Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 151 (24.2.1895)
- Date
- 1895-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 151. Freies Blatt. rette ^zhalb in seinem Blatte behauptet, Dr. Erbt habe -gelegentlich der Perunglückung deS Lieutenant Röder bei einer Bergtour, als er um Hilfe angegangen wurde, sich sofort nach den Vcrmögcnsverhältnisien deS Pcrnnglückten erkundigt und erst, als er hörte, daß eS sich um einen officicr handle, sein Erscheinen in Aussicht gestellt. Die Sache vcr Im'lt sich aber ganz anders. In der ersten Instanz mar Wcngg zu crei Wochen Gefängniß vcrurtheilt worden. Auch die Irreführung-der -isentlichen Meinung ist ein specisisch jüdisches Laster. i Bo» beit deutschen Antisemitensührern.) Lieb e r m a n n v o n Ronnenberg erklärt im Berliner „Localanzcigcr", er habe Böctel ntchl gefordert, da ihm dieser seit Jahren als grundsätzlicher OKgner > - Duells bckgnnt sei. — Die Wahlprüfungöcoinniission,des deutschen gscichStages hat die Wahl des Antisciiiiteii Dr. König Witten für .ingiltig erklärt. s- - ^Ans dem „anfsieklärteu" Hena.) Der „Frantstincr Zeitung" ,vitd an» Jena geschrieben: Eine mit sechs Häusern besetzte Straße •. hat den Rainen „Judengraben". Tic Anwohner derselben richteten (Riuch an den Gcnicinderath um eine andere Benennung der ^i:aßc, da der gegenwärtige Raine in keiner Weise zu den durchwegs' sllichcn Bewohnern der Straße passe. Ter jetzige Raine bringe den .h nvohncrn auch pecuniär großen Schaden, da es schon öfter vorvu'miricii, daß Micthcr an dem ^Rainen Anstoß genommen und nicht - die Straße gezogen wären. Bo», Rescrcntc» wurde bcinerkt, daß iandcrS Studcntc» ant^ bester reich an dein Rainen Anstoß n - .teil, ihre Freunde i» Dcstcrrcich glaubte» dann, sie molintcn im -.-.viertel. Der Geineindcralh ging auch wirklich ans da» O'eitid)!,„d lauste den „Judciigrabcn" in „Haiustraßc" u.in. So geschehen ,» „ausgetlärtcn" Jena im Jahre 18Un. (Sioetlic llllb bie Huben.) Unsere Berliner Al'ivchrcollcgin schreibt: der glühendsten Bcrthrer »nd gründlichsten Kenner Spinoza'» Wolsgcing (Goethe, den die Antisemiten gern zu ihrem Spieß .; . n erniedrigen niöchtcn. Wir wissen, mit welcher' liebevollen W er den innsilalischcn „Jndcnjnngc»" Fclir Mendelssohn -n i h o l d y umfaßte, nnd i» de» Briefen David B c i l's an Rahel wir, wie er diesen »»reifen Studenten aus Judäa mit nahezu r.. cher ,rrc»»d'ch>vsr beglückte. Erstand mit jz-ricdlander iV. A. iVt ■ undlichstein Bcrkchr, und er war cs, der dcn Maler S ppcn- - lhälig förderte, dem Improvisator C. L B. Wolfs in v-.-. .:>r eine' Professur verschaffte nnd nicht nur Michael Bccr's öffenilich belobte, sondern ihm sonst »och, wie er sich gegen .i ,i,a n» ausdrückte, „eine Freude zu machen" bestrebt war. J;‘ doch er Mkiicrbeer schätzte, erhellt darans, daß er — die Wagner mögen ein Kreuz schlage»! — wiederholt äußerte, nur dieser rv-.dig nnd fähig, de» „Faust" zu componircn. Und, um sein 3 »registcr hier zu schließe», er laS feine neuesten dichterischen Eri - »e. namentlich in Karlsbad, am liebsten jüdischen Damen, wie v. .v.tit v. EökeleS, Gro 1 thuS :e. vor, zu welcher Thatsache ::ter die Erläuterung gibt: „Sie ldic Juden) zeigen übcrhanpt . :>tegcl mehr gefällige Aiffinerksamkeit nnd schmeichelnde Thcil - : als ein Stalionaldcutschcr, und ihre schnelle FaffungSgabc, ihr . .-.nter Berstand, ihr cigenthünilicher Witz machen sic zu einem .; . re» Pt.blicnni, als leider unter dcn zuweilen etwas langsamen schwer begreifenden Echt- und Urdeutschcn angctroffc» wird." l^eorg (5°ber§.) Wie die Berliner „Mittheilungen" scilstcllcn, .int tffcorg E.bers nicht nur von Beitel Heine Ephraim, Münzjudcn Friedrichs II., ab, sondern ist auch »och mit einem :cn bekannten Juden nahe verwandt, mit Meyer beer. Dessen' ‘"irrer sowie die Großmutter von Georg Ebers waren Schwestern, . .-ne Lipinann Wulf. Heins ein — Engländer.) Theodor Ftzitsch hatte vor einiger i, um daS Ehristenthnni mit dem RacenantiseinitisinnS zn ver ». den genialen Einfall, Christum zu Arier zn stempeln. Der .i'iff „Arier" ist etwas weit; einigermaßen näher der Wahrheit kam wie wir vor Kurzem berichteten — ein gewisser Lazi<•, der den ichwciS erbrachte, daß Christus ein Serbe gewesen sei. Tein widcr- : :>chl aber die Forschung eines englischen Methodisten, der schon vor '>en an die Malgaschen in Tamatawe folgende Anrede (s. „Glo- 18Gö. Bd. 7, S. 267 f.; hielt: „Meine Freunde. Tie Franzosen ■ oo», die Religion, welche sic auch verkündigen, sei gut. Glaubt das :.!;t Als JesuS Christus, unser Aller Herr, die Erde durch seine genwart heiligte, betrat er England u,'d verkündigte u»S seine ' .c: haltet aber wohl in Obacht, daß-er niemals einen Fuß auf 'r "tzösischen Boden setzte. Daraus allein könnt ihr annehmen, wer wahre Religion hat." Jesus ChristuS ein Engländer — paturam v scribere difficile est. „Warum soll dieses gottverfluchte Gesindel nicht vom Erdboden vertilgt werden?") J»I Städtchen Kryschopol im Odeffaer Bezirke wurde» am 8. d. M. fünf Personen crniordct, nnd zwar wegen des nichtigen Betrages von 10 Kopeken. Der Mieder, der sechzigjährige Rachtwächter Katerintschuk, war, wie die „Odeffkija 4kowost" -meldet, mit einer Frau Ramcnö' F e l d in a » n wegen zehn Kopeke», die sic ihm versprochen, in Streit gcrathen; er ist ihr nach gelansc» und hat sie mit einer Eiscnstangc niedergeschlagen. Auf die Hilferufe der Frau eilte ihre Köchin herbei, welche, der Mörder auf dieselbe Weise erschlug; sodann begab er sich in das Hans und tödtete die zwei schlafenden Pensionäre der Frau Fcldmann, die vierzehn- und siebzehnjährige» Rabino witsch und ihren Lehrer Bernstein. Als Feldmann nach Hause kam, trat ihm Katerintschnk entgegen und holte zuni Schlage ans, der aber sehlging und dem alten Mann nur die Schulter streifte. Aus dessen (Geschrei liefen die Rachbarn herbei nnd Katerintschuk wurde gefesselt nnd der Polizei übergeben. (Tie Huden in Rninänie».) Die von antisemitischer D.'ile aus gestellte Bchanptnng, der .rnmänische Jude sei . ausschließlich dem Wucher ergeben nnd wolle von körpeilicher Arbeit nichts wiffen, ist schon oft widerlegt worden. Eine neuerliche Widerlegung 'indel -tuin der von unvatlciischcn Blättern aus Grund der Handelsstaeisti! des abgclaufenen Jahres festgestelltc» Thai'ache, daß di< Eladl.Jaiin durch jüdische Ilnterncbiuer und Arbeiter sich allniälig zu eisier In dnstriestadt herausgearbeitet hat, deren Fabrieatc mit dciien des Ans landes jeden Berglcich aushallen töniien. Selb» das verwöhnte Bojarenpliblienin, beinerlt das „Jnimalul", ivelches fr über die „jüdi scheu Fabrikanten" nicht genug verböhnen lonnle, erkennt jetzt den Werth der Loealcrzeng»,iffe an, die neben der Solidiläl auch den'Bor thcil der Billigkeit haben. So liefere die von einem jüdi'chen Con i'ortium gegründete Riöbelsabrik „Fortuna" die bie dal»in a»S Ungarn iinportirtcn Stühle. Früher habe inan die'Möbel gegen einen nngehenrcn Kostcnansmand ans den Melropo!.e» - des Westens bezieben - müssen, was sich natürlich nur die Reichen leisten konnten. Diejenige wesentliche Berbillignng sei.'daS Berdienst der jüdische» -Di'chler, ivelche geradezu BorzüglicheS leiste». ,;Alle in den Schaufenstern der großen Gcsä>äste ansgestellten Möbelstücke, die an Eleganz und->>ie'chinack den feinsten Pariser Erzeugnissen gleichkomme»." sagt das „Jnrnalnl", „sind das Wert von Juden, welche >n engen, schlecht beleuchteten, dninpfcn Kammern vom st libcn Morgen bis spät -in die Rocht - hinein arbeiten. Diese mit wahrhafter Selbstcnrünßeriing für die Erhaltung ihrer Familien sich abmühenden Lerne widerlegen die zwar oft gehörte, aber darum nicht-mindci, unwahre und nngcrechle Anschuldigung, daß der Jude ein ivcinir der schwere» Arbeit 'ei und. - ivie die lügnerische Phrase lautet, sanl, arbeitsscheu vom Schweiße der Bauern lebe!" 2his antisemitischen Vereinen und!?ersannnlunaen. « Ziic Rcichsratliswahl ans der Landstrane. - tueee., 3 a> At e u c r ..ist fiiii von dein „I e » t > Ji e n B cif" v e r e i v". a 't von e,„e„ Ilii'ee.z.'betiei!. kttr das eiledigie; Lanküra'-er Aeia:s:-a!l'tinand.'i -.'.üdidwen. rlm 15 d ±K sank eine Pei-aini»l»i>g des genaitnien Be>-ruc-' ">?e>'k-et>aale" f / nan. an weicher jedoch unr e:rca 1 1 Per-one» mu .'.»-.»ty:. t.«»»' ::n v,S l" Ltzahlcr ibeilnalinie». Es ipraelien 'i. v 2S e : arn .a und .l r o, deren „»»verkäl'chle deutsche itzorlc" irnl .sv-n 'W.iäer ->!:,!>„ begieiiei wnrden. Mehr Beaä'iniig als.'eine beiden M-.uedner verdtem ivobl Jro, denen i», r'ln'lrage seines Prollierin abgegebene Eilmliingn, ai-o ianien: „Tie dcnl-ch naiionaic Parier bar be'chionen. bei der bevviüelielidei, Wahl an! der Laudslrajie nnbedingl einen eigene» Eandidaren imsyineheu liniere Partei hat nnseren 'Führer Schönerer ins Auge ge'aül, und'wir'-haben die 'äonnring. noch nicht atitgegebciz, da» Scl'ötierersich zur -.'lnnahmc der Eandidainr beivcgcn iancn werde. Tie Teut'ch Aalionalen werden in nächsier Zen ihren iLandidate» ötseiinich nainbast tnachenz dariibrr, da» die>'er nicht ein straininer Aiilisciiiii lei» wird, branchci, sich dir Ehrisnich Sorialcn ain allerweiiigfte» zu ängstigt». Wir weiten keine Eonipioiniste schließe», nnd untere Selbstständigkeil zu ivahrcn wissen We'nn andere '.'Imiiemitcii es i ehrlich meine» mit "fern Antisemitismus, wenn ei ihnen nid» um Soiiderimercssen zn tim» ist, sann werde» sie bei dieser Wahl mit nn» gehen. Ter Baute Berg an i darf sich unter dcn HilsStruppen nicht befinden' von einem Manne, deö int Perlaufc von vier Jahren vmi jüdischen Batiken und Aetiengkiellichaste» über •22.000 fl. an Pauschalien für sei» Blatt eilig,stcdt J>at, btat che» wir leine Hilfe." Würde der Pohrlitzcr alte Herr noch leben, io hintc er eine hetzliche Freude daran, wahrzimehinen, wie klug zind vorsichtig der h'nttc setner Enkelin großen MandatShiinger zu stillen sucht, ohne sich selbn eine Blöße zu geben., Wozu hätte denn ein reicher Mann sein HauSgesinde? — Schinuel t'eeb .Hohn weilt aber leider nicht mehr unter den vebende».