Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 153 (10.3.1895)
- Date
- 1895-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Freie» Blatt. reite ZTr: 153 ■Stelle -es Ebristenthums, -as sie mit „'ReuhebrSisiiius" bezeichnet, -en „Wodan Enllus" in dunimfrecher Weise als de» einzig „arisch bececktigten" verkündet- Daß diesen, wabinchtzigen Gebühren die deutsch' Ickerale Partei Sesterreichs und ihre Journalistik in Wort und Schrift entgegentrete» mußte, ist doch für jedermann, der das Wort „liberal" versteht, ganz vollgiltig uiotivirt. Allerdings scheinen dies jene Herren nicht;n finden, welche die Leitung der' >»,' tut niulm^--!- rornin antisemitisch gewordene» „Deutschen Zeitung" übernommen habe» Mit einem cynischxn Wohlbehagen, das an das im Studentenliede berüchtigte erinnert, gab die ,/Deutsche Zeitung" einen „Figaro"'Witz wieder, dein zufolge die deutschliberale Partei vor dem Papille ein deinüthigeS „I’atrr poccuvi“ stammelt und um Hilfe gegen den Antiseinitisnins bittet. Ein jedes Dbierchen hat sein Plaisirchen! Ans die Waschechiheit der liberalen und deutsch-nationalen Principien der „Deutschen Zeitung" wird wohl .kein halbwegs vernünftig denkender Mann etwas geben. Das öffentliche -3nteieMc erfordert es indessen, Perdächtigniigen mit aller Entschiedenheit abzuwehren, mögen sie von welcher Seite immer herrühren Die „Deutsche Zeitung" zeiht die deuisch liberale Partei des Eanosiaganges, weil diese Partei dem antisemitischen Getolle entgegentritt n»d in ihren Organen der berechtigten Forderung das Wort spricht, daß seitens der Kirche im Interesse der Kirche selbst »nd ihrer ausschlag gebenden Facroren dein dellruciiven Porgehen des Antiseniitisinus Einhalt geboten wird- Wo ist da ein Ablenken von den liberalen Prin eipicit? Wo eine Wall sahn nach Eanosia oder 'Korn? Das O-ueru lantenthnin der „Deutschen Zeitnng" mag hie und da senken gefallen, die in der Negation alles Bestehenden' eine k^roßthat ersehen. Eine nntreiivillige Komik ill es jedoch, wenn die , Deutsche Zeitung" der deutsch liberalen Partei den Borwurf mevdjt, daß dieselbe im Interesse der staatlichen S rdnung den snbversiven Bestrebungen deS Aiitisenii-! tiSnius derart entgegensteuern will, daß sie alle friedlichen Victoren! des Staates, darunter natürlich auch die katholische Kirche, zur HilfS'.! arbeitschati anrruft- Die Herren scheinen ganz vergessen zu haben, daß die deutschnationalen Antisemiten sich bei jeglicher Gelegenheit mit de» schwärzesten Eleriealen verbündet haben, wenn eS-einen Ansturm gegen die Deutsch- Viberalen galt Und da soll cs der deutsch-liberalen Partei' verwehrt < lein, aus ganz idealen Gründen den katholischen Mitbürgern zu ratben, von den Fangarmen des wüsten, cnltur und -chrilleitthninseindlichen Anti'eniitisniuS sich zu befreien'? Rein fürwahr, daS Klein Kophtasviel'en der „Deutschen Zeitung" und ihrer Eonsorten wird "crnlle Männer nicht beirren Liberale, deutsche Männer in Sesterreich _ tnmi'rcn unter einer anderen Flagge. Es - ist die des Rechtes, der Billigkeit, des Mensehenthunis, und in diesem Zeichen wird und muß die deutsche, fortschrittliche Partei, die Trägerin des ivahrhafte» HnmanismuS, endgiltig siegen. Das walte (Lott! „ AuS Salzburg erhalten wir zur selben Angelegenheit folgende Zuschrift vom f>. Mär;: „Es sind ihrer drei, «Raube, Hollnung und Liehe, die Rebe aber ( iü die größclle unter ihnen " Was. sagte der Apostel mir diesen Worten > Alles? Er i'vrach ans. daß wir den Menschen nach der riebe zu den . Mitmenschen beurtbe^len müssen, .daß der Haß nichts schone, daß ex ] ::»siuchtbar >ci, weil er nur zersetzt und zerstört. Unseren Bolks-' beglüekern schwebt es nicht vor dieses herrliche Wort des Apostels niid auch ihren Fiennten, den Hetzcaplänen, nicht. Was sind Genossenscharten, Bereine. die aut Haß gegründet sind, deren ganzes ( geistiges Eavital aus' Säunähungen und Unduldsamkeit besteht? Wer! beglücken will, muß aus liebe bauen, muß Viebe aus sein Banner f schreiben, darr nickt den Haß aiiSru'cn, weicher „mit abgewendetein Aiulitze" die Welt zu beglücken vorgibt. Weder das Gesetz, noch das! Sckwert, weder Beraihnngen, noch Einschüchterungen, weder Drohungen, ' noch Angrssse werden die sociale Fragg lösen, nur die Menschenliebe s :rird es tlnin, wenn einmal der Staat nicht mehr so viele Millionen; nt starres Ei Kn und Fclluiigswälle upiarbcrtet, wenn gleichmäßig , .ii'.-'!-." gearbeitet wird int Lande, nicht für eines auf! K.llcn des anderen j I a u'ien wir setzt läglich in de» Zeitungen von einem noch un- - . ' eelrne» Worte des Papstes. Bischöfe sind.hingezogen, um es zu ABr war es nicht längst gesprochen dieses Wort'? Hat eS nicht d.: Are'- 1 ''prochcn? Der Arecpag der Kirche scheint es vergesien b.rb n Die Hikbe aber in die größesic unter ihnen." Rainpolla! einen:;: : nach Rackrichien, morgen vielleicht'?' Morgen vielleicht! 'enden d:c Kundigeii der Schritt, daß der Apostel in grauen Zeiten dieses! .Wo:: der Viebe gesprochen 1 Bielleicht finde» sie es auch nicht. Aber die! Kircke nt doch aufqebaut auf den Fundamenten, welche Ehristris mit; 'einer Bergpredigt gelegt, a»' den Fundamente» reiner Menschenliebe, j e:e das Gegentheil iü -euer Ströniungen, welche sich schon als! Herrscher der Welt geberde». Eö kann nur ein falsches Gerücht fen daß man das Oberhaupt der Christenheit dieses christliche Wort nicht aus. spreche» lassen woll§. lieber die Grundlagen christlicher Mahnungen an das Bolk sind doch Bischöfe »nd Cardinälc mit dem Papste einig, den»: „Hastet Alle;n mir koininen" heißt es. Oder sind wir in einen, Wahne befangen'? Ist eS nicht mehr „zeitgemäß", an die Bergpredigt';n erinnern? Ist eS zu hausbacken,, wenn man die politischen Gründe nicht erkennen will, welche die Äeußernngen deS Papstes für die Christenheit beeinfluste»'? Richtig, es gibt ja eine Opportunität; >t,n:< muß wohl Rechnung tragen de» Schrillen eines mächligen Grcß staates. DaS bischen 'Liebe, was ein solches Wort ausstreuen lönme. verschwindet doch neben den diplomatischen Rücksichten für die „guten Beziehungen des heiligen Stuhles zur Großmacht". Es wird einer Regierung ein größerer Dienst erwiesen, wenn man die Sache »nt kühler Ueberlegnng behandelt; und schließlich ist die christlich-sociale Bewegung ja doch zur Hälfte christlich, sie hat wenigstens den Rainen, freilich aus den Kanzeln sprechen die „Berkünder des Wortes" von einem Gott, der Liebe ist; allein sie vergesien ihn, wenn sie hinziehcn, ui» in Versammlungen den Haß zu schüren, die Unzufriedenheit z» nähren, die Mißachtung des christlichen Gedankens auszustreuen. I."< Weckruf eines deutschen Schriftstellers klagt: „Es gibt keine R»:a mehr." Er hat die Ursache zu iieiinen vergesien: Weil die Lungen da Schreier regieren. Mit wem hat sich der Clerus verbündet? Bei brüderung der Gottesdiener mit den Feinden der Liebe, der „größesien" unter den drei?! Dagegen erhoben sich die Bischöfe Oesterreichs, sie erkannten :.. Gefahr für das Ansehen der Kirche, sie wollten ein geflügeltes Watt von Rom erbitten, ehe es zu spül ist, sie erinnerten sich noch zu rechten Zeit, es dürfe kein Zweifel an der Mission deS Priesters :>, die Herzen der Gläubige» kommen, denn nur den Friede» soll das Christenthttin spenden, die Eintracht: opferbereit soll die Menscheich.. >'. für die Geschlechter der Ziikunft. sorge»; sie wollen die Gewisienspcin von sich abstreifen, sie wollen nur im Gefühle erfüllter ChristenpNichi fortwirke». Und ein solches Begehren findet keine Antwort in Rom? Wir wollen nicht vorschnell richte», wir wollen warten und hoffen, daß es nur ein falsches Gerücht sek, wen» böse Zungen oussprengen, der Papst sei gar nicht gewillt, der unchristlichen Bewegung der „Christlich-Socialen" entgegeiizntreten, wenn man behauptet, eS >'ei eine schweigende Zustimmung z» erwarten zu all dem maßlos B. schämenden, Erniedrigenden, was Oesterreich erlebte seit Jahren im Gegensätze zur Bibel, der Onelle alles christlichen Denkens. Wir hosicn und wir glauben, daß Rom noch ein verdammendes Wort-! sprechen werde gegen die zügellose Bewegung, welche die Grnndvesien! des StaatsgebäudeS zu erschüttern droht, gegen welche die Leiter »nd! Führer des Staates blind sind. I>- . 3ft Mien tm Aückgcrnge begriffen? ■ (25011 einem Landerbeamten.» Die Frage „Ist Wien im Rückgänge begriffen?" — wird fall in allen antiseinilischen Versammlungen mit „Ja" beantwortet. >i»d wer Schuld an diesem Rückgänge trägt, das muß doch Jedem schon längst klar geworden sein — „natürlich nur die Juden und mit ihnen die liberale Partei". Tie 'Wahlen stehe» unmittelbar bevor, der Ausfall dieser bringt die Entscheidung darüber, ob Wien dem Fortschritte erhalten bleibt, oder ob es der finsteren Reactiou ausgelie'e i wird. Unsere, patentirten Jndenfresier mit Tr. Lueger, dem Retter des „Heimen Mannes", an der Spitze versuchen alles Mögliche, um als Sieger bei diesen Wahlen Hervorzugehe». Siegt die aniiliberale Partei, dann wird Tr. Lueger Bürgermeister, und Wien, das »n rapiden Rückgänge begriffen ist, ist gerettet. Handel und Gewerbe werden wieder blühen, die Lehrer und Beamten werden ein förmliches Schlaraffenleben führen können u. s. w. u. s. w. Tr. Lueger » d nicht allein der Retter des „kleinen Mannes", sondern auch cor Retter Wiens sein. DaS „Deutsche BolkSblalt", welches durch, - e Munisicenz der Banken, Beisicherungsanstalten, Eisenbähngc.äschäften :c. kinigermaßen lebensfähig geworden ist, hat in di.' in Jahre schon einige Artikel vom Stapel gelasie», worin „zifsermäßig" der Rachweis geliefert wird, daß Wien unter der judentiberalen Wirthschast entschiede» zurückgeht. Dieser ziffermäßige Nachweis . -'» ist — erlogen. Eine Lüe>c mehr oder weniger, darauf kommt c-> ja dem Blatte Ehren-Bergani's nicht an; huldigt es doch wie die Paaci, in deren Diensten es steht, dem jesuitischen Grundsatz: „Der Zweck heiligt die Mittel". Aber das „Deutsche BolkSblalt" hat in feiner Verlogenheit ganz und gar die Statistik ignorirt, die das walhvollste Hilfsmittel zur sicheren Bcurthcilung der öffentlichen Zustc-ndk i