Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 155 (21.3.1895)
- Date
- 1895-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441609--1872-4888294- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
< Nr. 155 .freies Statt. reit.' 3 'Kiele ■ nemtt, bereit Wiege an den Ufern der Moldau gestanden. Und ^ie stenographischen Protokolle der ReichSrathSverhaiidliuigen mit ihren stereotypen Bemerkungen: .Beifall bei den Jnngischeche» und Anti' ümiteii" sind sie nicht auch Belege für die Cöalilio» dieser Fraeiioncn'? ^u iviederholkennialen wurde schon im „«freien Blatte" daraus i»,gewiesen, welche Umstände die Entwilklnng des junglschechischeii Anti keinitiSinnS einerseits gefördert, andererseits dazu beigetragen hoben, wohren Tendenzen der Herren Baschaty, Boro und Eonsorle» zu veiichleiern und sie als Rational-Liberale von reinstem 'Wasser er Mieiiieii 51t lassen, während sie doch nur die (Geschäfte der Reaclion . ioigen. Ter zur Schau getragene Haß gegen den nicht nationalen '-Großgrundbesitz und gegen den Adel überhaupt entspringt ebensowenig n.iheiilichen Motive» als der im nltranationaleii Gewände betriebene :o:r»)tchastliche Boyeolt gegen jüdilche und deutsche Ges.chüftSlente, welch letztere Begriffe sich ans dein flachen Vande in de» tschechische» BbieiStheilen Böhmens häufig decken, RalionaliSmuS — Antisemi ..„I»S, eS ist das alte Schaukelspiel dieser Sone von BolkSbeglückern, d.e »ach Bedarf b'ald die eine, bald die andere Walze einlegen und -ch immer nur öin' ^jed spielen: Freiheit, die i ch meine. für daS Verhalte» ber Jnnglschechen' besonders charakteristisch ist .: üicbe deS ReichSrathS- und t.'andtagsabgeord»eten Earl Adamek, u'.ldie dieser am 15. Februar beim Eapilel Unterrichts- und Bit -ungSwesen" im Prager Landtage hielt und deren Thema die vom deutschen Schulverein subventionirlen israelitischen BolkSschulen bildeten. rlicbc gipfelte in dem Schlußpassus: „In unserem harte» ppliti l;ii und nationalen Existenzkämpfe kann uns die Stellungnahme der -ttden Nicht gleichgiltig sein; denn eS ist nothwendig, zu erwägen, .st die Judeüfrage in Böhmen neben der wirthschafilichen und socialen r-:iie auch eine nationale Seite hat. 'Wir sind keine Ankisemileii: >hl niit Drohungen, aber auch nicht durch Schmeicheleien wollen wir Juden ans unsere Seite ziehen. Aber wer wird eS uns verübeln, :;n wir im Kampfe für die Zukunft unseres BolkeS unS z» der -:evrie bekennen: Wer nicht mit uiiS ist, ist wider nnS! Und wird!-:,:al auch bei uns der Antisemitismus'sich rege», dann ist.es nicht -i'ae Schuld, sondern das Product der Unvorsichtigkeit und politi -,l>e» Harzsichtigkeit der- Jude» selbst." Das nennt Herr Adamek keine Srohnng! Und was soll eö bedeuten, wenn er so lhut, als ob der .'lütisemitismus in tschechischen Kreisen sich noch gar nicht geregt hatte? Bemerkenswerth sind auch die statistischen Daten, die Adamei i»S ''ressen führte, um die Gefährlichkeit der von Inden erhaltenen ..»Ischen BolkSschulen für den nationalen Geist im tschechischen Bolke orznleqen. „"In den tschechischen Bezirken," sagte er, „in welchen di: ,'>»den deutsche Schulen erhalten, beläuft sich die jüdische Bevölkerung iin 1-MUK) Personen, von welchen sich ein Viertel znr deutsche» UmingSiprache bekennt. Diese Inden erhalten häufig ganz unzureichende aclaisige Schulen dort, wo schon zwei- und mehrclassige tschechische : .'ItSschnleii bestehen. In tschechischen Bezirken bestehen kssl jüdische '.utiche Schulen inst einer Gesammtfreguen; von ^-U» Schüler», .'von ans die deutschen, der Mehrzahl nach dem jüdische» Glauben --gehörigen Kinder 1-100, ans die tschechischen Kinder 1-111,1 Beincher ..Ballen." WaS beweisen die von Adamek angeführten Zjssern'? Tie -diichen Schulen werde» auch von christlichen Kindern besucht, was .miß-nicht geschehen würde, wenn sie,' wie Adamek behauptet, ganz »»zureichend wären; sie werden auch vou tschechischen Kindern sehr uisgiebig freguentirt und entsprechen also nur einem thatsächlich vor rndene» Bedürfnisse »ach einem Unterricht in deutscher Sprache, wo in solcher von staatS-* ober stadtmegen nicht geboten wird. Kurz und gut, diese Schulen bilden ein nützliches Glied in der Kette der BoltSerziehiiiig und sind am aller-wenigsten geeignet, antisemitische Regungen zu erwecken. Die verschämte jungtschechische Antisemiterei ist n ihrer Argumentation nicht glücklicher als die unverschämte oftmärkische. Von Allen, die mehr oder minder laut Hepp! Hepp! rufen, Mit der Spruch: Gleiche Brüder, gleiche Kappen! m. m. stand im Ministerrathe zur Sprache zu bringen. >1» der -p-.inciv-.--. Ansschließnng der Juden bei der Bc-w-.lmng um Si.,»rsän::e.. 'st.-.z. eine Verletzung der' SlaakSgrnndgeietze-, welche a»ch ^1.-'Miniss.-r!- schwqren haben. Er bat um die E>lanbniß in' Bezug .an die vorher .erwähnte EonenrSansschreih-.ing im- Hau''. Jnu-.x. liatc.-n. eiuzubringeii. Minister stcitler v. .»aworsk: .ittlii:?, i.'ch ni-.hr r'n crinner», daß ihm vom Club ei» diretier die Frage fei Auöschließultg von Inden bei Besatzung .von re Sl llen im Ministerrathe zur Sprache zu bringe», geg-.b. ■\ U’iV . *:i i-i. und siigle bei, daß diese Frage bisher im Miniitciro:!: r' l’iJ'.t i ,;.»!:vt -willde Abgeordneter Tr. Bnk constaline, daß es ntii .i.,r - > »ich: nm eine» direeten Auftrag seiteno"d'L B-ancliir-: - '• : :. .- 'evr-ii n um eine bloße Anregung zur Festst-.-llnng d c '>^11!. gegenüber dk'esein staatogrnndgesetzlich gewäb.!,- '! f f i.'it kaleS Cliibmitglied meiiile, es enii'üliie stch >. tlltw ' ' L! »An!- in diesen Fall der Verletzung der StaaiSgri - - -.! uwi-.'ll.e Ter Club habe an dem <''eda»!e» d-.r An: gl: » UNS ' - . .-' -! > .Bk.-?as stkhk »IIS gar nichts im!> In einer derlchten Sitzungen polnischen ReichsrathsclnbS brachte Abgeordneter Dr. Bloch die -> der „Wiener Zeitung" vom 7. Februar d^J. enthaltene EoncnrS »sichreibung wegen Besetzung der Stelle eines SnlinenarzteS in Hall- -laii zur Sprache und lenkte die Aufmerksamkeit darauf, daß dieser Konkurs von den Bewerbern nebst anderen 'Nachweisen die Beibringuneg -eS Taufscheines fordert, worin eine Verletzung der Staatsgrundgesetze gelegen sei. Dr. Bloch verwies ' darauf, daß sich der Club vor ungefähr einem Jahre schon mit der Frage der Zurückweisung der Juden bei Bewerbung von StaatSämtern beschäftigt habe und daß die Milglieder der Regierung damals ersucht wurde», diesen Gegensich nur »m galizische-Angelegenheiten zn kümmcv:' in Fällen, die l^alizien nicht letretfeii, d» -.1 > v - Hauses, wo es ihnen nöihig -erscheine. d>e Sr--!.». '■>' theidigen Dagegen fanbett sieh durch die'.- B.'rg,':-.; - : Abgeordneten D r -K r 0 » a iv e kt er, P e e n - .. bewogen, an de» Finauzminister Tr. v. Bi-u-r a-vbaiiminister ("raffn F atte >1 h a 11» sc-lglNd.- Fu-.-.veil raut Amlsblaiie-' zur „Wien c .',ei!-.n-.g" -.-.-IN -1 ,v ..!- wurde von der I t Sal!r>e»r>ei:-.-.-r!cur,i in »äa'uü - *• s, :. k. k. Finanzministeriums, 3 I'-'I" Is>.'.. . : Arztes für den Enrbezjit genwü?.-<> >„>- k--->>.'e!he» - -1 -.-.-u'.u. des t I. Finanziliimslerinnls. ,i ISiv-!: StamS ausgeschrieben. Vmu kecu-ll-.-u Am:-.-!--l.n:>---. : i; . t» - regierung in Mauitc» eine ploc i o::-'>tv Fe.srna.ri.ue V-. der volllllche» Beiiralinug i» .»i ärineu .tu..--v-n. ,V‘- 1-iausdrücklich verlangt, dag Beneiv-e nt,.- f i \ t' Tani'cheiiie;u belege» baden, und u .-ii.-n -ain:i'? 1 >!-. i v feision. iowie eo»'eiiieue-wS geborene unk!ing»-ia.:>i g ' u l-iv £■ der Bewerbung uni .diele SreUe-n .rusge'chlosscn. .-.'i>'chs -ir.-r-r.: grmidgesetzcS vom Z-eeember l»l7, :>i Bi. t Ii.’, Minf ,, alte SlaalSbiirgrr gleilli": »ach Arlitet I l deou-il-eu "b-she in -bürgerlichen »»d poliriichen Keäne von kein :t>eligieu.--l.-si-!'i!!',> und »ach Arrikel -'> ir. ..sind die eneiirlicho»' i-in-r ---r gleich zugänglich". Tie >>->e>erligleu stelle» daher au '!•' V '; Fiiiauze» und des Ackerbaues folgende frage»' I 'B- .. -,-u - Ausschließung eoufessiouSloser/tnäugei^-ler »ud i>-. hl,e: i den genannten öüenrlichen Armrer» zu eeU i-enigeu ' :»> . diese EoircurSauSschreibungen alS ge-.-vwidiige zu aun.S:- -SraalSgnlnkgefetzen eni>vreche»de z» verlaurbaren - :>-e:t..'r kielelbe» foläieu BorkomMmsse» für die .->»!>-.»'! lu rzub : Tie dlrcgierung konnte sich selbstverständlich ans den .Sta'irdvnlikt: „Taö geht »ns gar nichts an!" lischt' stelle», und d-r Finanzminister beantworlete mit einer bei uns setlene» stcaichls.il d'-e vovanstebende Fnterpellatio» im Einvernehmen mit dem Aclerbauiiiuiister r.il », d.rß diese Berlantbaz » n g L n in dem Sinne werde» ge.,»de.-! »»: ne» publicirt werden, daß »eben de» iü'.igeu ".aaaik-.r'.i.'n-.'nach weisen im Allgemcinen der Allersnachweis. re» de» st'.-we-.h.!-.! verlaiigi werde» wird. Ten Anforderunge'» der Rechlsgleiehb.eitwild tomit im vorliegenden Falle, wenigstens in-kormeller Hiusichi. n.istu>ag!ich stceeh nung getragen werden. - lWik viel Vclircritcllcn' jiiiv in Wicu linürinit V B.» »’.m Freunde unseres Blattes erhalte» wir folgend.- ’i>-^ Br» a»:i semjsischer Seile wird fortgesetzt die schon melirmal-- »ud-.-rl-.g!-.- '.'»ge verbreitet, daß die Csemeindeverwalinilg die 'ossenen '.'.-'»eist-llen- -al».e lang absichtlich nicht besehe, »>» ans d-c-'e Weise Ei'varii-.iae» im Gemeindehaushalle zu erzielen zum Rachlheile d-: Veh'.er'chasx Im „Freien Blau" wurde bereits darauf kingewiese». daß solche. Ersparungen in Folge Richtbeietziing von B-Hre»stellen ' gesetzmäßig d:r Wiener und der niederösterreichische» Landes-Vehrerpensionscassa zu, geführt werden innssen. und daraus ergibt sich ja, daß eine Bertürzninz' der Lehrerschaft anS solchem Anlässe niemals eiiuu-iei: tan» Taß die antisemitischen Angabe» grundfalsch sind, ergibt sich aus der Tha-tiache, daß gegenwärtig i» Wien nur zwcj, Vol:vciftcltcn! nnbeietzl uiib, und auch nur darum, weil diese zwei Vehrerstelleu in Folge der.Beranderung im Status einer Schule überhaupt aufgelasseuwkrd.-u. Fch will dieean der Hand der amtlichen Ziifern beweisen. In Wien .und folgende ^ehrerstelleu systemisirl: 77 Direcloren, 1 •'» Ctcrlibver, 011 Bürgerschullehrer, 1403 Veljrcr und 500 Utiterlclnev. Hievon waren Ende des Jahres 1*0-1 besetzt: Direelore»!'>5, Oberlehrer-l»7'.