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Freies Blatt · 1895-03-17 · 154 (17.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
154 (17.3.1895)
Date
1895-03-17
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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feite s. .•freies Blatt. Nr. 154. i'Jiidit bester als Die Hrltapostel.» Das in Mnlhei in bei Röln er- .k-cuiendc ..Afraclitifche Gemeindeblatt" schreibt in einer Beiprechniig der letzten .'.int'entiti'iben i'eriammlimgen in Berlin: „»Interessant war uns das Geständnis, Mi: die .Staatsbürger Zeitung' in der Thal Smtottceti von Jubelt gern ani.unmt Wilberg rccht'ertigt diese Art, daß es gut und gerecht sei, den Anden ,'as Geld adziinebincn, da — inan köre die Moral — die antisemitischen Leser doch nicht beim Anden lausen wetden. Daran glauben wir freilich nicht, denn o weit ntt'ere Erfahrung reicht, kauten sogar die antisemitischen Parteigrößen bei Aucen, wenn fie da die Waaren etwas billiger bekoinineu. lieber die Ebarakterlongkeit einer Zeitung sich zu wundern, die im redactionelle» The>> d:e Parole: .alantt ntcht bei Anden! ansgibt, um im Anieratentheil für jüdische t-i.'Laste Reelame }it machen — daS wäre naiv: wozu ist denn ein Blatt antiemiii>ch, wenn es nicht cbaiakterlos sein durfte? Wohl aber meinen wir, wenn ein Jude io wenig Ebrgesühl besitzt, um eines Bortbeiles wegen in einer anti- 'eniüi'cheit Zeitung zu inferiren, so verdient er es nicht, von den Antisemiten e.ebaßt z» werden — das ist wahrlich keine Schande — sondern von diesen Ebienmaniiern — geliebt zu werden. Diese elenden Geldprotzen, die ihren Ber dienst bober als die Ehre ihrerEj^iammtdeit stellen, sind nicht besser alS die vor temmener, tArtzavostel. und sie schaden dem Andenthum mehr, als es seine erbailersten Aeinde >e vermögen. ' ^lu5 antisemitischen Blättern. - Anliskmilischcr GDklmiltd. - Man schreibt uns: Dieser Tage ging ein Hilferuf durch die Td.,esp:ene. Die Wiener Freiwillige Rettnngsgesellscbaft, ein <;mitiit, das wobl 'Rieuank tnebr missen möchte und dessen Wirken von jedem . ernrilieitSla'e» Men-chen als ein nberjus segensreiches anerkannt ist, schwebe i" cfie-ahr imd ,bcd::r'e nun selbst der Rettung, die sie >o vielen tausenden llnlieben iah: ans takrein, bei Tag und Rächt augedeihen läßt. Die Wiener 1.-:willige R-':::::gsge-eU-chaft, geboren am Tage nach dem großen Unglück, das am -?eeeinP?r 1>S1 uniere Stadt betroffen, ist ein mnstergiltiges Jnstitut. Zar.reiche österreichische und ausländische Ztädte haben nach ihrem Borbilde ähu i we Eiurichtuiigeu geschaffen, und nichts war natürlicher, als daß die Burger ..u.. ebne Unterschied der ParteisteUung sich zusammenschaaren wurden, um den Ac::! enand dieser wohltbätigsten und iiothwendigften unter unseren ösientlichen E>»! ichtnngen init vereinten Rcsinen zu sichern: und dies umsomehr, als die Are,willige RetiniigsgeseUschaft ja Ausgaben auf sich genommen hat, für die sonst Siaat. Land und Gemeinde auskommeu müßten, ivodurch wieder die Diener :raa-r bei angezogen würden. Doch was geschieht statt dessen? Man erinnert nch, wie tedesmal. io oft e« sich im Wiener Gemeinderatbe um die gering genug bemessene Subventiontrung diese« Institutes handelte, die gemeinsten Schmähungen und Betchimvfungen seitens der Antisemiten zu hören waren. Dte können ia nicht« unbegeifert lassen, und sei kS auch noch!o gut. E« könnte am Ende gar ein Jude sein Geld dazu hergegeben haben oder, was noch «chtimnier wäre, die RettnngsgeseUschast könnte einmal unter hundert Fällen auch einem Juden einen menschlichen Liebesdienst örweisen, das darf koch nicht ge'cheben in 'Wien! Die Rrone aber hat das „Deutsche Bolksblatt" vor wenigen Tagen diesem widerlichen Treiben aufgesetzt. Auf den Hilferuf der RettungSgesell'cha't fand sich ein Mitbürger, welcher sich sofort bereit erklärte, l'Mi fl. für die Hil'saction beizt,steuern. Das ist doch lobenswerth und sollte zur Racheiferung anipornen Aber was thnt daS Blatt des Ehrenbürgers von Mühldorf? ES beschimp't den Mann, weil — nun weil seine Mutter eine Jüdin war, iveil er Mandl beißt! Das ist doch edelmutbig! Statt sich an •eine eignen Gennnuiigsgenossen zu wenden und sie aufzufordern, sich nicht auch bei diesem Hilssiverk von de» Juden den Rang ablanfen zu lassen, fällt die'eS Blau über den Mann ber, der sich unterfing, mit seinem Gelde ein riebeswerk unterstütze»'zu wollen, das die Herren Aukisemiten zu verunglimpfen relieben. Ter Prinz Liechtenstein und mancher andere antisemitische Parteicidn.'ssd verfügt ja auch über irdischen Reichthum. Wo bleiben die Herren und irre clet'idalen Berbündeten, die größten Grundbesitzer in Oesterreich, wenn es . >!t, z:i helfen r Vergebens suchen wir unter den Rothhelsern der Rettunzsgeiellschaft r' Ramdtt. Aber wenn tiefe Sipvt'chaft schon die eigene 'Ta che znhätt, so ’- Ute fie nenigfiens nicht hindern, daß Andere sie aufmachen. lind es ist leider i.t be'u'.chten, daß solche niedrige Ängrisse Biele abhalten, das gute Beispiel itachzn . Tenn wer will sich noch öffentlich beschimpfen lassl» dafür, daß er sein Wo dlcibl Sviller?, In der „ReichSvo st" finden wir eine 'orgsältige U.-,:fi.Uiii'.g jener tüdi'chen Familiennamen, die am häufigsten Vorkommen. : Rosendu't:c. werden nach einander aufgezählt. Wir ver :.ur ' Rainen Svitzer, welche» fo viele jüdische Familien führen. i : . •> Breslau zugereiste , Macher" des christlich-socialen Blattes diesen . . .. : aalen, oder ist er ihi» blos entfallen? — -I. Was soll Das heiße»?- linier die'em Titel schreibt die „Reichspost" : - ,2: :•••:: E'laß : s t I randesfchulraibes in Prag' an die Tirertoren w dc.fa-'ii - .-chuietr rriangeit, nach welchem dieselben.beauftragt werden, S.1 : eru tttri a c l - >i i'i i: t e i it auf fie nationale u n d religiöse Toleranz zu dringen. Was soll da« heißen?" Wa« das heißen soll? Daß sich die LandeSschulbehörde durch die nationale» und religiöse» Berhetzuugen gewisser Leute gezwungen sieht, sich der Fundamentglsätze des LtaatSgrundgeseve« und deSethischen Berufes der Schule zu erinnern. Dieses „Was soll das heißen?" spricht aber Bände. Der k. k. Landesschulrath in Prag fürchtet sich nicht vor Ahne», Herr Spitzer-Weimar, wenn Sie sich auch in die Löwenhaut'hüllen und ihn anbrüllen: „Was soll das heißen'?" (stlkiN-Barnum.) Unserem Freunde Pfeil »er, der NN» allvierteljährlich de» Abonnemeutrschein aus seineu „BolkSsreund" mit einer „schönen Empfehlung" aufs Bureau schickt, muß es schlecht gehe», sehr schlecht; seine Gesinnung reicht nicht mehr hin, um ihn auskömmlich zu ernähre», und der arme Mann, der einen unüberwindlichen.Abscheu gegen, „.jüdische" Geschästsprazis und „Mische" Gefchäftsknisse hegt, sieht sich in die traurige Lage versetzt, eine wahrba". barnnmartige Reclame für sein Blättchen und seine diversen Schriften — adv und wa§ für Schriften sind da« — zu entfalten. Reine christlich-sociale Be. sammlung vergeht, .ohne daß nicht einer oder der andere Streiter gegen „Jude::, Liberale und Freimauer" für Psenner und sei» Blättchen „ficht". Ter „Volks freund" empfiehlt in jeder Rümmer zehnmal, am Ropfe, i» der Mitte, im Briefkasten, im Inserate»!heil sich selbst und die „ausgezeichneten" Schriften des Herr» Dr. Psenner. Tie sensationellsten Titel , werden zu diesem Zwecke gewählt. So lese» wir. in der letzten Nummer des Psenner'sche» Blättchens mit großen, fetten Buchstaben als Titel eines EntrefiletS die Worte: „Dlc vielen Selbst-, Doppelselbstuntz Raubmorde", und was glaubt man, kommt dann? „Tie vielen Selbst-, Toppelselbst und Raubmorde zeigen, wie nothwendig eine Reform unseres Schulwesens und. unserer Sittenpolizei ist. Tie beiden Schriften vön Tr. L. Psenner, .Die Schulreform' (Preis 2-' t\ rind Porto> und .Tie sittliche Reform' (Preis 15 kr. und Porto), beide im Selbstverläge de« Verfassers, Wien, 8 Bezirk, Buchfeldgasse 8 (bereits i:: sechster Auslage erschienen) beleuchten in außerordentlich klarer und ilbv zeugender Weise die furchtbaren, verderblichen Folgen der entchristlichten Sä-:::; und der daraus folgenden Entsiitlichung. An unserer Zeit kann die eisiigsi - Verbreitung dieser beiden Broschüren nicht genug empfohlen werden" u. >'. :: ' O l du Million du, Herr Tr. Psenner, Herr Tr. Psenner, das nennt man ,. i echt jüdische Reclame, was Sie da treiben; wenn das so fort geht, lesen ivw : demnächst in Ahrem Blatte folgende Ankündigung:!!! Sensationell!!! Lesen Sie;ttr Erkaltung öftrer <Kelundkeit teil österreichischen =*§= Volksfreund. —v*- Einzig unfehlbare» Mittel gegen Melanchstie. Hilft in allen, selbst den trübseligsten Lebenslagen — znm Lache» Wird mit einer schönen Empfehlung d e S Herrn J»iv P, enner ine Haus gestellt. ,D>c lrütt russische Anleihe und die Aulisemikkn.) Tie russische Re gierung hat er sich mit den deutsche» Antisemiten gründlich vetdorben.' Tie Zeit, in welcher die Christlich-Socialen und, Antisemiten Teutschlands und Oesterreichs voll Bewunderung auf Rußland und die daselbst inscenirten Anden Verfolgungen blickte», ist vorüber, und die Antisemiten Deutschland« schütten d:c Schale ihrer Zornes ipeciell auf den Ftnanzminister W i t t.e auS. Allerdings hat Herr Witte durch seine Berhelichniig mit einer Aitdin viel getha», um st.k> den Grimm aller derjenigen zuznziehen, welche der unverfälschten Racenlhecrie huldigen. Runmehr werden die wirthschastlichen Verhältnisse Rußlands als äußerst ungünstig, ja gefahrdrohend bezeichnet, und das deutsche Publicum ivird dringend vor Capitalsanlagen in russischen Werthen geivarnt. Ein antiseimii scher Winkelblättchen Rordböhtnens repioducirt in einer seiner letzten Nummern ans dem Berliner „F r c i - D c n t s ch l a » d" einen Artikel, in welchem . m Herr A. R W-e b e r - S o'l a n o die letzte russifche Anleihe bespricht, die de kanntlich in Deutschland mit äußerst günstigem Erfolge begeben wordekt ist. Tn Anleihe wurde mit Hilfe einer FinanzconsortiumS auf den Markt gebraä-t, und unter Autor hat die epochemachende Entdeckung aufztiweise», daß die 'Mitglieder dieses Eonsorliums zum großen Theile der jüdischen Consefsion angehören. Run wird natürlich ei» großer Schauerioman erzählt, wie die v t< sinanz diese Anleihe dem vertrauensseligen deutschen Michel zu unerhört Iv.ui Eoursen angehaiigt habe, wie die Hochfinanz längst auSvetkaust habe und »t Alle« für die Baisse vorbereite; dazu müsse aber vor Allem das Publicn::' in günstiger Haussestintmnng erhalten und die Course hinaufgetriebe» werden, i-i ist natürlich nicht recht einzusehen, wozu die Hochsinauz noch die hohen Co'-ue und die Hausse braucht, wenn sie längst ausverkaust hat: man sollte viel, .-br meinen, daß sie den EonrSstnrz nicht erwarten könne und durch ihre M -bi-? 1

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