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Freies Blatt · 1895-02-17 · 150 (17.2.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
150 (17.2.1895)
Date
1895-02-17
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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ZTr. 150. feite 8. .«freies lSonic (finftdU.I Tie töniglich sächsiiäie „r eipzig er Zeitung", welche n.!-; E>üe den AulisemilismuS im Vande der Geinüchliäikeil grsßgezogen Halle, in nun lief eiilrünek über den RadicaliSinn?, welcheni die ehemaligen Lchüylinge in neuester Zeit jm'teitein. Zn einer Besprechung der Broschüre „Mein Äu-'lriil au-; der anliieinilinhen Barlei" von ' Wilhelm Georg schreibt sie über gewine aiilisemili'll-e Führer: „ffir kennen sie zur cvenüge die verkra etilen und verbummellen Existenzen, die die ivirlhichailliebe Nolh de» Bollee zu bekämv'eil vorgeben: die vcule, welche jede selbstlose und u» abbängiae Führung der höheren .Xrei’e verdränge» unk verleumden, um die ManeiT in den Tienzi ihres eigenen Ehrgeize-; zu stellen, die Reformatoren .'eni-.ber -Sille, deren Privatleben nicht nur die Presse, sonder» den S di ar f ri et rer zu i che neu bat, die ebrisilichen Bekämpfer des lalinii: ', die in der eigenen Bibel »iebl Beicheid iviiien, die Feinde aller Äu-;bentung. welebe die telbneniiachle Beivegung de- Bolkes zur Grundlage ibre-Z wirlb'eba'llichen Ta'ein» machen." Ta-; B»d ist lrefsend, aber wir habe» leine Freude. an die'er veiivätekeu Neue. Als der ÄutiieinillSinu' i» die Höhe kain, balle e-; Einnchl und Boinebnibeik -beilieicn, diese Beweguiig ruhig und iinbe'angen zu prü'en, anstall ihr blcndlrng-; zu folgen. Zetzt,. wo der B.nli- -e:nili-;inus in Teiilschland durch >ei»e Führer in Verruf zu koinnien beginnt, beweist e-; wenig ,.deuiiche Treue", ibu wieder fallen zu lass«'. L-cnlllcron. IX'inricj' ^X'ine? Dev -Vcrcl)crvcrcl). Gustav Frarpcle». Riä-ls :>'l irriger als die Behauvlnng, Heine habe seine dichte niche Eigen,in in diesem Werke zu verleugnen gesucht. Diese tritt vielkiichr nicht nur in der Weltanschauung. aus welcher das Werk hclvorgegaiigeu ist, sondern mich in den Darstellungsmittrln lebendig hervor: «owohl in der plastischen Schilderung der Sltnationen, als in den lelismneii Antithesen nnd nicht;iiin Wenigsten in der iiberraicheuden Vrrbiiidung einander sernliegender Vorstellungeu. Schon hier begegnen uns die Adjeeuva, welche in den „Rord iee (Gedichten" wie in den „Reisebildern'' uns durch die.Verbindung lwi leble'en Wesen reiten und fesseln, die Adjeeliva mit Gegen sinn! Wir leien von zahnlosen. Ziuneu, von blinden Warllhürmche», stolz eniporichiestenden vn, irotzig sich geberdende» Bergen, wir erleben einen beiter grünen SommeNag, wir bören von leichen Iiast dnsleiiden Blumen, von schad,ii''rob und zugleich selbst beängstigt twilichernden Vögel.», von den lieimlückisch gelben Streif iulnern, die der Mond über den dunkel hinmupmelndeu Strom warf. Zn Franksnrl lrenen w:r breite Rathsherreu mit wohlhabend bauschigem Wams, angstvoll hastige und aufseutzeud lang ’.'.nie, aber auch glanzreich binflallernde Weiber u. s. w. Der große ^v^eirai«. w.lcher Heine durch sein ganzes Veben bindnrch verfolgte, zwischen -dem dürren, fr endlosen Hebräer nnd dem, trüben, analslickligen Razarener einerseits und dem roelt* ireildigen, liimesfroheu Heiden andeiersoils, begegnet uns auch hier zum eistenmale. Zn diesem Eonirast liegt ja auch der Gegenao.tz zivi'chen de» beiden Hanvlcharakieren und den von Urnen vertretenen Richtungen angedenlet, und eben diese Gegensätze waren' - e, die den D.chier selbst während seines ganzen Gebens erfüllt/ - nnd bedrängt habe», ohne daß er es, im Vebeu wie im Dichtest/ ,:::e:n friedlichen Ausgleich halle bringen könne». "» Aach der H u m o r , st begegnet uns schon in diesem Werke. '\:r, stm d freilich noch ganz auf dem Boden der Romantik, als er an dem „Rabbi von Bacharach" schrieb, aber es zeigen sich anä' hier icl.n die Heime eines inneren Widerspruchs gegen diese ^Kunstauschauiiiig, deren Formen er nur zu bald durchbrechen sollte. Aber Heine s Romantik war e.igenthiimlich gestaltet: sie war Bgi. Vil Blatt. keine „Passionsblume, die dem Blute Christi entsprossen, sie bestand auch nicht ans der Freude an den Liedern, Bilder» und Bauwerken des Mittelalters". Heine's Romantik — war das Iudeiith » m des Mittelalters mit seinen Leiden und Verfolgungeii, mit seinen Sillen und Gebräuchen, mit seinen Hon nimgen und Träume». Das war seine romantische Vorzeit, und in diese lebte er sich immer tiefer hinein, je mehr ihm durch de» Umgang mit den Männer» des „jungen Palästina" von der geistigen Bedeutung des Judeuthumö und von dem historische,, Stammesbewußtsein alifqegangen war., Heine hielt das Zudeuthum damals noch nicht „für eine längst verlorene Sache", wie später: aber er halte sich den Verjüngilugsproeeß desselben freilich anders gedacht als jene Flachköpfe unter seinen Zeitgenossen, die ihn, weil seine geistige Mrnft ihnen gefährlich wurde, zu verlästern suchlen. Auch sein Humor war ein Erbe seiner Abstämmling. Der Witz ist ihm nur erträglich, wenn er auf einem ernsten Grunde. ruht, und er sagt:"» „Seitdem es nicht mehr Sille ist. eine» Degen an der Seile zu tragen, ist es durchaus nölhig, den: man Witz im Kopfe habe. Zener Angriffswitz, den ihr Salme nennt, hat seinen guten Rutzen in dieser schlechte», nichtsnutzigen Zeit." Wiederholt betont er eS, daß der Ernst um so gewaltiger hervortrete, wenn der Spaß ihn vorher augekündigt habe, und' dieser humoristischen Zronie, die in de» „Reisebildern" ihren Höbe puntl erreicht hat, begegne» wir auch schon im „Rabbi" auf Schrill und Trill. Schon aus dem ersten Blatte seines RvmaneS! :i erzählt er uns aus dem alten Bacharach: „Die Geistlichkeit herrschte ün Dnukeln durch die Verdnukelung deö Geistes. — „Die Zu de ii (waren) hinlänglich verhaßt wegen ihres Glaubens, ihres Reiclilhums und ihrer Lchuldbücher." Mil prächtigem Humor erzählt er von den Fuchsbärten, die nicht so recht an die Frömmig keil des Rabbi Abraham glauben wollleu, der tagsüber daS göttliche Gesetz int Kreise der Schüler erklärte und des Rachls die Sterne des Himmels oder die Angen der schönen Sara be trachtete. ") Reizend ist auch das hnmoristische Zulermezzo zwischen dem Rabbi und seiner Galliu, während der Vorlesung der Hagata j:’) Zu weltgeschichtlicher Höhe erhebt sich Heiue's Humorin den Träumen der schönen Sara, in jener Frühlingsnachl auf dem Rhei'u, in der, der „stumme Wilhelm" mit seinen - schönen, tiefblauen Augen die Staffage in sehr wirksamer Weise belebt und wo sich die Bilder gar wunderlich! vermischen und zwischen durch halb bekannte, halb fremde bärtige Gesichter und große Blume», mit fabelhaft breitem Blattwerk hervorschaue». wo der Vater Rhein die Melodien der Hagada zu murmeln, au fängt und die Bilder derselben lebensgroß und verzerrt auS dem selben hervorsteigen, -bis die schöne Sara am Binger Striche! durch das Rachlgebet des „Rabbi" aus ihren Tränmen erwähl.' „Da verzog sich plötzlich all das eindringende Dunkel und Grausen, der düstere Vorhang ward .vom Himmel fortgerisseu, es zeigte sich oben die heilige Stadl Zerusalem mit ihren Thnrmeii und Thoren, in goldener Pracht leuchtete der Tempel, auf dem Vorhofe desselben erblickte die schöne Sara ihren Vater in seinem gelben Sabbathschlafrock und vergnügt mit den Augen lachend; aus den runden Tempelfeustern grüßten fröhlich alle ihre Freunde und - Verwandle, im Allerheiligsten kniete der fromme König David mit Ptirplirmantel und' funkelnder Krone, und lieblich ertöme »ein Gesang und Sasteuspiel — und selig lächelnd entschlief die schöne Sara." Zm .zweiten Eapitel gelange» wir aus dem Reiche dieses HumorS und der ihm entsprechenden Kniistform der poetischen ii-, J4>1. "I IV. 22t. . ", ii., 22». 4 -1in. 22» ff. " i i>>. 231 ff. m;; VII. t>,:> «

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