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Freies Blatt · 1895-02-10 · 149 (10.2.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
149 (10.2.1895)
Date
1895-02-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Ilr. 149. Freie - ütttn äuge«, ec über die LivilstaiidSgesetzgebung, die Geiverbesreiheil und die Goldwährung. Fenier machte Herr v. Manteusjel eiiiige Witze Uber die Freisiniiige», sprach jedoch dabei seine Verwunderung aus, daß diese Parlei „eine io »msassende Presse habe und »ine so große Schaar von Abonnenten aus diese Presse". Die „gerechten antisemitischen Bestrebungen" seien da« beste kampsmittcl gegen den Fortschritt. Zu bedauern sei, daß in vier Umsturzvorlage kein Wort von. Ehristenlhui» und Vaterland stehe, sondern nur da» Wort „Religion". Unser germanisches Volk müsse mit Gott für König und Vaterland, für Kaiser und Reich kämpfe». Der sattsam bekannte RechtSanwalt K l a s i u g. der nach dem Parteiführer sprach, versicherte, eS sei gut gewesen, daß die konservative» die Führung der anlisemitischen Bewegung ergriffen haben. Von Elementen, die 'den Antisemitismus diScreditire», müsse man sich trenne», aber sich zugleich bemühe», der Bewegung immer neues Leben einzuhauche». Tie Jude» ruinirten de» Mittelstand im Allgemeine» und den Bauer im Besondere» Tie Emancipatio» der Jude» müsse wenigstens aus politischem Gebiete aufgehoben werde»; die jüdische» Richter müßten abgeschafst werden. Tie „Judeiisrage" weide nur gelöst durch Schäftung einer christliche» Gesellschaft und eines christlieben Staates, Ter Redner erntete für seine judenbeperische» Auslassungen lebhaste» Beifall, und es wurde ein Hoch ans die „Berliner Bewegung" ausgebracht. Ein DrechSlermeister Gronau, der sodann die Haltung der Partei tuder Handwerkersrag? bemängelte, wurde von den Herren v. H a m in e rü >- i » und Jakobskötter widerlegt. Freiherr v. M a n t e „ s s e l ergriff im weitere» Verlause deS Parleilagc« abermals daS Wort und gab seine» Wunsche» in Bezug aus die UnterrichtSpflege durch das Aujlischen folgender Reiiiiiiisccn; Ausdruck: AIS ec, e», geborner Berliner, da« Friedrich WilhelmS- >Sl,m„asi»m besucht Hane, sei ihm auch daselbst die in seiner Familie nicht . rcrde fremde conservaiive Gesinuung eingeimpsl worden. Ei» Professor habe ,i„it bei der Jntcrpretalio» von „In Vorrem" gelragt, wie die hefte lieber- 'rduiig von „viri optiini“ wohl sei „Tie beste» Männer", „die vvizüglichste»" ei vo» den G>>mnasiaste» geantwortet worden. „Nein," habe, der Pros fsor ge- -agk, die „eoitiervativen Männer"! Lo sei damals der Unterricht gepflegt norde»! Zu bemerke» ist noch, daß der aus der national-liberalen Partei auS- .-■chlost'kne Tiedrich Hahn sehr heftig gegen die Inden sprach, Sladtverordiieier heutig „einige Beispiele jüdischen Geistes i» der Stadtverordneten ver ainnilling" znin Besten gab. Adolf Wagner kickalheder 3 ocuilifteu gegen ' » Vorwurf verwahrte, der Social Temokraiie in die Hände zu arbeite», und chliefnich Frmer ei» Hoch aus den Fürste» V.ismarck ansbrachic. So-sebr .u,di die TivoliERanner antiseniilellen, saßle» sie doch keinen den Hrtzreden ent wrechendeu Beschluß. Man führt diese Z»rückhali»»g aus „taktische Grünte", »er ui den ueuksten Eour« große Erwartunge» luüpsende» Führer zurück. Die Radau Brüder aber, welche schon vor dein Parteitage bebaupleteu, daß eS den Tivoli Männer» mit dem AiiliiemiiismuS nicht ernst sei «siehe die Ronz: „Tie Ve'chiniplnng der ReligionSgesellschaslen" in der Rubrik: „Aus den antiiemiii 'che» Blättern"», düiiie» nun gegen die lediglich auf ihren Soudervortheil de dachie» „Lcheinaniiiemiie»" umso schärser vorgehe». A h l w a r d l. der aus der ReickiStagssraclio» der denkich-sociale» Resorniparlei nun auch als Hoipilanl lnnausgeworse» wurde, wird wohl die Freude erlebe», daß diese Pailei trotz r i? b e r »i a n n v. S o n n e » b e r g ' sich beinnisigt sehen wiid, die Kamps rarole de» „Bundschuh" Feck'ter« sich zu eigen zu mache», welche lautet: „liegen Inden und Juiiker!' ,Böckel und Ahlwardl als Parlei- »nd Zkikniigsgriilider.i Tr. ^rro Böckel,. der sich in der Gesellichasl lener Männer, die ihn au« Marburg rerll'uben haben, nicht behaglich fühlte, ist ans der antisemitischen Fiaenon des deniicheu Reichstages aiiSgctrelcn. AIS Gründe seines Ausirtiles gab er an: l. Tie AnSschlicßung Ahlwardt's, welche beweise, daß die Fraclion auf die ..Einigkeit" nicht mehr Gewillt lege; 2. die rcaelionäre Polilik de, Fraciioü >» Bezug ans die Uinsturzvorlage. Ain 5 d. M fand nun in Ber li n eine ami einilische Vtkiamniluug stall, in welcher Ahlwardl über seine Ausschließung und Tr. Böckel über seinen Anslriil au« der anliieinilische» Fraclion sprachen Beibe schleuderten zahlreiche, für de» ganzen AntisemiiiSiuuS bezcichnende Anivürie gegen ihre bisherigen GesinnuugSgcnossen im Reichstage, klagten über Verralh durch L i e b e r m a » » v. S o » n c n b e r g und Z > ui m e r in a » n. Böckel beschuldigt de» Erfteren. bei den Stichwahlen von 18ll3.de» 'Wahlkreis Holgeisinac für 300 Mark verschachert zu haben Komisch waren die Klagen Ahlwardl'S über sein früheres Leiborgan, die „Staatsbürger Zeitung", welche A»»o»ce» vo» Judengeschäslen auinehme, seine, eigene Ankündigung dieser Vcr iaininlung aber lioy angeboielier Bezahlung zurückgcivies«» habe Böckel und Ahlwardl zeigten a», jetzt eine echte aulisemilische BolkSparlei g>it,ideii zu wollen, die ein Mitteldivg zwischen Revolution und Reacliou bilden sollte. Re dacieur Wilberg vo» der „SiaatSbürger-Zeilung" verlheidigie die letztere; inai: löiine. ihr nicht verdeiilsn, daß sie von Juden Annoiicen aimehme», von Anti, stmiien bekomme sie doch keine. Die Leier der „Staatsbürger Zeitung" würden trotz aller Annoiieen doch nicht bei Jude» laufen. Wen» die Zndr» so dunrin 'eien und in ihr annoucire», so sage er: „Her mit dem Zndengxld!" Dadurch werde die anlisemiltsche Bewegung unterstützt. lLärm.) Schließlich mißb Uigtc die Becsamnilnng die Ausschließung Ahlwardl« an« der Fraclion; auch wurde iür eine neue voir Ahlwardl und Böckel zn gründende Zeitung gesammelt, als >Blat«.. reene 7 ■ deren Zweck Ersterer oise» angab, damit Geld ,n verdienen, damit er. nicht ans den Erirag von Versaininlnnge» angeiviese» sei. — ^sn idieien Vorgängen „r Berlin erhallen wir »och an« Franlsurl am Main folgendes schreiben: ES ist iniercffant, sestznstelle», daß die denlich-sociale Re-ormparlei schon seit längerer Zeit Herr» Böckel von sich wie« und dieser, wiidr,»' seine einzige Uiiierstützizng bei dem Gastwirrh Bodeck fand. Beide hielten Ver'anrmlüngeir ab, i» welche» and wohlbckannlen Gründen stet» gegen die »»barmherzige» Gerichtsvollzieher loSgezogen wnrde. Tie airlisrnriliiche,, Zein,„gen. ,n,i Au«! „ahme de« ,-.Reichsherold", igiioririeir diese Versanimlungen vollständig. Ahl- ■ warbt, der „HanSwurst her Partei", wie zhn sei» »niimchriger „GeschaflSgeiiosse"! Böckel sejuerzetl nannte, ist jetzt also treu mit diese», verein,. Beide ittchen i nunmehr, mit der Ausgabe vo» Anlheilscheincn zu je '!■> .'.llark unter Garanne rinn 4perce»ligc» Verziniuiig die kleine Summe vo» 'Tolrosoum eine neue Zeitung „Ternsche« Volksrechl" zu gründen. Gew.iß eine »de,» Eaviraltste» zu empschlende Aiilage. antisemitischen blättern. (Tie «kilykll der Throne.) Derselbe Spitzer Weimar, reue» gcicha'ts antisemitisches Her; vor Eütrüstnng überflnihct, wenil rin ..jndenliheral.s" Blau ■ die lächerliche Großmannssucht eines abgetackelie» Rachkommrn des Philipp Egalilö mit de» euliprechenden Worten kennzeichnet, bleibt kalt, wenn in onenein Landtag der allerdings als Freiinanrer belaniue Tlnonsolger Englands „Wm» li»g" geschimpft ivird. '.lleiieidtirgs nennt er aber eine .Huldigung, welche der! rstjsische Adel dem Car RicolanS II. darbrachle, „st a r l.r n Tabak", di« Adelige» selbst „L a k a i e n s e e l e »", und zur Keuiizeichiuiiig -hrer .HandiungS weise crinuerl er a» die Verse: ’ '-'cur die allerärgsten Kälber * 1 Wählen ihre» Metzger leiben. Und daS Hai die bronzestiriiige Frechbeir. über airgeblich^de» Thronen gefährliche Tendenzen anderer Lenie klagen. <ir.c.-.-tii d» sclit in»«! i|Ueri-utv.s. tTic Beschimpfung der Rcligionsgcsellschasica.i Tie Beichlnfs.- derEom- Mission deS deutsche» Reichstage« zur Vorberalhung der Ilinstiirzrorlage sind den Anliseniileiiblällern »ich: recht, da ihr 'Wunsch, daß die Bestimmung gegen die Bcstchimpsung der ReligionsgejeUschasleii sich nicht auch ans die indische er strecken solle, nicht in Erfüllung gegange» ist. 'Ihrem Aerger macht die „Staatsbürger Zeitung" i» eiuein heftige»Artikel gegen dieEoincrvanvenLust: sieiagl: ES >'ei durchaus nicht znlresfend, wen'» in dem AuS>ch»sse von eon'crvativer Serle erklärt wurde, die Talmudkritik werde nicht beschränkt, die Anlii'-miie» köiiiilen sich, vorsichkiger ansdrückeu. So vorsichtig könne inan sich gar nicht ansdriicken,. tim dem Zndeulhuin nicht täelegenheit zn Anzeigen geh.», und da dis' Feststellnng der Grenze zwischen Be-'chimps,»ig »nd. zulässiger .'trink dem Thatenrichter znstehl, so npnde eS stets Richte,' gebest, ,die in solcher Talmndk-iiik. den Tbaibestand der Beleidigung erblicken und ein vernrlheilendeS Erkenniniß fäU«n„ Das könne den Eoii'eivaiivcn auch gar »id» veiborgen gebliebei, ie>„, und daran« rechtferlige sicki der Schluß, daß es vielen der'etben trotz Tivoliprograinm re. gar »id>t er,ist mit der Bekämpninq des Ziideinbimrs fei, sondern daß sie die« nur als Aushängeschild iür die Vka'ien gebr.rnchen und die Anliskiniien, wo sie können, ebeu-'o gern »»indiodl machen, wie eie« Juden und- „Jntengenosseu" Ibun. Ter mit Angst vor dem Richter gepaarte Aerger der „TlaakSbürger Zeitung" ist nni so begreiflicher, als ihr und ihresgleichen durch eine vo, sichtigere AtiSdrucksiveile fast jede Anziebniigskra': beiiommeii ivürde. Ihr Priblicum liebt starken Tabak. . ■ . ( . iT.cr beste antifcitlitifrtic Witz, i Vol Knrzei» .reii"' i,!tichle die „Rene Ziirckier Zeituilg" eine kleine Ge-chrchke, in wkld>er die EnkstehUirq deS. Bvcklin'schen Bildes- „Susanne im Bade" ans die Beftillnitg eines Berliner' BangitierS St. zuriickgeführl wurde, der mit dem K'stiistler dadurdl in einen . Rechisstrcht gerathen war. daß er iln» zngeinnlhe: haue, au» das ihm gelieierle Mahagonibre.lt eiivaS iür ein t'scbnriSlagSgc'cheiil G eigneleres zu male» oder das Brett unversehrt zurrickzlieiftaiic». Bei der geridillidlrn Schlichluiig des Handel« erhielt der Banguier eine Enlschädignng >nr da« Brett »nd das Bild verblieb dem Künstler und wnrde ein i'ehr begehrter .Handclsärtikel. Tie,uimisemitische Presse »ahm mm ohne Weitere: an,! der Berliner Bananier sei ein „uiwersälichicr Hebräer" und da« Bild die hliiilorvolli'e Satire gegen den „inoderneu Sbhlok". Tie „Teuliche W a ck> l" 'sthlle sich dtirch den Ausdruck einer übennUihigen Laune Böcklin'S sogar zu der Behsüpinng veranlaßt: „Jedensall« ist cs der beste anlisei»ikjsche W>'>, der >e gemacht worteil!" Ter „Eenlralvereiii de»lsd>cr Slaaisbükger jüdischen Glaubens", avelcher sich für aiiiisemiiisdle. Witzh ganz besonders intereistri, Hai aber in dem angebltchen ' „»»verfälschten Hebräer" einen christlickien Gei'dä't-Änann, den Sohn eines preiißischen Gutsbesitzers, crinitlelt, trssen it,d,lic»iriische Abstammnng außer allem Ziveisel steht. Wen» dessen Eonilici mit Böcklin der" beste anlisrmrtisd,e I Witz sein soll, wird rvobl 'Riemand nach muiPcr. gnien anii emni che» 2r>ttzen s lüstern sein.

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