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Freies Blatt · 1895-03-03 · 152 (3.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
152 (3.3.1895)
Date
1895-03-03
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Nr. 152. .fr e i e s Blatt. hist Iwr least — gehören;u denen, die auf Dreyfus' Unschuld schwören, zahsrciche höhere und höchste Osficicre der französischen Armee. Trotzdem ist eine Revision dcS Proceffcs so gut wie ausgeschlossen; der Eliauvinisinus, der ehemalige BoulangiSmus und' der Antiseminsinus haben sich der Angelegenheit bcuiächtigt. Sic haben erst die Uniersucltung, daitn die Rechtsprechung beeinflußt und terrorisiren jetzt mit der öffentlichen Meinung die Presse und selbst die Regierung, ^nr Zeit, als der Proccß begann, mar KriegSuiiniftcr der General Äiereier: er ist der inteÜectucUc Urheber dcS ganzen ProcesieS und. derjenige gewesen, der zweifellos die Berurtheilung erzwungen hat. Ter Proccß bat ferner nur ihm genutzt. General Mereier sollte von seinen Ministcreollegeu über Bord gcworjen werden und wäre elend zu Fall gcioinnicn, wenn Tvilitus frcigcsprochcn worden wäre; die Processirung und Bctutlhcilung des TrcufuS hat ihn mindestens zwei Monate länger im Ministerium erhalten, als er sonst in ihm verblieben wäre. Trotzdem geben meiner Ansicht nach Alle, die den General beschuldigen, den ganzen Pteeeß gegen besseres Wissen begonnen und durchgeführt tu haben, zu weil: ich halte vielmehr dafür, daß General Mercicr anfangs selber von den erwähnten gefälschten und leichtsinnigen Berichten der Polizeiagenicii getäuscht worden ist: darüber, ob er später, a!S cs sich um -die Berurlheilung des Drcyfuö handelte, innerlich von dcsie» Schuld oder Unschuld überzeugt gewesen ist, läs.t sich ein Urlheil nickst abgebcn: cs steht nur so viel test, daß die Freisprechung den Sturz Mercier'S, die Beriirthcilung sein Verbleiben int Amt bedeutete. Die. gegenwärtige Regierung hat üch mit der Frage, ob Trenius recht oder unrecht geschehen ist, nicht mehr tu beschäftigen: für sic ist der Preocß beendet, Niemandkann liui ihr verlangen — daS ist nun einmal die Moral der Politik und die Moral der hiesigen Politik mehr noch als anderwärts — daß sic tu den vielen Hüppen, die sie nmschissen muß, sich noch künstlich neue ichassen soll aus reiner christlicher Nächstenliebe. TaS Gleiche gilt von den Abgeordneten; dieie riskircn außerdem, bei dcni Ruf, den sic nun .einmal haben, sobald sic sür Trensus Partei nehmen sollten, als für mit jüdischem Gelbe erkauft ansgcgeben zu werden. Und die öffentliche Metnung, an iltrcr Spitze die Tagespreise, wird, wie gesagt, von tsbauvinisten und Antisemiten dermaßen tctrorisirk, daß sie gar nicht dazu kommt, etwas Anderes als ihr ursprüngliches „kreuziget ihn!" tu rufen. Turins mag noch so unschuldig' sein, er wird, wenn nicht ein Wunder geschieht, seine Frau, seine Kinder, Frankreich, die elsässische Heimat, Entopa nie wieder sehen,, und ehe Jahr und Tag vergehen, wird man voraussichtlich mit seinem Leichnam die Haifische an der .'k nste von tdanenne füttern, liiitni anderen Kirchhof als die offene See gibt cs kort für die Getangenen nicht. dnttfcmitifcbeii PemmMi und Derfammlunacn. Tcr Wissenschaft Stobt kein Verlust.» Em antisemitischer Wahlausschuß . -,!i *iir m isemcinderatbsmatidat des zweiten Wablkörpers im XII. Beeilte een .tnßeie.deutlich,ii Professor der Matbematik. Tr. Lxorold Gegen h e. n . r. ES in er'renücherweise nicht t» bewizen, daß eine tnntangreiche T'. .itgikett Tr. tHeg'enbaner's ant dem Gebiete der Gcmctndeverwallntig teilten :t:''-f'chaitti.t.'ii Leistungen irgendwie Eintrag ihnn könnte. Boin größten Sociologc» St. Pöltens.» Ein .HcritalNr schreibt uns: Tet l.cchwürdige Herr Sckieicher, rer' größte Soeiologc St. Pöltens, halte .in 22 Februar an der. Blamage im Abgeordneienhansc nicht genug,, er mußte a : nt einer .>?er!!el'er'Anr,temitettver''aniinlit»g sich bloßstcllen. Fm Parlamente ri av er vom .'t nitg von Honolulu, und mit Pecht macht sich der bekannte Reisende Tr. r. P i o? t e ir 11> über tbn lnsiiz, indem er in einer Zmchriit an die „Rene'Freie Pt. rv" au-tnhrt, dies sei, abgesehen davon, daß Hawaii »eit tnehr zwei Fahren eine Republik in, ebenso zutrenend, als wenn Femand vom .-.ring ven Belgrad , der vom Fürsten van Monte Earlo sprechen, würde. Fn drinaiinte Scheicher die Wiener, das Borgehen cines Bauers nach, t .:. :irt>, der einrn nnverichäititen Gaß, einen Akrobaten, fortjagie, als dieser ilnn v.".langte, er iclle sich au' den Kopf stellen.' Fn »einer, sagen mir, . ii;sitti Herr Tcheicher gar nicht, war er angesteüt bat. Tie Wiener ■a? :itit whliich.'n Alcobalen, »ondern mit rhetorischen Scüknnstlern . d , ihnen nicht letten zutttutden, mit deni Kops durch die Wand zu e : , ’utcr iverden auch die Wiener ibren sauberen Gästen einen - War es aber die Aufgabe des Herrn Scheicher, sie an die Aus-; > ■: " •? der Rctbwehr zu inahpeu? Rach christlich-socialem Mnstcr.» Fu Linz baden die Wiener.Ehrisilich- S,,id!eil na: g i> cn.. Sprengung ihrer Beriammlung anecnrirt, indem sic Senat Teina'ratev in Aussicht stellten, daß auch dieselben znm Worte!v!i»»ien irne..'::. Tie Arrangeure richteten es aber 10 ein, daß die Periainniliing, li .chteiii die iiii Bo.bineiii deniimnten christlich socialen Redner ihr Petisum aufgesagl halten, rasch geschlossen wurde. In gleicher Weise wollte man nun auch auf einem Amiscmitentneeting Graz Vorgehen, woselbst zwei „,,n> verfälscht tcutsche" Sendlings aus Wie» austraten. Diesmal ließen sich die social demokralischcn „Gäste" nicht auf die den Vorträgen folgende „freie Tis cnssion" vertrösten; einer ihrer Führer verlangte das Wort zur Geschäftsordnuiig, und al» ihm dasselbe nicht erlheilt wurde, stitninteii alle „Gäste" das „Lied der Arbeit" an itud führten die Auflösung der Versammlung herbek. Tie Nachahmung des Linzer christlich-socialen Beispiels in Graz hat sich nicht bewährt, nnd die „Ostmärker" lituliren dafür die Social Temokraten — „Be russlrakehler." 1. (Deutschrr Adklstag.) Porige Woche Iralen in Berlin die Mitglieder der „Tsutschen A d elsg en osse lisch afl" zur Abhaltung deS vierzehnten deutsche» ÄdelslagrS zusainmen. I» seiner Erösiiiungsansprache hob der erste Borsiyende, Gras v. d. Schulenburg Beetzendors, hervor, daß auch die Adclsgeiiofscnschaft sich der Behandlung der socialen Frage nicht entziehen Ivniie mit» daß das Königlbnin aus einem ständischen zu einem socialen werden müsse. <Mau weiß, welche Sorte von „SociatiSmiis" diese Herren wünschen i Rach dein GeichästSbericht hat eine Anzahl von Mitgliedern der Adclsgenosseit ' schast sich gezwungen gesehen, ihre Beiträge herabzusryen. Andere haben mir dadurch a»i dem Austritt gehindert iverden köniien, daß man sie bat, sich am den Mindestbeitrag zu beschränken. Ter Berichterstatter intime, daß die . Rotblagc auch ihr Gutes habe, indem sie immer mehr den Adel von der Ucberzetigung abbringe, daß sein Stand rh»;u einem gewissen Luxus vei pflichte, und indem sic die Edelleute .veranlasse, „statt sich dein Hoslcben;tt er geben, eine unabhängige politische Gesinnuug zu pflege»", «llttter ^unabhängige, pokiti cher Gesinnung" versteht man bekanntlich in Fuiikerkreisen die Forderung, daß der Staat ihnen aus Kosten der Gesammtheit Sondcrvorthetle sichere) Tcr Bericht, den der Schavmeistcr v. Wedel! über die Herausgabe der Fabrbnchcr des deutschcu Adels erstattete, war, wie ein dem Tivoli-Programm dienendes Hetzblatt bemcrkr,' „von einem crsrischcndeit anlisentilischeti Hanä>e durchweht". (Tas wird wenig nützen; der „Bundschuh" lämpst in - elfter Linie gegen die Funker.» (Tic um Plöü.» Ä»S den uns nun vorliegenden aussührlicheit Berichten über die jüngste Gettcralveriainmluttg des „Bundes der Landwtrihe" i>: zu ersehen, daß in dersetben eilte so wüste Fudenhetze betrieben wurde, daß sich ihrer Ahlwardt nicht zu schämen brauchte. Herr tr Lang eu crklätle die Fiidcn für die schliinmsteiz, zu belämpfenden Gegner, und Herr v. T i e st - T a b e r »chloß sich ibm an. Tr. Oertel suchte noch dieie beiden Funker zu übctdietdn und hielt dem „wuchtigen Tritt der Agrarbalaillone" daS „Schleichen der Plattfüße und den jüdischen Gigerllauz. aus den Trottoirs der Fricdrichstraße" gegenüber. Slöcler mbclt nun in seinem Ctgciue: „Bor zwei Fahre» wurde das Wort .Fnde' noch nicht erwähnt, da dursten noch Juden Mitglieder des Butides werden. Voriges Fahr wurde der Ausschluß der Fndeu beschlossen, wurden zum erstenmale leise anliseniitiichc Töne augeschlageu. Find diesmal war Alles aulisemilzjch bis auf die Knochen!" Herr Schönerer, der sich teil einiger Zeit wieder überall vordrängt, hal sich auch bei Teilen um Plöv mit einer telegraphischen Sympathic-Kundgebung eingestellt. iRcur „Enthüllttttgen" in Sicht., Wie aus Marburg .in Hessen de richtet wird, hat der dortige „R es»rm ver e in" dein einst von ihm augebeieteu Tr. B ö ck ( l ein Ultimatum gestellt. Bititieit 14 Tagen soll er in einer ösfeiit lichen Beriammlung iui Wahlkreise sich rechlferligen. Kommt er nicht. ,'o möge er sei» Mandat iiiederlcgeu. Es fehlt nicht air Atidcuiutigeu, daß man Böcke: durcf» neue „'Enthüllungen" zur MandatSniederlegung zivingeii werde. antisemitischen Blattern. (Eine ^llitimniuiisi ans Tripolis.» Tas ^.Deutsche Bvllsblatt" vet kündigt, daß der Btechaniker Schneider von Äntisemiten in Tripolis herzlich lÄljickivünsche erhalten habe und daß dieselben erklären, sie halten die von Schneider int Landtage ausgesprochenen „Fdeeu" sür die allein richtigen, „denen sic mit voller lleßerzcngung zniubeln". 2!nn, uns hätte cs nicht gewundert, wenn Schneider auch aus Omaha, dem Hauptorte von Nebraska, eine Stimvalhiekundgebung zugekommen wäre. Lebt doch dort ein gewiffcr Eduar! Schmeiß er, der in Wien ein eifriger anliseiitilischer Agüator war, sich abet bemüjstgl sah, sein Gluck in der Fremde zu suchen, nachdem er hier eia Wirtdsgekchäft seiner Frau zugrunde gerichtet und durch Heiratsschwindel mehrere Ticnstmädchen um ihre Ersparnisse betrogen halte. Wie ein Rew-2>orker Blau .miiiheilt, hat eine betrogene Köchin de» Flüchtling in Amerika attjgesttchl, rre es ibm inzwischen gelnngeit war, eine sür ihn vortheilbasle neue Ehe zu schließen Tas auch jenseits des OccanS herrschende' „seinitijch-römische Recht" bedrob! nun zwar Schmeißer mit Procesien wegen Betruges und Bigamie. Richtsdesto weniger wäre er aber in der Lage gewesen, Schneider durch eine gleiche „Ehrung" zu erfreuen, wie sic thnt die Gesinnungsgenossen atis Tripolis zmheil werden ließen. »Tic Tdätigkcir eines antisemitischenBollsbeglückcrs.) Tie amifemittjcfi „Ostdeutsche Rundschau" weiß über die Thätigkeil des bekannten anli semitischen - Agitators Fehli.'ka folgende interefsame Geschichte zu erzählen: t

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