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Freies Blatt · 1895-03-21 · 155 (21.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
155 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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feite Frei», Irnn.-n. time* nntciliegt jedoch feinem Zweifel: in der Frage der Belv.:;fl»ng i'.i oui'cit uiUB der Bauer der Intelligenz als Beispiel Nonen; der Bauer fennt den Aiiiiiemitismiis nicht, für ihn gibt es rn.'der Judoi noch (Mniften, er siebt überall den Menschen. Es ist >1 .-ivijj wünicti-.-usweril!. jedes ichadliche Element ans dem landwirth- 'd'.i»rl:cf(cn Vil’cn des Reiches zu entfernen, aber es liegen feine Gründe rar, dieses icliadlielie Element gerade in de» Jude» zu erblicken " Diese Aeiißeiung charafteriurl die gegenwärtige Lage der Inden in Nußland am nejtürf'.Ken. Nicht daß die trolitif der russischen Negierung in B.zug aui die Ariden uuier Veieolaus 11. eine andere geworden wäre; aber mau bat antgebcri, die Inden um jede» Preis als schädliches Eiemen: z» betrachten lind darin liegt vorderhand die Besieruug der Vage der Juden. welche seit der Tbronbesteigllug fleicolaus' II. eingetreteu ist, und diese Besserung äußert sich bereits in vielen Thatiäch-n. Ivelche rerzeiämet zu werden verdienen Oil erster 'treibe sieben die Berordunugeu des Ackerbaumiilisteriuius l-.:-. J-.-iid die -jüdischen Ackerbaueolonien und die aus dem Militärver.-anke enttaneneu jüdijcheu Soldaten, welche in voriger Woche ver tambart werten sind. Wenn t^ebeimrakb Jermolow sagte, '„es liegen teure "'rüt'd.' vor, gerade in den Inden ei» schädliches Element zu o.t>o ,si dieses <s'esieiud»iß doppelt werthvoll, weil es aus dem Bin ade e-nes Mannes kommt, der daS ökonomische Lebe» Rußlands durch und durch kenn:, der sii zahlreichen werlhvolleu Werken diese Kemuniß glänzend zum »Ausdrucke brachte Tie verrosteten Werkzeuge ans der stciii.-r-e.tamnier der Perleuuider der jüdischen Ackerbaueolonien ui üii.ßtand rer'agren angesichts der genauen Sachkeunluiß Jermolow's ibre Wirkung rcllig. so Las; die von den notorischen Berleumderii ur.gebettete ru'si'che N'e'eUichas! erst jetzt die Wahrheit über die jüdischen '.'i.terbauecloi-'eii .r'abieii bat, eine Wabrbcit, die dem nnbejangenen B'.-baeliter 'ri’en längst bekannt war. Tie Hauptanklage gegen die .üdt'ch-e::<Aeker baucolonien, welche die hiesigen Judenfeinde mit allerlei M:::etir'<obestand bekanntlich darin, daß die jüdischen Eolonisten 'ich angebuch dem Ackerbau persönlich seruhalte» und sich dem Handel '.ttwendeu >?'.! eimratb Jermolow machte nun all diesen Beschuldigungen im: 'einem schlage ein Ende, indem er die wirkliche Vage der Jude» i-it den Eoionieu in den Gouvernements Jekatcrinoslaw und Cherson ans Grund von etsieieUeu Tate» beleuchtete und sie, wen» mau sich 'o ausdrü: u darr', rstr J.-deriuauu handgreiflich machte. Aus diesen raten .laivt sich 'olgeuder Lachverball: Bor uugesäbr 4t> Jahren, unter Kaiier »N'reolauS I., wurden die jüdischen Ackerbaueolonien in den genannten Goiireruemeuls gegründet. TaS den Juden damals zngew.e'ei.e Areale betrug durchschnittlich 4 Tessjatinen per Person, wat'rend die christlichen Eolonisten fast doppelt so viel erhielten. Wie die os'ieieelen Taten coustaiiren, war die jüdische Bevölkerung bei tbrer Äusiet.ung :u den Eolonien nicht sehr groß, wuchs aber während der legren vier Tec-nnini fast aur das Biersache. Während aber die tiidt'clie Berolierui-g in den Eolonien 'im Zeitraum von 40 Jahren einen, solchen Zuwachs zu verzeichnen balle, wuchs das ihr zugewte'.ne Areal, wie der Bericht irersend bemerkt, nicht um Haaresbreite, 10 daß >.s nriti'öglich war,, alle arbeilsfäbigcn Eolgiristeii beim Ackerbau :u venveuden J:u >ta»wie ums Taieiu mußte» jene Colouisteii, welelie kein.!: Grind und Boden ballen, ihren Vebensunterhalt daher anßcrba.b l es Ackerbaues suchen, umsomehr als alle ihre Bitten an -die R gier, um Zuweisung von l^rund und Boden unerhört blieben, las ist d u:.ich genug, um den Austritt jüdischer Colonisten aus dem B.-.bavde . 'Alt.rbauer veUkouimen - begreifen und rechtfertigen zu tötinen un w:ü -'w-beimra:! oermolotu dieses den Juden zugefügte lln= .rät! wieder gm machen und den in Umlauf gefegten Beschuldigungen gegen die Eee.-iiisten die Stütze abbrechen. Einer Abordnung jüdischer Ee.enisten ans Jetaieriuoslaw- und Eherson, welche von Jeruiolow kürzlich in längerer Audienz -empfangen wurde, sagte der russische Aä.-.bannvntster, er tverde uunmebr trachten, alle berechtigte» Wünsche d.: Eolonisten zu eiüaien Und ehe noch die Deputation Zeit halte,!. H.-ttnatsdör'er zu erreichen, verfügte eine Beiordnung des .it-nitt'isterinins, den Löhne», Schwiegersöhne» «ud anderen Bor-' t > Eolonisten, welche in den Eolonien geboren und erzogen . » wckche aus Mangel an Areale gezwungen waren, dem a st.tä.n zu uInen, f^runli und Boden nach Maßgabe; -. . .: . Eoionistcu geltenden Bestimmungen zuzuweisen. Um .B : .: b" ti-.'s Mangels an Areale für di: Zukunft un- :a rl l : - .. gaumte Jermolow den jüdischen Eolonisten das 11 ch: : und Boden beim Aerar und bei Privatpersonen :'b Bw z.:ch-.:r :u l rien, d. h er räumte ihnen ein Recht ein, w..st... I um d:. rtiodoveu Eolonisten genossen haben. Aber "st: tun..'.:, --.'.molo-w '-ctieinr kür die Zähigkeit der Juden zuin A'.iw: vo b b 'oud -s sch!'..'wiegende Beweist zu besitzen, denn er Blatt. Nr. 155 ' hat, wie die officicllcn „Jekateriuoslawskija Wjedomosti" melde», den Beschluß gefaßt, in den jüdischen Ackerbaueolonien kandwirthschaftliche Schulen zu errichte», um den Heranwachsende» Colonisten moderne Kenntnisse der Landwirthschaft und der Agronomie beizubriuge». Dieser Beschluß spricht schon deshalb für die Fähigkeiten der russischen Juden zum Ackerbau, weil auch 9iieclaus I., der Begründer der Colonie», die Errichtung von landwirthschaftlichen Schulen in Aussicht stellte, falls er von der Fähigkeit der Jliden zum Ackerbau sich ilberzeuge» sollte. Jermolow hat bffenbar diese Ueberzeugung gewonnen. Ebenso gerecht und unbefangen handelte Jermolow den jüdischeri Soldaten gegenüber, welche dein russischeu Heeresverbande mehr als ■ ein Decennium angehört haben, ilkach einem kaiserlichen UkaS aus de, Negierungszeit ^NicolauS' I. wurden die jüdischen" Soldaten der bezeich treten Kategorie als gleichberechtigt mit der orthodoxen Bevölkeruus erklärt. Teilinach koimten sie sich überall im Reich» »iederlafsen, I Grund und Boden ankaufeu und pachten und alle anderen Unter irehinuugen leiten. Unter Alexander III. wurden jedoch diese Ber fügungen aufgehoben und augeorduet, daß jüdische Soldaten, welcl, den Militärverband verlasieu, in ihren „ursprünglichen Zustand", w: - der betreffende Utas sich ausdruckt, zu versetzen sind, d. h. in de. Zustand der Rechtlosigkeit. In Folge dieser Berfügung wurden, w. noch erinnerlich, viele Faniilien jüdischer Soldaten, die für ihr Batc> land geblutet, aus dein Inneren des Reiches in das sogenamf: jüdische t)kiederlasi»'ugSgebiet ausgewieseir und ihre durch Mühe m. Arbeit gegründeten Existenzen vernichtet. Unmittelbar »ach der Thro,. besteiguiig Kaiser RicolauS' 41. habe» jedoch viele der ausgewiesen.:- jüdischen Soldaten a» das Ackevbauministeriui» Petitionen gerichtet, „ welche» sie um Zuweisung von ärärischem Grund und Boden batvi, um sich dem Ackerbau, von dem sie bis zu ihrer Ausweisung gel.vi habe», neuerdings widmen z» können. Diese Wünsche der Peteni.'ii wurden nun kürzlich berücksichtigt, indem Jermolow vielen jüdisch-» Soldaten Grund und Boden im Taurischen Gouvernement zuweiien ließ. Man braucht also nicht ausgesprochener Philosemit zu sein, uni den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lasten; es genügt, wenn man einen ehrlichen und unbefangenen Charakter Tjat, und den besitzt <ve heimrath Jermolow. Toch die von uns angeführten Thatsachen bcr rechtigen noch Rieinanden, zu glauben, daß die Politik der Regieru::» RicolauS' II. bezüglich der Juden eine vollkommen gerechte und humaii.- geworden sei; sie sprechen nur dafür, daß unter s)kieolauS II. eine inenschlichere Behandlung der Juden nicht mehr als Berbreche» ° gilt wie zur Zeit weiland Alexanders III. Arp:u- ^Ullgtscbec1)isci?e 2lntisennterei. (Zuichrist an das „Freie Blatt".) Tas Märchen vom Liberalismus der Jungtschecheu, die irrt Reichs rathe stets dort zu finden sind, wo die antisemitische Clique ihr zer schlisteneS, beschmutztes Banner wehen läßt, wird selbst von dem naiv gläubigen Troß dieser »och vor Kurzem in weite» Kreisen Böhueens allmächtigen Partei nicht. mehr geglaubt. Auch das scheürbare Fest halten der Juugtschechen an dem allgemeinen Wahlrecht, als der letzten freiheitlichen Position, welche von ihnen noch vertheidigt wir... vermag über den Kern der Bewegung nicht zu täuschen, welche n» Jahre 1802 die bis dahin dominirenden Alttschechen hinwegfegte. I.e Jungtschechen sind einfach eine radieal-nationale Partei, deren Mst: glieder heute nur mehr das eine Streben haben, ihren politisch.n Bankerott so lange als möglich zu verheimlichen und die Mandate;» behaupten, durch welche die Fiction von der Anhängerschaft e s ganzen tschechischen sBolkes an den reichöräthlichen Juugtschechenelub vor aller Welt aufrechterhalten werden soll. Mehr noch als anderwärts berühren sich in Oesterreich die E: kreme. Wie oft schon haben die extremsten Deutschen und die wüthe: slen Tscheche» sich coalirt, um „Corruption", Liberalismus und Judenthiin: zu bekämpfen. Der einzige Wiener Bezirk, der sich des Daseins cina tschechischen Privatvolksschule rühmen kann und in welchem alle H.- :l in Bewegung gesetzt werden, dieselbe zu verstaatlichen, um uibi et ■ ■:,*i verkünden zu köirüen, Wien sei eine tschechische Stadt — di '.-r Bezirk wird durch die Carieatur einer germanische» Hüneugestalt u Reichsrathe vertreten, die lange genug für den Platzhalter des einmaligen „Ritters" von Rosenau galt. Und ob eS nur Germaueu gewesen sind, die in dein Nachbarbezirke dein einstigen inehrfacl: u BerwaltungSrath und jetzigen Capitalshaster v.- Pacher im Kann se um das Landtagsmandat zum Siege verhalfen, darüber gibt der Ain:skalender Auskunft, der in den Listen der unterschiedlichen Staats-, beamten, insbesondere aber der Post- und Telegxaphenbeainten, gar

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