Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 154 (17.3.1895)
- Date
- 1895-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. l.'-t. __ _^ .freies worb gesprochen, wobei sie versicherte, ihre Mutter '- babe eine Freundin in Galizien. eine Jüdin, die ihr i efuge st anden habe, daß die Juden Christen bin! l-rauchen. Als sie Dr. Gretschmancr niitlhcilte. daß sic dcn Juden Reiimann wegen dcS RitualmordcS aus die Probe stellen wolle, habe , i >- der D oct or ermahnt, vorsichtig zu sei», sonst könnte si- „Unannchmlichkcitcn" haben. Nichtsdestoweniger begab sich die ^ilnvab in die Leopoldstadt zu Ncumann. Jnlcrcssant ist eine Aussage e - SichcrhcitSwachmanncs AloiS Sattler, welche dieser bezüglich! , sis langes;u niachcn in der Lage war. Er sei am U>. Jänner; :i Uhr Nachmittags nächst der Brigitlabrückc einem Mädchen '. .>;>gnct, welches auf ihn zugctretcn sei und »ach der DcniSgaffc ge- . i:ugt babe. Der Wachmann gab der FranenSperfo» Bescheid, worauf : i;; ii)m auS eigener Initiative mitthcilte, sie wolle einen in dieser - ■W.-.MC ansässigen jüdischen G.inischtwaarcnhändlcr auf die Probe stellen, c er wirklich ei» Kind kaufen wolle, eine Frau habe ihr erzählt, '.r Mann brauche das Kind zum Schächten; sollte er darauf ein' so wSrdc sic sich das Kind ausborgcn, da sic selbst keines bc j aber gleich einen Detcclive mitnchmcn und dcn Mann arrctircn! men/ Weiters habe sic ihm angegeben: „Es würde mir eine ■ > ondcrc Freude m achcn und ich w ü r d c d c m . D e u t s ch e n > -olksblatt' einen schönen Artikel verschaffen." Der ' SichcrhcitSwachmann gab an, er habe die ganze Sache nicht ernst j u klm in c n und deshalb erst daun die Anzeige erstattet, als die - inngen sich des Falles bemächtigten. Im Laufe der weiteren polij : chcn Erhebungen wurde Magdalena Popp einvernommen, welche j Aiir.b der Prostituirten Thuma in Pflege hat. Sie gab au, daß; Jljinmi das Kostgeld schuldig blieb und dann ihr Kind zurück' j . :itf; da sic (Popp) aber befürchtete, die Thuma könnte ihr , .acnes Kind ermorden, habe sie cs ihr nicht auslicfern wollen. i ..raut'hin habe die Tyuma gesagt: „Umbringen möcht' ich's! : ch i,. aber verkaufen dem Grcisler Neumaiin/ der! . auchl Blut." Die Schwab sei dabei gewesen und habe gleich aus rufen: „Ja, ja, ich werde dcn Inden besuche», ich werde mich dabei dumm stellen." Die seither abgängige Thuma stellte in Abrede,! Ncuniann gesprochen zu haben, vielmehr habe die Schwab klärt, daß die Juden Blut brauchen »nd daß Neunianu dann bei :>>bfl. durch den Weiterverkauf des Blutes das Doppelte verdiene.! Zn in Schluffe bemerkt die Anklageschrift: „Da cs nicht auSgeschloffcn : ii, daß die bei der hiesigen Bevölkerung bestehende Animosität gegen die Juden durch solchcGcrüchtc nur och mehr gesteigert und da bei der geringe.»'Cu ltnr- - >: u f c eines großen T heiles der Bevölkerung Dcmon >:-. ati ifncii, ja feindselige Handlungen nur allzuleicht i anlaßt werden könnten, wird der Act zur Amtshandlung gm Katharina Schwab, Magdalena Popp und Magdalena Thuma ...ege» Ucbertrctung des 8 (Verbreitung beunruhigender Gerüchte) .getreten." Bei der am 8. d. M. stattgchabten Verhandlung gestand ' Schwab die ihr zur. Last gelegten Thaisachen zu, behauptete aber, habe sich überzeugen wollen, ob Neunianu das Kind kaufen werde; 'ie selbst Hütte im Vorhinein nicht daran geglaubt. Auf die Frage des Richters, warum sie dann trotzdem zu- Neuinann .i gangen fei, erwiderte die Angeklagte: Weil alle Frauen davon gSed't haben . . . und dann hat meine frühere Dienstj gcbcrin Frau Gretschmaher versichert, c S sei richtig mit dem Ritnalmord. Daß ich nicht daran glaube, ist ja klar; dadurch bewiesen, daß ich bei israelitischen Familien gedient habe, ja viel lieber als anderswo... ich diene auch jetzt wieder in einem israelitischen Hause. Der Richter constatirtc, daß er seit letzter Zeit siist täglich von der Angeklagten Briefe erhielt — den jüngsten erst! am 7. d. M. — in denen sic versicherte, an das Blutmärchen nicht zu glauben und für israelitische Familien besondere Verliebe zu haben. .'Inch bat sie darin-, daß ihre Verhandlung nicht in die Zeitung kämme, da sic jetzt bei einem israelitischen Toctor bcdicnstc't ist Sic ' selbst fügte mündlich bei, sie habe bezweckt, die Thuma, von der das Gerücht auSging, zu entlarven und wegen Verleumdung vor Gericht .zu bringen. Als Frau Grctfchmaycr ihr erzählte, es sei ein christl ichcs Mädchen in cincrKiste verkauft worden, babe si'e'S auch nicht geglaubt. Der Richter befragte hierauf die Schwab betreffs ihre« Gespräches mit dem SicherhcitSwachmann Sattler, worauf die Angeklagte erwiderte, dieser habe zu ihr gesagt: Der Jud' wird so gescheit, sein und sagen, er will'S -'{inb nur auf;ichen." Die Zwcitangcklagtc Popp bethencrtc an Allem, sei die Thuma schuld, die versichert habe, der Neumann gebe •'ioO fl. für ein Kind zum Schächten. Sie sei jetzt einfach durchgegangcn und habe ihr Kind / zurückgelaffen., Zeuge Nathan Neu mann erklärte der von Seite der Schwab ihm gegenüber gemachten 8 I a 11. rntc Aeußernng, sie habe ihn bloß auf die Psiobe stellen wolle», die St ö cf) i n sc: fein P o l i z ci o rg a n, e r müsse-'sich gegen eine solche Zu m nt hu ng verwahre». Wachmann Sattler bestritt, die chm von der Schwab, zugeschricbenc Aeußernng gemacht zu habe», wogegen die Angeklagte ihre Aussage aufrecht. erhielt. Tie Zeugin äiöchiu Anna Bogner gab an, Frau Reumann habe zu ihr geäußert: „Ich möcht' gleich I hr -ii i nd für ein Vicr >i rc uzcrst ü ckl kaufen" Di/es sei selbstverständlich ein Scher; gewesen, über den sic lachte. Ties habe die damals an--' wesende Thuma gehört und dann einen solchen Tratich daraus gemacht I'r. in-i. Franz-G re I i ch »Da i> e r. der gleich falls als Zeuge vorgeladen war, ist nicht erschienen, er entschuldigte sein A usb lci bcn mit Ert ra n l u ug a n Influenza. Der staatSanwaltfch'aftlichc Functionär hielt die Anklage aufrecht, da das Vorgehen der Angeklagten immerhin geeignet gewesen sei, Beunruhigung hervorzurufen.. Der Richter fällte jedoch gegen beide Angeklagte ei» preisprechen des Unheil, da der eine „öffentliche Verlautbarung" erfordere, im vorliegenden Falle aber nichts als ein Klatsch undTrarich u n r e r Frauenspersonen h,c r v o r g c r u f e n w o r d c u s e i, d e r e i n e B e u u r u - hi g u n g wohl nicht Hervorrufen tonnte.' — Tr F rcts ch in ancr lichtete an das „Wiener Tagblatt" ein Schreiben, in welchem er die Aeußernngen der Schwab, soweit sie sich ans seine und die Person seiner Gemahlin beziehen, als vollkonimeu '.inwahr und erlogen, bczcich'uctc. Katharina Schwab habe überhaupt erst unmittelbar vor ihrem Austritt ihm und seiner (Gemahlin ihr Vorhaben niit den Worten mitgctheilt: „Jetzt werde i d) ) e i n c» n e u e n Dien st annehmen, sondern einen GreiSler in d e r L c ö p o l d st ad t, welcher K i n d er ,u m Schächte» braucht, an zeigen." Er habe diese Aeußernng durchaus nicht ernst gcnoinmeii und nicht weiter beachtet und einzig bemerkt: „Machen Sie keine Düininheiken. Sie werden sich einer Vcrleumdungsklagc'aussctzcn und'eingesperrt werden!" Die Schwab'habe darauf erwidert: „Nein, er - Neu mannmuß ein gesperrt werden, und in alle Z ei l u ng e n " in n ß es ko in men.!" Dr. Gretichmaner legre dcn Worten der Schwab umso weniger Gewicht bei, als er an dem Mädchen wiederholt religiöse Eraltationszustündc beobachtete und auch von ihr gegen die Juden gerichtete Aeußernngen gehört hatte. Insbesondere hatte' sich das Mädchen stets lebhaft und gehässig über die Inden ausgesprochen, wenn cs aus dcn, von ihr eifrig gesuchten Missionspredigten kam. Dr. Gretschmaiicr versicherte schließlich, daß weder er noch seine ÖV nialin antisemitisch gesinnt seien. (Uiibcfugtc Pfaiidltil>grichiütt cinco nutiicmitiidicu Bezirks llllSschlliikS.) Ter Rcdacicur des Wochenblattes „Vereinte Kraft". Adolf Swoboda, machte in einem Berichte die Bcmerkuug, daß der Dttakringcr antisemitische BczirkSausfck>uß. Anton Krehon, ein Leder Händler, unbefugt eine Pfandlcihanstalt betreibe und armen Pfand, lcihern bis zu dreißig Pcrccnt Zinsen abuchme Krehon strengte eine Ehrcnbotcidigungsklagc an, welche am!•. d. 5Ji. vor dem Schwur gcrichtc zur Verhandlung kam. Adolf Sivoboda führte de» WahrhcitS beweis, und sechs Zeugen, die cinvcrnomineii wurden, bestätigte», daß chic Bemerkung, welche der Angeklagte gegen Krehon gemacht hatte, begründet sei. Der Privatklägcr konnte die von den Entlastungszeugen mitgcthcilten Thalsachen nicht leugnen: er gab zu, daß er an ärmere Leute Bedarfsartikel, seltener Geld leihe, allein er ihue: dies, wie er hinzufügte, nicht geschäftsmäßig, begehre nie ein Pfand und Zinsen, sondern nehme bloß ein ihm an gebotenes!) Pfand oder freiwillig l!) gewährte Vergütung an. 'Nach Schluß deS BcwciSvcrfahrcnS zog sich der Gerichtshof zur Beratbüng der Schuld fragen zurück. Allein nach Wiedereröffnung der Verhandlung erklärte der Vertreter deö Privatklügers, die Anklage zurückzuziehen,' worauf die Freisprechung Adolf Swoboda.'.» erfolgte. (Tcr Elirtllbtirgtr von Bkühldors. Eine Gruppe unserer braven Anticorruptionisten glaubt endlich auch' hier in Wien ein Panaminciulo entdeckt zu habe», nur schade, daß die vermeintliche Entdeckung nicht auf dem SalzgrieS oder in der Leopoldstadt, sondern in der „Linken Bahngaffe" gemacht worden. Franz Ar nascht, einst Mitarbeiter des ..Deutschen VolkSblattcs', nunmehr Hof- und Leibsntharker drS Schloß Herrn von Rofeiiau, erhebt gegen seinen ehemaligen Brotgeber V e r gani in der „Ostdeutschen Rundschau" vom II Äkärz in einer n c u n Spalten langen Anklageschrift dcn Vorwurf, derselbe babe in der Zeit, als er Bürgermeister von Mühldorf war, sich einer Gebahrung mit ihm von amtSwegcn anvcrtraulcn (Geldern befleißt, welche, wenn Arnoscht seine Anschuldigung zu beweise» imstande wäre, die Prophezeiung Jro'S verwirklichen könnte, daß eS uns einer be kannten Wiener Gaffe noch einmal fürchterlich znm Himmel stinken werde. Der Zweck der von den Schöncrcriancr» gegen Vcrgani er'