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Freies Blatt · 1895-01-27 · 147 (27.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
147 (27.1.1895)
Date
1895-01-27
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 117. .«freies tunft der baulichen Entwicklung de« X. Bezirkes. Zum Schlüsse der*! äußerst aniinirten Bersaiumlung bat der Vorsitzende noch cinuial in warnicn Worten die Wähler, ja nicht müßig zu sein, nnd insbesondere appcllirte'er an deren Einigkeit. — Bei der Wahl des Bezirksvorüehcrs am 24. b. M wurde der liberale Hausbesitzer Johann Schi»dl einstimmig gewühlt. Die Bezirksausschüsse in Favoriten waren aus nahmSweise vollständig einig. lTiimmhcit oder auch Niedertracht.) Am 10. d. M. w»tde, wie eine der Polizei nahestehende Eorrcspondcn; meldet, die .Stödjiu Katharina Schwa b, 30 Jahre alt, zu Gerlachshanscn in Bayer» qeborcn und XIX., Schnlgasic 71, wohnhaft, über Aufforderung der Gemischtwaarenvcrschlcißcri» Julie 'Jitumann, II., Dcnisgasse I5>, arrctirt, weil sic dem Gatten der Reumann ein vier Monate altes Kind znm Kaufe angebolcn hatte. Auf dem Polizcieommissariate Bri giltcnau gab die Köchin an, sie hätte durch das Offert nur Reumann auf die Probe stellen wollen. Bei ihrer Wohnungögcberin in Währing >,abc sic nämlich ein Gerücht gehört, daS eine gewisse Katharina Thuma, ll., Wallcnstcinstraße 20, wohnhaft, über Neumann vcr- .reilc, dahingehend, 'Rcuinann suche Kinder znm „Schächten". Ob dieses Gerücht auf Wahrheit beruhe, hätte sie durch das Anbot sest- ..llcn wollen. Daß keine wirkliche Lieferung gemeint sei, erhelle schon . nräus, daß sie überhaupt kein Kind besitze. Der PolizeibezirtSarzt, r die Köchin untersuchte, fand sic hochgradig nervös und an Hnstcric .Send. Sonst fanden sich jedoch keine ausgesprochene» Smnptvmc -»er l^eiftesstörung. Daher wurde auch die Abgabe der Katharina ' Schwab an die psychiatrische Klinik als nicht nöthwcnbig befunden. . >r bisheriger Ticnstgebcr in Währing bezeichnet daö Mädchen als .hl normal, erklärt aber, ein competcntcS Ilrtheil über den Geistes.- »and der Magd nicht abgebe» zu können. Katharina Schwab wurde > frcieu Fuß gesetzt und die ivcitere Amtshandlung eingcleitet. Diebe wird hoffentlich feststcUcn, ob man cS hier bloß mit Dummheit . auch mit der dieselbe fruelisieircndc» Niedertracht zu thun hat. Ein illlrrksfüllicr Brirf.l Ein angesehener Gymnasialprofcflor .:ii »nS nachstehend^' Schreiben, das dieser Tage von dem Pater .-,es feiner ehemaligen Schüler a» ihn gcrick)tcl wurde, zur Ber- - gung. Der behcrzigenswerthc Brief, der in vielen Kreisen lebhaftes :ho erwecken dürfte, lautet mit Hinweglasinng von Rel» »sächlichem - iaendermaßen: . - Hochgeehrter Herr Professor! Wie schon so oft, so komme ich auch diesmal mit einer Bitte. Sic wissen, daß mein Franzl, der acht Jahre unter Ihrer Aufsicht ftudirtc, an der Wiener Universität ist. Zwei Jahre sind uni,. :>id meine Hoffnung, daß er die erste Staatsprüfung im Herbste nahe» wird, ist ins Wasser gefallen. Der Junge schreibt uiir, er wäre von der Prüfung znrückgctretcn, weil er sich nicht genug fest fühlte. Ich vermuthc, der Grunds liegt -wo anders- Wie ich nämlich erfuhr, ist Franzl, der immer PorzugSstudcnt war, einer deutsch. . nationalen Bcrbindung bcigctrctcn und vergeudete i» derselben nicht nur die tastbare Zeit, sondern auch mein sauer crworocncs Geld. .Die Briefe des Jungen wimmeln von lauter dummen Phrasen, als da sind: „'Nationale Kleinarbeit", „Schutz st>cs Bolksihums"? ...Zerschmetterung deS jüdischen GroßcapitaleS", „Beseitigung deö ..RenhebräismuS" u. dgl. mehr. Ich schrieb dem dummen Jungen, >aß ich die letzte» 150 fl., die ich ihm schickte, mir von meinem Freunde Isaak W. auSgeborgk habe, und daß dieser das Darlehen mir unverzinslich gewährte. Und was glauben Sic, hochgeehrter Herr Professor, was mir Franzl zurückschrieb'? Ich solle, schreibt er. i\m Juden daS Geld nicht zurückzahlen, denn das Geld der Inden gehöre ohnedies den Ariern! Was sagen Sic, hochgeehrter Herr Professor, zu' dieser Moral'? Ich bitte Sie instäiidigst, Franzl den Skandpunlt klar zu machen, er hält auf Sic große Stücke, und ich hoffe, daß cs Ihnen gelingen wird, den irregeleiteten Burschen zurecht zu bringen. Ter H. Nay, dem sein Baker kein Geld geschickt, ist -r- Rockdicb geworden und wurde zu sechs BLonalen vcrurtheilt. DaS sind die Segnungen der nationale» Erziehung, der bei n»S in Oesterreich ein paar gewissenlose politische Mauldrescher das Wort reden. Ter Teufel hole, diese Jugend Verführer. Ich bin ein echt deutscher Vandwirth, verstehe es aber cinfür allemal nicht, wie man heutzutage, um deutsch zu sein, - nur saufen und schlemmen und über die Juden schimpfen muß. Wir deutsche» Vaiibimitljc, die« sollten die Jugcndvcrführcr sich nicrtcn, werden über kur; oder lang mit ihnen abrechncn und eine . nationale Kleinarbeit besorge», bei welcher der Haslinger keine i Rrbcnrollc spielen dürfte. Indem ich hoffe..re. 1 ((yin cvaiMlischcr Pfarrer über den Antisemitismus.) Man; nitu-ibt uns aus Znaiin: Der hiesige, allgemein geachtete cvan-! Blatt. . - feile r». grlijche Pfarreb Herr Eavl :)i o 11 'nt zuni Pfarrer für die cvanqolische t^cnicindc in Baden nächst Wien ernanni worden, Ziir Eharak lerisirung dieses wahrhaft edlen. Priesters mögen einige Worte dienen, welche derselbe vor mehr als zehn Jahre» gesprochen. ..Ich begreife . nicht," sagte Herr Pfarrer Rolf, „wie ein Berkündrr der Vdjrc Ehriskr von der alle Mensche» umfasscndcn l^ottcsliebe der abscheuliche» Botschaft von Glauben«- nnd Raeenhaß das Wort reden tan». Ein Mann, der solches lhul, gleicht fürwahr demjenigen, der Wasser predigt, aber sielbst ausschließlich Wein trinkt. Mg» nennt den Anrj seiuitlSi'nuS eine .Krankheit der Zeii. Ich inö.hle ihii eine Br'odethorhcit nennen. DaS Kokettiren von mitunter ganz ungebildete» teilten mit social politischen llr.formen ist an und. für sich lächerlich, aber ungemein berückend. Das Kleonienthuin tritt in veiichicdenen Formen auf. Die neueste ist der Anlisemiiismus, de»-zu betäiuvsen in erster Vinic Pflicht, aller christlichen Priester sein müßte, Di- Eonse . gnenze» der antisemitischeu b'ehre sind vor Allem ein völliges Auf ’ geben des 'EhristenthuniS, das ja nach Dühring's Ansicht n-.chis denn ein verwässerter Hcbräiömüs fein soll. Die Enlkürgeschiäne aller europäischen Böller' wäre, vom atttycmitifcljcu Standpunkt ans belrachiel, . eine große .Komödie der Irrungen, die cliristliche Idee eine Faree, das Work der Erlösung ein eitel Ding nnd keine taube '.Kuß wertb. Ta« Wiedcrcinführen des Wodaneultus mag in der Fastnacht wohl ain Platzt sein. Ernste Männer, deneu cs »in die siisigcnde Kra'l der christlichen Idee zu thun ist, .werden auf Wodain'väß.- nicht ein gehen. Daß der Staat den destrnrtiven Bestrebung n des Ami semilismus im ureigenst,» Interesse st-.iicrn muß, liegt aut der Hand."; De» Badener» ist zu diesem Priester nur zu gratulieren sTic Auflösung dtS „Tfltirchifch-jüöifchctl R'üiioiiülvcrriiico". i Den Gegenstand einer qm 17. d.'Bl. vor dciii' llleichsgerichte zur Berhandlung gelangten Beschwerde, bildete eiii Erlaß der böhmischen Statthalterci vom I: Blärz v. I., bestätigt mit Entscheidung des Ministeriums des Innern, durch ivelche der ,. Tschechisch - jüdische Rationalvcrci»" in Prag und. dessen sämmtliche Voeallreiionc» aufgelöst wurden mit der Begründizng, daß durch die voir der Stakt- " Halterei seslgcstcllten DHalsache» die lleberichrcitung' des statutarische» Wirkungskreises des Bereincs erwiesen sei. Die von Seite.der llrc gicrung gegebene Darstellung de« Sachverhaltes führte im Wesentlichen aus: Der statutarische Zweck des uichipolilischcn Bereincs ..Xnr-Ini .j.->I»»t>r ö>-»k'--/.i->--r >Ienhabe darin bestanden, a>zf das einträchtige Zusänimcnwirten der Böhmen jüdischer Eonsession juit den - anderen Eounationalc» in nationaler, geistiger, gesellschaftlicher und volkSivirth schäftlicher Beziehung hinzuwirkcu '.'lach Wahrnchinung der Statt - Hallerei seien jedoch bei verschiedenen Bereinsversaniinlnngen, namentlich bei den eonsiiiuirenden Bcrsamullnngcu einiger Ortsgruppen, ins-' besondere jener von Pilsen, Reden politischen Eharäkters gehalten, worden, und habe der Bcrcin überdies in Ileberichreitung seines Wir tnngskrciscö diese tlleden, im eigenen Berlage gedruckt, als Broschüre hcrauSgcgcbcn. Der Berein fei ferner in einer r^uigabe an die Statt . haltcrci mit 'dem Begehren herangelrelen, daß den Stalnten dcr israelitijchen Eultusgeuieinde in Prag, falls dieselben die deutsche Sprache nls (NeschäftSiprache nvrmircn, die osi-iirchmigiing verweigert werde. Die Staklhaltcrei Hab. ivhin den Berein, wie oben erwähuk,! wegen Uebcrichreitnng des statntenmäßigen Wirkniigstreiies und wegen l dem rf 20 des Bereinsgejctzes widersprechender Autoritäisaiiinaßniig in öffentlichen Dingen aufgelöst lind ist Hiemil nach ihrer Ansicht den gisctzlichcu Bcstimmungc» eonsorm. vorgcgangen. Die Beschwerde, ein-', gebracht von dem früheren Änsichußinilgliedc M S r i tzUnd mehreren Genosse», machte'dagegen zur' Begriindung der Bitte irrst .eirz Er- - kennlniß, wonach durch die Auslösung des'Bereincs das durch Artikel 12; St.-l^ -G. gewährleistete Recht, Bcreine zu bilden, verletzt worden sei, geltend: .u) die ineriminirien lltcden seien ilichi inrs Bercine selbst, sondern in de» d'oealseciionen gehalten worden, ivelcheu den Behörden gegenüber die Stellung selbstständiger Bcreine, zukommc, auch haben die Reden keinen politischen, so»dc>-n eine» nationalen Eharakrer gehabt und seien überdies stets in (ilegcuwarl von landcsfürstliche» Eom- »lisiärcn und ohne deren Einsprache gehalten worden', ' können also weder den Berein', n5ch - dessen S cclioneu belasten: l* > die Berösfeul lichung der stredcn in einer Broschüre linier dem Titel: „Tschechisch - jüdischer bKationalvcrcin im '.sichre tschechischer Ocssentlichkcit" könne " keinen -RcchtfertigungSgrnnd für die Bcrcinsauslösung bilde», da der Beschluß auf Hcra.uögabe der Broschüre gleichfalls rhne Einsprache deS anwesenden landeSfürstlichen Eomniisiärs gefaßt wurde und. die. Bcrbrcitung derselben nach vorauSgegangcncr Borlage b^ider Polizei ohne polizeilichen Anstand staltgcfundc'n hat:.,-» die Eingabe an die Statthalterci endlich enthalte tut Wesen nur die Bitte, es nzögen die Judcn tschechischer Rationalilär in ihrem durch Arsikcl 1'J Si.-G. gewährleisteten Rechte gcichützl werden, involvirc daher keineswegs die'

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