Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 153 (10.3.1895)
- Date
- 1895-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 153 Freie, eines Staates ober auch eines Gemeiiiweseiis ist. In "statistischen Ausweisen finden wir aber Ziffer», die ganz anders avssehen als die-" jenige», welche Vergani'S Organ ansmarschiren läßt. Diese Ziffern sind nicht erlogen oder willkürlich entstellt, sondern sie sind nnnnr.dtlbnr, weil amtlich beglaubigt. Das „Deutsche Volksblatt" hat verkündet, deß eS in Wie» durch die Einverleibung der Vororte, eine der schwersten Sünden der bösen liberalen, sehr traurig bestellt ist, nnd will dies durch die Bauwegung i» den Jahren 1887—18!»:? beweisen AnS dein „Ltatisti- >,-» Jahrbuche der Stadt 23}ici}.", also einer ernsten, unanfechtbare» teile, entnehuien wir, daß Neubante» anfgeftthrt wurden: 1887 (»:i, 1888 300, 1880 280, 1800 310, 1801 437 (schon »ach mbcziehung der Vororte) und 1802 304. Wir bringe» nun diese Mjcr» in Beziehung zur Anzahl der Häuser in Wien, Es beträgt . Gesamuitzahl derselben: 1887 12.883, 18^0 13.001, 1 ">80;.321, 1800 13.331, 1801 20.322 (»ach Einbeziehung ber Vorj ■;i und 1802 20.675. Es geht nun nicht an, die 11.805 durch; Vereinigung mit Wien zugewachsenen Häuser mit den 14 457 I .»fern der alten Metropole zu vergleichen. Will man der ganze» | -.'alnhcit aus de» Grund komine», so muß man »och andere Ziffern! :n Vergleich heranziehen, und da zeigt sich, daß die Behauptung,;irit habe seit seiner Vergrößerung' eine Baubewegnng gleich 0, jeder - giündung entbehrt. Zu Ende des JahreS 1800 gab eS im neuen meinbegebicte 5701 ebenerdige, 4630 ein-, 2044 zwei, 1732 i-, 143 vier- und 10 fünfstöckige, Ende 1803 aber 5574 eben- :ze. 4070 ein-, 2700 zwei-/ 1047 drei-, 210 vier»- »nd 22 fünf» ä ge Häuser. Es beträgt also die Steigerung im (Ganzen >»>5 ..:>er. '.»eint betrachte» wir die nach der Zahl der (Geschosse sich :el scheidenden Kategorien. Die Zahl der ebenerdigen Häuser hat sich 2 22 Percent vermindert, vermehrt dagegen haben sich die einzige» nm 7 14 Percent, die zweistöckigen um 5 0, die dreistöckigen" : 12/41, die vierstöckige» um 40 85 und die fünfstöckigen um ■ ■ 78'.* Percent. Daraus ersieht man, daß die großen Häuser in -:en ungleich mehr zunehmen als die kleinen, und das ist hier wohl as eigentlich Maßgebende. Der Riedergangsprophet von der Linken Bahngasse hat aber noch n anderen Umstand vergesse», der die vorstehenden Ausführungen .ienllich ergänzt, nämlich er hat ganz und gär die Uiubanten .aßer Acht gelosten. Und doch ist es eine Thatsache, und zwar keine ab.-rraschende, daß in jeder anwachsenden Großstadt die alten, tleinen -\iiifer verschwinden, um Umbauten Platz zu machen, so zwar, daß '! ans dem Baugrunde von zwei, drei, vier und fünf kleinen Baracken : einziges großes modernes WohnhanS ersteht. DaS kann man in eu in allen Bezirke», sowohl in de» alten als auch in de» neuen, . .verholt beobachten. Ta ist eS den» wohl einleuchtend, daß solche i'mbanten bei der perceutnellen Vergleichung der Zahl der anSgeführten ' '-.»ilen mit jener der bestehende» .Häuser eine große Rolle spielen. : ir wollen, um die „Stichhältigkeit" der antisemitischen Beweis',isteru s, Oderina»» ganz klar zu machen, nun auch unsererseits eine kleine .?:äiislik auf Grund amtlicher Ausweise ansühren. Es wurden in . :e„ dnrchgeführt an 'Neubauten nnd Umbauten ganzer Gebäude: '"'.'I 5371, 1802 403 und 1803.547, dagegen Umbauten an Rbüudetheilen, Zubauten und Stoilwerkeaufführunge»: 1801 143, 1 "‘02 410 und 1893 480. Tie Zahl der in ganz Wien vorhandenen -Ommer, Kammern, Vorzimmer und Küchen betrug zu Ende 1800 .-0.118, 1801 1,007.805. 1892 1,020.742 ,,,,d zn Ende 1803, 1,018.248. Nun, alle diese hier angeführten amtlichen Zistern lassen och wohs klar erkennen, daß die bauliche Entwicklung doch keine olche ist, um auf einen 'Niedergang 'Wiens schließen zu können. Mögen doch die Wiener daS Unkengehenl der antiliberale» Hetzer lin Hinblicke auf solche Proben antisemitischer Verlogenheit »ach seinem ' wahren Werthe beurtheilen lernen; mögen sie solche Manöver als daS erkennen, was sie sind: .als Hetzmittel, berechnet auf die bevorstehende» GeineinderathSwahle». Einer so plumpen Bauernfängerei sollten die Wiener doch nicht anfsitzen. (Karlsbad nnd dkr AlltistlllikiSIIIIIS.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redaeteur! 3ie verpflichten mich zu großem Dante, wenn He nachstehende Zeile» in die nüchü.e Nummer Ihres geschätzte» Blattes einschalle» wollten: Um jedem unliebsame» Mißverständnisse vorzubenge», erkläre ich, daß u»S anläßlich der Verichterstattnng des Reichsralhsabgeordnelen Dr. Victor Ruß in Karlsbad »der de» AnliseinitisninS zu interpeltire», keineswegs örtliche Berhälln/ne Blatt. , Seite 3. bewogen haben. Thalsächlich gehört Karlsbad zu jenen wenige» Daß» iit>rnfercm Paterlande, deren öneuilicheS Veben durchireg.- vo>, unierstit-chiem riberaliSmuS durchdrungen iß. 'und ganz bei'oulerS veediem untere?ia-:.-erwa!luug den Dank und die Anerlenuung aller liberal T enkeuden / Hochachlend .Karlsbad, 7. März k »!».'>. Tr. >y-,»regier. l Voll dtll Zionistt». - Man schreibt uns: Der von. den Zionisten an Lemberg gegründete politische Verein hat sich .onstikuirt und den Advocaien 'Dr. Blumen selb in Jaroslau znin Vorsitzeiidcn ge- .wählt. Der constitnirenden Sitzung wohnten etwa «0* Versonen bei, von denen aber nur 3>> d:m neuen Vereine beilraten Erst nach einer längeren lebhaften D°iScnssion, in tue!dieses auch an V.rwahrnngen gegen die alleinselizmachende zionistische Lehre nicht lchiic, wurde zur Wahl des 'Vereinsvorstandes geichmteirr ,vür° die V.5 üuing der Präsidenlenwiirde an den etwas opportunistisch angehauchten^ Dr. Vlninenfeld stimmten 10, dagegen 15 Mitglieder. Ein m der Versammlung circnlirender Aufrul empfahl die Gründung eines ..naiional"- liberalen Journals. Die Krakauer „Reforma" ■ meint, - tue Zionisten haben wenigstens den einen Vorzug, daß sie mit ostenen Karten zn spielen versuche», fügt aber die Drohung hinzu, da» man bei irgend' einein Eoinpromis; der Zionisten mit den Gegiwrn - der Voten lich nicht wunder» könnte, wenn die zionistische Politik in <die , Biutter deS AnlisemitismnS wurde. DaS Lob, welches das volnifche Blatt-dem-Zionismus wegen des Spieles mit ostenen Karlen erlheilt, ist der erste Erfolg des neugegründeten politischen Vereines, und es gebärt nicht viel Scharfsinn dazu, um die Verdächtigung wahrzn »ehinen, welche dieses Lob gegen alle übrigen Inden Galiziens cm hält. Wir furchten sehr, das; der neue Verein, obwobl die opportunistische Leitung den palästinensischen Wein "stark wässern durfte, auch fürder nur ähnliche Erfolge verzeichnen" werde Die zionistische- Politik kann zwar nichtwie das polnische Blatl sich'aklsdrückl, die Mutter des Anliseniitisnins in Galizien werden, da ein Dheil der polnischen Publicistit ihn schon seil Jahr und Dag mit mütterlicher Sorgsalt pflegt, ein solcher Mukterposten also gar nicht vacant ist. Aber der ZiouismnS kann inimerhi» den Hetzern gegen die „vaterlandslosen" Juden ihre Ausgabe erleichtern. ' O.-I! «Aus dkl» DCHtjdlCll sticichsiagt. > Die am 27. Jebruar vertagte Debatte über die Anträge der Divoli- und der Radau Antisemiten, betrelfend das Verbot der Einwanderung ansländisch.r Juden, be- * ziehnngsweise auch die Ausweisung der in Deutschland bereits ansässigen Jude», wurde in der Reichstagssttzling vom 0. März wieder iiitrqc- ■ nommen nnd mit derselben nun auch die Berathnng über einen Antrag deS national-liberalen Abgeordneten Dr. Haffe,- t>ctieffenb den Erwerb und den Verlust der Staatsangehörigkeit, verbunden. Ha ist'S Antrag bezweckte die Vorlage eines (stesctzentwluses, welcher dsise Materie regelt, und - forderte, das; in. dem Gesetzentwürfe die Grundsätze einer Erschwerung deS Verlustes der Reichs und Staatsangehörigkeit sowie auch der 'Naturalisation Jremder in Deutschland zur Geltnirgkommen sollen Dr. Hai'e begründete seinen Antrag und ' bemerkte, er sei ein. Gegner der Alitrage der antisemitischen Jraetionen und deS Antifemitisuins überhaupt, weil derselbe die, Unduldsamkeit mehre nnd die Leidenschaitea errege. Der AniisemiliSinus habe wohl eine gewisse Berechtigung (?' in nationaler und winhschasisicher Hinsicht In seinem Anträge'handle-es sich aber nicht um diesen Punkt. - Derselbe fordere, das; sstr-die Naturalisation national,! Gesinnung und Erwerbssähigkeit verlangt und das Ausscheiden aus dem SlaatSverbande erschwert werde. Er empfehle als Eentral Behörde zur Prüsnng der 'Natnralisalions-Gesuche das Bnirvesaini fü-r Heiinatsivesen. - 8, ick er twendete sich gegen den Antrag Haste und erklärte, der Verkehr laste sich nicht durch solche äiinesiiche Mauern aushalten. Bezüglich der antisemitischen Anträge eonstakirle der, Redner, daß der Bnnd der Landwirlhe ganz antisemitisch sei. Die Anträge sollen bloß ein Mittel kein zur Aushebung der Gleichberechtigung der Inden. Dieselben seien ninsoiveiliger berechtigt, als die Zahl der Inden-in Deutschland ohnehin abgenommen habe.' Tie Inden seien. ühMz'NS als Vermittler zwischen der Landwirthschast nnd den Eonsnmenten unentbehrlich. Im Laufe eines ganzen Menschenalters seien i» Deutschland nur 10.000 Inden eingewandert, wovon 70l>l> natnralisirt wurden. Dem gegenüber würde Deutschland nicht in Gefahr sein. Der große Kurfürst habe im Alter von 20 Jahren ein Edict gegen die Juden erlassen: 50 Jahre später aber habe er die au,s Wien vertriebenen Jude» im Kursürslenthume Brandenburg -ansgenommen. Ter Redner richtete auch an den Slaakssecretär v. Bötticher die Ansrage, wie weit die Regierung jene Anträge mit den Handelsverträgen vereinbar halte. — Slaatssccretär v. B ölticher^ erklärte, er habe die Meinung des BnndesratheS bezüglich der zur Berathnng stehenden An i