Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 146 (20.1.1895)
- Date
- 1895-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441591--1757-4888188- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Frei«» Blatt. Nr. 146. Seite 9. dcS alten Judeickhums belobt. Adolf Strodtmann behauptet dagegen, daß nur der Anfang des Werkes ein Raub der Flammen ' geworden fein könne.") Er fügt hinzu: „Permuthlich besaß Heine - „och eine Abschrift der ersten beiden Capitel uud begann später! kic Fortsetzung hinzuzudichten; wenigstens ist in dem mir vorliegenden Manuscripte nur daS unvollendete dritte Eapitcl uud I>ie Bemerkung, daß ,der Schluß ohne Berschulde» des Autors rerlorcn gegangen' von Heine's eigener Hand geschrieben". Dieses Argument ist allerdings ein sehr triftiges. Vergleicht man die drei erhaltenen Capitel des Fragmentes miteinander, so mird man bald zu der Erkenntniß gelangen, daß daö dritte auf einen ganz anderen Ton gestimmt ist als die beiden ersten. Kein daß dasselbe erst 1840 entstanden. Am 17. Juli d. I. bietet Heine seinem Berlcger den vierten Säeil des „Salon" an. Er schreibt darüber:") „Der vierte Thcil l'sileht 1. auS einem ungcdruckten Sittengemälde, wovon ich nur noch ein Fragment besaß (der Rest verbrannte bei meiner Mutter ui,o welches ich hier ergänzen wollte. Ich ergänze cö jetzt nothdurstigst» es wird etwa sieben bis acht Bogen betragen, uizd ich schuke Ihnen das Manuskript in zwei Sendungen mit der Briefpeil." Drei Tage später schreibt er an denselben:-"•’) „Ich habe Mtjio mittelalterliche Sittengemälde vor etwa fünfzehn Jahren ge- . ichriebe», und waS ich hier gebe, ist nur die Exposition dcS- Buches, jy.-> bei meiner Mutter verbrannt ist — vielleicht;» meinem Beste». r."i» im Berfolge traten die ketzerischesten Ansichten hervor, die sowohl -bei Juden wie Christen viel Zetergeschrei hervorgerufen balle»." Und abermals drei Tage später:") „Ich hoffe, daß Ihnen iV.- Rabbi gefällt, und ich glaube, daß daS Thema zeitliche Interessen und Sympathien berühren wird; wenigstens wird das Buch als ei» beachtenöwerthes Originalwcrk unter meine» anderen Bücher» eine honette Stellung einnehmen." Das ist Alles, waS wir von Heine über seinen „Rabbi" höre», und wir sind nunmehr wohl zu diesen Schlußfolgerungen berechtigt: Der „Rabbi von Bacharach" war Heine's erstes Prosa Werk. Cs war so gut wie v«llendet, als das Manuscript 1833 in 'Hamburg verbrannte. DaS dritte Capitel ist 1840 entstanden, und Hemc mochte wohl damals den Versuch unternommen habe», das Werk zu vollenden; cS war dies aber ein Unternehmen, daö in ^en veränderten Lebensverhältnissen und bei seiner damaligen Lage wohl kaum gelingen konnte. «Fortsetzung folg,.) Pas Heine-Denkmal. «Alle,Hand Vorschläge zur Güte.) Bon Karl Klind. Deutschlands Ehre ist gerettet. Wie Düsseldorf, so hat sich :>ch das liebe Main; entschieden gegen die Ausstellung cineö Heinc- HenkinalS i» seinen geheiligten Mauern verwahrt. Welchen Eindruck dieser Beschluß in England gemacht hat, wo es »euerdingö so viele Berehrer des Dichters gibt, obwohl er doch die Engländer sehr scharf satirisirte: das zu beschreiben, sei besser unterlasse». Indessen ist unläizgst, gerade von Mainz auS, ein „Cominomiß" vorgeschlagen worden, „geeignet, Gegner wie Freunde s-'S Denkmals zufriedenzusteüeit". Der schöne Borschlag erschien i„ einem Berliner Blatte und lautete so: „Das Denkmal würde für manchen Boreingenommenc» ein - Acrgerniß sesti; so etwas soll man fn einer so gemüthlichcn, ''röhlichen, zu gemeinnützigem Thun so einigen Bevölkerung vermeiden. Wie leicht wäre das, wenn man dem Denkmal da seine» ö!atz gäbe, von wo aus die goldene Harfe der Lorelei klingt! Wie »nt seinem volkethii^ilichen Liede der Dichter sich eingegrabe» -st Bd. IV, S. VIII der ersten GesammtanSgabe (Hamburg 1861). •*) IX. 158. ■“) lb. 159. . ’*"» '!>>. 160. Bei dieser Gelegenheil sei bemerkt, daß die Erzählung in der ■-.fttu LriginolauSgabe den Xitel: „Ter Rabbi von Bacherach" trägt. I» deu späteren Ausgaben heißt er immer: Bacharach. hat in das deutsche, sangcSfrohe Gemülh, so soll auch s ei n Denkmal e i n g ein e i ßc l l sein in den L u r I e i - F c l s c n, jedem Borüberpilgerndcn sichtbar und zum Beweise, daß das deutsche Bvlk die Männer des ErzcS würdig findet, welche die deutsche Leier zu rühre» gewußt. Wenn dann der Mond über dem Felsen steht und der silberblinkende Strom heraufrauscht zum Denkmal, um dem Dichter für seine Berherrlichung zu huldige», die jedes dcutsche Herz erquickt, so blickt wohl auch die jetzt unsichtbare Fee einmal herab »ach dem, der sie unsterblich gesungen., und ein Seufzer verhallt durch Gestein und Schilf vom ewigen Set,neu des Mcnschenhcrzcus. . ." Wie hübsch daö gesagt war, um zu verhindern, daß es etwa in den Wein- und Bierwirlhichaften dcS lustigen Mainz zu uu . lirbsame» Streitigkeiten init Antisemiten käme, falls das Standbild des großen deutschen Dichters in allzu sichtbare Rähe geruckt wäre! Die Gciiiüthlichkcit nicht zu stören, ist daö erste und höchste Gebot. ( Bor einige» Monaten halte» wir freilich, solchen Borschlag zur Güte nicht ahnend, mit einer gewissen Bitterkeit in einem anderen Wiener Blatte geschrieben: - - „Im AuSlande wächst das Erstanuen beständig über die mittel atlerliche Bigotterie und die zaghafte Kleiugcisterci, die mii allerhand klobig vernagelten Bornrlheile» oder schüchtern hi» und her gewendeten Scheingründen einem linsercr größte» 'Neueren Dichter das Denkmal an dem Strome versage» will, in dessen Rahe er geboren war und auf dessen Welle» Hnnderttansende eines inner ergreifenden 'Lieder gesungen haben und noch lange singe» werden. Soll denn der Rhein durchaus zur sinstelsten Pfassengasse im neuen Dcutsche» Reiche werden? lDdcr wollten die Herreil »trillter vielleicht die Schwierigkeit, in die sie sich künstlich hineingeredet'- haben, dadurch beieiligen, daß sic dem Fräulein Lore-Ley lso schrieb Heine selbst ihren. Rainen) ein Denkmal errichten, das eingefügte Rnndbijd des Dichters aber, der diese Zaubergcstalt recht eigentlich geschaffen, hinanswcrfcn? O, daß kein anderer Heine lebt, der die Pinseihaftigkeit nach Gebühr geißelte!" Run, siehe da! Der Gedanke, de» wir damals satirisch hin warfen, hat Frucht getragen.' Richl Biele wissen cs wohl, daß- Heine allein es gewesen, der aus den Lurlci-Fclsen, mit andere» Worten: auf das wiederhallende Schiefergestcin — denn daö ist ja die Bedeutung dös Rameno — die schönste Jungfrau' erst hinaufgezaubert hat. Eine „Lei", dessen erinnern wir uns sehr., wohl, ist in der stets prächtig kur; sich fassenden fränkischen* Mundart einfach eine Schiefertafel. Ric anders wurde sic in »nserer Kinder-Schulzeit in der badischen Pfalz genannt. Die dichterische Krönung jenes jetzt weltberühmten Lei- oder Schieferfelsens hat aber niemand anders, als Heine, vollbracht. Ja, ihm verdanken wir die magische'Fee, die dort oben sitzet wunderbar, angclhan mit blitzendem, goldenem Geschmeide. Cr hat ihre Gestalt zujammcngewoben ans da und dort allerhand umgehenden Rixenlind Freia-Sagen. 'Wahrlich, er hat sic er-, schaffe».-Er hat ihr den goldene» Halsschmuck verliehe», den einst die deutsche Liebesgöttin trug; und der in der Eddaihr unter dem 'Rainen „Brisinga men" zngeschrieben wird. " Brisiiigonim mouile, das Breisgauer Halsband, wird es in der lateinischen Erläuterung genannt. Eine» Bezug niif_ den Breisgau, wo ehedem die Bcrehrung der -Freia eine Hauptstälte hatte, auf den einst so stark goldfijhrenden i?ber-Rheni, will Simrock in dieser nordischen Bezeichnung des Schmuckes der Göttin erblicke».. Und das ist keineswegs »nwnhrfchcinlich, denn im cddischen /Liede von Bölnndr", oder Wieland dem Schmiede, klagt dieser kunstreiche Maini, der nach der isländischen Sage am Rheine gebürtig war, daß er da oben im hohen Rot den kein Gold habe, wie früher im- Baterlande, denn — . Fern ist die-! Land den Fel'en de! Rtiein! Mehx der ,'tlcrnodc inochie» wir haben, Ta wir heil dabeiiii in der Heimat laßen. Auch in das angelsächsische Heldengedicht „Beowulf", das, mit Simrock zu reden, zu den Homerischen Liedern der 'Deutschen zählt, spielt der „Breisacher Schatz, Schmuck Und Geschmeide", herein. Die Sage von Wieland dem Schmied aber ist auch in England zu Hause; unsere Altvordercn haben sie dahin gebracht. Eine Waylands-Höhle zeigt man noch heute in Süd England. Heinrich Heine hat das Alles wohl-nicht so geiiau gewußt. Allein zum Rixengeist zog es ihn mächtig hi», und die Anbetung der Göltin der Schönheit wurde ihm nicht schwer. So legte er denn daö berühmte Halsband um den Racken der zauberhaften