Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 149 (10.2.1895)
- Date
- 1895-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite G. .freies Blatt. Nr.',<!«. enthalten, als dessen Veröffentlichung dem StaatSsecretär genehm wäre; sie würden faktisch so viele Londoner Gazetten sein, und der fleißigste Leser der .London Gazette' konnte gänzlich unbekannt mit den wichtigsten Begebenheiten seiner Zeit sein. Einige wenige Stimmen jedoch wurden zu Gunsten einer Censur erhoben. Diese Blätter, hieß es, enthalten häufig schädliche Sachen. Warum wurden sie da nicht gerichtlich verfolgt? war da die Antwort. Hat der Generalfiscal eine Klageschrift gegen einevon ihnen entworfen? Und ist es nicht ungereimt, von uns zu verlangen, daß wir durch Gesetz ein neues Gegenmittel gewähren, während das alte, von dem gemeinen Rechte gebotene Mittel niemals versucht worden ist? Bei der Frage, ob die Bill zum zweitenmale verlesen werden solle, waren die Ja nur 16, die Rein 200." Für diejenigen endlich, welche für konfessionelle Eide schwärmen und den Meineid für eine jüdssche Invention halten, wird eS interessant sein, wie das fromme England im Jahre 1607 aus dem Meineidschwören ein Metier gemacht hat. Macaulay berichtet nämlich IX. S. 281): „Der beste Theil der Bevölkerung bestand aus Schuldnern, die in Furcht vor BailiffS waren! Tie Uebrigen waren von der Liste gestrichene Sachwalter, Zeugen, die, um das Publikum zu benachrichtigen, wo ein falscher Eid für eine halbe Krone zu beschaffen sei, zuni Zeichen Stroh in ihren 'Schuhen trugen, Gauner, Hehler gestohlener Güter. Münzbeschneider, Fälscher von Banknoten ..." Aus antisemitischen Vereinen und Versammlungen. ijcr Abgeordnete des ganzen Volkes.) Trotz aller Eoneeisionen a» die Auweintterei und ihr 1'o.zenannies Wirihschafisorogramm hat sich Graf Wurm b r a n d nichi die Wunft der Vorsiadtiribuiie zu erhalte» gewußt. Bor Kurzem da: Tr Geßmann eine Deputation von Zosisiallbedienstelen zu in Handelsminister g-'übrk, frtvim aber bei diesem Anlässe nicht besonders freundlich empfangen worden zu fein, we-balb er dem Minister jetzt grollt und mit seiner •- Feind'äian drobt In einer jüngst abgehaltenen Versammlung von Poststall bedienneten erzablte er den Hergang nnd erleichterte »ein Überauellende» Her; 'olgendermaßen: Der Empfang seitens des Handelsininisters — so ersiihlte der züruende Achill vom Reubau —- 'ei'ein >'olcher geweien, wie er unter ge! bildeten Menschen wohl nidit leicht vorkoin in e Gras Wiilinbrand habe sich offenbar in der Per'oii geirrt und qeiireint, etwa keine» Bedienteu und i nicht einen Abgeordneten des Volkes, ein Mitglied der obersten Reichsvertretnng vor sich zu baden Er wolle ikber trotz des beleidigenden Auftretens des Handels- Ministers a»' die persönliche Leite der Aitgelegenheit nicht näher eingeben. Es -werde > i ct> im Abgeordneten banse ja die Gelegenheit ergeben, dem Herrn Grafen Wurmbrand in dieser Beziehung den Standv»»kt klar zu machen Gras Wuriiibiaud war höchlich entrüstet darüber, daß ihm bald Trainwapbedienstete, bald Postftallkutkcher vorgeführt werden. Er fragte, de» Abgeordneten Tr. Geßmann, mit welchem Rechte und in n olcher Eigeii'chatt er ihm solche Leute vorführe. Tr. Geßmann antwortete ibm darauf: „In meiner Eigenicha't als Abgeordneter, für den dies nicht nur ei» Recht, andern geradezu eine Pflicht ist." Grat Wnrmbrand fragte »uii iiiebr im heftigsten Tone, ob Tr. Geßmann der Abgeordnete der Tramwaykuticher und PeüstaUkut'cher kei. was dieser entschieden mit dem Hinweise beantwortete, er fei Cev Abgeordnete des ganzen Volkes, al'o auch der Trainwan und Pvststallkuticher. Gras Wnrmbrand herrschte dann die Deputation a». was ne hiev Apolle und warum sie nicht den Dienstweg betreten habe. Tara»' antwortete der Führer der Leute, sie keien gekommen, sich Erleichterung bezüglich res au> ihnen lastenden Druckes zu erbitten, woraus Graf Wurm b and 'ebr bar'ch erwiderte, er we.de die Lache niitersnchen und die Einzelnen sorrnke» lanen —.Das der Grund, waium Tr. Geßmann dem Handelsiniiiister demnächst einen kleine» Lcandal zu machen verspricht. Grat Wurmbrand dür'ie ebne Furcht nlid Graun Kenniniß von die'er Drohung "nehme» und sich be ennren. das alte Lied von der Undankbarkeit zu singe» Gilt er doch bislang ,,.ch als der Mann der christlich 'ocialen Wirthschastsresorm, den Lueger nicht in..de nurde mit dem Horazi'cheii >). >-t;>rics<iüj»iii >t -liilr-,- d«-cu> iiibiim' zu '-'u-» Run ''oll das Alles trotz Hausir , Raten, Ausverkaufsgesetz und Gewerbe .. b anders werke», bloß weil Grat Wurmbrand dem Abgeordnete» Geßmann .t. : ivr'tebni gab, er möchte ihm doch nicht beute eine Tevulatio» von * uir morae» ein: solche von Eanalräumern ins Zimmer führe» . lsr laßt mit sich bandeln.! F:n „Allgemeine'» Deutschen Tnrn- --r inc» rar stellte ein'Herr Wolsgang Schmidt den Antrag, die'er Verein 'rüe ans der .fTeui'che» Tnrnerfchast" austreten und sich dem „Turnerbund" der „llnver'äl'chten" an'chlirßen. In der Begrünkiing keines Antrages . wies er karauf hin. daß einige,( hundert Inden zuliebe „dent'ch-vollliche^' Turnei aus der ..Deutschen Turnerichatt" ausgeschlossen worden wären. Tann vergaß er ><>lz,ge Jahren über den Verlauf des letzten Breslauer Turnfestes, be' w-lchem Juden mit der Lieferung verschiedener Gegenstände betraut wurden und überdies -rhorribile dictu — ein Jude im Festge zude» Allen im Barte, darstellte. Schmidt'« Antrag wurde abgelehnt. Ta ließ er denn mit sich handeln und gab sich zufrieden, al« hierauf nach längerer Wechselrede folgende „Entschließung" angenommen wurde: „Die Hauptversammlung des.Allgemeine» Deutschen Turnvereines' z» Graz mißbilligt dar Vorgehen de« Ausschusses der .Deutschen Turnerschaft' und ihre« GeschäftSsührerS Dr. G ö tz gegen die aus der .Deutsche» Turnerschaft' ausgeschlossenen Vereine deS niederösterreichische,, TurngaueS Sie bedauert auf da« Lebhafteste die ärgeruißerregenden Vorfälle beim achte» deutschen Turusest in BreSlau und erwartet bei künftige» Veranstaltungen deren Hintanhaltung. Schließlich wünscht sie eine de» deutschen' Volksinteresse» entsprechendere Leitung." ES ist daS »ich! die erste Kniidgebung steierischer Teutscher, welche, wie der Bürgermeister von Müuche» sich miSdrückte, in ei» Raritäten-Eabinet gehört. Unsere „llnversälschten" wolle» durch a»S die Reichsdeutschen deutsche Gesinnung lehren, ernte» aber jenseits der schwarz-gelben Grenzpsäble fiir diese Anmaßung den wohlverdienten Loh». (Zur Bismarck-Feier der Lstmärker.) Tie antisemitische» Lttideiitenvereinignngen an mehreren österreichischen Hochschulen plane» belaiintlich aus Anlaß des , bevorstehende» achtzigsten Geburtstages de« Fürsten Bismarck eine denionstrative Feier, die vorwiegend in einer HuldigungSsahrt »ach Friedrichsruhe bestehen soll. Zn de» Münchener „Hochschul-Rachrichten" erfährt diele Ausdringlichkeit österreichischer Studenten die folgende Absertigung: Wir habe» bereit« Veranlassung genommen, anzudeuten, wie durä> das ui,verantwortliche Gebahren politischer und socialer Agitatoren und Vertreter inhumaner Gesinnung die zersetzenden Keime auch in die Studentenschaft getragen und die llnerfahrenheit der jungen Leute in gewissenloser Weise mißbraucht wird. Rur solche» Einflüsse» ist es zuzuschreibe», wen» sich die österreichische Studenten schafl nid>t scheut, öffentlich bekauuizugebe», daß dieselbe .ein Zusainiiieugehe» mit der geeinigten deutschen Studentenschaft anläßlilp der Feier de« achtzigste» Geburtstages des Fürste» Bismarck ablehne! „Mau will" — so proclainirt der durch seine Hetzereien hinlänglich bekaunte „Lese- und Redevereiu bei deutsche» Hochschüler in Wien" — „nicht mit der reichsdentsche» Stiidentenschast gemeinsam diese Feier veranslatten, da im Teun'che» Reiche, wie man glaubt, auch manche Elemente, die nicht dem reinen alldeutsche» Gedanken folgen, nur al« Angehörige einer Hochschule sich a» der Feier betheiligen. Die Hochschulen der Tstmark iveisen nur national.deutsche Studenten aus, und »n Geist der- Einigkeit, der Kampsesfreude und Begeisterung werden alle Interessen hintangestellt, u,n des deutschen Volkes größte» Lohn würdig zu feiern/ Man beabsichtigt eine gemeinsame Huldigungssahrt von Müuche» aus nach Friedrichs, ruhe,- die Ueberreichuug einer Adresse a» de» Fürsten und die Gründung einer Bisinarck-Ltiftuiig. Rach dem BegrüßungSaele in Friedrichsruhe werde» die österreichischen Telegirle» noch verschiedene reichSdeuische Uiiiversilülen befudten, um ihrerfeitä »och die deuliche Studenleuschast in dem heiligen Kampfe für das Erbe ihrer Väter zu bestärken. Tie Vorwacht im Cften wird am 1. April den Schwur enieueru. 'auszuharren in der Verlheidigung' deutschen Vollsihuins in der Ostmark." Tie Anmaßung einer solche» Sprache liegt aus der Hand, und die „reichsdentlche" Siudeiileuichast wird hoffentlich ihre Schlüsse . daran: zu ziehe» wissen. Vis jetzt war es uns uichl betanui, daß mail sich aus dem I scheu Hochschulen ,» patriotischen Fragen Vorschristen und Perhaltiiiigsmaß regeln von der ösierreichische» Liiiteiueuschasl diolireu ließ, im Gegeiuheile, es! läßl sich durch historische Thatjache» Nachweisen, wie Viele« die letztere von der i erftere» noä) lernen tau». Wenn aber die Herren Sludiosi aus Wien und! „uiuliegeiideii Bierdörfern" das Bedürsniß »ach äußerer Miisiou und agitatoril iche» Spritzfahrien auch in die deutschen „Marten" führt, so dürste» ske, aus genominen vielleicht bei einem tieiuen Theile von Gesiiiiuingsgeiioffen, eine ' kühle Aiifnabine und alle Veraulassutig finde», zu constatire», daß die reichs deiitiche Ltudenteiischa't in reichsdentlche» Angelegenheite» auch reichsdeutich denkt und den altehtwürdigen Einiger reich-deutscher Kraft nicht mit eigener.! Uneinigkeit ehrt. Das mögen sich die it n g e r n f e n e n M i i s > o » ä r e aus!.der S st m a r I doch noch beizeiten überlegen! — Tie Jnrechtweining des f Münchener Srganes scheint nicht ohne, Wirkung gedtieben zu tetn, denn der I Lese- und Redevetein deuischer Hochschüler „Germania" ,»> Wie» siehi sid, zu l einer önentlichen Eckläiuug veraulaßl, wonach derselbe „laui Attsschußbe'chlnsscs einer geplanlen Bismartt-Hiildigung sernzunehen geioiine» ist und die von einem Milgliede au verschiedene Blätter ohne Ermächiigung erfolgte Eiweudnug! als den thatt'ächlicheu 'Umständen nicht eittspred>end zuruckweisl". Armer Schönerer! Eine solche Erklärung mußtest d.t erleben! ,Tkr Parteitag der Tivoli-Männer, Vorige Woche fand >» Berlin der Parteitag der sich noch immer „conservativ" nennende» Tivoli-Männer fiatt. Als erster Redner trat Stchcker ans, welcher sagte: Die Eonservaliven , iiiüßle» beit chrisilichen und monarchischen Stint und eine gesunde Social rekorm pstegen. Heute sehe» wir particularistiiche Regungen, Vaterlandslosigkeit, Abfall Au der lliizusriedeitheit sei die liberale Gesetzgebung der Sechzigerjahre schuld; unter der Führung eines Lasker feien die Gesetze gemacht worden. Man tolle die Organisation der Arbeiter selbst in die Hand nehmen und nicht den Bebel, Liebknecht, Singer überlassen. Hieraus sprach Freiherr v. Mautrussel- Derselbe iveiideie sich gegen die Rational-Liberale», deren Thäiigkeit in de» Sechzigeru»d Siebzigerjahre» er abfällig beurtheille. Sein beioudereS Miß-