen Ihrer Leser, jedenfalls aber für de: Berfastcr des Feuilletons, d>'in ich zugleich nzeine» Tank t'iir die höchst intcrd'ssaute Arbeit zu übermitteln bitte. Die '.st'otiz lautet: Im Fahre!-"!-> trug sich rn B.utiu Folgendes zu: Eilt umger I i, e : i torderre erneu Adeligen wegen einer gegen eine. Berwandle desielben veiübte»! Injurie Der t^esordeite lies; sich ein Gutachten' von sieben Ltan'desgenosseu arreüelten, wonach der Beleidigte als nicht salis'aetionestihig erllän wucke, ni d '■ thcilte dies kie'cni mit, der siäi nun ans andere - lbälliäe - Weste Genug-.' , iluinng zii veeichaiien stichle. D«e-:- sahne zu .eurer geiiitnlichci'. llniersiichnt g I wider ihn, der aber.dadurch ein Ende geinacht wurde, daß der Aiige-'chnldigie der inzwischen mit den Freiwilligen in? Feld g.-zegeiGwar, in einer ch'.ael c . net. Diesen Bo'rgang Hai Släcgeinann ivie.lleichi der dauialige Siaa:sca:-> v. Dlaegeiiianu >« in nachstehende Beri'e gebracht: ' Der Jude jorem den Edelmann, Ter Edetinai», fragt seinesgleichen. . Tb er dem Jltden inöcht anSweicheii? Tie edle Juni al«'o begann: . , „Dem Juden lhnt ei» Edennan» , Mit Waste» nicht genug, allein mit 'helt'chenhiebrn. i So stehl'S von Berseba bis Da», s Boir Potsdam bis Berlin geschrieben." Deov dieseS SvruchS der edlen Sieben Sind alle Beide doch geblieben, , Wie^ehi das zu? Da« höret an: ' " Tie.striegediornmeie scholl von hüben rurd drüben . IN .'?an«'e blieb der Edelmann- Der Jude ist in der Schlacht g«eblieben. Tie Zllden in FtUIllailÜ.) Mau schreibt UNS aus Hel sing ,forS vom 1;">, d. M.: Die in Finnland lebenden Juden gehen -nac> der Ernennung des-BaronS Dehn zum StaatSscerelär süe Fiunlai:.' einer b.fsercu Zukunft entgegen. Wie ~ wir uänilich aus zuverlässige: