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Freies Blatt · 1895-03-21 · 155 (21.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
155 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt Vlboiiitcmrittfiime. ii r Cfflcrrt id) .»itga rn : : 14.. VSrontn (fl. s.si» ':v.bri>i.3 -1ro»c» iR. l.s»; f ,> j | r 5,11 g t f o m m I c SI» »Ia » d: ■Thi.« Marl ' ,1-riii .3 Mark SO Pf. itiuicluc ülunniKrn i; Ir. . ftrte Ärikfr wribr» nicht niigcnniiimr» Organ zur ^lbwrbr des ^lutisemitisnius. Erscheint au jedem Sonntagc.!>iedactl0il »iit> 'Jldiiiiiiiftriitiivn: I Stiltrüiittt Id.' i iiiMt: werben mit -0 7 ,\r : fr ■ ' i»;-r mal grlxalirn« N»>-karr,tIr-,«i. Wrc'r ’. «i.-iwr . »nitii>T -aj li'ort i Ir.,. -.> ,it: i u »„enteil in unierrc■fcivii n vlmtonceiiburrm M. X u!<■ ->. iT tU',!.:.il, -. .1,» »»»er 1 Wien, " 1. itliirj 1895. j IV. Jahrgang. Die Toleranz in der ^clnile. '(^»schrill eine# Gymnasial ProiessorS-i — in;,.luü)rcn, 1». Mär; I>!'."> Tfv 2tatl()Qltcv in Böhmen, Graf Thun, hat bekanntlich nie (■ isthender des LandesschulralheS a» dir Direktionen der ittd i ,;.cn und Lehrerbildungsanstalten Böhmens Erlässe gerichtet, ,. uin‘ dcr Pslrgc drr Voijalität und dcS PatriotiSniliS sowie der i .iioiialen und religiösen Duldung gewidmet' sind: ei» dritter . rtaß bezieht sich auf daS Tragen von.Abzeichen in nationalen Aorbcii, ei» vierter auf Geld-' und andere Sammlungen, für welche keine Bewilligung crtheilt wird. , „Spät koiniiit ihr, aber mr kommt doch!" — kau» man bei dieser Gelegenheit sage», und ,e niüsscn fürwahr ganz nngeheuerlichc Dinge 'sein, welche den i f. Statthalter i« Böhmen zu diesen an Deutlichkeit nichts za . a übrig lassend:!, Mlüssta bestimmtiu. Mit ciner gcwissru > G.nnglhnnng niüsscn wir darauf Hinweisen, daß wir zu wicder- I Ueninalen die Unhallbarleit der derzeitigen Berhültnijse an den Miilelschnlen, und zwar nicht allein Böhmens, sondern ganz Oester- . . chs hervorhobcn, insbesondere in dem Punkte, der „die nationale religiöse Duldung" betrifft. Daß cs mit der „religiösen iMniij" in unsere» Tage» an so viele» öffentliche» Lehrauslalic» „ arg bestellt ist, dafür bedarf cd keiner besondere» Beweise. Ist >s doch eine »»leugbare Thaljachc, daß der Antisemitismus nicht aliein in die Halle»' dcr Universitäten, sonder» auch in die der Mittelschulen »ud Bolksschulc» cingezogc» ist und seine verderbliche - aal, mit oder ohne Bewilligung maßgebender Faelore», mit volle» Hände» tagtäglich anSstrcnt. Icr Erlaß deö Statthalters in Böhmen basirt zweifelsohne einem »mfangreichc» Substrat, das sich nicht auf de» einzigen »erelc» Fall beschränke» tau», daß in den Gesangsbücher» einer .'ch.chifchcn Millclschnlc daö Siaiserlied vcrnnglimpft wurde. Nein »rwahr, ans dem vulcanischen Boden Böhmens werde» Erlässe, ^oelche implicite schwerwiegende Anklage». enthalte», nicht im üllgemcinc» gegeben, wen» ein einziger, auch »och so gravirender Fall vorlicgt. Jedermann, dcr lese» kan», wird zugebe» müsse», >>ß die Erlässe des Stcztthalterö Grafen Thun Bescilignng von „rhandcncii Schäden fordern, welche geduldet oder veranlaßt zu aben in erster i'inie Schuld der Lehrerschaft selbst ist. Daß dieser Schluß logisch richtig ist, steht außer allem Zweifel, geradeso wie : . traurige Thatsache nicht geleugnet werden kan», daß ein nicht -.edculeuder Theil der Lehrerschaft vom anliscmilische» Paroxysiuns d.'alten ist. Wir habe» z. B. i» Oesterreich Mittelschulproscssore», . als NeichSrathSabgeorducte gewählt, ihre» Wähler» offen de» ' -een- und Elassenhaß predigen. Geschuht durch die Immunität, 'künden diese Herren Lehren, die lebhaftes Echo in der heran , ..chsciideit hör- und lernbegierigen Jugend finden. Es mußte alle» - iiitelschulprofessoren bekannt sei», daß;. B. in dcr Jugend der ' : „Hie Arier! Hie Semit!" lhatsächlich seil viele» Jahren erschallt? „d nicht nur geduldet, sonder» von manche» Professoren sym rmihjsch begrüßt wird, die eine Befriedigung ihrer Eitelkeit darin st he», als ,^Urarier" vor der Majorität der Schüler zu glänze» und billige» Applaus für mehr oder minder güte Schulwihe. verdächtiger Art zu ernte». Wie es höchst mißlich ist, wen» ei» »lichter, ».<» „aiinalem oder religiösem Haß besmigen, seines Annes der Gerechirgleil wali.n soll, so ist es geradezu unvereinbar mit dem Amte des Whr einerseits dem wüste» Gegröle einer rgeenstolzersülllen Pöbelp.>.:ei mit Hanl und Haaren verfalle» zu sein und andererseits in dem heiligen Raum der Schule ,das Evangelium der allgiincin,n. Menschenliebe zu verkünde». Wohl bestehen ' wenigstens aufdem . Papier — gewisse ininisterielte Persügnngen, welche es den „Vilir individncn" verbitte», sich im politische» Lebe» bemerkbar z» machen. Diese Berfüguiigen finden aber eine merkwürdige Jnlevprelati»». In politischen und Fachtreisen erinnert man sich noch des Falles, daß ei» Gymnasial Professor deshalb pcnsionirl wurde, weil der selbe gegen die dcstrnelivcn Tentienzcii Schöncrer's. und seiner Eo» sorten in Wort und Schrift Protest erhob, loährcnd man ii»tu semitischen Professoren und Lehrern gegenüber lroy ihres pronoil cirlestcn politischen Hervorlhuns milde 9iachsichl im vollsten Maße walten ließ, ja sie sogar mit Würden und Aemleru überhäuile Mußte ein solches „Wägen und Wiegen" nicht geradezu die Lehrer schüft bestiiiimeu, sich „der Opposition anznschließe». um zu Ehren und Würde» zu gelangen"? Sollen die Berfngniige» der Prager Slallhallttei, die im Grunde geiiommc» für gmiz Oesterreich Gellnng haben sollie», in ihrem reale» Sinne erfaßt und verwirklicht werde», dann beißt es in erster Linie, einen großen Theil der Lehrerschaft ans die richtigen Bahnen weise». Die k. k. Schnlinspeeloren, die sonst jedes sealende „J"-Tüpfelllw» in einer Eorreetur gewissenhaft registriren, sollten vor Allem darauf sehen, daß die Lehrerschaft, nnbefangeii. vom religiöse» und iialionalcn Haß, ihres Amtes walte. Es ist vor Allem nolhwcndig, daß der böse Geist, von dem ei» großer Tycil der Lehrerschaft derzeit erfüllt ist, gebannt werde. Die Bildung ist ein relativer Begriff. Auch die Anlisemilen, welche offen Mord und Todschlag als Heilmillel der derzeitigen volkswirthschaftlichen Mißlichkeilen onln nt nrli'j verkünden, maßen sich das Evitlze't „ge bildet" a». Die wahre Bsichnng fußt jedoch ani ethischer Esi-und läge, auf de»' ewige», wenn' auch »ngeschriebenen Gesepe» der Hnmanität. Lehrer, Hüter und Wächter der Humanität solle» und müssen vor Allem die Lehrer sei». Sind sie es, da.»» lind Statt hallereiceläfse eigentlich überflüssig. Ü. I\. 1J. Unter Hicolau* II. (Original - Minlieilung des „Aveum Blattes" > p e l e r S t> u rg, Mille Btae;. Es conrsirt in Petersburg eine bedenlsamc Aeußerniig, die sier rnssischc Ackerbau und Sonlänciiniinisler, .Geheimralh Jermotow, kürzlich gctba» habe» soll. Auf dem in. dcr ru'sischcn Hauptftadi gegenwärtig tagenden LandwirlhschaftSeougrcsie, dem Geheinirath Jcriiiotow präsidirte, 'sott ein Mitglied dcS EongrcsseS, ein Gntsbcsihcr aus Saratow, den Borschlag gcinachl habe», Jude» von jedweder Theitnabmc an dcr Perniitttuiig beim Kanfc und Bcrkanfc von landwirlhschaftlichen Produele» aus zuschlicßc». Jcrinolow soll dicic» Vorschlag mit folgenden Worte» parirt habe» : „Seit Jahren wird bei rvis in Rußland die Annäherung der Intelligenz an daS Bolk ’ gepredigt; seit Jahren wird uns die Scelcnrcinhcit dcr russischen Bancr» vorgchalicn, und doch wähnen wir, dcr Bauer müsse anders werde», um u»S atS Muster gelten zu

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