Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 149 (10.2.1895)
- Date
- 1895-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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!7r. 141t. _ baren Töchtern feiner Untergebenen nachstelle und sie durch unsittliche Anträge belästige. Seitens des Angefchuldigten mar eilt großer Zeugenapparat aufgeboten worden, mit die Wahrheit feiner Behauptungen 711 beweisen. Ter erste Theil der Anklage wurde bei verschlossenen Thüren, >.-1zweite Theil dagegen öffentlich verhairdelt. Ter Angeklagte gab 411, baj; er die Eingaben gemacht habe, nur sich an den. betreffenden Per > 'au.'», welche an seiner Entlafsung Schuld seien-, 7» rächen. Der v nsionirte Telegraphenfecretär Wagner bekundete, daß er auf Ber inlassnng des RegiernngSratheS zur -Rieden »ach yandsberg versetzt j uüd dann von demselben dazu gedrängt worden sei, sich pensioniren i :it lasse», obgleich er sich, abgesehen von einem Gehörleiden, »och .. beitSlräftig und dienstfähig fühlte. Während «eines Aufenthaltes in «ndsberg fei feine iramilie in Berlin geblieben Es ruar' das im ,,lnc ISST Gelegentlich feiner Besuche bei feiner Familie fei ihm , (lagt worden, daß sowohl seine ,Tran wie feine beide» erwachsenen; Todtter von einem älteren Herrn wiederholt ans der Straße belästigt .. nrden Anfällig sei er eines Tages auf. der Straße dem Herrn .7. .'heden begegnet, worauf feine beiden Töchter ihm wie ans einem «.«,„nde tilget!iisterl hätteil: „Papa das ist der Herr!" Uran Wagner '.«wie deren beide Töchter betnndelen übereinstimmend, baß Herr t»r .'i..d.'it ne im Borbeigehen in abstchtlicher Wei'e gestreift, sie dabei üHtr« angesehen und hinterher leise gepfiffen habe. Tie Zeugin Wagner rablle, sie habe eines Tages mit den Worten: „Alto bas ist Herr;,-r Rieden'?" vor ihm anSgefpuckl. Andere Zeugen bestätigten, daß Wagner'fchen Tamen sich unter Thränen über die unwürdige Beuidlnng befcliivert hätten, deren sie seitens des alten Herrn aus der ^iraße ausgefelz: feien. Ein aiifmattii M a r ch betnndete, daß seine Eie'ran ebenfalls von Herrn zur -.'heben auf der Straße belästigt ...een fei, dies habe sogar dazu beigetragen, daß er feine Wohnung . wechselt nabe. Als letzter Zeuge wurde Regiernngsralh zur -.'heben .«nonimen. Er erklärte, daß auch nicht eine ein;ige der Mengenangaben, Sie ihm vom Borsivende» vorgebalien wurden, auf WaHrbeil berulie. Er . di-'e Erklärung mit aller Bestimmtheitad. Er babe selbst er tl'.'ne Töchter, und ein derartiges Benehme», wie ibm vorgeworfen ■«■ verstoße gegen feine Grundsätze Tie Zeuginnen mußten ibm .: . Angaben Auge in Auge wiederholen, sie bestritten mit aller Ent ■Ir -enbeil. daß sie sich in feiner Perion irre» könnte», und mieten -. nf hi», daß der Zeuge;«r -.'heben früher einen anderen Bari kn habe. Ter Veiten gab dies -,n ■ Sänimiliche Zeugen wurden . .^--Tie sich fchnnrstralts gegenüber stehende» Widersprüche wa.rei, n klären. Ter Staatsanwalt ließ es auch dahingestellt bleiben. - Wahrheit auf Seilen der einen oder der anderen Partei fei, jedenfalls Hab. der Angellagte sehr übertrieben. Taß er sich Wahriiehlilnng berechtigter Interesse» befunden habe, niüffe wohl lannl werdeir. Er beantrage für beide Beleidigungen eine O'eiannm " von ti() Mark. Ter (fserichtShof fällte ein freisprechendes Unheil. 4 Betreff des ersten Iallcs fe.i der Wahrheitsbeweis als erbracht an ■ ■•eher., Aach der lieber,ciiflitng des l^erichtsbofes fei aber auch im ... len iralle der Wahrheitsbeweis gelungen Es liege leine Ber . tfiiing vor, an der Glandwnrdigleit der Zengeü -,n zwei'el» e. zur -.'heben ist l in Jude «ein tolcher bringt es in Preußen nicht, ■ >■’ Stellung eines Hochstehenden Beamten«, und die heuchlerische At ili'eiiillenpresfe ist daher, sicherlich -,n ihrem' Bedauern, nicht in der age, über das für die germanische Siitenreinlieit schädliche Semite» an wieder einmal Mkagen an-,»stimmen Auch ein Mannheimer ■.•.fall laßt sich nicht -,n Hetz-,wecken der Anlijemiten fruelisieiren r rs dortige Strafgericht verurtheilke den Pfarrer Banger nnler 'ltts'chtiiß mildernder. Umstände -,n drei Iahi'.-n Ziichlhans. iveil der ■ - an Schiilmädchen im Beichtstühle eine größere A»-,ahl von Sill hlhtsverbrechen verübt hat Antisemitische T>I»lII»itarvS. Zu Bendort i» Schleswig ■"'ah nch bei dem landesübliche» -Renjahrsaüschießen ein Held die ildi'che Synagoge znni Ziele ans. Mnrz vor 1^ Uhr ertönte ein «v.rhrfcheinlich von Tynamit her rührender donnerähnlicher Schall. Als -nie die Straße, in der die Synagoge liegt, betraten, bemertien fie,. >ß an allen vier ifronifenster» eine große Anzahl von Scheibeii zer 'itiininerl ivaren Auf die sofort erfolgte,Anzeige hin begab sich der Wir Bürgermeister nebst dem SiüMgagenvorstand an de» Trt der »chloien ThiU und stellte de» Thatbestand fest Tie Unterfnchnng ist ei»ge (Trillliont wieder in Paris.» T«e von der französifchen 'iaiiimer beichlosiene Amnestie für politisch Eomproinitlirte hat eö auch edouard Trumonl möglich gemacht, aus feinem Eril in Brüssel luiinzutehreu und die ,hi>»>- >«uie>I>'" wieder in Paris zusammen ■.»lüge». Truinonk wurde bei feiner Rückkehr aus Brüssel auf dem Rordbahnhofe von etwa .'100 Manifestanten, znmeist Mitgliedern des aiilisemitifchen SltidentenvereineS, mit Aeclamationen empfangen. Tie Blatt. feite f«. Denionstration erneuerte sich später auf .den Boulevards vor dem -.'orale der „Libiv parol«--. Tiefe Teinonstratiön an j-,-t'it jjcil. per ■ glichen mit der Monstreküudgebung, welche dem hen»lehre»d.-n Roche fort bereitet wurde, zeigt -,ur Genüge, wre gering der wirkliche Anhang des Gefchaftsantifemite» Trilmont in Paris iß.'» (.Ans judtlircillcr Zeit.» Richls lanndie W.erthlofigleir der anlifeinilrschen Schlagworte und Borwürfe gegen die- Inden mehr ent- ■ lräften als die .Geschichte. Wenn man den Antiseiniren glaubt, so sind in der Thal die Juden nufer Unglück, und mit ihnen haben Schwindel, Börsenwcsen, Meineid u, s. w. ihre» verhängnißvollen Ei»-,:ig in die europäifche Welt gemacht Wie wenig wahr das ist, sollen einige Remiirifeenzen aus der englischen (beschichte beweisen. In England war in den Jahre»!«»'.'<>- 1 Tl<») gewiß von jüdischem Eii.slliß teiue. Rede und dennoch, wie florirle damals I«er Böifenschwindel. lieber die Bank von England im.Jahre 1 schreibt Th. B. Maeanla» i„Tie Geschichte Englands feit dem 'Regieriliigsantrille I.ieobs ll" Tentfch von Professor ,zr. Bülan Leipzig 1 Bd. \. 2 Ili«> : „Tie Tireetoren eifanden es bald als unmöglich, genug Silbe'. >,u beschaffen, um jedem Ansprüche -,» begegnen, der ,.l»>>na li i.' an sie erhoben wurde. Sie verfielen dararls ans ei» neues Anstunfismilrl Sie verlanglen von den Arlionären eine Eiuzahlung von R« Pereeut * mtb' brachten so eine Summe zusainmen, die «'ie in den -Stand «evte. Jedem, der tich uni Zahlung meldete, auf das ihm Zntominende I-t Peroeut in gewalzlem c'elde -,n geben. Sie gaben ihm feine ch'ote -,»rück, nachdem sie eine Beinerlnng über erfolgte theilwer'e Zabliing darauf gemacht. Ei» vaar io be-,eiihnele Rote» sind noch i» den' Archive» der Bank als (^edentieichen -jenes jchrecklickie.is, Jahres er. Halle». Tie Papiere der Eorporalion führe» fori,;u eiresiitren, aber der Werth wechselte v.on T.eg -,«> Tag, ^a von Stunde -,» Suiude heftig : den» der Böllsgeist war in einem so erregbaren' Zustande, daß^ die abgeschinackleste -Rige, die e.il Börsenschivludier erfinden tonnte, hinreichte, den Preis in die Höhe oder heriinlor-;.r treiben. Z» einer Zeit war der TiSeonto mu «i Pereenl, -,ii einer airderen Zeit'-.4 Pereeut. Eine Zehn Pfund -.'rote, die /yriil) für mehr als neun Pfund iverth genoniinen wordeiEivar, war oft vor Abend weniger^, als acht Pfund wenh " Tie englische« christlichen Spcenlanten verstanden es anch im Jahre U>',i7, gniruige ■.'r'achrichien sinan-,:ell an der Börse aus;ubeulen"« X S. 41 in. „Endlich, am -.'rachminag des cklk Sep lemb.er, e-hielreir einige Prirai'veenlanlen in der Ecky durch' einen geheimen Eau.rl geivisie. -Ihrchrich^, daß der Berirag v.or Tagesanbruch ain Morgen des I I. untergeichnel 10010111 fer S>-' belitelteif ti: Sache für sich lind beeilten sich, eine» nutzbringenden «Gebrauch davon inachen: aber ihre Begierde, Banlaen.» -,1t erlangen, und die höhen Preise, die sie boten, eriveckien Berdachl, und in.1.1 geübte alr«ieiiiein. daß am »geltsten Tage irgend etwas Wichtiges auge;eig: werten ivilrde " -.'roch einen Aall unvei fälscht angeliächßiehen Beßbriganlenthniiis er;ähll Th. B Maeaulay «X S. -7'.t f ' ans den B.rhg»dlungeil des englischen Parlautentes von 1 *V*.17 : ..Während -s> ive„iei»en." heißt es. „eifrig mit dem große» Werte der Her-st.-ltüng d.'r I-!na»;en beschäftigt waren, fand eüj Bor fall .statt, der eine hure Zeu lang der tiingen rvreibeil der Pre'fe vrihängnißvoll r-n iv-rden drol-te, der sich.aber schließlich als das '.'.'riiiel erwies, diese ,>».««■«.>r rn bestätigen.- Unter deii vielen Z-.iuingen.- die feil dem Erloschen der- Eeuiur begründe! wordeü ivaren. besand sich eine, di. d:e .nliegeiide Post hieß Ter Herausgeber, Iolwnii Salishnr», uar das Wer.k;eng-einer Bande Börsenfch'windler in ,der Elin, deren Inleref«. cs -,i>iatlig war, die fniidirten Staaisschlildvapiere nieder;»fchreien. E> veröfsenilichie eines Tages einen 'falschen und boe-ila'len Artikel, de« o'fenbar^die Schah lammericheine 7» verdack>-«g.->l bezweckte. - Boil dem Eredil. der Schav lrinimersch ine hing in diefei» Aiigenl'tirke die volitit'che Größe ' und die iiiereaiitiliiche Wohlfih'.l tes Ruches ab. Ta- Hans der Gemetiien war in Jene: Ter Sv'.echer erließt feinen- Befehl gegen Salisbnrr>. Es wurde ohne Abstiniinniig beschlossen, daß eine Bill .-ingebracht werde» solle, »in das Beröl'fentlichen voll -.'h-nigkeilen ohne >X'oyehniignng;n verbi-len, -G Slunden. später wurde die Bill vorgelegt und . verlesen. Tock> die Mitglieder hauen jehl Zeit gehabt, .«ich al>-,«füllten Es gab kaum eines vo», ihnen, dessen Aufenthalt ans dem Vande während des vorhergehenden Sömiiters nicht durch die yoiiPrnter Jour aale angeuehmer gemacht worden wäre Wie inijget auch biete Jour »ale Jemandem erscheine» mögen, der die .Times' täglich auf seinem Irühstückstische hat, sie ivaren für jene o'erieratia» eine neue und; überreichliche C.itiUe des Genusses, Mein Tevonshirer öder Borkihirer ■, Gentleina» konntede» (s'edanken etirage», wieder, während sieben i Monate jedes Jahres, in Betreff aller' -.'hrchrichl von dem, was in i - der Welt vorgehe, von. t.'h-lligkeitsbriefen abhängig z» fein. Wen» die I Bill durchginge, würden die Bläuer, die jeyi zweimal die Woche auf i jedem yandfitze im Mönigreiche so ungeduldig erwartet wurden, nichts