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Freies Blatt · 1895-02-24 · 151 (24.2.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
151 (24.2.1895)
Date
1895-02-24
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Freie» Blatt. Nr. 15,. Leite 4 KlapS, Jacob Rothberger, der reichliche Mittel auS seiner Klciderichwciiinic zugesagt hat, u. A. Tie constituirende Versammlung findet Anfangs Mär; statt. 'Nähere Auskünfte über die geplante wohlthätige Institution crthcilt gerne unser Bureau. ((kigtllkS Bcrschulden.) TaS „Bürger-Blatt", Organ für die Interessen der westlichen Bezirke, schreibt: Bezirksausschuß Franz Jank ä, welcher durch neun Jahre das Amt eines Vorstehers der Glai'crgcnossenschaft bekleidete und erst in jüngster Zeit seiner Verdienste wegen mit einer communalen Auszeichnung geehrt wurde, ist bei der kürzlich staltgehabten Vorstandswahl seinem antisemitischen Gcgencandidatcn mit einer Minorität von drei Stimmen unterlegen. TieseS Resultat ist um so bedauerlicher, als die Niederlage des fortschrittlichen Kandidaten nur dadurch ermöglicht wurde, daß in der Person deS fortschrittlichen Bezirksausschusses H. Kr ei b ich ein zweiter Kandidat für daS Amt eines Vorstandes aufgestellt und hiedurch eine Verwirrung in die Reihen der fortschrittlichen Wähler gebracht wurde. Wann endlich werden unsere Gesinnungsgenossen von den Gegnern Tisciptin und Einigkeit lernen? Wir fürchten, erst dann, wenn es zu >päk sein «wird. Tcr Skgtll des Papstes.) Zur Romfahrt des Fürsterzbischofs von Prag wird der „Politischen Correspondenz" geschrieben: „Ter Aufenthalt deS Cardinals Schönborn in Rom steht mit der Frage ' deo Antisemitismus und der mit derselben verbundenen christlich-socialen Agitation in Oesterreich im Zusammenhang. Man hat im Vatican .erfahren, daß die Tepesche, mit welcher der Cardinal-Staatssecretär Ranivolla daS an ihn vom Prinzen Alois Liechtenstein vor der Versammlung der Wiener Christlich-Socialen in Linz gerichtete Telegramm beantwortete, in den katholischen Kreisen Oesterreichs lebl'arkc Bewegung hcrrorrief. Nach den dem heiligen Stuhle zugegangenen Mitthcitungcn soll cs nunmehr feststehen, daß die Gesammtheit des österreichischen Episkopats die.erwähnte Agitation entschieden mißbilligt. Andererseits werde im Vatican absolut bestritten, daß das gedachte Telegramm des Cardinals Rampolla eine Ermuthigung deS AntisemirismnS oder eine Gutheißung der Ziele desselben bedeute. Tie -ganze bisherige Haltung Leo'SXIll. und des heiligen Stuhles schließe eine derartige Auslegung schlechterdings aus, und man betone, daß die apostolischen Nuntien, die in Wien thätig waren, sowie auch der gegenwärtige Nuntius, Monsignore Agliardi, den Förderern der den Anii'emiiiamns unterstützenden christlich-socialen Agitation nie die geringste dirccke Billigung zuthcil werden ließen. Es sei wahrscheinlich, daß inan dein Cardinal Schönborn Aufklärungen in diesem Sinne bieten wird, die den Zweck verfolgen werden, den österreichischen Episkopat über die wahren Tispositioncn des heiligen Stuhles zu beruhigen." — Tic Antiscmircnblättcr sind über die voranstehenden Mittbcilungcn.l'cbr ungehalten, und eines derselben meint: „Welche Antwort auch Cardinal Schönborn aus Rom bringen mag, auf die Stellung und auf die Kampsweii'e der antisemitischen Partei kann dic'clbc nicht den gerigsten Einfluß üben." Toch! Toch! Es ist immerhin möglich, daß der Schwindel mit dem erschlichenen päpstlichen Segen fürder nicht mehr rentabel sein werde. Leopold Zcherzer.) Ter ehemalige Pfarrer von Schrick, Leopold Scher;er, der zur freudigen Ucbcrraschnng seiner Wirlhschafterin von den Geictnvorncn des Korneuburger Kreisgerichtes von der Anklage der AintSveriintrenung frcigcsprochen worden ist, wurde, wie eine Localeorresponden; meldet, durch das fürsterzbischöfliche Ordinariat in Wien wieder in den activen Scelsorgcrstand eingerciht und zum Cooperator an der Pfarrkirche in Klauscn-Leopoldsdorf bei Baden ernannt. Wieder ei» Sieg der christlich-socialen Sache! Hoffentlich ist auch Leopold Schcrzer.'s treue Wirlhschafterin nicht mehr vacirend. Mein Salzburg lob ich mir! Es ist ein klein Wien ....) Alts Salzburg schreibt man uns: In der Sitzung des hiesigen «''emcindcralhes vom 11. Februar hat der liberale Vicebürgermcister Tr Pollak unter deni Eindrücke der antisemitischen Kampfesweisc ''.me Tcmis'ion gegeben. Ter unmittelbare Anlaß hiezu war 'L.t?::der: Hier wie anderwärts geht das Bestreben der Fleischhauer de.! ui, ibr . fortwährendes Steigern der Fleischpreise und die Verödung von Kubfleisch vor dem Publicum zu verbergen, und die .!welche stets gigen „jüdischen Wucher" auftreten, sorgen . tü! 1, da'ür, daß gegen die „christlichen" Fleischhauer nicht behörd- :-l!' i'crv vo: z.-gangen und ihren braven Wählern kein Haar gekrümmt . d: ter erwähnten Sitzung nun stand ein Antrag der Markt» ' : o:i. .; : ScblachtanSweise monatlich zu veröffentlichen, zur Tebatte, ::: d hir.i! kam eine Eingabe der Flcischhaucrgenossenschaft zur Verjüng, welche die Aushebung der Veröffentlichung verlangt, da die- '.ib: eine Schädigung für die Fleischhauer bedeute und im Publicum urige Ansichten über den Geschäftsverkehr der kleineren Fleischhauer tul'.ctte. In der Eingabe wird die Veröffentlichung eine Geschäftsstörung genannt, die nach dem Gesetze strafbar sei und gegen welche die Fleischhauer beim hohen Mini' sterium Schritte thun wollten. Vicebürgermcister Dr. Pollak erklärte, auf eine solche Sprache, welche geeignet ist, daS Ansehen und die Autorität des GemeinderatheS tief zu schädigen, gebührekeine andere Antwort als Uebergang zur Tagesordnung,, den er denn auch beantragte. Dieser Antrag wurde jedoch nach einem kleinen, von dem bekannten Antisemiten Stainer veranlaßten Scandale — abgelehnr. Stainer's Gesinnungsgenosse Dr. Kilcher glaubte ein Ueberflüssiges thun zu müssen, indem er seine Freude über die Ablehnung des An trageS ausdrücktc und den Ton der Eingabe mit der „stylistischen Unbeholfenheit" der Verfasser entschuldigte, welche ihre Wünsche eben in „volkSthümlicher" Weise ausgedrückt hätten. Vicebürgermcister Dr. Pollak erinnerte daran, daß, als vor zwei Jahren der „Teck, nische Club" in Angelegenheit deS Linzer ThoreS eine etwas schärf-.c Eingabe an den Gemeinderath machte, der Bürgermeister das Referat selbst übernommen und unter Zurückweisung der Angriffe den dirsbezüglichey Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung gestellt habe. Ein Gegenantrag auf motivirten Uebergang zur Tagesordnung fand nur fünf Stimmen. So habe man vlör zwei Jahren das Ansehen und die Autorität deS GemeinderatheS gewahrt, und zwar dem „Technischen Club" gegenüber, dem die Gemeinde zu Dank verpflichtet war. Heute habe sich die Majorität des GemeinderatheS den Borwurf einer strafbaren Handlung machen und mit der Regierung drohen lassen. Unter solchen Verhältnissen wolle er nicht länger Vicebürgermcister sein und lege diese Stelle nieder. Der Vorsitzende machte einen Versuch, Dr. Pollak zur Zurücknahme dieser Erklärung zu bewegen, allein Dr. Pollak hielt dieselbe aufrecht. Es ist menschlich wohl nur zu begreiflich, daß ehrenhafte Männer sich von einem Schauplatze zurückzichen, auf welchem man sich mir zu leicht persönliche Beleidigungen und Ehrenkränkungen aller'Art holen kann. (Mußte doch Dr. Povinelli selbst zugebcn, daß der Ton der betreffenden Eingabe ein „rüder" sei.) Als Parteimänner hätten freilich die Liberalen Salzburgs die Soldatenpflicht, im Kampfe nicht nach Erhalt einiger Streifschüsse die Flinten ins Korn zu werfen. Wollen sie den Salzburger Gemeinderath ganz den Antisemiten über-, antworlen? (Tie Juden und das Handwerk.) Der rührige Centralver'ein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag versendet soeben seinen Jahresbericht. Aus demselben erfahren wir, daß dieser Verein seit dem Jahre 1889 61 Lehrlinge bei Meistern rerschiedener Handwerke (2 bei Buchbindern, 1 bei einem Fleischers 2 bei Gerbern, 1 bei einem Gelbgießer, 6 bei Goldarbeitern, 1 bei einem Goldstaffirer, 10 bei Handschuhmachern, 1 bei einem Kunstschlosser, 2 bei Lithographen, 1 bei einem Mechaniker, 2 bei Posamcntirerii, 1 bei einem Sattler, 2 bel Selchern, 7 bei Schlossern, 9 bei Schneidern, 1 bei einem Schriftmaler, 1 bei einem Buchdrucker, 1 bei einem Schuh- macher, 1 bei einem Spengler, 7 bei Tapezierern) untergebracht und für deren Unterhalt gesorgt hat, sowie daß bereits 49 Lehrlinge frei* gesprochen wurden. Man sieht, wie ungerecht der Anwurf ist, daß die Juden das Handwerk fliehen. Wenn die Zahl 'der jüdischen Handwerker heute nicht größer ist, so liegt die Schuld zumeist daran, daß es den Juden einfach unmöglich gemacht wird, als Handwerker fortzukommen. So wird uns aus Deutschland folgende Geschichte berichtet: „Einem jungen jüdischen Uhrmachergehilfen in Celle wurde auf 28 Anfragen um Arbeit in fünfzehn Fällen die offene Antwort: ,Nein, ich nehme keine Juden als Gehilfen.' Die übrigen dreizehn Meister antworteten entweder gar nicht, oder sie verschleierten ihre Absage unter allerlei Vorwänden. Einem anderen Juden in derselben Stadt, der seinen Sohn bei einem Kürschner in die Lehre geben wollte, war dies thatsächlich unmöglich, weil kein einziger Kürschner sich dazu verstehen wollte, einen Juden als Lehrling anzunehmen." Nachher schiebt man aber die geringe Betheiligung der Juden an der Handarbeit der „jüdischen Faulheit" in die Schuhe. (Aus dem Gerichtssaale.) Der römisch-katholische Pfarrer von Nicmirow, Ladislaus Mscisz, wurde am 15. Februar von den Geschwornen in Lemberg deS Verbrechens des Meineides schuldig erkannt und auf Grund dieses VerdictcS vom Gerichtshöfe zu einer sechsmonatlichen, mit Fasten in jeder Woche verschärften Kerkerstrafe veruvtheilt. Meineid ist bekanntlich ein jüdische- Specialverbrcchen. — Das Münchener Landgericht hat als Berufungsinstanz den Redacteur des antisemitischen „Deutschen VolkSblatteS", Wengg, wegen Beleidigung deS praktischen Arztes Dr. Victor Erdt in Partenkirchen zu 100 Mark Geldbuße verurtheilt. Dr. Erdt (Christ) hatte seinerzeit vor dem Besucheder Antiseniitenversammlung in Partcnkirchcn gewarnt. Wengg hatte

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