Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 153 (10.3.1895)
- Date
- 1895-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Freies Blatt AboniieinciitSpreis. r Ccfierrti(t)»Uiifl«rn: - :liihbtifl.* Sronm (fl. ».«>» viiinarrid.3 «rone» ,fl. i.w/ Hiir ras gefammle Ausland: -Iiiaiirin.«I Mark .itlälm» .3 Mark M Pf. ifintelne Ülunimern i; fc. ili''innfirie Briefe 11'erbeII nichi nnifenoinine». (Drosan 511t* 2lbwehr des Antisemitismus. Crschcinl nu jcdcm Loiiutnge.;Hf».uiioii uni) '.'Itmtiniftratiou: 1 Leilerstätte ID. »tlerale werben mit 20 Heller '10 Ir.) dir die viermol gelpaltette llfonpareilie.eiie berechnet, «leinet An)eiger daö Wort 4 Heller (2 fr.). Aninadme von .tnferaten in nnjerer Sbrnimflration sowie im Annonrenbnreati Dl. Luke?. I. iipfljeile 8. .iiuiiiuicr 1.'».■>. Wien, 10. jHnrj 1895. IV. Jahrgang. ^ur Aomreise Cardinal Scfyönborn’r. Tcv Aufenthalt des Kardinals Schönborn i» Rom slil>l iioch Imiiu'i' im Bordcrgrnnd deS Inlcrcsscs. Da nun.auch zwei andere " kirchliche Würdenträger, der Bischof von Rancn und der Cr.zbischof i n Mechcl», in .Rom geweilt haben, um gleichfalls ein Wort der eurit gegen die auch in ihre» Diöccse» bedrohliche Normen an inhmenden christtich-socialc» Umtriebe;n erlangen, erhielt der 'dnilt des österreichische» Cpiscopats den Werth eines politischen Ereignisses von internationaler Bedeutung. Dieser weittragende charatler wird nu» aber auch dem Erfolge oder.Mißerfolge an li.ilin, den die Wortführer des französischen, belgischen und öfter >cich>schen Cpiscopats aus Rom milbringen werden. Borlaiifig und die Auspicie» jedoch »och immer sehr unsicher. Cardinal Graf > riilivnborn wurde noch immer nicht vom Papste in Andien; empfange», i and der Bisii)of Turinaz von Ranch erklärte bei seiner Abreise von Rom, er naiine von seinem Besuche den Cindrnck mit, als ob man m der Unia/bunq des PavfieS von der Wendung in der christlich iveialen Bewegung zwar beunruhigt sei. jedoch nicht den Mnth liäbe. sich den Widersprüchen;n entwinden, i» welchen man Dar langen ist. Dieses Zögern der Curie ist um so merkwürdiger, alö üch dauernd das Gerücht erhält, daß die österreichische Regierung ) idsi den Schritt deS CpiscopatS unterstützt. Cin recht bezcichnenocr Zug für Cardinal Rampolla, der ohne Widerspruch als der Prolecior der Christlich-Socialen beim Balican genannt wird, ist c>ir llmstand, daß er just in diesen Tagen wieder einem christlich ucialen Hetzorgane, daö die galizischen Bischöfe im Borjahre als ..irreligiös" bezeichnet halte», dem „Xowy Wieniml’olski* des I*. Slojalo.wski, de» päpstlichen Scgcn i'ibcrniillelle. Indcß scheint üch in den letzten Tagen die Situation denn doch trotz Rampvllä's Bemühungen für die Christliche Socialen etwas ungünstiger ge, stallen zu wollen. In einer Confercnz soll der Papst sich über die mit der christlich-socialen Agitation^ verquickte Classen und Raccnnetze abfällig geäußert und hinzugefügt haben, daß die Autorilät des Heiligen Stuhles eine derartige göttlichen und menschliche» 'Geboten widerstreitende Actio» nninöglich decken und schützen könnte, hnc vor Gott und der Welt eine schwere Gewissenslast auf sich zu laden. Tief schmerze eö ihn, daß man sich bei dieser Aclion, wie man ihm aus Oesterreich und anderen Staaten persönlich berichtet habe, auf die in seiner Cnchklica enthaltenen tzehrcn berufe, als ob er jemals etwas Anderes im Sinne haben könnte, als das Werk der Bebe und des Friedens. Man möge also dem Prinzen '''lechtenstcin bedeuten, daß der Heilige Stuhl ei» auf Besserung der tzage der Arbeiter und Bauern, des kleinen Mannes über hanpt gerichtetes Bestreben an und für sich billige und lobe, daß hingegen eine Partei oder cin Bercin, welcher, die Mahnungen der bischöfliche» Autorilät mißachtend, nicht die christliche Bebe, sondern die Schürung deS Racenhaffes zum vvrnehmlicksten Zwecke hätte, vom Heiligen Stuhle als die Satzungen der ihrer Obhut anvcrtrauten göttlichen Ähre-schwer verletzend betrachtet und veriinheilt werden müßte. Außerdem soll der Papst beschlossen haben, über die christlich-sociale Bewegung und deren Berhültniß zur Cncykjica „Xovarum rerunr1 in der nächsten Zeit ein Document zu veröffentlichen, um darin die Grenzen zu bestimmen, innerhalb deren die sociale Action der Katholiken zu Gunsten der Arbeiter und Armen sich entwickeln darf und soll. Wie viel an alledem Wahres ist, .wird die nächste Zukunft lehren. Wenn auch riechle» stein diesmal die an ihn gerichtete. Zuschrift des Baticans nicht in der „Reichslpoft" veröffentlichen dürfte, so wird wohl der ange kündigte Coinmentar zur Cnchklica ..NoVaruin renim" — wenn cr überhaupt erfolgt, eine für gewisse reute unangenehm deutliche Sprache führe». Interessant ist die Stellung, welche die hiesige anlisemilischc Presse, für de» Fall einer für sie ungünstigen Cnl scheidnng der Curie und einer Bcrnrlheilnng des Racen-Anti semitiSmus vorbereitet. DaS Organ.des Solccer RaccngeschäftsnianncS ist gefaßt. Cs schreibt: „räßt sich dietCurie wirklich zu einersolchen Kundgebung bestimmen, dann wird einfach"aus der chrisilich-socialen Partei eine sociale Partei werde», denn .sie wird sich nimmermehr einem Urtheil unterwerfen, das an ihreist Grund princip, dem Racen-Anttsemitiomus, rüttelt, . einem Urthcile^daS nach allem BvraufgcgangcNen durch jüdischen Cinflnß erpreßt worden ist." Das ist der Ton einer „christlichen" Partei, die abzu schütteln man in Rom nicht de» Muth findet. Milder ist die „ReichSpost". Spitzer-Weimar meint, cö fei einfach eine ll» wahrheil, daß. im Programm der Christlich Socialen der Raccn AnlijciniliSmus figurire, vielmehr fei dies cinHauptunlerscheidungS nierkmal dieser Partei von den Cytrem-Rationalen. Daß Spitzer Weimar kein Racen-Anlisemit ist. glauben wir ihm aufs Wort. Ob aber auch nicht die Schnabl, Scheicher, Schneider u. A., das ist eine andere Frage. Bon einem hervorragenden liberalen Parleimanne in Mähren erhalten wir folgende vom 4. d. M. dalirte Zuschrift: Kaiser Constantms Wahlspruch: ..In live siiiuo .viuers" sollte heutzutage am Hiinincl prange» und die tollwüthige, räccnfcindliche _ ‘ Cligue der Thatsachc belehren, daß de.s die Geschichte der Menschheit durchziehende Princip einzig und allein daS der unbeschrankten, nn vcrelausnlirten, rückhaltlosen Hnmaniiät ist, cs in der Vchrc vom Christcnthuiu zum Tnrchbruch . toniincu sollte. Predigtdoch jeder christliche Priester auf Grund desCrangeliums den einzig uud allein einer „RcligionSgründung" . würdigen Satz von . der allumfassenden, femc Ration und keine Confessio» auSschließende» Rüchstcnliebe. Predigt? Rein, wir haben uns nicht richtig auSgcdrüctr. Cs soll heißen: „Cin jeder christliche Priester niiiß das Cvangcliuui der pkächstcnlicbc vcrkiindcn", weil er ividrigcnfalls aufhört, Anhänger und Bcrtreter der christlichen Genicinde, der alle, alle-„zum-Tische de« Herrn" einladende» Gcnicindr, die sich da die „christliche" nennt, zu sein. Tie bcdaiiernsivclthc Thalsache, daß im 'Rainen des „AllerlöserS" Raccnhaß in der schaiuloscste» Weise seitens der „Gesalbten des Herrn" verkündet wurde, inußte zur natürlichen Folge haben, daß;. B. in den. leitende» Kreisen der katholischin Kirche die Gefährlichkeit des AiiliscuiiliSiniis für den Bestand der auf rein alttestamentarischcn Grundsätzen fußenden katholischen Kirche allen Crnstes erwogen und zu Schritten der Abwehr int ureigensten Interesse der Kirche selbst der Bersuch gcuiacht wurde, Reben der Mission deS Cardinal Fürstcrzbischofs von Prag ist die Thatsachc zu verzeichnen, daß die bis jetzt seitens des österreichischen Cpiscopats verlaütbartcn Faste» briefe einen zu Ruhe und Frieden gemahnenden Geist an den .Tag legen. Reicht begreiflich! Der Antiscuiitismus in seinen. letzten Co» sequcnzcn muß jede christliche Kirche in ihren Grundfesten erschüttern. Tie duniniblöden Rachbelcr des socialpolitischen religiösen Reformators Tüyring werden durch die Schöüerer-Cligue übertrumpft, die an